Wie Recherchen der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) ergaben, kursiert vereinzelt Malware, die den Betroffenen kinderpornographische Bilder auf den Rechner schmuggelt. Für die Opfer kann das schlimme Folgen haben.Wenn die Ermittler, die einen Verdächtigen mit kinderpornographischen Bildern erwischen, eine Ausrede schon viel zu oft gehört haben, dann ist es wohl die, dass eine Malware-Infektion das Material unbemerkt auf den Rechner geladen hat. Verständlich, dass die meisten Ermittler daher nicht geneigt sind, diese Behauptung zu glauben. Was aber, wenn wirklich Malware im Spiel war? Oder, um es mit den Worten von Phil Malone, Experte für IT-Recht an der Universität Harvard, zu sagen: "Es ist ein Beispiel für die alte Ausrede 'der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen'. Das Problem ist, manchmal frisst der Hund wirklich deine Hausaufgaben."
Nach Angaben der AP kann es die Verdächtigen hunderttausende von Dollar kosten, ihre Unschuld zu beweisen. Zudem kann gerade die Anschuldigung, kinderpornographisches Material zu besitzen, neben den strafrechtlichen auch erhebliche berufliche, soziale und familiäre Konsequenzen haben.
Um zu klären, ob eine Malware-Infektion vorliegt, muss der betreffende Rechner datenforensisch untersucht werden. Das ist aufwendig, teuer und oft auch langwierig. Allerdings kann so die Unschuld mitunter bewiesen werden. So berichtet die AP von einem Fall, in dem jemand, während der Rechner nicht benutzt wurde, per Trojaner Zugriff erlangte und eineinhalb Stunden lang 40 Porno-Seiten die Minute besuchte. Dies ließ sich von den Experten nachvollziehen, so dass der Beschuldigte freigesprochen wurde. In anderen Fällen allerdings, in denen vermutet wird, dass ebenfalls ein Virus oder Trojaner für die Platzierung entsprechenden Materials verantwortlich war, ließ sich die Unschuld der Verdächtigen nie zweifelsfrei beweisen.
Die AP merkt an, dass keineswegs immer Pädophile für diese Angriffe verantwortlich sind. Es könne sich auch um einen "Scherz" einer Person mit krankem Humor handeln - oder um den Versuch, dem PC-Besitzer etwas anzuhängen. Einen wirklich wirksamen Schutz gibt es nicht - gute Sicherheitssoftware ist ein Schritt, aufmerksames Verhalten bei der Nutzung von Internet und E-Mail ohnehin sehr wichtig. Ebenfalls könnte unter Umständen eine Verschlüsselung der Datenträger helfen - so könnten die verdächtigen Bilder zumindest nicht ohne weiteres gefunden werden. Aber ein Restrisiko bleibt, und so ist dies eine besonders perfide Art der Cyberkriminalität. Fast jeder wünscht sich, dass Menschen, die mit Kindesmissbrauch in welcher Form auch immer zu tun haben, bestraft werden - diesen Wunsch auszunutzen, um Unschuldige mit dem Gesetz in Konflikt zu bringen, ist umso skrupelloser. Aber leider mittlerweile traurige Realität.
Quelle :
www.gulli.com