Autor Thema: Kapitalismuskritik ...  (Gelesen 2977 mal)

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Kapitalismuskritik ...
« am: 02 Mai, 2005, 19:47 »
Die SPD hat ausländische Finanzinvestoren zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. Dabei vergessen Müntefering und Co., dass auch Bund und Länder in der Vergangenheit häufig mit den angeblichen Jobkillern Geschäfte machten.

Hamburg - Die Löcher in der Rentenkasse belasten die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) schon seit Jahren. Entsprechend hoch ist dort die Bereitschaft, Tafelsilber zu verscherbeln. 2004 bot sich dazu einmal mehr eine Gelegenheit. Die BfA, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts unter staatlicher Aufsicht steht, trennte sich von ihrer Immobilienbeteiligung Gagfah. Mit 110.000 Objekten gehört das Unternehmen zu den größten Wohnraumanbietern in Deutschland.

Die 2,1 Milliarden Euro für den Immobilienkoloss zahlte der US-Beteiligungsfonds Fortress. Zwar unterschrieben die Amerikaner umfangreiche Zugeständnisse beim Mieter- und Kündigungsschutz. Ob dieser Deal heute ebenso geräuschlos abgelaufen wäre, darf dennoch bezweifelt werden. Fortress zählt zur Unternehmensspezies der Private-Equity-Fonds. Diese sammeln Geld bei vermögenden Privatinvestoren oder Rentenkassen ein, investieren in unterbewertete Unternehmen und sanieren die Firmen anschließend, um sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen.

Apax übernimmt Bundesdruckerei

Eben jene Firmenjäger verglich SPD-Chef Franz Müntefering jüngst mit "Heuschrecken", die Firmen "abgrasen" und dann weiterziehen. Tatsächlich zählt die Bundesrepublik zu den bevorzugten Revieren der Investmentspezialisten, zumal es hierzulande viele unterbewertete Unternehmen gibt. In einem Positionspapier nannte Müntefering später einige Namen. Die Liste liest sich wie das Who's who der Private-Equity-Branche. Dort finden sich unter anderem BC Partners, Carlyle, Advent, Permira, Blackstone und Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR).

Auch den Name Apax nennt Müntefering. Dabei war das US-Unternehmen vor fünf Jahren ein willkommener Geschäftspartner für die Bundesregierung. Für eine Milliarde Euro verkaufte Finanzminister Hans Eichel im November 2000 die Bundesdruckerei an die Briten. Das Geschäft mit Pässen, Personalausweisen und Führerscheinen schien lukrativ, geriet aber zum Debakel. Schon 2001 hatten Managementfehler dazu geführt, dass Verluste von fast einer halben Milliarde Euro anfielen - bei einem Umsatz von 608 Millionen Euro. Apax trennte sich entsprechend schnell von der Beteiligung. Im Sommer 2002 landete die Bundesdruckerei für einen symbolischen Euro bei einer Auffanggesellschaft.

Apax ist fast schon Stammkunde bei der Bundesregierung. Im Oktober 1998 übernahmen die Aufkäufer gemeinsam mit der Lufthansa und Allianz Capital Partners für 1,2 Milliarden Mark den Tankstellenbetreiber Tank & Rast. Müntefering war damals Verkehrsminister. Für 1,1 Milliarden Euro reichte das Konsortium den Betrieb jüngst an den britischen Investmentfonds Terra Firma weiter.

Berlin verkauft Wohnungen und ein Pflegeheim

Nicht nur der Bund füllte in der Vergangenheit durch Privatisierungsgeschäfte mit den "Heuschrecken" die leeren Haushaltskassen. Auch das chronisch klamme Bundesland Berlin handelt häufig mit den Beteiligungsfonds. So griffen die US-Investoren Cerberus und Lone Star jüngst in der Hauptstadt zu.

Lone Star erwarb erst ein DRK-Pflegeheim, anschließend 5500 Plattenbauwohnungen in Hellersdorf und könnte sich schließlich auch vorstellen, bei der Bankgesellschaft Berlin einzusteigen - wenn die Konditionen stimmen. Konkurrent Cerberus übernahm im vergangenen Jahr gemeinsam mit Goldman Sachs und Whitehall die größte Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW inklusive 1,7 Milliarden Euro Schulden, die bis dahin aus der Senatskasse bedient wurden. Der Bestand von 67.000 Wohnungen soll jetzt sukzessive weiterveräußert werden - vorzugsweise an die Mieter.

Allianz zwischen Staatskonzern und Firmenjäger

Indirekt scheute die Bundesregierung in der Vergangenheit auch vor Allianzen mit den Firmenjägern nicht zurück. Zum Beispiel im Falle der Deutsche Städte-Medien. Ende 2003 wollte die Stadt Frankfurt den Außenwerber veräußern. Zu den Bietern gehörte auch die Deutsche Bahn. Der staatliche Schienenkonzern hatte sich wiederum mit Apax verbündet, um die Konkurrenz auszustechen. Ohne Erfolg, am Ende obsiegte die Ströer AG.

Für die Private-Equity-Unternehmen bieten sich in absehbarer Zeit weitere Kaufgelegenheiten. Derzeit plant die Bundesregierung beispielsweise die Privatisierung der Deutschen Flugsicherung. Bis 2006 sollen rund 75 Prozent verkauft werden. Nach Presseberichten haben Finanzinvestoren bereits Interesse an den Luftaufsehern bekundet.

Sollte ein Bieter aus der Private-Equity-Branche zum Zuge kommen, müsste er jedenfalls nicht im großen Stil Stellen streichen. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die Bundesregierung bereits unternommen, um die Flugsicherung für Investoren aufzuhübschen. Ende April wurde bekannt, dass in den kommenden Jahren zwischen 500 und 1000 Jobs abgebaut werden sollen.

Quelle : www.spiegel.de

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Ohnmacht als politische Handlungsform
« Antwort #1 am: 30 Mai, 2005, 18:54 »
Die Grenzen paradoxer Politik

"Politische Macht bleibt nicht zuletzt deshalb attraktiv, weil sie in der Lage ist, mit Risiken umzugehen. Sie verwandelt, gleichsam instinktiv, Zukunftsunsicherheit in Konsens- und Durchsetzungsprobleme." (Niklas Luhmann kurz vor seinem Tode im Jahre 1998). Kanzler Gerhard Schröder hat diese magische Macht genossen, doch von der Attraktivität dieser Machtform ist wohl nicht mehr viel übrig geblieben.

Das Ende der Medienmagie

Dabei geht es Niklas Luhmann ausdrücklich nicht um reale Handlungsmacht, sondern eher um den politischen Schein, mit Risiken und Problemen jedweder Art umgehen zu können. Und das konnte der Kanzler so gut wie jeder Politiker, der bis zur einsamen Machtspitze vordringen durfte. Ein Medienkanzler kann üblicherweise in den Medien Probleme lösen, die jenseits der Medien oftmals nicht einmal vernünftig beschrieben werden können. Die unheilige "Transsubstantion" von Zukunftsangst in demokratische Hoffnung ist die gewöhnlichste Magie, zu der Politik in der Lage sein muss, wenn man sie wenigstens ein bisschen ernst nehmen soll. Luhmann formulierte das für die politischen Erfolge, deren wir in einigen Jahrzehnten teilhaftig wurden, therapeutischer:

Es gibt hinreichend Beweise erfolgreicher Aktivität; und wie bei einer Medizin, die nicht hilft, kann man immer noch sagen: es wäre ohne sie viel schlimmer geworden.

Es muss sehr schlimm sein, wenn der Kanzler und die Gefährten selbst auf diese immergrüne Heilsbotschaft verzichten müssen. Politik war zuvor die Kunst, alles erklären zu können und darin eine permanente Legitimation des eigenen segensreichen Schaffens zu finden.

Wer also diese Magie nicht mehr gelten lassen will, hat eine Grenze überschritten. Es ist eine Offenbarungserklärung, wenn sich das politische System selbst nicht einmal mehr zur Autosuggestion in der Lage fühlt, es richten zu können. Denn kann man Politik an etwas anderem messen? Dass die Verhältnisse besser werden, mag mitunter auf Politik zurückzuführen sein. Doch in welchem Maß, nach welchen Gesetzlichkeiten und auf wie abenteuerlichen Wegen, die besser erst gar nicht in das Blickfeld des Wählers kommen sollten, wenn der an seinem demokratischen Selbstverständnis nicht irre werden will? Soll jetzt nicht mehr gelten, dass Politik das Gute verspricht und wenn es tatsächlich eintritt, das als Einlösung des programmatischen Versprechens feiern darf – ungeachtet Gottes unerforschlicher Wege, vulgo: der Unübersichtlichkeit der Verhältnisse. Leider ist des Kanzlers Reaktion auf die zu Tage getretene Machtlosigkeit der Politik, den Notdienst für andere gesellschaftliche Kräfte zu spielen, nicht so vollkommen, dass die Nacktheit auch für jeden glänzt, wo zuvor angeblich Kleider gewesen sind.

Man redet von Blockadepolitik und mag freilich auch als Taktik deuten, was sich zunächst als sozialdemokratische Staats- und Politikverdrossenheit verstehen ließ. Denn wenn sich ohnehin nichts ändert, ist es allemal besser, die fällige Abrechnung mit den erfolglosen Arbeitslosigkeitsbezwingern dadurch vielleicht doch noch zu verhindern und den nächsten politischen Heilsbringern mit den nämlichen Rezepten das Handeln aufzuzwingen. Eine zusammengestoppelte CDU-FDP-Riege mit Merkel, Stoiber, Gerhardt und Westerwelle lässt sich in den nächsten Wochen, und um die geht es nur, nicht als politisches Supertrooper-Aufgebot verkaufen. Besser also den schwarzgelben Feind jetzt herausfordern, wenn die Wahlkampfmaschinen erst gar nicht so heiß laufen können, wie es im Herbst 2006 möglich sein könnte? Und ist es keine gute Taktik, die Kritik am Regierungsbündnis, die aus dem vormals eigenen Lager mindestens so heftig sich erregte wie aus dem der Opposition selbst, verstummen zu lassen und auf den Schulterschluss der Linken aller Rotabstufungen zu hoffen?

