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In 20 Jahren ist das Verhältnis der Bezüge der Vorstände von Dax30-Unternehmen zuden Mitarbeiterlöhnen vom 14-Fachen auf das 44-Fache gestiegen – bei der Deutschen Post auf das 87-Fache und bei Metro gar auf das 140-Fache
Eine Studie von Joachim Schwalbach, dem Leiter des Instituts für Management an der Humboldt-Universität kommt gerade rechtzeitig für die anschwellende Diskussion über die Managergehälter, auch wenn die Grunddaten bereits im September vom Manager Magazin veröffentlicht wurden. Untersucht hat Schwalbach zwar nur die Vorstandsvergütungen der DAX30-Unternehmen, die aber wohl für viele große Konzerne stehen können. Danach ist das Verhältnis der Pro-Kopf-Gehälter von Angestellten und Vorstand durchschnittlich vom 14-Fachen 1987 auf das 44-Fache im Jahr 2006 gestiegen.
Das einen großen Teil der Deutschen umtreibende Gefühl, dass die stetig um ein Vielfaches gegenüber den eigenen Lohnerhöhungen wachsenden Vergütungen der Manager ungerecht seien, zumal wenn gescheiterte Manager noch exorbitante Entschädigungen erhalten, ist also durchaus realistisch. Und dass nach vielen Jahren der Lohnzurückhaltung gerade seit der Mitte der 90er Jahre ungeachtet der zwischenzeitlichen Krise der Abstand zwischen Belegschaft und Vorstand deutlich gewachsen ist, macht vielleicht deutlich, dass irgendwann die Geduld oder die Hoffnung zu Ende sein könnte, am Wohlstand von denen da oben teilzuhaben.
Gestern sagte Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut in der Münchener Runde, in der über Mndest- und Höchstlöhne diskutiert wurde, was letztlich die Grundschicht des Glaubens an den Kapitalismus ausmacht. Die Marktwirtschaft setze die Preise nach Knappheit fest. Da gute Manager knapp seien, erhalten sie schlichtweg mehr. Das regle schlicht der freie Markt. Das hieße natürlich auch, dass die "Überflüssigen", die Zuvielen, wenig oder gar nichts kriegen. Seine simple Botschaft des kapitalistischen Sozialdarwinismus untermauerte der Ideologe oder Gläubige des angeblich freien Marktes, der ja großen Teils faktisch ein Konstrukt ist, dass die Alternative zu seiner Marktwirtschaft nur die staatlich kontrollierte Wirtschaft sei, bei der dann alle arm sind.
Es waren allerdings auch in den kommunistischen Systemen nicht alle gleichermaßen arm, wie Sinn suggerieren will, sondern die auch dort bestehende Kluft zwischen den wohlhabenden Parteibonzen, die Macht und Reichtum vererbten, und der armen Mehrheit ließ die Unzufriedenheit wachsen und unterminierte letztlich das System. Immerhin macht Sinn trotz aller ideologischen Verschleierung deutlich, dass reine Marktwirtschaft schlichtweg brutal ist. In ihr gebe es keine Gerechtigkeit, sagte er, die Frage nach ihr sei schon völlig falsch gestellt. Anders als mit der geradezu monotheistischen Vorgaukelei, dass Kapitalismus doch irgendwie für alle besser sei als jede denkbare Alternative ("Du sollst neben mir keine anderen Systeme haben!"), lässt sich der reine Kapitalismus, die freie Marktwirtschaft, auch gar nicht vertreten. Die jetzt über Mindestlöhne und Höchstgrenzen geführte Gerechtigkeitsdebatte stellt dies zumindest in Frage. Das freilich könnte in der Forderung münden, dass die Mitarbeiter eines erfolgreichen Unternehmens entsprechend den Gewinnen an diesem beteiligt sein müssten, was die Frage der Gerechtigkeit dann freilich noch weiter in die Gesellschaft hinein verschieben würde.
Ab 2000 ist die Kluft zwischen dem Einkommen von Managern und Angestellten besonders schnell gewachsen
Die Studie von Schwalbach zur Entwicklung der Vorstandsvergütungen von Dax30-Unternehmen, um darauf zurückzukommen, macht aber auch deutlich, dass es zwischen den Konzernen erhebliche Unterschiede gibt, die nicht allein dem wirtschaftlichen Erfolg zu verdanken sind. Die Vorstandsvergütung ist beispielsweise bei der Allianz zwar auch ab 1995 stark gewachsen, betrug aber 2006 "nur" das 34-Fache der Personalkosten pro Kopf, bei der Lufthansa ist es sogar nur das 28-Fache. Adidas machte den großen Sprung 2003, 2006 lag hier das Verhältnis aber schon beim 57-Fachen. Vor 20 Jahren waren die Abstände viel kleiner und lagen teilweise wie bei der Allianz unter dem Zehnfachen, meist aber deutlich unter dem 20-Fachen. Das ist beispielsweise bei der Hypo Real Estate noch heute der Fall. Aus der Reihe schlägt völlig Metro. Dort war man 2005 schon beim 91-Fachen und die Vorstandseinkünfte innerhalb eines Jahres auf das 140-Fache angehoben.
Auffällig sind die enormen Steigerungen ab dem Jahr 2000, die bei praktischen allen Unternehmen ohne Knicks weitergingen und gleichzeitig bedeuten, dass die Angestellten an diesem Aufschwung zumindest der Vorstandseinkommen nicht teilnahmen, sondern immer mehr abgehängt wurden. Sind ab 1995 oder ab 2000 so viele bessere Manager gekommen, hat sich der freie Markt verändert? Wurde einfach nur das amerikanische Modell, das sich weltweit ausbreitet und durchaus zu Differenzen um das 100- und 200-Fache führen kann, übernommen? Einzig bei Daimler-Chrysler war man schon mal beim 60-Fachen und ist nach den Missgriffen immerhin nun wieder in der Normalität beim 33-Fachen gelandet. Auch die Deutsche Bank hat vom 59-Fachen (2000) auf das "bescheidenere" 41-Fache zurückgesteckt, wobei allerdings die Vorstandsvergütungen pro Kopf kaum gelitten haben. Siemens hingegen, wo man 2006 beim 47-Fachen lag, sollte wohl bei den Vorstandsgehältern zurückstecken.
Am Erstaunlichsten sind freilich derart schnelle Anstiege, wie man sie etwa bei der privatisierten Deutschen Post beobachten kann. 1995, beim Unternehmensstart, verdiente der Vorstand noch das 11-Fache, 2002 war schon beim 25-Fachen und 2006 beim 87-Fachen. Das ist nicht immer so, wenn ein Staatsunternehmen privatisiert wird, wie man im Spiegel suggerieren. Bei der Deutschen Postbank stiegen die Vorstandbezüge "nur" auf das 21-Fache. Bei der Deutschen Telekom sind sie immer wieder vom 44-fachen (2001) auf das 29-Fache zurückgefallen. Bei EON ist man allerdings 2000 mit dem 36-Fachen gestartet und jetzt beim 63-Fachen gelandet.
Nicht nur Zumwinkel von der Deutschen Post, der sich für das schlechte Timing entschuldigt, mal schnell ein Schnäppchen mit 4,7 Millionen Euro durch die Vereinbarung des Mindestlohns gemacht zu haben, ohne dass dieses Bedauern natürlich irgendwelche Konsequenzen nach sich zöge, macht deutlich, warum die breite Öffentlichkeit über das Gebaren der Manager zunehmend saurer wird. Siemens ist dafür auch ein gutes Beispiel. Für Kleinfeld, der sich nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert hat, lief eigentlich sein Vertrag beim Chefwechsel zu Löscher aus, der vier Millionen Gage erhält und eine zusätzliche Prämie von 8,5 Millionen. Immerhin hatte Kleinfeld in seinem letzten Jahr bei Siemens 5,3 Millionen und eine zusätzliche Summe an Aktienvergütung verdient. Trotzdem erhielt Kleinfeld bescheidene 5,75 Millionen Euro als Abfindung mit der Begründung, er habe den Konzern beim Übergang zu Löscher beraten und zugesagt, bei keinem Konkurrenzunternehmen einzusteigen. Und weil man ja nicht kleinlich ist und, frei nach Sinn, Supermanagern Supergelder bezahlt, erhielt Kleinfeld für den Amtsantritt bei dem US.Konzern Alcoa eine Antrittsprämie von 6,5 Millionen Dollar. Der Wechsel hat sich für Kleinfeld gelohnt. Und Löscher kritisiert die schwarzen Schafe unter seinen Kollegen:
Antrittsgelder, Abfindungen, für die es keine Gegenleistung gibt, hohe Gehälter, mit denen nicht Erfolg belohnt, sondern Misserfolg bezahlt wird - das darf es nicht geben. Aber das sind Exzesse. Manager dürfen die Bodenhaftung nicht verlieren.
