Autor Thema: Gier ohne Grenzen  (Gelesen 3795 mal)

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Das Bauernopfer der Finanzkrise
« Antwort #30 am: 05 Oktober, 2010, 18:38 »
Der Franzose Kerviel soll fünf Jahre in Haft und fast fünf Milliarden Euro zurückzahlen

Der französischen Société Générale ist es heute in Paris gelungen, die Verantwortung für das verantwortungslose Geschehen in dem Institut vor Gericht ganz auf den Ex-Wertpapierhändler Jérôme Kerviel abzuschieben. Der Bretone soll allein, in Unkenntnis aller Kontrollinstanzen, vor zwei Jahren mit Börsenspekulationen im Umfang von rund 50 Milliarden Euro die Bank an den Rand des Ruins gebracht und den größten Bankenskandal in Frankreich ausgelöst haben. Dafür soll Kerviel nun fünf Jahre in Haft, zwei davon auf Bewährung, und er soll 4,9 Milliarden Euro Schadensersatz leisten. Er wurde wegen Vertrauensmissbrauchs, Betrugs und Computerbetrugs schuldig gesprochen.

Dass es sich um ein "sinnloses" Urteil handelt und das Strafmaß "außerordentlich" sei, wie sein Anwalt erklärt, dafür gibt es tatsächlich etliche Hinweise. Der Staranwalt Anwalt Olivier Metzner hatte auf Freispruch plädiert und wird das Urteil anfechten, weshalb Kerviel, der fast fünf Wochen in Untersuchungshaft verbracht hat, zunächst auf freiem Fuß bleibt. Doch dass die Bank nichts von den Vorgängen gewusst und sie nicht einmal stillschweigend geduldet habe, darf doch ernsthaft bezweifelt werden. Es scheint, dass hier ein Bauernopfer abgeurteilt wurde.

Das Gericht hat nur Mängel in den Überwachungsprozessen der Société Générale kritisiert. Doch kann man es Mängel nennen, wenn ein Broker zeitweise mit 50 Milliarden Euro auf steigende Kurse, auch des deutschen Leitindex Dax, wettet? Dabei hatte die gesamte Abteilung, in der Kerviel tätig war, ein Limit von 125 Millionen Euro. 50 Milliarden sind zudem 150 Prozent des gesamten Eigenkapitals der Bank. Das soll er also eingesetzt haben, ohne dass das jemandem aufgefallen sein soll.

Wenn die Kontrollen tatsächlich so schwach waren, sollte man annehmen, dass auch die Bank eine wesentliche Schuld trifft. Stimmt das, würde es ein noch dramatischeres Bild über die Vorgänge in den Finanzinstituten werfen, als man es ohnehin schon gewöhnt ist. So zum Beispiel, wenn an Pleitebanken, wie im Fall der Lehman Brothers, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) noch schnell 300 Millionen Euro überwiesen werden. Ein guter Teil davon sind wohl für immer verloren.

Ohnehin war Kerviel mit 50.000 Euro Jahreseinkommen bei der Societé General ein kleines Licht. Auch seine Boni fielen, trotz der riesigen Gewinne, die er über Jahre mit seinen Wetten für die Bank gemacht hatte, deutlich bescheidener aus, als die, die sich Banker gewöhnlich gewähren. Doch auch hier wollen die, die eigentlich die Verantwortung haben, sie nicht tragen. Dabei brachte das Jonglieren mit den Riesensummen seinem Chef deutlich mehr ein. Der Société Générale-Vorstand Daniel Bouton musste zwar vier Monate nach der Affäre seinen Hut nehmen, doch ohne Sonderleistungen ist sein Lebensabend mit 730.000 Euro jährlich weich abgefedert, ohne Sonderleistungen versteht sich. Ihm hätten die Spielereien zudem 300.000 Euro eingebracht, wären sie nicht aufgefallen. Aufgeflogen sind die Wetten nur, weil sich auch das Institut über die US-Krise mit schlecht abgesicherten Subprime-Krediten verspekuliert hatte. Als die Krise nach Europa schwappte forderte die Banque de France eine detaillierte Auflistung der Positionen auch von der Société Générale, womit das gefährliche Spiel aufflog.

Dass sich aus der fehlenden Kontrolle eine große Verantwortung der Bank oder der Chefs ableitet, wollte der vorsitzende Richter Dominique Pauthe aber nicht sehen: "Mit seinen vorsätzlichen Handlungen setzte er die Existenz der Bank aufs Spiel, die 140.000 Menschen beschäftigte, von der er ein Teil war, und deren Zukunft bedroht war", erklärte er. Er folgte damit der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Staatsanwalt Philippe Bourion hatte auf die Hinweise auf das "laissez faire" in der Bank entgegnet, ein Dieb könne auch nicht erklären, der Geschädigte sei mitschuldig, weil er keinen Wachhund und keine Alarmanlage habe. Dass dieser Vergleich mehr als hinkt, ist klar.

Kerviel wurde zum Beispiel keine persönliche Bereicherung vorgehalten. Logisch weiter gedacht, sind also in Zukunft in Frankreich die Beschäftigten für alle Schäden verantwortlich, die sie über ihre Firma anrichten, auch wenn es keinerlei Kontrolle für ihr Tun gibt. Wäre also ein Arbeiter eines Atomkraftwerks für den Supergau verantwortlich, weil er versehentlich im Kontrollraum einen Schalter berührt hat, danach alle Notfallelemente ausfallen und es zur Kernschmelze kommt, obwohl der Arbeiter ohnehin nie in Kontrollbereich hätte gelangen dürfen?

Kerviel, der nun als Informatiker in einem Kleinbetrieb arbeitet, wird den Schaden niemals zurückzahlen, dass weiß auch die Bank, die vor allem die Verantwortung von sich weisen wollte. Er verdient nun monatlich 2.300 Euro. Er müsste also knapp 180.000 Jahre arbeiten, ohne einen Cent für sich zurückzubehalten, um den Schadensersatz zu leisten. Die Bank kam dagegen wegen der fehlenden Kontrolle recht glimpflich weg. Sie musste vier Millionen Euro an die Bankaufsicht zahlen.

Quelle : http://www.heise.de/tp/

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