Autor Thema: Technologietrends: Die neue Einfachheit  (Gelesen 990 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline SiLæncer

  • Cheff-Cubie
  • *****
  • Beiträge: 191383
  • Ohne Input kein Output
    • DVB-Cube
Technologietrends: Die neue Einfachheit
« am: 17 September, 2006, 16:30 »
Die Hersteller sollten es den Nutzern nicht zu schwer machen - das hat Angela Merkel auf der IFA gefordert. Der Appell der Kanzlerin freute die Verbraucher, denn Handys, DVD-Spieler und PCs sind oft zu kompliziert. Doch eine Wende ist in Sicht: Immer mehr Unternehmen achten auf "Usability". Und das ist gar nicht schwer.

Der DVD-Player hat mehr Knöpfe als eine Computertastatur, das Handymenü führt auf Irrwege und der PC scheint seinen eigenen Willen zu haben - komplizierte Technik verärgert die Verbraucher. Wenn sich Geräte nicht schnell und einfach bedienen lassen, wenden sich die Nutzer ab. Das schadet letztendlich den Herstellern. In der Studie "TV 2010" der Universitäten Siegen und Bonn gaben 20,8 Prozent der Befragten an, dass komplizierte Tastenkombinationen ein Problem für sie seien.

Das scheint die Industrie jedoch kaum zu interessieren. "Hersteller machen sich oft zu wenige Gedanken darüber, was der Nutzer eigentlich braucht", kritisiert Franz Koller, Geschäftsführer von User Interface Design. Das Unternehmen hat sich auf Usablity spezialisiert - also auf die Kunst, die Technik auf die Bedürfnisse des Nutzers abzustimmen. "Die IFA hat keine großen Fortschritte gebracht", beklagt der Experte.

Dabei könnte alles so einfach sein. Wenn etwa die Fernbedienung für einen DVD-Spieler zu viele Knöpfe mit kryptischen Abkürzungen hat, dann ist das ein klarer Fall für die Usability-Fachleute: Funktionen, die selten benutzt werden, können unter einem gemeinsamen Knopf zusammengefasst werden. Dafür können die "wichtigen" Tasten dann größer sein und besser beschriftet werden.

Kürzer und schneller reicht nicht

Usability bedeutet aber "nicht nur, dass alles kürzer und schneller geht", betont Britta Hofmann, Leiterin des Usability- Kompetenzzentrums am Fraunhofer- Institut für angewandte Informationstechnik, "ein Gerät muss passend zur Denkwelt des Nutzers gestaltet werden." So habe man etwa in Tests herausgefunden, dass User in der Regel keine Handynummern auswendig kennen, sondern ihr Adressbuch benutzen. Deshalb sollte bei der Funktion "SMS schreiben" zunächst ein Fenster auftauchen, in das man den Anfangsbuchstaben des Namens eingibt - nicht etwa ein Feld, in das die Nummer eingetragen wird.

Immer mehr Unternehmen nehmen sich solche Forschungsergebnisse zu Herzen. So bringt etwa das Hausgeräte-Joint-Venture von Bosch und Siemens eine Reihe mit Produkten heraus, die wegen ihrer einfachen Bedienung auch für ältere Menschen gut geeignet sind. Einige Autokonzerne verändern die Armaturenbretter - nachdem die Technische Universität München gezeigt hat, dass Fahrer auf bis zu 32 Prozent der notwendigen Blicke nach außen verzichten, wenn sie durch die Bedienung von Radio oder Navigationsgerät abgelenkt werden.

Nicht nur im Auto, sondern auch im Büro kann nutzerfeindliche Technik zum Problem werden: Wenn für eine einfache Aufgabe ein ganzer Klickmarathon nötig ist, dann kostet das Zeit und Geld. Links sind auf der Seite versteckt, die Farben verwirren und ein Hilfe-Button ist überhaupt nicht vorhanden - mit solchen Problemen sehen sich Websurfer täglich konfrontiert.

"Ich denke, dass sich gewisse Standards durchgesetzt haben", sagt Vera Brannen dennoch optimistisch. Die Vizepräsidentin der deutschen Abteilung der Usability Professionals' Association (UPA) , des Berufsverbands der Usability-Fachleute, betont aber, dass noch viel getan werden müsse.

Damit ein Produkt "usable", also nutzerfreundlich, heißen darf, muss es bestimmte Standards erfüllen, so die Expertin: Die Norm DIN EN ISO 9241 schreibt unter anderem vor, dass ein Gerät oder eine Website selbstbeschreibungsfähig sein soll. Das bedeutet, dass Links immer gekennzeichnet sind oder dass eine Aktion, wie zum Beispiel "speichern", immer durch dasselbe Symbol angezeigt wird. So findet sich der Nutzer ganz von selbst zurecht. Wichtig ist auch die Steuerbarkeit - beim Einkaufen im Internet sollte man jederzeit zwischen Warenkorb und Auswahl hin und her wechseln können.

Direkter Draht zum Nutzer

Ein großer Schritt Richtung User ist nach Meinung vieler Fachleute die zunehmende Interaktivität: Foren, Unternehmensblogs oder Produktinformationen in einem personalisierten Newsletter (RSS-Feed) machen den Draht zwischen Anbieter und Abnehmer etwas stabiler. Für Technikmuffel sind solche Anwendungen allerdings oft zu kompliziert. Unternehmen müssen sich also noch stärker auf ihre Zielgruppe einstellen.

Was der Nutzer wirklich braucht, das erforschen Wissenschaftler in User-Tests. Unternehmer können solche Untersuchungen in Auftrag geben - das kostet zwischen 6000 und 50.000 Euro. Wer kein großes Budget hat, kann einen Experten zu Rate ziehen, der das aktuelle Produkt beurteilt. Das funktioniert allerdings nur bei weniger komplizierten Anwendungen. Hilfreich ist es auch, einen Kollegen, der nicht mit der Entwicklung vertraut ist, als Versuchsobjekt einzusetzen.

Immer mehr Unternehmen profilieren sich mit der Nutzerfreundlichkeit. Im Vorfeld der Cebit 2007 wurde im September erstmals ein Usability Award verliehen - er ging an das Unternehmen Kodak, das für seine in Geschäften aufgestellten Fototerminals ausgezeichnet wurde. Seit 2005 gibt es auch einen jährlichen Usability-Tag - Werbung für die Verbraucher und für jene Agenturen, die konsumentennahe Entwicklungen für die Industrie anbieten. Das Umdenken kommt also, aber es kommt langsam. Bis Handy und PC allein dem Nutzer gehorchen, muss noch einiges geschehen.

Quelle : www.spiegel.de

Arbeits.- Testrechner :

Intel® Core™ i7-6700 (4 x 3.40 GHz / 4.00 GHz)
16 GB (2 x 8 GB) DDR4 SDRAM 2133 MHz
250 GB SSD Samsung 750 EVO / 1 TB HDD
ZOTAC Geforce GTX 1080TI AMPExtreme Core Edition 11GB GDDR5
MSI Z170A PC Mate Mainboard
DVD-Brenner Laufwerk
Microsoft Windows 10 Home 64Bit

TT S2 3200 ( BDA Treiber 5.0.1.8 ) + Terratec Cinergy 1200 C ( BDA Treiber 4.8.3.1.8 )