Gewerkschafter findet die Vorstandsgehälter angemessen
Man darf gespannt sein, ob sich in den nächsten Tagen noch weitere Gewerkschafter wie nun Robert Ostwald, der Konzernbetriebsratsvorsitzende der BASF, zu Wort melden und ihren Kollegen im Vorstand zur Seite stehen. Ostwald, der "knallhart Arbeitnehmer-Interessen" vertritt, will die Diskussion aus der "Neid-Ecke" herausholen und findet die Gehälter der Vorstandsmitglieder ganz in Ordnung und angemessen. Und im Vergleich zu anderen Einkommen, wie sie etwa Manager von Fußballvereinen haben, geradezu "moderat".
Ostwald, der als einer der Aufsichtsratsvorsitzenden über die Einkommen des Vorstands mitentscheidet und so auch unter Rechtsfertigungsdruck steht, sagte der Sächsischen Zeitung auf die Frage nach den über drei Millionen Euro Jahresgehalt für den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrech: "Ein Uli Hoeneß hat einfach weniger Verantwortung als der Manager eines internationalen Konzerns." Wer nörgelt, soll doch erst einmal zeigen, dass er es besser kann, fügte er mit billiger Rhetorik hinzu. Überzeugt ist er, dass hinter seiner Haltung auch die ganze Belegschaft steht, weil es ein "durchgängiges Erfolgsbeteiligungssystem" gebe.
Die Vorstandsvergütungen bei BASF betrugen 2006 das 40-Fache des durchschnittlichen Gehalts der Mitarbeiter. Das ist Mittelfeld, auch wenn die Kluft sich hier wie überall deutlich weiter aufspreizt. 1987 lag man noch beim 12-Fachen, bis 1998 hatte man sich auf das 23-Fache vorgearbeitet. Dann ging es kurzfristig zurück, um dann um so schneller vom 16-Fachen im Jahr 2000 auf das 40-Fache anzusteigen. Man wird annehmen dürfen, dass die Angestellten sich freuen würde, wenn ihre Gehälter in dieser Zeit ähnlich zugelegt hätten.
Quelle : www.heise.de
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So lukrativ ist Scheitern: Gerade erst vom Staat mit Steuergeldern gerettet, zahlt die UBS ihren Mitarbeitern Milliardenboni aus. Die Chefs des Geldhauses haben eine wichtige Lektion noch nicht verstanden - dass die Banken selbst schuld sind an ihren Problemen.
Zürich - Gerüchteweise hatte es die Schweizer Öffentlichkeit schon seit zwei Wochen beschäftigt, an diesem Dienstagmorgen kam dann die Bestätigung von der UBS: Die schlingernde Großbank, lange der Stolz der Nation, zahlt ihren Mitarbeitern auch für das vergangene Jahr für 2,2 Milliarden Franken (rund 1,4 Milliarden Euro) "variable Lohnbestandteile", im Volksmund Boni genannt.
Nun hat die UBS-Führung schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass knapp eine Milliarde davon vertraglich geschuldet ist - in Brokerjobs etwa, bei denen der Fixlohn verhältnismäßig niedrig ist und ein hoher Anteil an provisionsabhängiger Bezahlung die notwendigen Anreize schaffen soll. Die Wut bezieht sich berechtigterweise auf die andere, freiwillig bezahlte Milliarde, zumal die UBS mit knapp 20 Milliarden Franken Jahresverlust ein katastrophales Geschäftsjahr hingelegt hat.
Einzig ein staatliches Rettungspaket in Höhe von 66 Milliarden Franken bewahrte den Geldkonzern vor dem Zusammenbruch. Nachdem der Staat 2008 davon rund sechs Milliarden Franken in bar bereitstellte, fühlt sich der Schweizer Steuerzahler nun unfreiwillig in die Rolle gedrängt, ruinös handelnde Bankmanager mit Boni zu belohnen.
ntsprechend groß ist jetzt der Zorn. Doch die UBS-Boni sind bei aller Aufregung nicht nur das Resultat einer Unverschämtheit der Bank-Oberen. Tatsächlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Die Megabank UBS, 1998 aus der Fusion von zwei der drei Großbanken entstanden, ist im Verhältnis zur Schweizer Wirtschaft so groß, dass ihr Zusammenbruch die gesamte Wirtschaft mit den Abgrund reißen würde. Entsprechend hatte die Schweiz ihr Rettungspaket für die UBS schon Monate im Voraus in geheimen Gesprächen zwischen der Bankführung, Regierung und Notenbank geschnürt.
Dabei von "Verhandlungen" zu reden, wäre übertrieben. Eher ging es um aufgedrängtes Geld. Die Banker fürchteten die Hilfe sogar zunächst, weil sie den Staat in ihrem Weltbild lieber am eigenen Tropf hängen sahen. Als es nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in den USA keinen anderen Ausweg mehr gab, lag der Schweizer Finanzminister nach einem Herzstillstand im Koma. Seine Stellvertreterin agierte beherzt und wurde für ihre Rettungsaktion inzwischen zur "Schweizerin des Jahres" gewählt.
Abnicken durch den Rotkreuzhelfer
Über das Kleingedruckte waren sich die beiden Vertragsparteien so rasch einig, dass Selbstverständlichkeiten schlicht vergessen wurden. Etwa das Verbot, bei zweistelligem Milliardenverlust Boni auszuzahlen. Es blieb für die UBS bei einer vagen Verpflichtung, bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter die Branchenstandards einzuhalten. So war die Absegnung des anstößigen Bonusplans der UBS durch die neu geschaffene Finanzmarktaufsicht im Januar weniger Ergebnis von Gesprächen als vielmehr ein Abnicken durch den Rotkreuzhelfer.
Zudem misst die neue UBS-Führung auch in der neuen Zusammensetzung noch lieber den Puls der Finanzmärkte als den Puls des Volkes. Sie hat die Erfahrungen ihrer Vorgänger Marcel Ospel und Peter Wuffli schon erfolgreich verdrängt. Beide mussten sich inzwischen unter öffentlich gezeigter Zerknirschung verpflichten, einen Teil ihrer Boni zurückzuzahlen.
Die neue Führung ist nach wie vor überzeugt, dass nicht die Banken, sondern Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft für die Finanzkrise verantwortlich sind. Und dass Boni in der Schweizer Öffentlichkeit kein Thema mehr sind. Beides ist zumindest eine eigenwillige Wahrnehmung.
Die zu Hunderten eintreffenden Reaktionen auf den Websites und in den Leserbriefspalten der Zeitungen deuten jedenfalls an, dass sie sich nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung decken. Die Top-Spitze der Bank hält sogar ihren diesjährigen freiwilligen Bonusverzicht bei einem Jahresverlust von 19,7 Milliarden Franken für eine moralische Heldentat. Dabei würde Volkes Stimme sie liebend gerne persönlich am Jahresergebnis beteiligen - aber nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten.
Furcht vor dem Verlust der Top-Banker
Aber wie jede Absurdität hat auch die diesjährige Bonuszahlung der UBS ihren realen Kern: Die Bank will mit der freiwilligen Zahlung "variabler Lohnbestandteile" ihre Top-Leute im Private Banking an Bord halten. Schließlich ist das Privatkundengeschäft an der Krise so wenig mitverantwortlich wie die Schweizer Berge.
Die UBS steht hier in Konkurrenz mit anderen Privatbanken auf den Finanzplätzen Zürich, Genf, Lugano und Vaduz. Der Kampf ums Personal ist in der Krise härter geworden. Die UBS fürchtet bei diesen professionell geldorientierten Top-Leuten mit fixem Kundenstamm eine Abwanderung zur Konkurrenz, wenn sie keine Sonderzahlung erhielten. Zu Recht womöglich, wie zu Jahresende ein erfolgloser und deshalb rasch abgebrochener informeller Versuch der UBS bewies, die ganze Branche auf einen Bonusverzicht für 2008 zu verpflichten.