Der Paukenschlag des Kanzlers nach der verlorenen NRW-Wahl, Neu-Wahlen im Bund zu fordern, wurde indes durch einen anderen Paukenschlag akzentuiert. Oskar Lafontaine trat aus der SPD aus. Auch dieser Vorgang ist einmalig in der politischen Geschichte der Bundesrepublik. Ein ehemaliger Vorsitzender verlässt "seine" Partei. Seitdem Oskar sich seiner politischen Ämter entledigt hat, meditierte er wohl unentwegt darüber, warum keiner nach ihm ruft. Vermutlich definiert er seine politischen Schachzüge, die bislang vornehmlich aus kassandrischer Rhetorik bestehen, im Vergleich mit denen seines früheren Ko-Regenten Schröder. Doch hat Oskar nicht Recht? Müssen erst die Verhältnisse so katastrophal werden, dass es ohne Oskar nicht mehr geht?

Doch der Wähler kann nur staunen. Wenn es zuvor als Superfinanzminister der Schröder-Regierung nicht reichte, wieso soll nun in Absprache mit der WASG mehr daraus werden? So richtig wohl ist der PDS nicht dabei zumute. Frau Petra Pau menetekelt: "Kommt die PDS nicht in Fraktionsstärke in den Bundestag, dann gibt es in Deutschland einen neoliberalen, parlamentarischen Durchmarsch und dann sinken auch die Chancen für linke Bündnisse, für eine bessere Politik." Lafontaine sieht es wohl anders: "Ich tue mich mit allen zusammen, die gegen die Heuschrecken kämpfen, die den deutschen Sozialstaat vertilgen." Immerhin sollen nach einer Umfrage 18 % der Wähler sich eine Linkspartei mit einem starken Lafontaine vorstellen können. Trittin sieht dagegen die Spaltung des Linksbündnisses: "Für die Union ist Oskar ein nützlicher Idiot."

Der Kurs des Narrenschiffs

Doch wenn ohnehin keiner weiß, wie das Riesenthermostat "Bundesrepublik" in Zeiten der Globalisierung zu bedienen ist, und alle hoffen, dass dieser oder jener Schalter vielleicht die gewünschten Effekte auslöst, so lange kann man im Prinzip jeden schalten lassen. Denn längst ist klar: Alle reden von Reformen, während der Glaube an ihre Wirkungsmächtigkeit wohl längst an Hypokrisie grenzt. Und sind die Handlungsoptionen nicht ohnehin läppisch, wenn doch jeder weiß, dass Mehrheitsfähigkeit heißt, keinem auf die Füße zu treten und daher auch jede Bewegung wieder eine Gegenbewegung auslöst? Sollte das Modell rationaler Politik gescheitert sein? Ist der politische Apparat nur noch ein Restposten gesellschaftlicher Dynamik, der zwar viel Getöse verursacht, aber hinter den wirklichen Handlungsagenten verschwindet?

Hier wie dort ist jedenfalls die Chuzpe zu bewundern, Politik noch so zu präsentieren, als handele es sich um die Steuerungskunst des klugen Staatsmannes respektive demnächst wohl eher der klugen Steuerfrau. Doch die Verwirrung über das richtige politische Konzept ist zu augenscheinlich, als dass diese Diskussion den Eindruck noch länger erwecken könnte, es gäbe überhaupt eins. Steuern rauf, Steuern runter, befindet das Handelsblatt frustriert. Die Mehrwertsteuererhöhung etwa ist bei den Koalitionären in spe hoch umstritten. Auch hinsichtlich anderer Steuern gibt es keine klaren Ansagen. Bei der schwindenden Koalition sieht es nicht besser aus. Dort streitet man sich in geradezu burlesker Weise über Unternehmenssteuern.

Denn letztlich braucht der Staat Geld, aber andererseits will man Konjunktur, Konsumanreize und unternehmerisches Engagement. Der Vorteil von George Orwells paradoxem Newspeak bestand noch darin, bestimmte Gedanken nur auf der Sprachebene auszuschalten. Doch heute und hier gelten paradoxe Handlungssignale: Konsumiert und spart zugleich. Eure Zukunft ist unsicher, aber bekennt euch zum konsumistischen Ethos, ohne das der Kapitalismus nicht existieren kann. Wer solche Botschaften sendet und dann noch auf den fundamentalen Mentalitätsumschwung in der verunsicherten Gesellschaft hofft, glaubt demnächst wohl noch an Parteiprogramme.

Reform ohne Reform

Frau Merkel hat für die Quadratur des Zirkels auch schon ein passendes Rezept: "Wir werden den Menschen sagen, dass wir uns vor allem auf diejenigen Dinge konzentrieren werden, die kein Geld kosten - also das Arbeitsrecht entrümpeln, Bürokratie abbauen." Allerdings sind Entrümpelungsarbeiten bekanntlich auch teuer. Hier droht die sattsam bekannte Paradoxie, dass die Verschlankung auf einer Ebene mit einer Aufblähung auf einer anderen Regelungsebene bezahlt wird. Parkinsons Gesetz in Verbindung mit der hiesigen Regelungswut wurde bisher jedenfalls in diesem Land nicht widerlegt.

Bei der eigentlichen Agenda, der Sozialstaatsreform, wird indes gerade im Blick auf die Wahlschlacht das Elend politischer Paradoxien vollends deutlich. SPD-Chef Müntefering überlegt zwar, an der Hartz-IV-Reform "das Eine oder Andere" zu verändern. Doch "Korrekturen werden das nicht sein." Quod erat demonstrandum. Während die SPD also ihr Konzept ändert, ohne es zu ändern, verkündet der grüne Bündnispartner im Blick auf das schon merklich abgekühlte Verhältnis zum Großen Bruder großmundig: "Es geht um eine Richtungswahl. Die Alternativen heißen sozial-ökologische Marktwirtschaft oder Marktradikalismus pur." Hier herrscht also himmlische Klarheit ohne jede Luftverschmutzung der immer noch reinen Vernunft.

Doch wem will der grüne Chef Reinhard Bütikofer so wunderbare Wahlperspektiven, die uns nicht länger zögern lassen würden, eigentlich ernstlich verkaufen? Denn wenn es doch überhaupt ein Dilemma gibt, dann ist es gerade die Unentrinnbarkeit aller Beteiligten aus einem Verursachungszusammenhang, der sich geschichtsironisch über alte Links-Rechts-Codierungen hinwegsetzt. Wir sitzen alle in einem Boot, allerdings mit feinen Unterschieden: Einige werden gerudert, die meisten rudern und zu viele sind schon über Bord gegangen. Doch dieser historisch altbekannte Befund wird sich nicht in einer "Richtungswahl" auflösen, die Parteimenschen - nicht nur grüner Couleur - predigen. Denn die bösen Kapitalisten brauchen wiederum gute Konsumenten und umgekehrt. Das spricht eher dafür, dass es gar keine Richtung gibt, sondern nur Kurskorrekturen, die wiederum korrigiert werden, um dann erneut korrigiert werden zu können. Früher hätte man das ein Narrenschiff genannt, heute ist das bundesrepublikanischer Politik-Alltag.

Immerhin für die meisten Bürger gibt es einen Trost: Sie dürfen wählen, wo es nicht viel zu wählen gibt, ohne noch länger das Gefühl haben zu müssen, ihre Entscheidung sei (letzt)begründbar. Wer das trotzdem glaubt, um sein demokratisches Selbstverständnis nicht zu gefährden, dem bleibt schließlich noch der Trost, dass die neue Bürgernähe darin besteht, den Unterschied zwischen politischen Auguren und ahnungslosem Wahlvolk zu kassieren. Denn wenn sich selbst den "Wissenden" keine der vielen beschworenen Reformen aufdrängt, könnte es doch sein, dass es gar keine gibt.

Quelle : http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20193/1.html

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ERFOLGREICHSTE INDUSTRIENATIONEN : Deutschland ganz unten
« Antwort #2 am: 20 April, 2006, 16:47 »
Viele reden vom Aufschwung, doch das Fazit der neuen Standortstudie der Bertelsmann-Stiftung ist ernüchternd: Im Vergleich der führenden Industrienationen ist Deutschland beim Wachstum Schlusslicht.

Gütersloh - Der Standort-Check der Stiftung zeichnet ein weiterhin trübes Bild. Im Erfolgsindex, der die Entwicklung der 21 wichtigsten Industrienationen in den Bereichen Wirtschaftswachstum und Beschäftigung misst, nimmt die Bundesrepublik weiterhin den letzten Platz ein. Irland, USA und Norwegen erhalten dagegen die besten Noten.

Gründe sind vor allem der geringe Zuwachs der Beschäftigung in Deutschland, der mit 0,7 Prozent deutlich geringer ausfällt als im Durchschnitt der restlichen Länder (1,1 Prozent). Auch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland liegt mit rund 30.000 Euro deutlich unter dem Durchschnitt: In 15 der 21 betrachteten Staaten liegt das Pro-Kopf-Einkommen um bis zu 50 Prozent über dem deutschen Wert.

Anlass zur Hoffnung bietet hingegen die Platzierung im Aktivitätsindex, der als Frühindikator für den Erfolg wirtschaftspolitischen Handelns dient. Hier konnte Deutschland seinen Punktwert im Vergleich zum vergangenen Herbst leicht verbessern. Begünstigt wurde diese positive Entwicklung durch eine erhöhte Arbeitsmarktbeteiligung, eine verhältnismäßig geringe Arbeitslosenquote der Jugendlichen sowie die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre.

Arbeitslosenquote mehr als doppelt so hoch

Doch bei den übrigen Kriterien schneidet Deutschland weiterhin schlecht ab. Insbesondere die Integration älterer Menschen in den Arbeitsmarkt erweist sich in Deutschland als gravierendes Problem.

Während die Arbeitslosenquote der 55- bis 64-Jährigen in den Vergleichsländern durchschnittlich bei 4,4 Prozent liegt, sind in Deutschland mit 11,3 Prozent etwa zweieinhalb Mal so viel Ältere von Arbeitslosigkeit betroffen.

Gleichzeitig ist die Erwerbsbeteiligung der älteren Menschen in Deutschland mit 44,2 Prozent extrem gering. "Insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und dem drohenden Fachkräftemangel kann es sich die Bundesrepublik nicht länger erlauben, das Leistungspotential und den Erfahrungsschatz der älteren Arbeitnehmer in derart großem Umfang brach liegen zu lassen", forderte Vorstandsmitglied Johannes Meier bei der Vorstellung der Studie.

