Autor Thema: Ein Achtel Leben: Ray Kurzweil zum 60. Geburtstag  (Gelesen 825 mal)

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Ein Achtel Leben: Ray Kurzweil zum 60. Geburtstag
« am: 12 Februar, 2008, 19:25 »
Heute vor 60 Jahren erblickte Raymond Kurzweil, Sohn jüdischer Emigranten aus Österreich, in New York das Licht der Welt. In den siebziger Jahren gelangen Kurzweil wichtige Erfindungen auf dem Gebiet der Zeichen- und Spracherkennung. Heute gilt er als führender Vertreter des Transhumanismus, der den Menschen als informationsverarbeitende Intelligenz definiert, die noch an eine biologische Plattform gebunden ist, bald aber als elektronische Plattform potenziell unsterblich wird. Weil dieser Umbruch, technologische Singularität genannt, laut Kurzweil unmittelbar im Jahre 2019 bevorsteht, glaubt er bisher höchstens ein Achtel seines Lebens hinter sich gebracht zu haben. Darum schluckt er täglich 250 Aufbaumittel, um seinen Körper bis zur Singularität fit zu halten.

Ray Kurzweil gehört ähnlich wie der sieben Jahre jüngere Bill Gates zu den Menschen, die in der Jugendzeit frühzeitig mit Computern spielen konnten. Im Alter von 15 Jahren schrieb er ein Statistik-Programm, das IBM seinen Technikern empfahl. Nach dem Willen seiner Eltern – der Vater Musikprofessor, die Mutter Klavierlehrerin – sollte Kurzweil eine Karriere als Pianist machen, schrieb dagegen aber lieber Computerprogramme, die Klavierstücke analysieren und synthetisieren sollten. Mit einem solchen automatischen Piano trat er als Kinderstar im Fernsehen auf. Noch während des Studiums am MIT hatte Kurzweil Erfolg mit einem weiteren Muster-Erkennungsprogramm namens "Select College Consulting Program", das Studienwünsche mit einer Datenbank von 3000 Colleges abglich.

Nach seinem Studium spezialisierte sich Kurzweil auf Zeichenerkennung und entwickelte einen der ersten OCR-Scanner. Zusammen mit einem von ihm entworfenen Sprach-Synthesizer entstand ein Lesegerät für Blinde. Kurzweil verkaufte die aufstrebende Firma an Xerox, um sich in den 80ern – inspiriert von seinem blinden Kunden Stevie Wonder – den Musiksynthesizern zu widmen. Die Kurzweil-Synthesizer waren sehr erfolgreich, bis das gesamte Geschäft nach Korea verkauft wurde. Danach entwickelte Kurzweil mit einer neuen Firma erfolgreich Spracherkennungssoftware, die später an Scansoft (heute Nuance) verkauft wurde.

Mit den Büchern "The Age of Intelligent Machines" sowie "The Age of Spiritual Machines" (der verunfallte deutsche Titel ist Homo S@piens) legte Kurzweil die Grundlagen für seine Theorie der Künstlichen Intelligenz, die sich ausgehend von der menschlichen Intelligenz entwickelt. Sein letztes Werk, "The Singularity Is Near" (deutsch: Der Urknall ist nah), das derzeit verfilmt und rezensiert wird, predigt den Beginn einer neuen Epoche.

Als echter Futurist hat sich Kurzweil niemals vor Vorhersagen gescheut. Recht behielt er beispielsweise mit den 1990 veröffentlichten Aussagen, dass Schachcomputer Schachweltmeister schlagen werden, unrecht mit der Annahmen, dass sich Autos ab 2000 automatisch steuern. Recht behielt er mit der Annahme von 1998, dass ab 2005 die drahtlose Computerkommunikation drahtgebundene Netze ablöst, doch zweifelhaft erscheint die Aussage, dass Kriege ab 2009 nur noch von Maschinen geführt werden. Über den von Kurzweil prognostizierten Download des menschlichen Gehirn auf Festplatten ab 2019 werden spätere Ausgaben des Newstickers berichten müssen. Obwohl Ray Kurzweil sich auf das lange Leben freut, dass ihm nach seiner Ansicht von der Technologie geschenkt wird, glaubt er dennoch an Grenzen. So hat er mehrfach betont, dass Menschen intellektuell nicht älter als 500 Jahre werden können, ohne des Lebens überdrüssig zu werden. In diesem Sinne hat er ein knappes Achtel hinter sich gebracht und sich dabei immer mit aufregenden Sachen beschäftigen können.