Und so stammt das Wort des Tages von UBS-Konzernchef Marcel Rohner: "Wir sind der Schweiz und der Nationalbank dankbar." Eigentlicher Adressat des Dankes indes ist der Schweizer Steuerzahler, der sich an die Großbanken so gewöhnt hat wie an hohe Berge. In guten wie in schlechten Jahren.
Quelle : www.spiegel.de
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Furcht vor dem Verlust der Top-Banker
Was für Top-Banker denn überhaupt?
Diese Nieten in Nadelstreifen haben doch überhaupt die ganze Chose zu verantworten, weil sie wie die Lemminge allesamt blind in den Abgrund gelaufen sind.
Keiner davon war auch nur einen Cent / Rappen / wasauchimmer seiner Einkünfte wert, weil jeder nur blindlings gemacht hat, was alle anderen auch hektisch taten, anstatt sein bischen Grips anzustrengen und eine offensichtliche Fehlentwicklung aufzuhalten oder sich zumindest im Interesse der eigenen zahlenden Kunden davon abzukoppeln.
Diese Nulpen haben offensichtlich grösstenteils keine blasse Ahnung von ihrem Job, jedenfalls weder Gewissen noch Pflicht- oder Ehrgefühl.
Und für sowas ist m.e. Hartz IV noch zuviel.
Schadensersatz, bis die Schwarte kracht, sowas täte not...
Oder man nehme sich besser gleich ein Vorbild an bewährten japanischen Traditionen der Selbstentleibung >:(
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Die Hypo Real Estate bekommt weitere staatliche Garantien in Höhe von zehn Milliarden Euro. Damit wächst die Summe der Kapitalhilfen und der staatlichen Garantien für den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer auf insgesamt 102 Milliarden Euro.
München - Mit den zehn Milliarden Euro sind es jetzt insgesamt 52 Milliarden Euro, die die Hypo Real Estate (HRE) inzwischen an staatlichen Garantien bekommen hat. Der Rettungsfonds Soffin habe den Garantierahmen für die Bank entsprechend erweitert, teilte der angeschlagene Immobilienfinanzierer am Mittwoch in München mit.
Diese Summe werde bis zum 12. Juni zur Verfügung gestellt, hieß es weiter. Die zur Hypo Real Estate Gruppe gehörende Hypo Real Estate Bank AG werde auf dieser Basis Inhaberschuldverschreibungen begeben, die am 14. Mai zur Rückzahlung fällig seien. Nach eigenen Angaben zahlt die Hypo Real Estate Bank an den Soffin eine zeitanteilig berechnete Bereitstellungsprovision in Höhe von 0,1 Prozent auf den nicht in Anspruch genommenen Teil des Garantierahmens. Für ausgestellte Garantien betrage die Provision 0,5 Prozent jährlich.
Insgesamt haben sich bei der HRE staatliche Bürgschaften und Kapitalspritzen von mehr als 100 Milliarden Euro aufgetürmt. Zudem laufen laut HRE weitere Gespräche mit dem Soffin über die Gewährung "längerfristiger und umfassender Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und Kapitalunterstützung".
Wegen der dramatischen Lage der HRE wird seit Wochen über einen Einstieg des Staates bei dem Unternehmen diskutiert. Dazu wollen sich Vertreter des Soffin noch in dieser Woche mit dem Großaktionär des Konzerns an einen Tisch setzen. Die Investorengruppe um Christopher Flowers sei erstmals zu Gesprächen eingeladen worden und nehme das Angebot an, sagte ein Sprecher.
Einigung mit Flowers würde Staatseinstieg erleichtern
Durch eine Einigung mit Flowers, der rund 25 Prozent der Anteile hält, könnte der Einstieg des Staates deutlich erleichtert werden. Denn das Finanzmarktstabilisierungsgesetz begrenzt eine Staatsbeteiligung ohne Zustimmung der Altaktionäre bisher auf 33 Prozent. Durch eine Enteignung könnte die Bank vollständig durch den Staat übernommen werden. Einen Entwurf mit einer solchen Änderung des Gesetzes hat das Finanzministerium bereits erarbeitet.
Bund und Kreditwirtschaft hatten die HRE im Oktober in letzter Minute mit einem Hilfspaket von 50 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch gerettet. Wegen eines akuten Liquiditätsengpasses bei der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa stand die HRE mehrfach vor dem Aus. Der Konzern hatte allein von Juli bis September drei Milliarden Euro Verlust gemacht und braucht für die notwendige Sanierung noch mehr Geld.
Am 27. März will die Bank nach bisherigen Planungen ihre Geschäftszahlen für 2008 vorlegen. Es wird erwartet, dass diese tiefrot ausfallen. Auch 2009 rechnet der Vorstand nicht mit Gewinnen, zumal die Staatshilfe sehr teuer ist.
Quelle : www.spiegel.de
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Wer soll das verstehen? Banken, die mit staatlicher Milliardenhilfe vor dem möglichen Ruin bewahrt werden, wollten einigen ihrer Top-Leute Millionenprämien auszahlen. Jetzt hagelt es harsche Kritik aus der Regierung. An vorderster Front: Kanzlerin Merkel und Vize Steinmeier.
Hamburg - Die Regierungschefin fand klare Worte: "Es ist unverständlich, dass Banken, denen der Staat unter die Arme greift, in vielen Fällen gleichzeitig riesige Bonussummen auszahlen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem SPIEGEL. Das werde Anfang April auch Thema beim G-20-Treffen in London sein. "Insgesamt muss das Bonussystem international klarer an den wirklich nachhaltigen Erfolg der Banken gekoppelt werden", sagte die CDU-Politikerin.
Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) schlug in die gleiche Kerbe: "Der Realitätsverlust und der Zynismus mancher Führungskräfte erschüttern mich immer wieder. Führungskräfte sind Vorbilder - im Guten wie im Schlechten." Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mahnte an, dass das Gemeinwohl auch von der Mäßigung des Einzelnen lebe: "Solche Exzesse sind Ausdruck einer verlorenen Bodenhaftung und gefährden den Grundkonsens dieser Gesellschaft."
"Verantwortliche nicht belohnen"
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) wunderte sich, "wie es sein kann, dass die Boni quasi als Bestandteil des Festgehalts vergütet und selbst dann verdient werden, wenn das Unternehmen am Abgrund steht". Ihr Parteifreund Olaf Scholz zeigte kein Verständnis für diese Praxis: "Wo Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit verkürzen und auf Lohn verzichten, können nicht freigiebig Boni gezahlt werden", sagte der Arbeitsminister. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sieht in Bonuszahlungen einen der Auslöser für die Finanzkrise. "Wenn Bankkunden Verluste hinnehmen müssen, dürfen die dafür Verantwortlichen nicht belohnt werden", sagte Aigner.
Entzündet hatte sich der Streit an den Boni für die Investmentbanker von Dresdner Kleinwort. Dabei geht es um 400 Millionen Euro. Das Geld war den Mitarbeitern im vergangenen Sommer von der damaligen Muttergesellschaft Allianz versprochen worden. Die Commerzbank hatte die Zahlungen nach der Übernahme der Bank in Frage gestellt. Der Bund beteiligt sich mit gut 25 Prozent an der Commerzbank, insgesamt hat sie 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe bekommen.
"Gierige Banker klagen Millionen-Prämien ein", titelte die "Bild"-Zeitung, als bekannt wurde, dass die Investmentbanker aus Furcht vor drastischen Boni-Kürzungen gar den Gang vor Gericht erwägen . Neben dem zugehörigen Artikel: ein Foto vom lachenden Ex-Dresdner-Kleinwort-Chef Stefan Jentzsch. Nun aber verzichtet der Gescholtene auf die Sonderzahlung . "Stefan Jentzsch hat für 2008 keinen Anspruch auf einen Bonus geltend gemacht", sagte am Freitag ein Sprecher der Dresdner Bank zu SPIEGEL ONLINE. Auch der ehemalige Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter verzichtete auf seine Bonuszahlungen für 2008. Dies beinhalte auch den "Drei-Jahres-Bonus", sagte ein Sprecher der Allianz, deren Vorstand Walter bis vor kurzem ebenfalls angehört hatte.