Baustelle Gesundheitssystem

Kritisch stelle sich weiterhin die Finanzsituation der öffentlichen Hand dar. Um die Verschuldungsproblematik in den Griff zu bekommen, seien - neben der geplanten Stärkung der staatlichen Einnahmen - weitere Kürzungen der Konsumausgaben und Subventionen erforderlich. Zudem müssten die Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen weiter entflochten werden, da von der Mischfinanzierung erhebliche finanzielle Fehlanreize in Richtung höherer Verschuldung ausgingen, sagte Meier.

Dringenden Reformbedarf sehen die Experten der Bertelsmann Stiftung darüber hinaus im Gesundheitssystem. Vordringlich sei die Abkopplung der Krankheitskosten von den Arbeitskosten sowie die Einführung von Wettbewerb bei den Leistungsanbietern. Gleichzeitig sollte es den Versicherungen ermöglicht werden, nicht nur über den Preis, sondern stärker als bislang auch über das Leistungsangebot um die Versicherten zu konkurrieren.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte im Herbst 2004 erstmals das Internationale Standort-Ranking veröffentlicht, das die Entwicklung der 21 wichtigsten Industrienationen in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung vergleicht und bewertet. Der halbjährlich erscheinende "Standort-Check Deutschland" aktualisiert die Ergebnisse dieser Studie und prüft, ob die Bundesrepublik bei den wesentlichen Erfolgs- und Aktivitätsgrößen Fortschritte gemacht hat oder weiter zurückgefallen ist.

Quelle : www.spiegel.de

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Kehrtwende: Von der "Heuschrecke" zum willkommenen Telekom-Investor
« Antwort #3 am: 25 April, 2006, 13:31 »
Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als der damalige SPD-Chef Franz Müntefering im NRW-Landtagswahlkampf – getrieben von sinkenden Umfragewerten der Sozialdemokraten – zu seiner Kapitalismuskritik ausholte. Das Verhalten mancher Investoren verglich er mit einer "Heuschreckenplage" – gemeint waren so genannte Private-Equity-Gesellschaften, hoch spekulative Hedge- oder "Geierfonds", die Unternehmen bloß aufkauften, zerlegten und wieder abstießen. Auf einer internen "Heuschreckenliste" der SPD tauchte damals auch der Name der US-Gruppe Blackstone auf. Ausgerechnet dieser Investor steigt jetzt für knapp 2,7 Milliarden Euro beim einstigen Staatsunternehmen Telekom ein und wird von der Politik in Berlin fast überschwänglich als "strategischer Investor" begrüßt.

Der ganze Artikel

Quelle : www.heise.de

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GLOBALISIERUNG - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
« Antwort #4 am: 11 September, 2006, 18:04 »
Asien trumpft auf, China und Indien wachsen zu neuen "Masters of the Universe" heran. Der Westen droht zum Verlierer der Globalisierung zu werden. Die Arbeitskraft der Europäer wird entwertet - millionenfach.

Der Kapitalist geht dahin, wo die Verzinsung seines Kapitals am höchsten ausfällt. Er baut eine Fabrik unter Palmen oder treibt einen Stollen ins ewige Eis; Hauptsache am Ende des Jahres ist mehr Geld in der Kasse als zu seinem Beginn. Das wichtigste Ziel des Kapitals ist es nunmal, sich zu vermehren. Wenn es das Gegenteil täte, also schmelzen würde, wäre niemandem geholfen, auch nicht den Arbeitnehmern. Meist schmelzen dann die Arbeitsplätze zügig hinterher. In der Zeitung taucht erst das Wort Missmanagement auf, dazu gesellen sich in dichter Abfolge die Vokabeln Krise, Sanierungsplan, Arbeitsplatzabbau.

Am Ende entscheidet sich die Überlebensfähigkeit der Arbeitsplätze ohnehin an einer Frage, die in ihrer Schlichtheit schwer zu überbieten ist: Gelingt es, aus Kapital mehr Kapital zu machen? Kein Kapitalist wird zusehen wollen, wie sein Einsatz von Tag zu Tag schwindet. Tut er es wider Erwarten doch, hört er bald schon auf, Kapitalist zu sein.

Die Arbeiter sind besser beleumundet, obwohl sie genauso herumvagabundieren. Lässt man sie ungestört ziehen, gehen sie dahin, wo hohe Bezahlung und gesicherter Lebensstandard locken. Die Süditaliener wandern in den Norden ihres Landes, die Ostdeutschen nach Westdeutschland, die Südamerikaner nach Nordamerika und Millionen von Menschen überqueren Ozeane und Kontinente, nur um dem gelobten Land, oder was sie dafür halten, näher zu kommen.

Die große Ungerechtigkeit besteht darin, dass das Kapital nahezu überall willkommen ist, die Arbeiter sind es nicht. Das Geld wird weltweit angelockt mit allen Tricks und Kniffen; vor den herumziehenden Arbeitern aber schließen die Staaten ihre Tore. Wenn es sein muss, übernimmt sogar das Militär die Abwehr der Störenfriede. Es gibt noch ein weiteres wichtiges Merkmal, in dem sich Arbeit und Kapital voneinander unterscheiden. Das Kapital und der Kapitalist sind eine Einheit, das eine kann ohne den anderen nicht leben. Sie sind verschweißt und verlötet. Staaten wie die DDR, die durch Verstaatlichung versuchten, das Kapital von seinen privaten Eigentümern zu trennen, haben es bitter bereut.

Der Kapitalist ist flexibel, regelrecht unruhig geworden

Die Arbeit und der Arbeiter leben nicht in der gleichen Symbiose, das ist ihr Nachteil von Anfang an. Ihr Kommen und Gehen über Landesgrenzen hinweg kann gestoppt werden. Ihr Arbeitsplatz aber lässt sich durch den Einsatz von Grenzsoldaten nicht halten. Dass es den Staaten des Westens dennoch jahrzehntelang gelungen ist, auf den Arbeitsmärkten weitgehend unter sich zu bleiben, wirkt in der Rückschau wie das eigentliche Wunder der Nachkriegsjahre.

Die Nationen tauschten alles Mögliche miteinander, führten ein und führten aus, Bananen und Fernsehgeräte, Benzin und Stahlplatten, das Geld wurde hin- und herüberwiesen, aber der Ex- und Import von Arbeitern unterblieb. Westdeutschland holte eine Zeit lang zwar türkische Gastarbeiter ins Land, aber für sie galten schon nach kurzer Zeit die gleichen Regeln wie für die Einheimischen.

Auch zwischen Europa und Amerika wiesen die Arbeitsmärkte keine allzu großen Unterschiede auf. Die Unternehmer diesseits und jenseits des Atlantiks waren Konkurrenten, nicht Rivalen. Sie zahlten Löhne und keine Almosen. Kinder waren Kinder und keine Knechte. Die bürgerliche Gesellschaft sorgte schon per Gesetz für einen zivilisierten Umgang zwischen Arbeitnehmer und Fabrikant, so dass beide nach all den wüsten Jahrzehnten von Ausbeutung und Klassenkampf deutlich näher zueinander rückten.

Die kommunistischen Führer in Osteuropa beobachteten das westliche Tete-a-Tete der Sozialpartner mit Argwohn, aber sie nahmen an ihm nicht teil. Sie tauschten mit dem Westen Rohstoffe und Waren, aber seinen Arbeits- und Kapitalmärkten blieben sie fern. Auch die Dritte Welt lebte auf einem anderen Stern, westliches Desinteresse und das eigene Unvermögen sorgten für den Ausschluss von jenem Prozess, den wir heute Globalisierung nennen.

Das alles hat sich gründlich verändert. Der Graben zwischen dem Westen und dem Rest der Welt wurde zugeschüttet und stellt nun eher eine Brücke dar. Die Kapitalisten stürmen abenteuerlustig hinüber, sie machen von der neu gewonnenen Reisefreiheit reichlich Gebrauch. Sie besichtigen die entlegendsten Orte der Erde in der erklärten Absicht, sich dort häuslich niederzulassen. Ihre Fabriken entstehen allerorten und die Arbeitsplätze ziehen ohne zu zögern hinterher.

Die Summe aller Direktinvestitionen, also jener Gelder, die von einer Nation außerhalb der eigenen Landesgrenze investiert werden, betrug 1980 erst 500 Milliarden Dollar. Der Kapitalist alter Schule war ein eher häuslicher Typ.

Sein Nachfolger ist von anderem Kaliber. Mittlerweile sind die Direktinvestitionen auf zehn Billionen Dollar gestiegen, ein plus von fast 2000 Prozent in nur 25 Jahren. Der Kapitalist ist flexibel, vielerorts regelrecht unruhig geworden und verlangt dieselbe Reiselust nun auch von den Arbeitsplätzen. Der Unternehmer alten Typs war ein Patriarch und oft war er sogar nationaler gesinnt als seine Mitbürger. Der moderne Kapitalist ist ein Vielflieger mit Bonuskarte, er ist überall zu Hause und überall fremd. Wer ihn als Nationalisten bezeichnet, wird zu Recht auf sein Unverständnis treffen.

Arbeitskraft wird gehandelt wie früher Silber und Seide

Mit ihm ziehen nun auch die Arbeitsplätze durch die Welt. Sie verlassen den Westen und kommen in einem anderen Land wieder zum Vorschein. Sie tauchen in einem indischen Softwareunternehmen auf, begegnen uns in einer ungarischen Spielwarenfabrik oder einer chinesischen Werkshalle für Fahrzeugmotoren. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird: Arbeitsplätze verschwinden nicht im Nichts. Sie werden durch Technik ersetzt oder durch einen Arbeiter, der andernorts zu Hause ist.

Eine Unerhörtheit geschah, mit der so keiner gerechnet hatte: Ein Weltarbeitsmarkt ist entstanden, der sich täglich ausweitet und das Leben und Arbeiten von Milliarden Menschen spürbar verändert. Über ein unsichtbares Leitungssystem sind Menschen, die sich nicht kennen und zum Teil nicht einmal von der Existenz des jeweils anderen Landes wissen, miteinander verbunden.

Das eben unterscheidet die heutige Globalisierung von den frühen Handelsnationen, den Kolonialimperien und dem Industriekapitalismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Zum ersten Mal in der Geschichte hat sich ein weitgehend einheitliches Wirtschaftsystem herausgebildet, das ausnahmslos alle Produktionsfaktoren umfasst: Kapital, Rohstoffe und die menschliche Arbeitskraft werden heute gehandelt wie früher Silber und Seide.

Vieles ist ins Rutschen geraten, von dem wir dachten, dass es zementiert sei. Macht und Reichtum werden neu verteilt, die Lebenschancen auch. Wir alle schauen auf die eine Welt - aber mit höchst unterschiedlichem Blick.

