Telefonieren über das Internet wird zunehmend beliebter. Grund dafür sind vor allem die, gegenüber der regulären Telefonie, niedrigeren Kosten. Doch wie alle Internet-Kommunikationstechniken, leidet auch Voice over IP unter unerwünschten Werbefluten.
Telefonspam"Spam over Internet Telephony", kurz "Spit", heißt der Spam in den VoIP-Netzen. Anders als bei der herkömmlichen Telefonie, sind bei VoIP netzinterne Anrufe meist kostenlos und das nutzen die Spammer aus: Bis auf die Anschaffung moderner Anruf-Computer, die pro Minute bis zu 1.000 Anrufe absetzen können, kosten die Werbetelefonate nichts oder bestenfalls sehr geringe Summen.
Ein Spit-Anruf ist, anders als herkömmlicher Spam, besonders nervig: Statt einfach in der Mailbox einzutrudeln, klingelt das Telefon. Wer abnimmt, wird von einer Bandansage oder einem Sprachcomputer über die Vorteile von Viagra und Cialis aufgeklärt. Gerade in Unternehmen und im Home-Office kann das zu erheblichen Störungen führen - auch wenn das Spit-Problem bisher nicht einmal annähernd so groß ist wie das des E-Mail-Spams.
KrabbeltierchenDoch nicht nur Spam kann über die Internet-Telefone verbreitet werden. Auch Viren und Würmer sind denkbar, ebenso gibt es eine nicht zu verachtende Gefahr durch menschliche Angreifer. Da VoIP auf IP-Technik basiert, ist es wie alle anderen Internet-Dienste angreifbar. Es besteht die Gefahr, dass ganze Landstriche telefontechnisch lahmgelegt werden.
In seiner jüngsten VoIP-Studie "VoIPSEC" (PDF) hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ganze 19 verschiedene Angriffs-Szenarios zusammengestellt, die Sicherheit, Qualität und Komfort von VoIP-Netzwerken gefährden. Neben dem Werbe-Terror und dem Angriff durch Schädlinge sind es vor allem die Übermittlungs-Server, die eine Gefahr darstellen.
DatensicherheitDer VoIP-Verkehr läuft bei seinem Weg durch das Netz über verschiedenste Server. Nicht selten wird ein Anruf von zwei unmittelbaren Nachbarn um die halbe Welt geleitet. Hier besteht die Gefahr, dass Telefonate umgeleitet, abgehört oder sogar gefälscht werden. Das allerdings kann mit jeder IP-basierten Datenübertragung passieren.
Gegen die verschiedenen Bedrohungs-Szenarien haben bereits einige Anbieter Lösungen vorbereitet, die allerdings allesamt noch nicht marktreif sind. So ist der VoIP-Diensteanbieter Qovia zurzeit damit beschäftigt, eine Filter-Software herzustellen, die automatisch sinnvolle Anrufe von Spit unterscheiden kann. Die Unterscheidung erfolgt dadurch, dass menschliche Sprecher, anders als Bandansagen oder Computer-Stimmen, nicht monoton klingen.
LösungenAuch andere haben das Spit-Problem erkannt. So hat das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein in Zusammenarbeit mit dem Provider TNG das Projekt "Spit-AL" ins Leben gerufen. Dort wird ein Whitepaper zur Spit-Bekämpfung angeboten.
VoIP-Fans sollten, so lange es keine einheitliche Lösung für die VoIP-Sicherheit gibt, besser nicht auf einen klassischen Telefonanschluss verzichten. Denn anders als bei Handy und Festnetz besitzt Voice over IP keinen direkten Kanal zu Notruf-Nummern. Und der Ausfall des Netzes ist, so jedenfalls die BSI-Studie, ebenfalls wesentlich wahrscheinlicher als in klassischen Telefonnetzen.
Quelle :
www.onlinekosten.de