Scharfe Kritik an den bisherigen Boni-Regeln und den Schöpfern solcher Vergütungsprogramme kommt auch aus der Wirtschaft selbst. Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef des Versicherungsgiganten Münchener Rück, sagte im Gespräch mit dem SPIEGEL: "Es gab klare Exzesse." Gerade die "hohen, kurzfristigen Boni" hätten als "eine Art Brandbeschleuniger der Krise" gewirkt.
Angesichts der "ungeheuerlichen Dimension dieser Krise" müsse man sich aber auch "überlegen, ob man nur die Manager kritisiert oder nicht auch die Aufsichtsräte und Investoren, die solche Vergütungssysteme geschaffen haben". Die nun einsetzende öffentliche Erregung findet der Münchener-Rück-Chef dabei "völlig legitim". Er habe "großes Verständnis" für politische Pläne, die Boni nun zu deckeln.
Bomhard zeigte sich allerdings "sicher, dass Appelle und Kritik auch so greifen werden. Das Pendel wird nun in die andere Richtung ausschlagen". Er halte Wettbewerb zwar "generell für notwendig. Aber man muss diesem Wettbewerb auch Grenzen setzen, einen Ordnungsrahmen schaffen". Große Bereiche der Finanzindustrie seien für viele Bürger noch immer "vollkommen intransparent". Das schaffe "erst Unsicherheit, dann Misstrauen und kann am Ende dazu führen, dass gesellschaftliche Gruppen weit auseinanderdriften".
Bomhard weiter: "Das ist eine große Gefahr für unsere Gesellschaft." Neben den Boni-Exzessen sieht der Vorstandschef allerdings zwei weitere Grundprobleme: Einerseits "die oft völlig unzureichende Qualität des Risikomanagements", andererseits mangelnde "persönliche Verantwortung" vieler Top-Manager. Wenn die Musik ganz laut spiele, müsse "man auch mal zu sagen wagen: Nein, ich tanze nicht mit!"
Quelle : www.spiegel.de
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Eine halbe Milliarde gibt es sofort, hinzu kommen Garantien von vier Milliarden Euro: Der Immobilienfinanzierer Aareal hat Hilfe aus dem Bankenrettungspaket beantragt. Insgesamt hatte die Bundesregierung den Banken 480 Milliarden bereitgestellt - die Summe ist jetzt zu gut einem Viertel beansprucht.
Wiesbaden - Einer Mitteilung der Aareal Bank zufolge gewährt der Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) dem Institut eine sogenannte Stille Einlage in Höhe von 525 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Garantierahmen für neue Emissionen im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro.
Damit werde sich die Kernkapitalquote der Aareal Bank deutlich erhöhen. Die mit neun Prozent verzinste Einlage solle möglichst rasch zurückgeführt werden. Dafür werden die Aktionäre für 2008 und 2009 keine Dividende bekommen.
Die Maßnahme wird von der Bank ausdrücklich als Vorsorge dargestellt. Man habe sich mit dem Soffin auf die Maßnahmen geeinigt, um ein "nachhaltig profitables Geschäft dauerhaft abzusichern und zugleich das sehr schwierige Marktumfeld zu überbrücken".
Nach vorläufigen Zahlen hat die Aareal-Gruppe das Geschäftsjahr 2008 mit schwarzen Zahlen abgeschlossen. Das Vorsteuerergebnis des Konzerns habe bei 117 Millionen Euro gelegen. "Der Vergleichswert des Vorjahres (380 Millionen Euro) war maßgeblich von positiven Sondereffekten in Höhe von 221 Millionen Euro geprägt."
Im vierten Quartal verbuchte die Gruppe einen Vorsteuergewinn von elf Millionen Euro. "Damit hat die Aareal Bank Gruppe in allen Quartalen seit Ausbruch der Finanzmarktkrise schwarze Zahlen geschrieben."
Nach Angaben des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) liegen derzeit 15 Anträge von Kreditinstituten vor. Folgende deutsche Banken und Institutionen wollen das Maßnahmenpaket nutzen beziehungsweise haben bereits Gelder bekommen:
Darunter sind unter anderem
* die Hypo Real Estate, 52 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
* die Commerzbank, 15 Milliarden Euro Garantien 18,2 Milliarden Euro Eigenkapital (bereits gewährt)
* die HSH Nordbank 30 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
* die BayernLB, 15 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
* die IKB, 5 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
Noch verhandelt wird um Hilfen für die VW Bank, die Düsseldorfer Hypothekenbank und die WestLB. Zudem haben weitere kleinere Institute um Hilfe gebeten. Ihr Bedarf an Staatskapital liegt Kreisen zufolge deutlich unter dem der genannten Banken, zumeist unter einer Milliarde Euro.
Quelle : www.spiegel.de
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Der Commerzbank droht die Zerreißprobe: Den eigenen Mitarbeitern streicht der Geldkonzern nach Vorlage der Jahresbilanz den Bonus - die Verlustbanker der Dresdner Kleinwort können dagegen auf Zahlungen hoffen. Nun sucht das Institut nach Wegen aus der Belohnungsfalle.
Eigentlich könnte es ein guter Tag sein für die Commerzbank. Die Jahreszahlen sind längst nicht so mies wie erwartet: Vor Steuern liegt das Ergebnis für 2008 bei minus 378 Millionen Euro. Unter dem Strich steht sogar ein kleiner Gewinn von immerhin drei Millionen Euro. In Zeiten wie diesen kann man so etwas schon als Erfolg verkaufen.
Die Anleger sind dementsprechend zufrieden, der Aktienkurs schießt nach Bekanntgabe der Zahlen um neun Prozent in die Höhe. Noch dazu bietet die Bilanz dem Geldinstitut eine erfreuliche Gelegenheit, bei der Politik zu punkten. Quer durch die Parteien werden Banker derzeit zur Bescheidenheit gedrängt - vor allem jene von der Commerzbank, die nach Kapitalhilfen von mehr als 18 Milliarden Euro zu rund 25 Prozent dem Staat gehört.
Also lässt Commerzbank-Chef Martin Blessing seinen Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Eric Strutz am Mittwoch ausrichten: Allen Mitarbeitern wird der Bonus gestrichen, weil zwar unterm Strich schwarze Zahlen stehen - das Vorsteuerergebnis aber negativ war. Und die Maßnahme gelte für die neu erworbenen Töchter genauso wie für die alte Commerzbank. Sprich: Auch die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort, die mit ihrem Kampf um die zugesagten Zulagen von 400 Millionen in den vergangenen Tagen für unschöne Schlagzeilen sorgten, sind theoretisch eingeschlossen.
Allerdings hat die Sache einen Haken.
Rund 30 Prozent der umstrittenen Summe sind fest zugesagt, gesteht Strutz bei einer Telefonkonferenz ein. An die 120 Millionen Euro sind den Investmentbankern also sicher.
Fragt sich: Wofür eigentlich? 2,2 Milliarden Euro Miese liefen bei Dresdner Kleinwort allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Geschäftsjahres auf. Das Gesamtdesaster wird kommende Woche mit der Bilanz der Allianz vorgelegt.
Politik fordert Verzicht
Die Spitzenbanker der Sparte können sich bestimmter Extra-Gelder sicher sein - die Kollegen aus den anderen Bereichen der Commerzbank, die teils noch gute Ergebnisse erzielten, gehen dagegen leer aus. Die Stimmung in der Bank dürfte das kaum heben. Schließlich macht bei vielen Angestellten der Bonus an die 50 Prozent ihrer Gesamtbezüge aus. Allein für die alte Commerzbank summierten sich die Einsparungen durch die gestrichenen Zulagen auf 600 Millionen Euro, sagt Strutz.
Die Geschichte hinter der absurden Konstellation mutet skurril an. Der frühere Chef der Dresdner Kleinwort, Stefan Jentzsch, hatte die umstrittenen Boni schon im August zugesichert, weil die Top-Banker seiner Sparte für die Bank unverzichtbar schienen. Wer könnte schließlich besser qualifiziert sein, angehäufte Berge an Risikopapieren einigermaßen effektiv wieder abzutragen?
Richtig aufgegangen ist die Strategie freilich nicht. Von dem früheren 18-köpfigen Führungsteam bei der Dresdner Kleinwort ist laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" nur ein Mitglied heute noch bei der neuen Mutter Commerzbank im Dienst.
Finanzvorstand Strutz bleibt deshalb nur, an die Bescheidenheit der begünstigten Banker zu "appellieren". Viele Manager hätten doch schon auf ihre Zulagen verzichtet, sagt er am Mittwoch - und hofft, dass noch andere den guten Beispielen folgen.