Die Neuankömmlinge im Weltarbeitsmarkt blicken optimistisch nach vorn, sie erwarten Großes von der Zukunft. Erstmals können etliche von ihnen einen Lohn nach Hause tragen, der mehr ist als ein Trinkgeld. Der weltweite Arbeitsmarkt ist für sie eine unerhörte Verheißung.

Für Millionen von Arbeitnehmern des Westens hält die neue Zeit eine andere Lektion bereit, weshalb der Optimismus der frühen Jahre bei ihnen verflogen ist. Viele werden in den kommenden Jahren aufhören, Arbeitnehmer zu sein. Selbst dort, wo die westlichen Beschäftigten sich mutmaßlich halten können, reißt es ihre Löhne in die Tiefe, nicht in einem Rutsch, aber mit jedem Jahr ein bisschen. In ihrem Leben macht sich etwas breit, das sie bisher in diesem Ausmaß nicht kannten: Unsicherheit.

Für Angreifer wie Verteidiger ist das Entstehen eines Weltarbeitsmarkts ein Vorgang von historischer Dimension, wie schon der Blick auf die ungewöhnlich großen Menschenmassen belegt, die nun in seine Richtung drängen. 90 Millionen Arbeiter aus Hongkong, Malaysia, Singapur, Japan und Taiwan schlossen sich in den 70er Jahren dem Wirtschaftssystem an, das bis dahin Westeuropäer, Kanadier und Amerikaner nahezu allein beschickt hatten. Die Tigerstaaten wurden mit großem Staunen, die Japaner mit der ihnen gebührenden Ehrfurcht begrüßt. Doch diese Neuankömmlinge im Weltarbeitsmarkt waren nur die Vorhut der Moderne.

Die Arbeitskräfte des Westens sind in die Minderheit geraten

Wenig später schon baten die Chinesen um Einlass; nach dem Ableben der Sowjetunion folgten Osteuropäer und Inder, womit nun innerhalb einer Zeit, die historisch kaum mehr ist als ein Augenaufschlag, rund 1,2 Milliarden zusätzliche Menschen im erwerbsfähigen Alter ihre Arbeitskraft anbieten. Was für ein Verschiebung der Kräfteverhältnisse: Die 350 Millionen gut ausgebildeten, aber teuren Arbeitskräfte des Westens, die eben noch große Teile der Weltproduktion unter sich ausmachten, sind fast über Nacht in die Minderheit geraten.

Schon diese Angebotserweiterung wäre mehr als beachtlich, aber dabei bleibt es nicht. Innerhalb der Angreiferstaaten wachsen aufgrund der meist hohen Geburtenraten immer neue Menschen nach, die nur darauf brennen, sich dem Weltarbeitsmarkt anzudienen. Sie wollen einen Job, koste es, was es wolle. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Belegschaft im Weltarbeitsmarkt, obwohl kein neuer Staat mehr hinzukam, nochmals um 400 Millionen Menschen. Weitere 200 Millionen Menschen, sagt die dafür zuständige Internationale Arbeitsorganisation der Uno in Genf, würden gern arbeiten, können derzeit aber keinen noch so schlecht bezahlten Job ergattern. Sie sind arbeitslos und das heisst: Sie sind Arbeiter im Wartestand.

In den Banken flimmern die Börsenkurse aus aller Welt über die Bildschirme. Innerhalb weniger Minuten, manchmal auch Sekunden, kommt es zur Angleichung von amerikanischen Notierungen und europäischen Kursen. Würde im Arbeitsamt ein Bildschirm mit den Löhnen der verschiedenen Länder installiert, wären viele überrascht, was sie da zu sehen bekämen. Im Weltarbeitsmarkt ist dieselbe Annährung der Kurse zu beobachten, nur in Zeitlupe.

Durch das zusätzliche Milliardenangebot an Arbeitswilligen ist etwas in Gang gekommen, das bald schon mit großer Wucht auch den Mittelbau der westlichen Gesellschaften verändern wird: Die Löhne und damit auch die Lebensstandards der einfachen Arbeiter bewegen sich aufeinander zu. Ausgerechnet das Kapital sorgt dafür, dass die alte linke Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit nun weltweit durchgesetzt wird.

Arbeit für drei Dollar pro Tag - und weniger

Das Wort Tarifautonomie erfährt einen neuen Sinn. Bisher verhandelten Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Westens ihre Löhne autonom vom Staat. In Zeiten der Arbeiterinflation aber setzen die Arbeitgeber die Löhne autonom von den Gewerkschaften fest, denn sie finden nun überall Millionen von Beschäftigten, die bereit sind, den Nachbarn zu unterbieten. Die Löhne Osteuropas und Südostasiens steigen, die des Westens verlieren an Höhe, die in China und Indien bewegen sich für die Masse der Beschäftigten auf niedrigstem Niveau. Von den knapp drei Milliarden Menschen, die derzeit auf dem Weltarbeitsmarkt aktiv sind, verdient ungefähr die Hälfte weniger als drei Dollar pro Tag, was zweierlei bedeutet: Diese Menschen sind bettelarm, erstens, und sie drücken, zweitens, mit ihren Armutslöhnen auch die Löhne der anderen nach unten. Denn die Menschen am untersten Ende der Lohnpyramide sind mit denen in der Mitte auf schicksalhafte Weise verbunden.

Einer der großen Irrtümer unserer Tage liegt darin zu glauben, dass die Millionen von Wanderarbeitern in China und die Tarifangestellten in Wolfsburg und Detroit nichts miteinander zu schaffen hätten. Das scheint so, aber so ist es nicht. Der eine kennt die Autostadt Wolfsburg nicht und der andere hat nur eine vage Vorstellung davon, was es heißt, ein Wanderarbeiter zu sein. Dennoch sind ihre Biografien auf das Engste miteinander verbunden.

Der Wanderarbeiter, der oft in käfigähnlichen Verschlägen wohnt und ohne rechtliche Absicherung in der Zulieferfirma einer chinesischen Autofabrik seiner Arbeit nachgeht, konkurriert mit dem festangestellten, aber ungelernten Arbeiter eben dieser chinesischen Fabrik. Die Löhne von beiden sind in Sichtkontakt zueinander, weil der Wanderarbeiter sich nichts dringender wünscht, als den Job des chinesischen Festangestellten zu übernehmen. Die örtlichen Unternehmer sind in der dauernden Versuchung, den einen gegen den anderen auszuspielen. Beide sind, ob sie wollen oder nicht, erbitterte Lohnkonkurrenten.

Natürlich bemüht sich der Hilfsarbeiter, dieser Lohnkonkurrenz zu entkommen. Er will zum Facharbeiter der chinesischen PKW-Fabrik aufsteigen, mindestens das. Überstunden, Fortbildungskurse, Lohndisziplin: Er ist bereit, dafür vieles zu tun. Hauptsache, er kann künftig der privilegierten Kaste junger und gut ausgebildeter Chinesen angehören. Was der Wanderarbeiter für ihn ist, ist er für den angestammten Facharbeiter, ein beinharter Rivale nämlich. Er wird jeden noch so niedrigen Einstiegslohn akzeptieren, zumal keine Interessenvertretung bereitsteht, ihn davon abzuhalten.

Wenn er den Aufstieg geschafft und ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, wird er zum Gegenspieler der Autobauer im Westen. Persönlich ist man einander weiterhin fremd, ökonomisch hängt der eine mit dem anderen nun unwiderruflich zusammen. In den Computern der Vorstände sind Lohn und Leistung der beiden Kontrahenten gespeichert. Als Zahlenkolonnen begegnen sie sich. Bei jeder Investitionsentscheidung laufen sie gegeneinander.

Das Versprechen steigenden Wohlstands wird einkassiert

Auf dem neuen Weltarbeitsmarkt herrscht Arbeiterüberschuss. Mittlerweile sind 18 Millionen Europäer von Arbeitslosigkeit betroffen. Rechnet man die ins Privatleben abgedrängten Frauen und die Älteren dazu, die man gegen ihren Willen in den Ruhestand schickte, sind mehr als 30 Millionen Menschen arbeitslos. Dieses europäische Heer der Stillgelegten entspricht der Einwohnerschaft von Berlin, Paris, London, Madrid, Brüssel, Rom, Lissabon und Athen. Ulrich Beck nennt diese Menschen die "strukturell Überflüssigen".

Erst wenn man die Menschen mit den Nulllöhnen und die verbliebenen Arbeiter und Angestellten zusammen betrachtet, sieht man die tatsächlichen Schrumpflöhne in Europa. Wer nur die Noch-Beschäftigten betrachtet, bleibt blind. Die Lohnsumme aber fällt in Wahrheit deutlich schneller, als es uns die Einkommensstatistik weismachen will. Auf dem Weltarbeitsmarkt findet ein Lohnverfall statt, mit dem im Westen keiner gerechnet hatte. Steigender Wohlstand dank steigender Löhne, das war das Versprechen der Nachkriegsjahre. Es wurde über Nacht wieder einkassiert. Die Lohnkurven auf den Monitoren im Weltarbeitsamt zeigen für den Westen nach unten.

Auf eine schnelle Anhebung der Einkommen in Fernost oder Osteuropa sollte niemand setzen. Die Löhne dort sind angesichts von Millionen Bauern und Slumbewohnern, die erst noch auf ihre industrielle Beschäftigung warten, selbst unter Druck. Das Lohnniveau in Fernost steigt deutlich langsamer, als es dem Westen recht sein kann. Selbst ein sofortiges Einfrieren der Löhne in Westeuropa bringt nicht viel, hat das Münchner Ifo-Institut errechnet. Bei gleich bleibendem Lohnanstieg in den Angreiferstaaten wären die Einkommen dieser Länder in 30 Jahren noch immer erst halb so hoch wie im Westen. Es ist derzeit so und nicht anders: Wer in Europa und Amerika seine Lohnhöhe mit nicht mehr begründen kann als dem Tarifvertrag, den teuren Lebensumständen und der westlichen Tradition des Ausgleichs zwischen Kapital und Arbeit, hat künftig keine Chancen, sich durchzusetzen.