Quelle : www.heise.de

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Werden wir ewig leben?
« Antwort #1 am: 16 April, 2010, 07:47 »
Ein Interview-Sammelband prüft die Thesen von Ray Kurzweil und gibt den Stand der Dinge zu Enhancement und Lebensverlängerung zum besten.

Der Erfinder und Autor Ray Kurzweil leitet aus den möglichen technologischen Anwendungen aktueller naturwissenschaftlicher Erkenntnisse die Vision einer nahen Zukunft ab, in der Künstliche Intelligenz die menschliche auf allen Gebieten übertrifft, in der der Mensch mit intelligenter Technologie verschmilzt, Krankheiten und Altern durch den Einsatz von Gentechnik und Nanomedizin bekämpft werden und schließlich niemand mehr eines natürlichen Todes sterben muss. Zuletzt hat Kurzweil in seinem Buch „The Singularity is Near“ ausgebreitet, wie die Menschheit bald ihre biologischen Fesseln abstreifen wird. Kurzweil meint es ernst: Um den Alterungsprozess zu verlangsamen, nimmt er rund 200 Nahrungsergänzungspillen pro Tag ein. Die spannenden Frage ist, ob er mit Wandern, Karotten, Makrele und ab und zu einen Glas Rotwein genauso weit kommen würde.

Roman Brinzanik und Tobias Hülswitt haben nun unter dem Titel „Werden wir ewig leben?“ die Ideen von Kurzweil zum Anlass genommen, den heutigen Stand der Naturwissenschaften zu optimierenden und lebensverlängernden Maßnahmen mit ihren Interviewpartner abzuklären, Wissenschaft von Heilsversprechen zu treffen und die ethischen Herausforderungen auszuloten. Zu Wort kommen unter anderem der Chemie-Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn, der Stammzellforscher Hans Schöler, der Hirnforscher Wolf Singer, der Demographen James W. Vaupel und der Technik-Ethiker Bert Gordijn.

Warum nun ausgerechnet die kruden Thesen von Ray Kurzweil herhalten mussten, um die Fragen nach der Zukunft menschlicher Evolution zu stellen? Sicher gelingt es Kurzweil einige Hoffnungen und Ängste zugespitzt zu formulieren, seine Perspektivsuche verlässt aber spätestens bei der sogenannten „Singularität“ wissenschaftlichen Grundlagen. Die Singularität bezeichnet nach Kurzweil einen gar nicht so fernen Zeitpunkt, an dem der technische Fortschritt plötzlich zu einem gesellschaftlichen Totalumbruch führen wird. Das klingt wie eine Mischung aus Wassermannzeitalter und den Zeugen Jehovas. Schon diese mussten ihre Endzeitverheißungen immer wieder verschieben.

Man hat Kurzweil vorgehalten, seine Annahmen seien im Kern religiös motiviert, ein Vorwurf, den er auch im vorliegenden Band zu entkräften sucht. Er glaube daran „mehr Muster als Materie“ zu sein. Damit erklärt er sich zum subjektiven Idealisten. Kein Fehler, die ewige Frage ist halt, worin sich dieses Muster gründet, seit Ewigkeiten oszillieren hier die möglichen Antworten. Religion war und ist für ihn ein Ersatzsinnstifter, der nur zum Tragen kommt, wenn Wissenschaft versagt. Aber weil Wissenschaft in Zukunft nicht mehr versagen wird, ist Transzendenz aus seiner Sicht nicht mehr nötig, für die Rückbindung an ein letztes Ganzes besteht kein Bedarf.

Gerade in Europa nimmt man sowohl in der KI-Forschung als auch in der Medizin die steilen Thesen von Kurzweil nur ungern auf. Die Gesprächspartner sehen wenig wissenschaftliche Gründe dafür, der Verschmelzung von Mensch und Technik bis hin zur Unsterblichkeit das Wort zu reden.