Auch aus der Politik wächst der Druck. "Solche Leute bringen das Gesamtsystem in Misskredit", sagt CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer SPIEGEL ONLINE. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: "Nichts gegen gute Bezahlung. Aber wer seine Bank an den Rand der Pleite steuert, hat eine Bonuszahlung weiß Gott nicht verdient."
Immer wieder ergeht der Ruf an die Branche, zu verzichten - doch bisher überhören die begünstigten Investmentbanker der Dresdner Kleinwort diese Rufe. So beharren 17 der 18 früheren Mitglieder des Executive Committee auf ihre Zulagen, oft Millionensummen. Wahrscheinlich herrsche "Endzeitstimmung in bestimmten Investmentbanking-Kreisen", kommentiert CDU-Experte Meyer trocken. Die Banker wollten wohl mitnehmen, was eben geht, jetzt, da die Goldgräberzeiten vorbei seien.
Basteln am Bonussystem
So hat allein der einstige Chef der Sparte, Stefan Jentzsch, bislang Verzicht angemeldet - nachdem mehrere Zeitungen über einen Segeltörn und seine Leidenschaft für Ferraris berichtet hatten. Jentzsch kann sich Pressemeldungen zufolge mit einer satten Abfindung von rund 7,5 Millionen Euro trösten, die ihm für sein Ausscheiden aus der Bank bezahlt wird.
Finanzvorstand Strutz versucht jetzt, die Stimmung zu retten, soweit es geht. "Natürlich ist das schwer", sagt er über die Situation, vor allem, weil viele Mitarbeiter "ihre Leistung erbracht haben". Aber "Bonuszahlungen sind doch per se nicht schlecht", fügt er beschwichtigend hinzu. Und dass in manchen Bereichen der Dresdner Kleinwort ja sogar im vergangenen Jahr Gewinne erwirtschaftet wurden, die Zulagen durchaus rechtfertigen könnten.
Die Commerzbank will jetzt bis zum Sommer ein neues Bonussystem ausarbeiten, das sich mehr an langfristigen Erfolgen ausrichten soll. Doch da steht Strutz schon vor dem nächsten Problem: Im Kampf um die besten Talente mögen die Banken eine Feuerpause eingelegt haben - vorbei ist er noch nicht. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte kürzlich auf der Bilanz-Pressekonferenz betont, Banking sei ein "peoples business". Die Kunst bestehe jetzt darin, neue Bonusregeln nicht allzu streng festzuzurren, um Jungbanker nicht in die Arme des Wettbewerbers zu treiben.
Man wolle weiterhin "attraktiv" für Talente sein, sagt Strutz deshalb, "Leistungsträger langfristig binden". Und dann flüchtet er sich in die Philosophie. Die Commerzbank wolle alles in allem aber ohnehin "Mitarbeiter, die nicht nur materiell orientiert sind. Wer nur auf sein Einkommen schaut, der kennt auch keine Loyalität."
Quelle : www.spiegel.de
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dafür wurde bei uns ein spitzen Lehrling nicht übernommen, weil die Aufträge ausbleiben. Weis gar nicht wie groß sein Bonus vom Arbeitsamt ist.
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Regeln gegen die Gier: Die EU will strenger gegen exzessive Bonuszahlungen für Manager vorgehen. Kommissionpräsident Barroso sieht solche Prämien als eine Ursache der Finanzkrise. Die Marschroute für ein neues System soll beim nächsten EU-Gipfel festgelegt werden.
Hamburg - Brüssel will den Managern ans Portemonnaie. EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso kündigte am Samstag ein Konzept der EU-Kommission gegen übertriebene Sonderzahlungen an. Ein erster Fahrplan solle beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU am 1. März diskutiert werden, sagte Barroso dem "Hamburger Abendblatt". Details werde die Kommission "im April oder Mai" vorstellen.
"Es ist wirklich ein Skandal, was manchmal vor sich geht", sagte Barroso. Exzessive Bonuszahlungen verleiteten Finanzmanager dazu, unvertretbare Risiken einzugehen. Die Folgen sehen wir jetzt in der Finanzkrise. Daher solle ein System geschaffen werden, das "die Gier nach schnellen Gewinnen zügelt und in dem Scheitern nicht belohnt wird", sagte der Kommissionspräsident. Die Europäer hätten die Möglichkeit, "Maßstäbe zu setzen für den Rest der Welt".
Vor dem Vorbereitungstreffen zum Weltfinanzgipfel der G20, das am Sonntag im Bundeskanzleramt stattfindet, forderte Barroso zudem "eine bessere globale Finanzmarktaufsicht" und entschlossenes Vorgehen gegen Protektionismus. Darüber hinaus appellierte er an die Mitgliedstaaten, den Anstieg der Arbeitslosigkeit mit finanziellen Hilfen für Unternehmen zu begrenzen. "Gesunde Firmen, die allein wegen der Wirtschaftskrise in Turbulenzen geraten, sollten Geld vom Staat bekommen, damit sie auf Jobabbau verzichten", sagte Barroso der Zeitung. "Das Geld könnte in die Weiterbildung jener Mitarbeiter fließen, für die es gegenwärtig weniger oder keine Arbeit gibt."
Führende Wirtschaftsexperten hatten am Samstag erklärt, sie rechneten wegen der Wirtschaftskrise ab Sommer mit Massenentlassungen und einem drastischen Anstieg der Erwerbslosenzahlen. Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sagte der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung: "Jetzt setzen viele Firmen noch auf Kurzarbeit. Wir rechnen aber ab Sommer mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit." Derzeit wolle jedes vierte Unternehmen Stellen abbauen. Carstensen erklärte, auch die Kurzarbeit werde für viele Firmen dauerhaft zu teuer.
Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Wirtschaftsexperte mit deutlich mehr Arbeitslosen als bisher. "Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Jahresverlauf um bis zu 700.000 steigen", sagte Carstensen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet einem Pressebericht zufolge mit etwa einer halben Million mehr Menschen ohne Job. Ende 2008 hatte das Ifo-Institut noch ein Plus von 500.000 vorausgesagt.
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befürchtet eine spürbare Zunahme der Erwerbslosigkeit, weil die Firmen beispielsweise befristete Verträge nicht weiter verlängern würden. IW-Direktor Michael Hüther forderte, die Regelungen für befristete Verträge zu ändern und damit befristete Arbeitsverträge über die derzeit geltende Dauer von zwei Jahren hinaus zu ermöglichen.
Signale aus der Metall- und Elektroindustrie bekräftigen die Befürchtungen der Experten. Jedes zweite Unternehmen der Branche rechnet dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall zufolge in diesem Jahr mit Stellenabbau.
Anders als in den beiden Vorjahren ist die Arbeitslosigkeit nach Ansicht von Experten schon von Januar auf Februar gestiegen. Betroffen seien vor allem Leiharbeiter und Beschäftigte mit Zeitverträgen. Die Zahl der Erwerbslosen könnte die Marke von 3,5 Millionen deutlich übersteigen. Gründe sind der relativ strenge Winter und Auftragseinbrüche in den Unternehmen. Zahlen darüber, wie viele Arbeitnehmer seit Beginn der Wirtschaftskrise in Kurzarbeit geschickt wurden, gibt die BA am Donnerstag bekannt.
Quelle : www.spiegel.de
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Milliardenrisiken für die Steuerzahler, Extra-Geld für Spitzenbanker - die Finanzbranche hat jedes Maß verloren, kommentiert Karl-Heinz Goedeckemeyer. Der frühere Bankenanalyst fordert: "Es wird Zeit, dass jene haften, die uns den Scherbenhaufen eingebrockt haben."
Frankfurt am Main - Viele Top-Banker beharren auf ihre Bonuszahlungen - trotz Milliarden-Abschreibungen und hoher Verluste. Die Entrüstung darüber ist fernsehtauglich inszeniert, doch oft geht die Diskussion am eigentlichen Thema vorbei. Denn mit Bonusverzicht allein kann der Scherbenhaufen nicht beseitigt werden.
Die entscheidende Frage lautet, ob die "Masters of the Universe", die ihren Aktionären hohe Verluste beschert haben, dafür juristisch haften sollen. Tatsächlich dürfte das Desaster, das die Banker mit ihren Schrottpapieren angerichtet haben, bald ein Fall für die Staatsanwälte werden. Das Stichwort heißt Untreue.