Dabei geht der Welt keineswegs die Arbeit aus, wie gelegentlich zu hören ist. Solange nicht weniger, sondern mehr Waren erzeugt, verkauft und konsumiert werden, gibt es auch keine Arbeitsplatzverluste. Die Weltwirtschaft erlebt zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen der größten Wachstumsschübe der vergangenen Jahrzehnte. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse steigt weiter an, trotz Internet und Robotereinsatz. Nur die Verteilung der Arbeit hat sich im Zuge des Weltarbeitsmarkts entscheidend verändert. Der Ort ihres Wirkens interessiert nur noch den, der vergeblich seine Arbeitskraft anbietet und nun den Kürzeren zieht. Der Arbeitsmarkt wurde entgrenzt, derweil der westliche Arbeiter auf seiner Scholle kleben blieb.

Quelle : www.spiegel.de

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Offline kater

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Re: GLOBALISIERUNG - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
« Antwort #5 am: 11 September, 2006, 20:05 »
wenn ich so etwas lese drängt sich mir immer die Frage auf. Die billig in Fernost oder sonstwo produzierte Ware soll doch aber in den paar wohlhabenderen Ländern teuer abgesetzt werden? Also sägt der Kapitalist doch selbst an dem Ast auf dem er sitzt. Eine gewisse Ausgewogenheit wäre also auch in seinem Interesse.
Andereseits, seit dem es kaum noch Eigentümer geführte Großunternehmen gibt und Manager meist nur noch die Halbwertzeit einer Eintagsfliege haben, kann langfristiges Wirtschaftliches denken denen schnuppe sein.
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Offline lucky

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Re: GLOBALISIERUNG - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
« Antwort #6 am: 11 September, 2006, 20:58 »
Es ist derzeit so und nicht anders: Wer in Europa und Amerika seine Lohnhöhe mit nicht mehr begründen kann als dem Tarifvertrag, den teuren Lebensumständen und der westlichen Tradition des Ausgleichs zwischen Kapital und Arbeit, hat künftig keine Chancen, sich durchzusetzen.
...
Der Arbeitsmarkt wurde entgrenzt, derweil der westliche Arbeiter auf seiner Scholle kleben blieb.

Quelle : www.spiegel.de

Soviel zur Analyse, die wohl richtig die Fakten beschreibt!
Und die Lösung:
Globales "Brüder zur Sonne...?" - wird wohl nix werden!

Das wird noch richtig anders hier im alten Europa, besser richtig hart.

Ich finde nur schlimm, dass diese Erkenntnisse uns noch alle betreffen werden und alle zu tun als ginge der Kelch an uns vorbei...

lucky

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Offline Jürgen

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Re: GLOBALISIERUNG - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
« Antwort #7 am: 12 September, 2006, 02:21 »
Es kann nur eine einzige Lösung geben, konsequenten Protektionismus, wie fast überall anderswo auf der Welt geübt.

Dazu müssen sicher erhebliche Schwierigkeiten mit der EU und insbesondere den USA in Kauf genommen werden, obwohl gerade die Amis selbst reichlich geübt sind im Abschotten.

Wenn wir hier weiter Preise, Steuern, Mieten und Zinsen auf West-Standard zahlen sollen, können wir uns absolut nicht leisten, für Dritte-Welt-Löhne zu arbeiten.
Selbst wenn wir wollten, spätestens im Winter, wenn wir heizen müssen, könnten wir keinesfalls mit Billiglohn-Ländern nahe am Äquator mithalten.
Und Kinderarbeit und Sklaverei wollen wir doch wohl auch nicht wieder einführen...

Also bleibt nur übrig, Importe aus fraglichen Regionen derart heftig und unumgehbar zu besteuern, dass sie hier nicht mehr billiger vermarktet werden können, als heimische Produkte.

Immerhin sind wir trotz angeblich unhaltbar hoher Löhne einsame Export-Weltmeister.
Eine gewisse Markt-Macht können wir somit ganz sicher ausüben, ohne plötzlich komplett im Regen zu stehen.

Allerdings bedeutet das, sich ganz gewaltig mit den Heuschrecken, den globalen Absahnern, anzulegen, die die einzigen echten Profiteure bei'm ungehemmten Verschieben von Arbeit und Kapital rund um den Globus sind.
Damit sind wir wieder bei den USA angelangt, wo ungehemmter Kahlfrass am Rest der Welt offensichtlich erklärte Politik ist, mit der man vom eigenen Versagen bei der Kontrolle der Grosskonzerne und Spekulanten ablenken will.

Die Menschheit und der Globus sind nicht nur dazu da, die Taschen weniger Unersättlicher zu füllen!!!

Wir sollten nicht die Rädchen, sondern eher der Sand im Getriebe der Globalisierung sein.

Mag sein, dass sich Einzelne den schlimmen Folgen dieser Geschichte z.B. durch Auswanderung entziehen können, aber dem ganzen Volke kann das nicht gelingen.
Hundert Millionen Deutsche könnte die Dritte Welt sicher ebensowenig aufnehmen, wie wir all' deren Elende.
« Letzte Änderung: 12 September, 2006, 02:23 von Jürgen »
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ABBAU DES SOZIALSTAATS - Dolchstoß durch den Konsumenten
« Antwort #8 am: 12 September, 2006, 12:10 »
Der normale Käufer bei Karstadt, Metro und Lidl ist ein regelrechter Globalisierungsfanatiker: Er vergleicht Preis und Leistung und will immer das Billigste. So vernichtet er massenweise Jobs in Europa - am Ende auch den eigenen.

Der Sozialstaat ist im Grunde nichts anderes als ein Kartell. Der Unterschied zwischen dieser Schutzvereinigung und den üblichen Kartellbrüdern in den Konzernspitzen besteht darin, dass der Sozialstaat nicht nur wenigen, sondern vielen nützt. Eigentlich fast allen Bürgern, die in seinen Grenzen leben. Vereinfacht kann man es auch so sagen: Der moderne Sozialstaat hat uns alle zu Kartellbrüdern gemacht. Wir profitieren von seinen Schutzrechten wie von seinen finanziellen Zuteilungen.

Wir nehmen gern die getrennten Betriebstoiletten in Anspruch, die unsere Arbeitsstättenverordnung für Mann und Frau vorsieht, akzeptieren die gesetzlich festgeschriebenen Urlaubstage, den Kündigungs- wie den Krankheitsschutz, und wenn alles schief läuft im Leben, greifen wir auf die Sozialhilfe zurück, die sich samt Wohnungs- und Kindergeld bis auf die Höhe eines Verkäufergehalts summieren kann.

Wenn dieses Schutzkartell, das den Preis der Arbeitskraft um einen Sozialaufschlag verteuert, mit einem Wirtschaftsraum konkurriert, der eine solche Schutzvorrichtung und damit auch einen derartigen Sozialaufschlag nicht kennt, wirkt das Kartell nicht mehr beschützend, sondern bedrohlich. Denn einer der Gründe für die Preisdifferenz zwischen den neuen und den alten Mitgliedern des Weltarbeitsmarkts ist der Sozialstaat, dessen Früchte die einen genießen, derweil die anderen ihn nur vom Hörensagen kennen. Die Mitglieder der Sozialbruderschaft sind von Stund an in Gefahr, ihrer beruflichen Existenz beraubt zu werden. Was gestern noch eine Errungenschaft westlicher Zivilisation war, wirkt nun wie ein Klotz an ihrem Bein.

Der Angriff findet in freundschaftlicher Atmosphäre statt

Es sind die Gegner des Sozialstaats, die daher die weltweite Arbeiterinflation freudig begrüßen. Sie ist erwiesenermaßen die wirkungsvollste Methode, den Sozialstaat zu schleifen. Man muss seinen Abbau nicht mehr fordern und braucht ihn auch nicht zu betreiben, seine Zersetzung passiert scheinbar von allein. Man kann den Sozialstaat einfach ignorieren, zum Beispiel dadurch, dass man beim sozialstaatsfreien Anbieter in Asien bestellt. Das ist fast automatisch ein Votum gegen getrennte Toiletten und ein Plädoyer für niedrigere Löhne.

Es sind andererseits die Freunde des Sozialstaats, die bis heute nicht wahrhaben wollen, dass es diese Nebenwirkung der Globalisierung ist, an der sie leiden. In der Absicht, die Nation gegen die Zumutungen der neuen Zeit zu verteidigen, hat selbst ein so kluger Mann wie Lord Dahrendorf die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen. Es gebe eine legitime öffentliche Sphäre, die nicht direkt mit der anderer Länder und Regionen konkurriere, schreibt er. Zu dieser Sphäre gehörten die Bildung, die Steuer und die Sozialleistungen. Man dürfe den Weltmarkt nicht gegen alles ins Feld führen.

Welch ein Irrtum. Niemand führt den Sozialstaat ins Feld. Er steht längst längst da, umtost von den Winden der neuen Zeit. Der Irrtum ist erklärbar nur dadurch, dass die Angreiferstaaten sich ja nicht mit Gebrüll auf den westlichen Sozialstaat stürzen. Der Angriff findet leise und zumeist sogar in freundschaftlicher Atmosphäre statt, was vielen das Verstehen der Wirklichkeit erschwert.

Dabei sind es keine Unbekannten, die ihn attackieren: In freien Märkten mit freien Konsumenten wird ihm der entscheidende Dolchstoß von seinen Freunden versetzt. Wo auch immer ihr politisches Herz schlägt, links oder rechts, kaum dass die Kunden den Supermarkt oder das Kaufhaus betreten, sind sie nicht bereit, einen Sozialaufschlag zu zahlen.

Der normale Käufer bei Karstadt, Metro und Lidl ist ein regelrechter Globalisierungsfanatiker, der Preis und Leistung vergleicht, aber nicht Nationalitäten und ihre sozialen Sicherungssysteme. Er will Rabatte bekommen und nicht Aufschläge zahlen. Der gute Deal interessiert ihn, nicht das schmutzige Geschäft, das ihm irgendwo auf der Welt vorausgegangen ist. Er ist ein Materialist, wie er im Buche steht, auch wenn er sich selbst für einen Romantiker hält. Nur außerhalb der Geschäftszeiten befallen ihn zuweilen idealistische Zweifel. Dann wundern sich viele, wie es denn sein kann, dass so große Teppiche für so kleines Geld zu haben sind, und dass auch die Preise von Computern und Mobiltelefonen zuweilen nur noch einer Art Schutzgebühr gleichen.