Der Molekularbiologe und Direktor des Max-Planck-Instituts für molekular Biomedizin, Hans R. Schöler weist darauf hin, dass die molekularbiologischen Prozesse in unterschiedlichen Lebensformen sehr gut ausbalanciert sind. „Wann immer wir versuchen, etwas in dem natürlich Prozess zu verändern, wird es tatsächlich eher schlimmer als besser. Eine Veränderung in der Wechselwirkung von zwei Molekülen kann schon gewaltige Auswirkungen auf den Gesamtorganismus haben.“

Und die KI? Kann die uns in den schmerz- und virenfreien Reinraum überführen? Kurzweil geht davon aus, dass mit binären Rechnerarchitekturen menschliche Fähigkeiten und Eigenschaften in ihrer Gesamtheit konstruierbar sind. Die KI zeigt allerdings nur zu deutlich, dass zwar Spezialanwendungen (Flugzeugsteuerungen, Schach spielen) entwickelt werden können, die Menschen in spezifischen Bereichen überlegen sind, die Entwicklung einer Gesamtentität, die läuft, kocht, trauert und lernt, aber überhaupt noch nicht in Aussicht steht. Wolf Singer bezeichnet in seinem erhellenden Interview denn auch die Idee, Gedächtnisinhalte irgendwohin hochzuladen oder zu kopieren als „naive Mutmaßungen, die offentsichtlich auf zu einfachen Annahmen über die Organisation von Gehirnen basieren. Wir wissen ja noch nicht einmal, wo und wie Gedächtnisengramme konfiguriert sind.“

Wie immer man die technischen Realisierungsmöglichkeiten beurteilt, auf einem anderen Blatt steht, in wie weit sie erwünscht sind. Die zentrale Frage ist hier: wie wertvoll sind die Ziele, wie sinnvoll angelegt das viele Geld, dass man zur Erreichung der Unsterblichkeit oder auch nur Lebensverlängerung einsetzt? Abgesehen davon, dass länger nicht unbedingt besser heißen muss. Sollte es nicht vielmehr um das gute Leben möglichst vieler als das lange Leben einiger weniger Menschen gehen? Die Enhancement-Techniken sind wertlos, so lange nicht Bedingungen herrschen, in denen jeder Anwender sie in den sozialethischen Kontext stellen kann. Das ist viel verlangt, aber von Amateur und Profi-Sportlern verlangen wir genau dies: Hochleistung ohne unerlaubte Techniken oder chemisch Stützstrümpfe. Oder wie Peter Gruss in dem Band sagt: „Wenn ich ein Trainingscamp auf drei-, viertausend Metern einrichte, hat niemand was dagegen. Wenn ich mir aber EPO spritze, dann schon. Dabei ist das Ergebnis grundsätzlich dasselbe, nur der Weg dorthin ist ein anderer.“

Insgesamt wird man bei Kurzweil und anderen transhumanistisch angehauchten Autoren den nicht los, dass hier viel Hirnschmalz vergeudet wird, wo anderen, mithin irdischere Probleme drängen. So ist der Diskurs um die Potentiale der Lebensverlängerung nicht umsonst extrem westlich und techno-orientiert und primär eine Männer-Spielwiese. In dem Sammelband kommt leider keine Frau zu Wort, dabei wäre es sicher interessant zu lesen gewesen, welche Perspektive/Einstellung die gendergeleitete Forschung zu den technokratischen Ideenwelten hat.

Die Antwort auf jeweils letzte Frage des Interviews zeigt das Spannungsfeld zwischen individueller Redlichkeit und den erahnten sozialen Folgen auf. Denn wohl wissend, dass eine Weltgesellschaft der 300-400-Jährigen zu enormen Verwerfungen auf dem Globus führen dürften, würden die meisten der befragten Wissenschaftler doch die Chance wahrnehmen ein Meta-Methusalem zu werden. Aber so geht es uns wohl allen: Man mag es sich nicht vorstellen, dass irgendwann kein Platz mehr für einen ist, mehr noch: das irgendwann die Welt genug von einem hat.

Quelle : http://www.heise.de/tp/

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