Dass Staatsanwälte bei dringendem Tatverdacht bereit sind, unverzüglich vorzugehen, zeigen die Vorfälle bei der staatseigenen KfW-Bank. Gut einen Monat nach der millionenschweren Überweisung der KfW an die US-Pleitebank Lehman Brothers wurden Ermittlungen gegen Vorstände wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet.
Aber auch betroffene Aktionäre können den Staatsanwalt zwingen, gegen Manager vorzugehen. Bei begründetem Verdacht auf Untreue oder bei Falschaussagen des Managements müssen Ermittlungen eingeleitet werden. Aktionärsvereinigungen werden deshalb zahlreiche Sammelklagen einreichen. Das Ziel: Die Verluste der Kleinanleger zu minimieren, wenn sie nachweislich durch Managementfehler entstanden sind. Und damit dürfte auch das Bonus-System vor Gericht kommen.
Manche Vorstandsvorsitzende großer Banken brüsten sich damit, auf ihren Bonus für das abgelaufene Geschäftsjahr zu verzichten. An vorderster Front: Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, der schon vor einem Jahr damit prahlte, keinen Bonus bekommen zu wollen.
Auch Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, kündigte massive Einschnitte bei den Bonuszahlungen seines Instituts an - ganz freiwillig erfolgte dieser Schritt aber wohl nicht. Schließlich befindet sich sein Institut seit Anfang 2009 unter den Fittichen der Regierung. Mit gut 25 Prozent ist der Bund Großaktionär bei der "Staatsbank in gelb".
Allerdings gilt der Bonus-Verzicht nicht für die Investmentbanker von Dresdner Kleinwort. Die Mitarbeiter dort pochen nämlich auf ihre Zahlungen. Dass die Investmentsparte seit Jahren der Dresdner Bank - und nunmehr auch der Commerzbank - hohe Verluste beschert, stört die Banker nicht. Das 18-köpfige Team um den umstrittenen Chef Stefan Jentzsch verlangt trotz der 18-Milliarden-Euro-Stütze des Bundes hohe einstellige Millionen-Beträge.
Der Aufsichtsrat scheint sich an Verlusten nicht zu stören
Die Argumentation ist stets die gleiche: Spitzenleute sollen mit Bonuszusagen bei der Stange gehalten werden. "Leistung muss honoriert werden", sagt auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig.
Dass die erste Garde auf Boni verzichtet, "sei eine sehr honorige Geste". Dass die Deutsche Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 3,9 Milliarden Euro eingefahren hat - wobei ein Großteil auf das Investmentbanking entfiel -, scheint Börsig nicht weiter zu stören. Sonst hätte das Institut seinen Investmentbankern 2008 wohl kaum knapp vier Milliarden Euro an Gehältern und leistungsabhängiger Vergütung ausgezahlt.
Auch die Schweizer Banker wollten bei der Verteilung der Bonustöpfe nicht abseits stehen. In der vergangenen Woche wies die UBS einen Jahresverlust von fast 20 Milliarden Franken aus. Trotzdem zahlt die Großbank, die 2008 kurz vor der Insolvenz stand, ihren Mitarbeitern 2,2 Milliarden Franken (rund 1,4 Milliarden Euro) als "variable Lohnbestandteile" aus - obwohl nur knapp eine Milliarde davon vertraglich geschuldet ist.
In der Schweiz wird nun ebenfalls die Diskussion laut, ob Boni überhaupt noch gerechtfertigt sind. Denn allein die UBS hat im vergangenen Jahr 40 Milliarden Franken von der Nationalbank und sechs Milliarden vom Steuerzahler bekommen. UBS-Präsident Peter Kurer begründete die Zahlungen in einem Interview damit, dass die Fixlöhne, die bei der UBS im Jahr 2008 im Durchschnitt 180.000 Franken betrugen, nicht hoch genug seien.
Top-Banker verlieren die Bodenhaftung
Die Aussagen der so genannten Kontrolleure wie Börsig und Kurer zeigen, dass sie ihre Lehren aus der Finanzkrise nicht gezogen haben: Performance und Bonuszahlungen stehen bei den Banken in keinem Verhältnis mehr.
Dass Top-Banker zusehends die Bodenhaftung verlieren, zeigt sich auch bei der Frage nach den Schuldigen der Krise. Ähnlich wie Kurer führt Börsig die Finanzkrise auf die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zurück. Wenn schon ein Schuldiger gefunden werden müsse, dann sei es die amerikanische Notenbank. Andere wiederum machen die Kreditrichtlinien von "Basel II" oder die IFRS-Rechnungslegung für die Schieflage der Banken verantwortlich.
Aber wer hat die Banken eigentlich gezwungen, US-Schrott-Hypotheken zu kaufen (UBS) oder sich übermäßig bei kreditfinanzierten Übernahmen zu engagieren (Deutsche Bank)? Dass US-Banken Hypothekenpapiere wie Streubomben verkauft und dass Finanzalchemisten aus allen Teilen der Welt Produkte gestrickt haben, die selbst Insider kaum verstehen, wird nur zögerlich akzeptiert.
Aktienoptionen im Wert von 161 Millionen Dollar
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Wall Street. 18 Milliarden Dollar an Bonuszahlungen haben die Wertschriftenhäuser im vergangenen Jahr ausgeschüttet. Nun werden viele sagen, die Wall Street sei schon immer ein Platz der Exzesse gewesen. Doch genau das ist das Problem.
Neben den hohen Boni zeigen das vor allem die exorbitanten Abfindungen, die in der Branche gezahlt werden. Als einige "Masters of the Universe" im Jahr 2007 aussortiert wurden wie Charles Prince (Citigroup) und Stan O'Neal (Merrill Lynch), wurde ihnen der Abgang mit großzügigen Geschenken versüßt. Während sich die Aktienoptionen bei Merrill-Chef O'Neal auf 175 Millionen Dollar summierten, belief sich das Vergütungspaket bei Prince auf 40 Millionen Dollar. Sondervergünstigungen wie Dienstwagen und bezahltes Büro nicht mit gerechnet.
Dass Aufsichtsrat und Aktionäre diese übermäßigen Abfindungen abgesegnet haben, ist nicht nachzuvollziehen. Denn beiden Bankern sind große Fehler, nicht zuletzt beim Risikomanagement, unterlaufen. Selbst in Zeiten, als die Subprimekrise bereits evident war und US-Hausbesitzer sukzessive in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, baute Merrill seine Positionen mit giftigen Papieren weiter aus - und übernahm 2006 für aberwitzige 1,3 Milliarden Dollar den Hypothekenspezialisten First Franklin.
Diese Strategie hatte weitreichende Folgen. Allein in den vergangenen zwei Jahren summierten sich die mit der Hypotheken-Krise verbundenen Verluste auf rund 50 Milliarden Dollar. Auch die Citigroup servierte ihren Aktionären wegen Abschreibungen auf toxische Wertpapiere im Wert von rund 50 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2008 einen Verlust von 8,3 Milliarden Dollar. Während die Citigroup wenigstens noch mit Finanzspritzen von inzwischen 45 Milliarden Dollar und hohen Bürgschaften gerettet werden konnte, stand Merrill Lynch kurz vor der Insolvenz. Um eine weitere Pleite zu verhindern, wurde die Investmentbank von der Bank of America übernommen. Inklusive der bereits an Merrill gezahlten Staatshilfen ist der amerikanische Steuerzahler bei dem neuen Finanzgiganten mit 70 Milliarden Dollar engagiert.
Die Schuldigen müssen mit ihrem Privatvermögen haften
Die Schieflage hat Merrill jedoch nicht davon abgehalten, die für das vergangene Jahr vereinbarten Gehaltszulagen früher als normalerweise zu überweisen. So soll das Institut bereits im Dezember an fast 700 Mitarbeiter Boni von jeweils mindestens einer Million Dollar überwiesen haben, heißt es in einem Brief des Oberstaatsanwalts von New York, Andrew Cuomo. Insgesamt soll die Bank ihren Managern laut Cuomo absichtlich zulasten der Steuerzahler großzügige Boni über insgesamt 3,6 Milliarden Dollar gezahlt haben. Es sei noch einmal darauf hingewiesen: Merrill hat für das vierte Quartal 2008 einen Verlust von 15,3 Milliarden Dollar vermeldet.