Mit jedem Kauf eines fernöstlichen Produkts erteilen die Käufer dem heimischen Sozialkartell und seinen Lieferbedingungen eine Absage. Sie vergleichen Preis und Leistung des Produkts, aber sie bedenken nicht Preis und Leistung der das Produkt erzeugenden Nation. So wurden die Konsumenten in allen Ländern des Westens zu Vollstreckern der Globalisierung. Im Weltkrieg um Wohlstand sind sie die wichtigsten Kombattanten der Angreiferstaaten. Wenn ihnen keiner in die Arme fällt, vernichten sie mit ihrer Kaufentscheidung kühlen Herzens die heimische Industrie. Denn fast alles, was man kaufen kann, kann man mittlerweile auch ohne diesen Zusatzstoff erstehen, den wir Sozialstaat nennen.

Wer möchte, kann sein Auto bei General Motors bestellen; dann sind 1500 Dollar Sozialkosten mit eingebaut, wie der Vorstandschef seinen Arbeitern erst kürzlich vorrechnete. Preiswerter wäre es, beim Hyundai-Händler vorzufahren, denn ein vergleichbarer Sozialaufschlag wird den Arbeitern in Korea nicht gezahlt. Es gibt an jeder Ecke Waschmaschinen mit eingebautem Sozialstaat, dann kommen sie von AEG aus Nürnberg, sind im Rhythmus der 38 Wochenstunden produziert, zu höheren Löhnen und unter Aufsicht des Betriebsrats. Aber gleich nebenan gibt es die Waschmaschine pur, dann stammt sie aus Taiwan, China oder Polen, wo die Wochenstundenzahlen hoch und die Löhne niedrig sind. Ein Sozialstaat unserer Prägung existiert dort nicht.

Noch immer besitzen 75 Prozent der Weltbevölkerung keine Arbeitslosenversicherung, was ihnen zum Nachteil, ihren Produkten aber zum Vorteil gereicht. Das Risiko von Krankheit, Armut und Alter tragen sie selbst und eben nicht die Produkte, die sie herstellen. Im Westen ist es umgekehrt.

Der nächste Schauplatz: Der Arbeitsmarkt für Akademiker

An der Stelle des Betriebsrats steht in Fernost ein gestrenger Vorarbeiter, der im besten Fall Gnade vor Recht ergehen lässt. Denn das Recht ist in den Produktionshallen der Billigkonkurrenz nicht der Freund der Beschäftigten. Sie dürfen arbeiten, aber nicht protestieren. Ihr Lohn wird festgesetzt, nicht verhandelt. Soziale Absicherung bietet die Familie, nicht aber die Firma. Den Verkaufschancen der von ihnen hergestellten Ware hat dieser Umstand sehr genutzt.

Rund 60 Prozent aller in Deutschland verkauften Haushaltsgeräte werden heute außer Landes hergestellt. Die restlichen 40 Prozent dürften in absehbarer Zeit folgen. Der Weltmarktführer Electrolux plant von den westlichen Werken, die derzeit noch in Europa, Amerika und Australien betrieben werden, die Hälfte zu schließen. Eine Fabrik von der Größe der Nürnberger AEG spart 48 Millionen Euro jährlich - wenn sie denn in Polen steht. Monatelang zögerte der Vorstand, die deutsche Traditionsfabrik zu schließen und die Herstellung zu verlagern. Es ginge ihm um die Menschen, aber nicht nur, wie Firmenchef Hans Straberg freimütig zugibt: "Eine Schließung würde auch viel Kapital zerstören", sagt er.

Bei Continental in Hannover, einem der größten Reifenhersteller der Welt, läuft das gleiche Spiel. Die Löhne machen 30 Prozent der Herstellungskosten aus, aber in Osteuropa lässt sich dieser Anteil noch deutlich nach unten drücken. Die Pkw-Reifenproduktion sollte daher am Stammsitz in Hannover geschlossen werden, was die Beschäftigten mit einer kostenlosen Verlängerung ihrer Wochenarbeitszeit zu verhindern suchten. Der Verzicht nutzte nichts. "Die Mitarbeiter haben ihren Beitrag geleistet, aber es hat trotzdem nicht gereicht", meint Firmenchef Manfred Wennemer. Betroffen sind vor allem einfache Produktionsarbeiter, denen in Kürze die Akademiker folgen dürften, sagt er: "Wir beschäftigen heute bei Continental rund 5000 Ingenieure, die meisten davon in Hochlohnländern. Das wird sicher einer der nächsten Schauplätze, wo wir auf die Kosten sehen müssen."

Bevor wir Firmenmanager und Schnäppchenjäger beschimpfen, sollten wir innehalten. Es wäre töricht, ihnen den Eigennutz vorzuhalten. Es war ein doppelter politischer Wille, der die Staaten Asiens und Osteuropas an die internationale Arbeitsteilung anschloss - ihrer und unserer. Sie wollten Teil des westlichen Produktionsnetzwerks werden und ihr eigenes knüpfen. Wir haben sie ermuntert, unterstützt und oft genug auch angefeuert.

Es geht hier nicht um falsch oder richtig. Wichtig ist an dieser Stelle nur die Erkenntnis, dass der weltweite Arbeitsmarkt, so wie wir ihn bisher konzipiert haben, ein einheitliches Hoheitsgebiet für die Ware Arbeitskraft geschaffen hat. Die Arbeitsnachfrage wechselt nun von einem Staat zum anderen und natürlich bevorzugt sie solche Staaten, die ihr möglichst geringe soziale Zusatzkosten zumuten.

Viele hielten die Soziale Marktwirtschaft für das Endstadium der Geschichte und müssen sich nun einen kolossalen Irrtum eingestehen. Der Kapitalismus hat mit Hilfe eines globalen Arbeits- und Finanzmarkts seine Reichweite gesteigert, derweil das Soziale an Reichweite verlor. Der Markt hat an Kraft, Geschwindigkeit und scheinbar auch an Unvermeidbarkeit gewonnen. Der soziale Triumph von gestern aber ist verblasst. Der Kapitalismus erhält seine Ursprünglichkeit zurück.

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Telekom: Bund macht gemeinsame Sache mit "Heuschrecke" Blackstone
« Antwort #9 am: 14 November, 2006, 12:04 »
Aus heiterem Himmel kam die Ablösung von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke auf Betreiben der Großaktionäre Bund und Blackstone nicht. Erste deutliche Warnungen sandte SPD-Fraktionschef Peter Struck schon Ende Oktober aus, als über einen weiteren radikalen Stellenabbau diskutiert wurde. Der Bund halte zwar nur rund 30 Prozent der Aktien, werde seinen Einfluss bei Europas größten Telekomkonzern aber ausüben, sagte Struck unmissverständlich an die Adresse von Ricke. Und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gab zuletzt die in Kapitalmarktfragen sonst übliche Zurückhaltung auf und machte seinem Ärger über den dahindümpelnden Kurs der T-Aktie ordentlich Luft: Wegen des enttäuschenden Kursverlaufs sei ein für Ende 2006 geplanter Verkauf von Telekom-Aktien über "Platzhaltergeschäfte" vertagt worden – mit entsprechenden Milliarden-Ausfällen für den klammen Bundesetat.

Steinbrück hatte bereits Ende April den Druck auf Ricke erhöht, als er für 2,7 Milliarden Euro 4,5 Prozent an den US-Finanzinvestor Blackstone verkaufte. Ein Jahr zuvor waren die Amerikaner in der SPD noch als "Heuschrecke" verunglimpft worden. SPD-Chef Franz Müntefering hatte im NRW-Landtagswahlkampf zu seiner Kapitalismuskritik ausgeholt:. Das Verhalten mancher Investoren verglich er mit einer "Heuschreckenplage" – gemeint waren so genannte Private-Equity-Gesellschaften, hoch spekulative Hedge- oder "Geierfonds", die Unternehmen bloß aufkauften, zerlegten und wieder abstießen.

Steinbrücks Strategie aber: Die Finanzprofis von Blackstone sollten dem einst als Volksaktie gefeierten T-Papier auf die Sprünge helfen, damit der Bund sein Restpaket von knapp 32 Prozent lukrativ versilbern kann. Als Einstieg in den Ausstieg könnte eine Kursmarke von 17 Euro je Aktie gelten, heißt es. Weil Ricke den Kundenschwund im Festnetz nicht stoppen konnte und mit einer unerwarteten Gewinnwarnung die beiden Großaktionäre zusätzlich verärgerte, soll Steinbrück Unternehmenskreisen zufolge bereits vor etwa einem Monat den Daumen über Ricke gesenkt haben. Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sei das Szenario für den schnellen Stabwechsel zu René Obermann entwickelt worden.

Steinbrück und Zumwinkel können sich anrechnen lassen, dass die Rochade an der Telekom-Spitze geräuschlos organisiert und ein peinliches Personaltheater wie im Sommer 2002 vermieden wurde. Damals war Telekom-Chef Ron Sommer von der Politik für den dramatischen Kurssturz auf nur noch etwas mehr als acht Euro verantwortlich gemacht und von Rot-Grün in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes geopfert worden.

Trotz erbitterter Gegenwehr musste der einst von der Politik hofierte Sommer das Feld räumen, Ricke übernahm das Ruder. Ironie des Schicksals ist, dass Rickes einstiger Förderer und Chef nun zu den Strippenziehern des erneuten Umsturzes zählte. Sommer ist Berater von Blackstone. Und sollte Steinbrück sich doch noch für einen großen Telekom-Aktienverkauf an den russischen Mischkonzern Sistema allen öffentlichen Dementis zum Trotz entscheiden, wäre der einstige "Mr. Telekom" wieder mit von der Partie. In seinem Portemonnaie steckt auch eine Visitenkarte als Sistema-Ratgeber.

Der neue Telekom-Chef Obermann wurde an den Finanzmärkten spontan mit einem Kursanstieg begrüßt. Die Aktie kletterte auf knapp 13,50 Euro. Doch schon bald könnte die Debatte über eine "Repolitisierung" des einstigen Staatskonzerns neu aufflammen. Analysten und Investoren sehen es nicht gerne, wenn der Staat bei einem DAX-Schwergewicht Einfluss nimmt. Wie werden sich SPD und Union verhalten, wenn die neue Spitze noch mehr Stellen abbauen will, um den "Rosa Riesen" zu sanieren? Zunächst soll die Telekom erst einmal aus den Negativ- Schlagzeilen heraus. Sollte Obermann auch in fünf Jahren noch an der Konzernspitze stehen, dürfte der Bund dann nicht mehr an Bord sein.

