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Handy- Betrug: Bei Anruf Abzocke
« am: 25 Juni, 2006, 11:06 »
Im Display des Mobiltelefons wird ein unbeantworteter Anruf angezeigt - und wer zurückruft, der wird abgezockt. Dreist wie nie versuchen Handy-Betrüger derzeit, an des Geld ihrer arglosen Opfer zu kommen. Die zuständigen Behörden sind bemüht - und doch völlig überlastet.

Die Betrüger kennen kein Erbarmen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit muss man damit rechnen, von ihnen aufgeschreckt zu werden. Kurz klingelt das Mobiltelefon, doch egal wie schnell man am Apparat ist, die Verbindung ist bereits beendet. Im Display wird ein unbeantworteter Anruf angezeigt. Wer zurückruft, ist der Dumme.

"Vielen Dank für Ihren Anruf. Auf Wiederhören" - eine Ansage in diesem Stil ist das einzige, was der verdutzte Handy-Nutzer zu hören bekommt. Manchmal auch gar nichts. Kassiert wird trotzdem, und das nicht zu knapp: Zwischen 49 Cent und zwei Euro sind pro Anruf fällig. Die im Display angezeigte Nummer ist nämlich eine 0137-Nummer, gemietet von einem Betrüger, der bei jedem Anruf mit verdient.

Normalerweise werden Nummern dieser Art für TED-Abstimmungen eingesetzt. Wer also die finnischen Schock-Rocker von Lordi beim Schlager-Grand-Prix ganz nach oben gejubelt hat, der hat dafür wohl ebenfalls eine 0137-Nummer genutzt. Doch auch immer mehr Betrüger nutzen die Nummern, um arglosen Handynutzern das Geld aus der Tasche ziehen.

Im vergangenen Jahr beschwerten sich 1745 Menschen bei der zuständigen Bundesnetzagentur darüber, dass sie Opfer von 0137-Neppern geworden sind. In diesem Jahr sind es bereits drei Mal so viele. Allein in der Woche nach Pfingsten gingen fast 1.200 Beschwerden ein. "Wir stellen fest, dass sich die Zahl der 0137-Lockanrufe in den vergangenen Monaten massiv erhöht hat", bilanziert auch Sascha Borowski vom Opfer-Forum Dialerschutz.de.

Die Netzagentur verfolgt jeden ihr angezeigten Fall und kann im Betrugsfall auch Nummern abschalten. Doch die Behörde wirkt überlastet. Wer einen Betrugsversuch meldet, erhält zwar binnen kurzer Zeit eine Eingangsbestätigung. Dann folgt aber wochenlang nur Stille. Wie viele Beamte genau an der Verfolgung der Betrugsfälle arbeiten, dazu gibt es von der Netzagentur keine genauen Zahlen.

Die Nepper starten ihr betrügerisches Werk meist am Wochenende. Dann haben sie freie Bahn, weil die sonst so wachsamen Beamten der Netzagentur ihre freien Tage genießen. Automatisch probiert dann ein Computer der Betrüger alle möglichen Handynummern durch und läutet gerade eben lange genug an, um seine Nummer für arglose Rückrufer zu übertragen.

"Bisher wurde die Abschaltung von rund einhundert 0137er Rufnummern wegen rechtswidriger Lockanrufe angeordnet", sagt Linda Sydow von der Bundesnetzagentur. Opferschützer Sachsa Borowski lobt zwar die Arbeit der Beamten, beklagt jedoch im selben Atemzug die fehlende Effektivität. "Wenn die Behörde missbrauchte Nummern sperrt, verwenden die Täter einfach die nächsten Nummern und das Spiel beginnt von Neuem."

Es ist schwer, an die Betrüger heranzukommen. Das liegt an dem komplizierten System, über das die Nummern vergeben werden. Die Netzagentur gibt zunächst größere Blöcke von Nummern an größere Telekommunikationsunternehmen aus. Diese vermieten sie dann an andere Firmen weiter, welche die Nummern zum Teil ihrerseits weitergeben. So entstehen Verflechtungen, die für unbedarfte Nutzer nur schwer durchschaubar sind. In jedem Fall muss er sich beim Telekommunikationsunternehmen erkundigen, wer denn eigentlich die betrügerische Nummer gemietet hat.

Weil sie in den seltensten Fällen direkter Anbieter von 0137-Nummern sind, wollen die großen Telekommunikationskonzerne möglichst wenig mit dem Problem zu tun haben. "Beschwerden, die bei uns eingingen, betrafen stets andere Netzbetreiber und landeten bei uns aus Unkenntnis der Zusammenhänge", sagt etwa Rüdiger Gräve von T-Com. Und sein Kollege Jörg Wassink von Colt-Telecom erklärt: "Kein Netzbetreiber hat die Möglichkeit zu prüfen, was Kunden mit ihren Rufnummern machen." Natürlich, so betonen beide unisono, nehme man das Problem sehr ernst. Und Colt erklärt, man habe in der Vergangenheit auch schon einmal zwei 0137-Rufnummern wegen nachgewiesenen Betrugs abgeschaltet.

Sascha Borowksi mag auf jeden Fall nicht allen Telekommunikationsfirmen ein gutes Zeugnis ausstellen: "Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Zusammenhang mit 0137-Lockanrufen seit Jahren bestimmte Netzbetreiber immer wieder auffällig werden." Schließlich, so sagt Borowski, verdienten die Firmen bei jedem erfolgreichen Lockanruf mit. "Wenn sie dann nach ein paar Tagen die missbrauchten Nummern sperren, ist niemandem geholfen."

Kritik übt Borowski auch an den Strafverfolgungsbehörden. Denn betrogene Kunden, die ihr Geld zurück haben wollen, müssen neben der Beschwerde bei der Bundesnetzagentur auch eine Anzeige in Erwägung ziehen. "Wenn ein Betroffener zur Polizei geht und seinen Schaden von 1,50 Euro darlegt, wird er in vielen Fällen belächelt." Dass aber gleichzeitig zahlreiche andere Handykunden ebenfalls einen Schaden in dieser Höhe zu beklagen hätten, werde von den Behörden allzu oft vergessen.

Dazu komme, dass sich die Staatsanwaltschaften in Deutschland noch immer nicht einig seien, ob Lockanrufe mit 0137-Nummern den Tatbestand des Betruges erfüllten oder nicht. Während die Staatsanwaltschaft Augsburg dies vor einiger Zeit bejaht habe, habe die Staatsanwaltschaft München vor ein paar Wochen genau das Gegenteil entschieden: "In genau dieser rechtlichen Grauzone füllen sich unseriöse Anbieter seit über drei Jahren die Taschen."

Eine Neufassung des Telekommunikationsgesetzes soll nun das Problem lösen: Paragraf §66j des neuen Gesetzes sieht vor, dass bei Anrufen nur noch Ortsnetz- oder Mobilfunknummern im Telefon-Display angezeigt werden dürfen. Anrufe, bei denen eine 0137-Nummer auftaucht, sind dann unzulässig. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium glaubt ganz fest daran, dass dadurch 0137-Betrug bald der Vergangenheit angehören wird. "Ja." - so lautet die vollständige Antwort aus der dortigen Pressestelle auf eine entsprechende Anfrage.

Sascha Borowski ist nicht ganz so euphorisch. Theoretisch, so sagt er, würde den 0137-Betrügern so tatsächlich die Grundlage entzogen - aber nur wenn sich die Anbieter an die Vorgaben hielten und Verstöße effektiv verfolgt würden: "Ich bin mir nicht sicher, ob das passieren wird."

Quelle : www.spiegel.de

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