Auch bei der Citigroup wurde weiter verteilt, wenngleich die Vorstände auf ihre Boni verzichteten. Die Summe "Compensation and Benefits" lag im Jahr 2008 bei 32,4 Milliarden Dollar und damit nur vier Prozent unter der des Rekord-Vorjahres.
Mit Scheinargumenten versuchen die Banker nun zu rechtfertigen, was sich nicht rechtfertigen lässt. Man kann nicht Tausende von Mitarbeitern entlassen, Staatsgarantien und Steuergelder anfordern und gleichzeitig Erfolgsprämien in Milliardenhöhe ausschütten. Nichts gegen hohe Gewinne. Aber wenn diejenigen, die den Gewinn kassieren, das Risiko nicht tragen, dann ist das ein Fall für den Staatsanwalt. Es wird Zeit, dass jene haften, die uns den Scherbenhaufen eingebrockt haben. In den Privatvermögen der Verantwortlichen dürfte es genügend Reserven geben, die man heranziehen kann, um den Schaden zumindest ansatzweise zu begleichen.
Immerhin: Dass die fetten Jahre vorbei sind, scheint auch Deutsche-Bank-Aufseher Börsig einzusehen. Nach seinen Worten wird es Millionen-Zahlungen so schnell nicht wieder geben. Bleibt zu hoffen, dass Börsig wenigstens hier richtig liegt.
Quelle : www.spiegel.de
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Dem kann man nichts hinzufügen. Ausser dem Schrei nach Gerechtigkeit!
Irgendwann wird's wieder heissen; "Friede den Hütten, Krieg den Palästen"!
Meine Güte, wieviel Elend wird diese Gier am Ende der Strecke verursacht haben?
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Bonn. Die Übernahme durch die Deutsche Bank hat sich für die Postbank-Vorstände ausgezahlt: Sie kassierten im vergangenen Jahr trotz Finanzkrise und Verlusten Millionen-Boni. Die Gesamtvergütung der Manager schnellte im Vergleich zu 2007 mit 54 Prozent kräftig nach oben.
Die Vorstände der Deutschen Postbank haben im vergangenen Jahr trotz der Finanzkrise deutlich besser verdient als ein Jahr zuvor. Die Gesamtvergütung der Vorstände sprang 2008 aufgrund einer Bonuszahlung im Zusammenhang mit der Übernahme des Finanzinstituts durch die Deutsche Bank um 54 Prozent nach oben, wie aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der Bank hervorgeht. Die zehn Vorstandsmitglieder verdienten demnach zusammen 16,2 Millionen Euro nach 10,5 Millionen Euro 2007.
Allein 11,9 Millionen Euro Sonderzahlung erhielten die Vorstände dem Jahresbericht zufolge aus einer im Mai 2008 beschlossenen Sonderzahlung. Mit dieser versuchte der Konzern, die Vorstände trotz des Deutsche-Bank-Einstiegs im Unternehmen zu halten. Postbank-Chef Wolfgang Klein verdiente 2008 dem Bericht zufolge 3,3 Millionen Euro, 2,4 Millionen Euro davon stammten aus der Prämie.
Für die Entwicklung des Geschäfts zahlte die Postbank ihren Managern hingegen keinen Bonus. Die Postbank hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 821 Millionen Euro eingefahren.
Quelle : www.derwesten.de
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Üppige Prämien mitten in der Finanzkrise: Politiker aller Parteien schimpfen über die Postbank und ihre Millionenboni für die Vorstände. Verhindern lässt sich die Ausschüttung der Prämien nicht mehr - und auf Regelungen für die Zukunft kann sich die Regierung auch nicht einigen.
Berlin/München - Es waren tiefrote Zahlen, die Postbank-Vorstandschef Wolfgang Klein am 19. Februar offenbaren musste. Wegen der Finanzkrise habe sein Haus 2008 einen Verlust von 821 Millionen Euro zu verzeichnen. Die Konsequenz: "Für den Postbank-Vorstand wird es keinen Bonus geben", betonte Klein auf der Bilanzpressekonferenz. Der Verzicht stieß allseits auf großes Lob.
Doch seit Montag ist das Geldinstitut den Status als Deutschlands vorbildlichste Bank schon wieder los. Der Grund: Aus Seite 50 des vorgelegten Geschäftsberichts geht hervor, dass dem Vorstand sehr wohl Bonuszahlungen zugesichert wurden. Und wie: Allein für Bankchef Wolfgang Klein liegen 2,4 Millionen Euro auf einem eigens eingerichteten Sonderkonto bereit - zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 875.000 Euro.
Insgesamt wurden vom Aufsichtrat Sondergelder in Höhe von 11,9 Millionen Euro genehmigt, um die zehn Postbank-Vorstände trotz des Teilverkaufs an die Deutsche Bank zum Bleiben zu bewegen. "Halteprämien", sagt man im Bankenjargon dazu.
Hat die Bank also nur die halbe Wahrheit preisgegeben? Politiker sind über die versteckten Zusatzgelder jedenfalls empört. "Die Postbank-Manager müssen ihre Millionenboni zurückzahlen", forderte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt gegenüber SPIEGEL ONLINE.
"Boni in die Taschen stopfen"
Die Postbank sei "die Bank des 'kleinen Mannes', aber ihre Manager haben sich die Gewissenlosigkeit von Wall-Street-Zockern zugelegt", so Dobrindt weiter: "Wenn eine Bank 800 Millionen Euro Verlust macht und sich ihre Bosse trotzdem hohe Boni in die Taschen stopfen wollen, dann ist das in hohem Maß Charakterschwäche."
"Wir müssen solche Auswüchse brandmarken und bekämpfen, sonst nimmt das Vertrauen der Menschen in unsere Wirtschaftsordnung massiven Schaden", sagte der CSU-Politiker. Würden die Postbank-Manager nicht selbst die "moralische Kraft" für einen Verzicht auf die Millionen aufbringen, "dann müssen wir sie mit politischem Druck dazu bringen".
Empört zeigte sich auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). "Ein solcher Vorgang ist den Menschen im Land angesichts der immer schwierigeren wirtschaftlichen Lage nicht vermittelbar", erklärte er. "Gerade ein Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung muss beim Thema Bonuszahlungen für Manager mit gutem Beispiel vorangehen."
Es sind Töne, die sonst eher vom Koalitionspartner zu hören sind. Gerade die SPD hatte die Debatte um Managergehälter zuletzt forciert - am Dienstag hielt sich die erste Riege der Partei jedoch merklich im Hintergrund.
"Ich kann die Entrüstung des CSU-Generalsekretärs nachvollziehen", sagte SPD-Finanzexperte Florian Pronold SPIEGEL ONLINE. Allerdings dürfe die Empörung nicht nur für die Postbank gelten, sondern für sämtliche Sonderzahlungen. Die Art und Weise, wie Boni derzeit ausgeschüttet würden, sei "grundverkehrt". Mit den Sonderzahlungen würden lediglich Gehälter "kurzfristig aufgestockt". Der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Hans-Ulrich Krüger, bezeichnete den Vorgang als "skandalös und nicht erträglich".
Postbank: Zahlungen waren längst bekannt
Bei der Postbank kann man den Aufruhr nur teilweise nachvollziehen. "Natürlich sind Sonderzahlungen kein gutes Zeichen, wenn rundherum die Finanzkrise tobt", sagte ein Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Deshalb hätten sich die Vorstände auch darauf geeinigt, das Geld zunächst auf Sonderkonten zu bunkern. Ein Zugriff sei erst dann vorgesehen, wenn die Bank wieder schwarze Zahlen schreibe - oder nach allgemeiner Auffassung die Finanzkrise überwunden sei.
Zudem seien die Bonusausschüttungen bereits bekannt gewesen. "Das ist alles nicht neu." Tatsächlich hatte der SPIEGEL im November 2008 darüber berichtet, dass der Aufsichtsrat dem Vorstand bereits im Mai 2008 die Prämien genehmigt hatte. Wäre das Thema auf der Bilanzpressekonferenz am 19. Februar nochmals angesprochen worden, "hätten wir selbstverständlich darauf verwiesen", so der Sprecher.
In ihrer Entrüstung über die Boni sind sich die Koalitionsparteien ausnahmsweise mal einig. Es ist auch nicht das erste Mal, dass CDU, CSU und SPD die vermeintliche Abzocker-Mentalität von Topmanagern angreifen. Zuletzt hatte sogar Kanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich ihr Unverständnis darüber geäußert, dass sogar Banken, die unter den staatlichen Rettungsschirm schlüpfen, ihren Spitzenleuten teils riesige Bonussummen auszahlen.