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Schöne neue Wirtschafts-Welt
« Antwort #10 am: 20 Februar, 2007, 13:03 »
Fast könnte man meinen, hinter jedem zweiten Avatar in Second Life steckt ein Journalist. Zeit, FAZ und taz haben ihre Reporter ebenso schon in die künstliche Welt geschickt wie der Spiegel, bei dem sich gleich das halbe Kulturressort einschließlich Chef virtualisierte. Reuters hat sogar ein eigenes Büro dort und Springer gibt ein Boulevardblatt raus. Die Reporter hetzen den digitalen Trends hinterher, besuchen virtuelle Konzerte, Nobelboutiquen und die Niederlassungen von IBM, AMD oder Mercedes Benz. Dazwischen wird viel geflogen und geflirtet. So richtig verstanden, worum es bei Second Life geht, haben dann auch nur die Kollegen vom Titanic Magazin.

Auf der anderen Seite gibt es Leute, denen ist Geld wichtiger als Sex. Sie halten das Paralleluniversum für wirtschaftliches Neuland und schreiben Second Life ein unglaubliches Potenzial zu. Denn die virtuelle Währung der Scheinwelt lässt sich ganz real in harte Dollars tauschen. Damit sind schon ein paar Leute offenbar sehr, sehr reich geworden. Second Life wiederholt die Heilsversprechen der New Economy und hat auch die für einen richtigen Hype notwendige Börse. Der Handel mit Aktien nicht existenter Unternehmen funktioniert noch nicht so richtig, deshalb gibt es auch Schwarze Freitage. Aushängeschild dieses Kapitalismus 2.0 ist Ailin Gräf, die Second Life schon früh nicht nur als Spiel gesehen hat und inzwischen als Immobilien-Mogul Anshe Chung Millionen Linden-Dollars auf dem Konto hat.

Dieses unglaubliche Potenzial muss natürlich irgendwie erschlossen werden. Deshalb gab es jetzt den ersten Wettbewerb mit Geschäftsideen für die virtuelle Welt. Gewonnen hat das Projekt eines Beratungsunternehmens, das echten Firmen mit Marktforschung und Analysen helfen will, in Second Life gewinnbringend Fuß zu fassen und die Bewohner der Spielwelt zum Beispiel in echte Läden zu locken. Das Gewinnerteam bekommt jetzt eine eigene Insel und ein paar hunderttausend Linden-Dollar, um ihr virtuelles Office aufzuziehen. Es herrscht Goldgräberstimmung. Natürlich gibt es bei einem solchen Hype immer ein paar Spielverderber. Zum Beispiel Randolph Harrison. Der Wirtschaftsexperte vergleicht den Wirtschaftskreislauf von Second Life mit einem klassischen Pyramidensystem und erklärt damit einleuchtend, wie die virtuell ungeliebte Chung so reich werden konnte, die Nachahmung aber so schwer fällt.

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Deutschland in der Sozial- Falle
« Antwort #11 am: 28 Januar, 2008, 17:40 »
Mindestlohn-Streit, Nokia-Eklat, Protest gegen hohe Managergehälter: Die Deutschen handeln, als sei die Globalisierung nur ein böser Traum. Volk und Politiker sind vereint im Umverteilungsrausch - das bittere Ende ist gewiss.

Hamburg - Wie man sich doch täuschen kann. Da hatte das Land die Unternehmensteuern gesenkt, hatte jahrelang der Versuchung deftiger Lohnerhöhungen widerstanden, hatte die Arbeitsgesetze von ihren widrigsten Wucherungen befreit. Und tatsächlich, es gab wieder Wirtschaftswachstum, die Beschäftigung nahm zu, die öffentlichen Haushalte wurden mit weniger oder gar keinen Schulden gefahren.

Endlich, so dachten wir in holder Einfalt, haben das Volk und die politische Führung verstanden: Nur wenn sich das Land an die Gesetze der neuen, der globalen Wirtschaftswelt anpasst, hat es eine Chance, im weltweiten Wettlauf zu den Gewinnern zu gehören.

Irrtum. Derzeit ist Deutschland dabei, all die Reformrenditen wieder zu verspielen, die es sich in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts höchst mühsam erarbeitet hat (und die ja auch nur ein Anfang sein konnten). Zwei Jahre mit einigermaßen zufriedenstellenden Wirtschaftsdaten - schon wiegen sich die Deutschen wieder in der Illusion, sie könnten die neue internationale Wettbewerbsszenerie mit Nichtachtung strafen.

Wie schon in den Neunzigern lebt Deutschland nach dem wenig bewährten Grundsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Es darf eben nicht sein, dass auch auf ältere Arbeitslose Druck ausgeübt wird, sich einen neuen Job zu suchen. Es darf nicht sein, dass die Einkommen über Jahre hinweg stagnieren, womöglich gar sinken. Es darf nicht sein, dass eine Friseurin in Sachsen nur 4,50 Euro in der Stunde verdient.

Darf es vielleicht auch nicht, entspricht nicht dem Gerechtigkeitsgefühl vieler in diesem Lande. Doch das Wünschbare ist das Eine, ökonomische Vernunft und Realität sind das Andere. Und wir sind derzeit munter dabei, Meisterwerke der wirtschaftlichen Unvernunft zu bauen.

Stichwort Arbeitslosengeld. Es ist beschlossen, der Bezug des Arbeitslosengelds I für Ältere wird von 18 auf 24 Monate ausgedehnt. Das kostet knapp eine Milliarde Euro im Jahr. Und es mindert wieder, schlimmer noch, die Bereitschaft Älterer, sich einen neuen Job zu suchen. Das Vorhaben läuft den jüngsten Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 diametral entgegen. Die immerhin haben dazu beigetragen, dass die Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen von 41 auf 50 Prozent stieg.

Stichwort Lohnerhöhungen. Natürlich sollte, nach den vielen Jahren der Dürre und angesichts guter Gewinne, in diesem Jahr ein reales Plus drin sein. Aber der Lokführer-Abschluss von elf und Forderungen von acht Prozent bei den Beamten und den Stahlarbeitern lassen Erhöhungen weit jenseits der Produktivitätsentwicklung erwarten. Das alles wird unzweifelhaft Jobs kosten.

Wir werden abgestraft

Stichwort Mindestlohn. Selbstredend wäre es schön, wenn der Staat Löhne von 4,50 Euro und darunter nicht mehr auf ein erträgliches Niveau aufstocken müsste. Aber die Erfahrung in anderen Ländern hat gelehrt: Entweder sind Mindestlöhne, wie in Großbritannien oder den USA, so niedrig angesetzt, dass sie nur von einer mikroskopisch kleinen Minderheit beansprucht werden. Oder sie sind so hoch, dass sie Arbeitslosigkeit produzieren. Wie in Frankreich; dort ist das vor allem Jugendarbeitslosigkeit. Und diese Arbeitslosigkeit ist dann für das Gemeinwesen teurer als die marktwirtschaftliche Variante des Aufstockens.

Arbeitslosengeld-Verlängerung, Lohnsteigerungen, Mindestlohn und manches mehr - es wird verteilt, als könnten wir das Rad zurückdrehen in die wohlstandsseligen Siebziger und Achtziger, als sei die dramatische Verschärfung des weltweiten Wettbewerbs nur ein böser Traum gewesen.

Doch sie ist Realität, nicht unbedingt eine schöne, offenkundig auch eine, die Verteilungsgegensätze wieder schärfer akzentuiert. Wer glaubt, sich diesem globalen Trend entziehen zu können, wie derzeit wieder die Deutschen, wird über kurz oder lang abgestraft.

Wie kalt die Unternehmen rechnen, demonstriert uns derzeit anschaulich der Fall Nokia. Okay, die Finnen haben den Coup tölpelhaft und höchst angreifbar in Szene gesetzt; Journalisten wissen seit langem, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht zu den herausragenden Management-Qualitäten der Nordmänner gehört. Aber davon abgesehen ziehen die Handy-Weltmeister nur nüchtern ihre globale Standortstrategie durch - allein dem Diktat von Rendite-Vorgaben gehorchend.

Der durchschnittliche Handy-Preis sei in den vergangenen Jahren um 35 Prozent gefallen, so Nokia-Chef Pekka Kallasvuo, die Arbeitskosten in Deutschland seien in dieser Zeit um 20 Prozent gestiegen. Die Empörungsrituale deutscher Politiker ("Karawanen-Kapitalismus") dürften die Finnen wenig beeindrucken; und auch die Boykottaufrufe werden schon bald verhallt sein. Wir sollten unsere Nokia-Handys besser nicht wegwerfen.

Nicht nur die Finnen, auch die deutschen Unternehmen wählen inzwischen aus einem grandios großen Angebot an Standort-Möglichkeiten. Und sie alle nutzen dieses Angebot, müssen es nutzen, weil die Kunden nicht danach kaufen, wo ein Produkt hergestellt worden ist, sondern allein danach, was es kostet. Auch die deutschen.

Es stimmt doch nach wie vor, was Gabor Steingart in seinem Buch "Weltkrieg um Wohlstand" schrieb: dass Kapital dorthin geht, wo es die höchste Verzinsung zu erwarten hat; dass es "nie zuvor eine derartige Ausweitung des Arbeitskräfteangebots gegeben hat"; dass sich "die Löhne und auch die Lebensstandards der einfachen Arbeiter" weltweit "aufeinander zu bewegen", was für Deutschland heißt: sinkende, bestenfalls stagnierende Einkommen.

Land ohne standhafte Autorität

"Gerechter Lohn für gute Arbeit", fordern Gewerkschaften und regierende Sozialdemokraten, in wieder wunderbarer Geschlossenheit. Hört sich gut an, gibt im Wahlkampf auch immer Beifall. Nur: Was ist gerecht? Ist es gerecht, wenn ein Chinese einen Euro in der Stunde verdient, ein Osteuropäer drei Euro, ein Deutscher 18 Euro? In einer Wettbewerbswirtschaft richtet sich die Lohnfindung seit jeher nicht an schwammigen Gerechtigkeitsvorstellungen aus. Sondern an dem, was Arbeit leistet, an der Produktivität eben.

Horst Siebert, der Kieler Ökonom, hat das mal ganz schlicht formuliert: "Ein Unternehmen wird dann einen zusätzlichen Arbeitnehmer einstellen, wenn er mehr für das Unternehmen einbringt, als er kostet." Jeder Versuch, diese Logik der sogenannten Grenzproduktivität auszuhebeln, wird wieder mehr Arbeitslosigkeit produzieren.

Wo aber sind die Autoritäten, die solche Wahrheiten vermitteln? Nirgendwo steht einer auf, der es wagte, die Deutschen aus ihren gefährlichen Träumereien zu reißen, von unserem bemühten Bundespräsidenten Horst Köhler vielleicht abgesehen.

Die Union hat nach der Vertreibung des Friedrich Merz keinen mehr in ihren Reihen, der medienwirksam und glaubwürdig marktwirtschaftliches Credo verkündet. Ihr Wirtschaftsminister, der fränkische Müllermeister Michael Glos, hätte schon Mühe, das Amt eines Wirtschaftsdezernenten in einer deutschen Großstadt kompetent auszufüllen.

Merkel und Co. werden von den Sozialdemokraten getrieben, und die von Oskar Lafontaine. Dem ist es tatsächlich gelungen, das gesamte politische Spektrum zurück zum Wohlfahrts- und Verteilungsstaat zu verschieben. Chapeau.

So kann es denn passieren, was man vor zwei Jahren noch für unmöglich gehalten hätte: dass das Thema Mindestlohn zum Wahlkampfhit aufgeblasen wird, mit Sprüchen der sozialdemokratischen Spitzenkandidaten in Hessen, Niedersachsen und Hamburg, die an Plattheit nicht zu überbieten sind. Oder dass in Berlin ein Arbeitsminister namens Olaf Scholz, von Haus aus Jurist, die gute Übung regierungsamtlicher Enthaltsamkeit bei der Lohnfindung fröhlich missachtend, die Gewerkschaften ermuntert, nun mal einen "größeren Schluck aus der Pulle" zu nehmen.

Lieber Tier- als Gesellschaftsthemen

Überflüssig hinzuzufügen, dass die Freidemokraten, die in diesen Zeiten doch ein wunderbares Terrain hätten, in die Sphäre des nicht mehr Wahrnehmbaren entschwunden sind. In Hamburg haben die Liberalen übrigens zwei heiße Themen als Wahlkampfhits entdeckt: Sie fechten dafür, dass Raucher in Kneipen wieder rauchen dürfen ("Freie Wahl für Gäste und Wirte") und dass der in der Hansestadt seit vorigem Jahr geltende Leinenzwang für Hunde wieder abgeschafft wird ("Leinen los. Hunde nicht an Menschen fesseln"). Fürwahr, die FDP weiß, was wichtig ist.

Die Politiker also sind sich mit dem Volk einig, die wirtschaftlichen Realitäten frohgemut auszublenden. Und wie steht es mit den Managern? Erhebt wenigstens die Wirtschaftselite warnend und mahnend ihre Stimme?

Weit gefehlt. Wie auch: Die Vorstände haben mit ihren Gehaltsexzessen jeden Anspruch verspielt, Politiker oder Gewerkschafter zu ökonomischer Vernunft und Mäßigung aufzurufen. Wer sich selbst alljährlich zweistellige Einkommenszuschläge genehmigt, der taugt wahrhaftig nicht als Instanz, die mit einem Mindestmaß an Glaubwürdigkeit die Grenzen des ökonomisch Machbaren aufzeigen könnte.

Die Manager schweigen. Und werden weiterhin, ohne viel Aufhebens, das tun, was sie seit Jahren tun: In jenen Ländern investieren, die ihnen die günstigsten Konditionen bieten. Da täuschen wir uns sicher nicht.

Quelle : www.spiegel.de

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Offline Jürgen

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Re: Deutschland in der Sozial- Falle
« Antwort #12 am: 29 Januar, 2008, 01:17 »
Zusammengefasst ergibt sich:
Den menschenfeindlichen Bestrebungen der Globalisierer muss zwingend Einhalt geboten werden.

Es ist kein Naturgesetz, dass sich Waren, Gelder und Dienstleistungen global ungehemmt bewegen können, auf Kosten der wehrlosen Mehrheiten überall.

Es ist eine natürliche Aufgabe des Staates, die berechtigten Interessen aller seiner Bürger zu wahren und auch und insbesondere gegen multinationale Gruppen und Weltkonzerne zu schützen.

Mieten wie in New York, aber Löhne wie in Biafra, das geht einfach nicht zusammen.

Hinzu kommt, dass es unumgängliche regionale Nachteile gibt, die einen direkten und ungehemmten Wettbewerb absolut verbieten. So ist's in einigen Gegenden der Welt durchaus möglich, ohne Heizung angenehm und menschenwürdig zu leben, hier aber nicht.

Also muss unsere staatliche Souveränität unbedingt wieder gestärkt werden und ein vernünftiger Protektionismus her, der für die meisten anderen Länder der Welt ohnehin selbstverständlich ist.
Auch wenn man dafür eventuell aus der EU, dem Euro-Währungs-Verbund, der WTO oder ähnlichen von der globalisierten Heuschreckenschaft dominierten Organisationen austreten müsste...

Billigst-Produkte aus Rotchina nützen uns nichts mehr, wenn wir uns selbst die nicht mehr leisten können, weil am Monatsende nicht einmal mehr ein Zehner im Geldbeutel bleibt.
Arbeit nutzt uns nix, wenn man von ihr nicht mehr anständig leben kann.
Zunehmende Aufstockung durch staatliche Subvention nutzt nix, weil für diese wieder einzig die verbleibenden 'normalen' Arbeitnehmer aufkommen müssen, die dadurch selbst immer näher an's Existenzminimum geraten.

Zitat
Derzeit ist Deutschland dabei, all die Reformrenditen wieder zu verspielen, die es sich in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts höchst mühsam erarbeitet hat
Aber wer hat diese Renditen eingefahren, und wer hatte die Mühe damit? Das waren definitiv nicht dieselben  ::)

Also müssen wir uns endlich ernsthaft vor den schlimmsten Auswüchsen  der Globalisierung schützen.
Der Anfang ist, Grossunternehmen grundsätzlich nicht mehr zu begünstigen.
Und Sklaventreiber schon garnicht.

Dann müssen die Verbrauchssteuern auf Lebensnotwendiges komplett weg.
Steuerfreiheit von Leitungswasser, schön und gut. Aber anschliessend volle Besteuerung als Abwasser mit dem Mehrfachen des Preises als Bezug, das ist absurd. Ebenso die Mehrwertsteuer auf den gesamten Hartz 4 Warenkorb.

Dafür müssen knackige Zölle auf konkurrierende Importe aller Art her. So kann Biogas aus Müll, Resten der Lebensmittelerzeugung und Klärwerken durchaus einige Geschäfte mit den Russen entbehrlich machen. Lieber hier die Lebensbedingungen verbessern, als in der Ex-UdSSR neue Milliardäre heranzuzüchten...

Und der Kapitalverkehr in's Aiusland muss ohnehin stark reglementiert werden. Wer hier investiert, ist als Normalfall zu behandeln, solange seine Gewinne hier verbleiben. Und nur genau solange...

Der globale Aktien- und Finanzmarkt mit seinen pervers hohen Renditeerwartungen führt zwangsläufig zur Verelendung weiter Bevölkerungsschichten und gehört abgestellt.
Auch wenn dann Viele befürchten mögen, das uns die USA daraufhin bombardieren könnten...

Sicher habe ich keine umfassende Sammlung an Patentrezepten, und alle Umstellungen wären schwierig, aber ein Anfang muss sofort gemacht werden, nämlich solange es noch überhaupt irgendwie geht.
Sonst sind wir alle bald nur noch elende Sklaven einiger weniger Weltherrscher.
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Offline rillie

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Re: Deutschland in der Sozial- Falle
« Antwort #13 am: 29 Januar, 2008, 18:39 »
Jürgen du hast den Nagel auf den Kopf getroffen vor allem das mit der Miete und den Heizkosten. Ich kann noch hinzufügen das in einigen Ländern dieser ( nicht wenige /Indien/China) Welt die Menschen einfach irgendwo ihre Hütte hinstellen. In Deutschland ist dies nicht möglich da jeder Quadratmeter Grund schon vergeben ist und peinlichst darauf geachtet wird das nicht irgendein Penner seine Hütte irgendwo hinbaut.
Wir müssen in Deutschland viele Teuronen für Wohnraum hinblättern.


lg
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Re: Deutschland in der Sozial- Falle
« Antwort #14 am: 29 Januar, 2008, 21:44 »
Ist denn die Lebensqualität in Rumänien oder China wirklich so viel schlechter als in Deutschland? Mit einem chinesischen Lohn kann man in China Miete zahlen, in Deutschland nicht. Mit chinesischem Lohn kann man seine Stromrechnung in China bezahlen, in Deutschland jedoch nicht. Wo liegt also der Hase im Pfeffer?
 Das Hauptproblem sind die exorbitanten Lebenshaltungskosten in Deutschland. Aufgrund einer kartellartig strukturierten Marktsituation sind sämtliche grundlegenden Waren und Dienstleistungen viel zu teuer, und deshalb braucht der deutsche Arbeiter auch mehr Lohn. Mit chinesischem oder rumänischem Lohn könnte man hier schlicht nicht überleben.
Das Kapital ist nicht mehr bereit, seinen Anteil am Gemeinwohl zu leisten.  Die reaktionäre Journaille hat nicht ganz unrecht, wenn sie auf den Wettbewerb verweist im Zusammenhang mit dem Lohnniveau. Es ist durch die Globalisierung einfach schwieriger geworden, das Kapital zu seinem Anteil am Gemeinwohl zu zwingen. Insofern ist der Sozialstaat in Frage gestellt.
Kritisieren muß man die Gleichgültigkeit der reaktionären Presse gegenüber den sozial Schwachen und die Abwesenheit eines Sich-Bemühens auf der Suche nach Lösungsvorschlägen. Es gibt nur zwei Lösungen: erstens die Schaffung von echten Gewerkschaften in China und Rumänien, um das dortige Lohnniveau zu erhöhen, oder zweitens nicht für höhere Löhne zu streiken, sondern für niedrigere Lebenshaltungskosten in Deutschland.
Dem Arbeiter geht es nicht um das Lohnniveau, sondern um die Kaufkraft. Sinken die Strompreise, dann braucht er keinen höheren Lohn und hat dennoch mehr Geld übrig.
Letztlich müssen Aktiengewinne global sozialisiert werden, aber als Übergangslösung bietet sich ein Streiken für tiefere Preise an, und somit das Zerschlagen lokaler Kartelle, illegaler Preisabsprachen und mafioser Strukturen, die Nivellierung der Managergehälter und drastische Strafen bei Steuerhinterziehung und Kapitalflucht.