Nur passiert ist wenig. Im Koalitionsausschuss vergangenen Mittwoch einigte man sich zwar auf schärfere Regeln für die Bezahlung von Managern. Neue Boni-Regeln sind indes kaum mehr zu erwarten.
Entsprechend gereizt reagierten am Mittwoch die Oppositionsparteien im Bundestag auf die Kritik der Koalition an den Postbank-Sonderausschüttungen. "Die Empörung aus den Reihen der Großen Koalition über die gezahlten Millionenboni an die Postbank-Vorstände ist verlogen", sagte Linke-Chef Oskar Lafontaine SPIEGEL ONLINE. "Die Bundesregierung hat es bis heute versäumt, Managergehälter zu begrenzen." Um die Auswüchse bei der Bezahlung von Vorständen zu verhindern, habe seine Partei schon vor Jahren einen Gesetzentwurf eingebracht.
Neue Boni-Regeln: Zwei Modelle werden diskutiert
Schützenhilfe erhielt Lafontaine von den Grünen. Deren Finanzexpertin Christine Scheel bezeichnete die Sonderausschüttungen als "politischen Skandal". Sie schob der Großen Koalition indirekt die Verantwortung zu: "Ich fordere die Bundesregierung auf, ihre Weigerung endlich aufzugeben, den Betriebsausgabenabzug von Managergehältern auf eine Million Euro pro Kopf steuerlich zu begrenzen." Ihre Fraktion wolle erreichen, dass Bankvorstände bei Verlusten auf jegliche Boni generell verzichten müssten.
Im konkreten Postbank-Fall hat die Bundesregierung nach Meinung von Experten nur wenig Möglichkeiten einzuschreiten: Sind Boni erst einmal zugesagt, müssen sie auch ausgezahlt werden. Alles andere wäre ein womöglich verfassungswidriger Eingriff in die Vertragsfreiheit. Selbst im Falle eines Staatseinstiegs bei maroden Geldinstuten verlieren die alten Verträge nicht ihre Gültigkeit.
Handeln könnte die Bundesregierung dennoch - was die Regeln zukünftiger Bonuszahlungen betrifft. Wirtschaftsinstitute halten vor allem zwei Modelle für realisierbar. So könnten Zahlungen künftig etwa nur unter Vorbehalt erfolgen. Entstehen einem Unternehmen nach ein paar Jahren Verluste, die sich auf individuelles Fehlverhalten zurückführen lassen, könnte das Geld zurückgefordert werden. Auch ein Bonus-Malus-System wird diskutiert. Boni aus guten Zeiten würden dann mit Mali aus schlechten Zeiten verrechnet. Fließen würde das Geld erst nach einigen Jahren.
Ein Vorbild gibt es schon: Die Schweizer Großbank UBS hat bereits auf dieses Vergütungssystem umgesattelt.
Quelle : www.spiegel.de
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mir haben die in der Schule Marx und Engels eingetrichtert. Großes Dessinteresse meinerseits. Aber irgend wie beginne ich an meiner Meinung von damals zu zweifeln. Marx ist Murks hat mal so ein Kapitalpropagandist gesagt, mag sein, aber in seiner Einschätzung der menschlichen Gier lag er richtig.
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20 Millionen Euro - so viel Geld hat sich Klaus Zumwinkel, einst Chef der Post, an Pensionsansprüchen auszahlen lassen. Jetzt verteidigt der wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Ex-Manager den Vorgang.
Berlin - Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel hat die Auszahlung seiner gesamten Pensionsansprüche in Millionenhöhe verteidigt: "Ich bin doch nicht der einzige, der sich seine Rente frühzeitig ausbezahlen lässt. In meinem Arbeitsvertrag war die Wahlmöglichkeit vorgesehen und ich habe die Möglichkeit wahrgenommen", sagte Zumwinkel der "Bild am Sonntag". Das sei "bei der Post ein ganz normaler Vorgang".
Zumwinkel soll dem Geschäftsbericht der Post zufolge etwa 20 Millionen Euro Pensionsansprüche ausbezahlt bekommen haben. Die Sprecherin der Deutschen Post AG, Silje Skogstad, bestätigte den Vorgang: "Ja, die Deutsche Post hat Herrn Zumwinkel seine Rentenansprüche ausbezahlt", sagte sie der "BamS".
Der Geschäftsbericht weckt nun Zweifel an Zumwinkels Angaben zu seinem Vermögen in dem Strafverfahren. Vor Gericht hatte er seinen Besitz mit rund 13 Millionen Euro beziffert.
Zumwinkel war wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Derzeit wird gegen ihn noch in der Abhöraffäre der Deutschen Telekom ermittelt. Fahnder durchsuchten dazu unter anderem seine Burg am Gardasee.
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet zudem, auch der Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Chef der Postbank, Wulf von Schimmelmann, mache von dem Wahlrecht Gebrauch und lasse sich seine Ansprüche komplett auszahlen. Dies seien rund 11 Millionen Euro. Das lässt sich der Zeitung zufolge aus dem Postbank-Geschäftsbericht erschließen. Die Post wollte die Informationen nicht bestätigen. Von Schimmelmann trat 2007 nach acht Jahren an der Spitze der Postbank zurück.
Quelle : www.spiegel.de
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Skandal, Unverschämtheit, ein Schlag ins Gesicht: Die Auszahlung der 20-Millionen-Pension von Zumwinkel sorgt für Entrüstung bei Politik und Sozialverbänden. Dabei ist der ehemalige Post-Chef nicht allein: Auch Aufsichtsratschef Schimmelmann soll elf Millionen Euro vorab kassiert haben.
Frankfurt am Main - Die negativen Schlagzeilen um Klaus Zumwinkel reißen nicht ab: Erst die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung und die Durchsuchung wegen einer möglichen Verwicklung in den Datenskandal bei der Telekom. Jetzt die Aufregung um die komplette Auszahlung seiner Pensionsansprüche in Höhe von rund 20 Millionen Euro: Denn während der ehemalige Post-Chef die Auszahlung für einen "ganz normalen Vorgang" hält, reagierten Politiker und Verbände empört.
"Ich bin doch nicht der einzige, der sich seine Rente frühzeitig ausbezahlen lässt", sagte Zumwinkel der "Bild am Sonntag". Sein Arbeitsvertrag sehe diese Option vor. Das sei bei der Post ein ganz normaler Vorgang. Post-Sprecherin Silje Skogstad bestätigte: "Ja, die Deutsche Post hat Herrn Zumwinkel seine Rentenansprüche ausbezahlt."
Politiker aus Regierung und Opposition sowie der Sozialverband VdK reagierten empört auf die Auszahlung. "Das ist ein absoluter Skandal", sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer der "Bild am Sonntag". "Die kleinen Leute zittern um ihren Arbeitsplatz und verzichten auf Gehalt, und Herr Zumwinkel stopft sich die Taschen voll."
"Unverschämtheit gegenüber allen, die hart arbeiten"
Der Bund als Hauptaktionär der Post solle prüfen, ob das noch korrigiert werden könne. "Denn das ist keine Pension für wohlverdienten Ruhestand, sondern Herr Zumwinkel musste wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung seinen Hut nehmen", sagte der CSU-Chef. Für die Zukunft rate er allen Unternehmen dringend, die Arbeitsverträge mit der Chefetage so zu fassen, "dass verurteilte Straftäter nicht im Nachhinein noch Kasse machen können", sagte Seehofer.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte der Zeitung: "Dieses Verhalten ist eine Unverschämtheit gegenüber allen in unserem Land, die hart arbeiten, ehrlich Steuern zahlen und sich an die Regeln halten. Deshalb ist es richtig, die Bestimmungen für Manager zu verschärfen." Heils Amtskollege von der FDP, Dirk Niebel, kritisierte: "Nicht alles, was legal sein mag, ist deshalb auch legitim. Ich verstehe die Empörung."
Scharfe Kritik an Zumwinkel kam auch aus den Reihen der Sozialverbände. "Für 20 Millionen Rentner, die sich teilweise in Nebenjobs noch etwas dazu verdienen müssen, ist die Millionen-Auszahlung an Zumwinkel ein Schlag ins Gesicht", sagte Carin Hinsinger, Vizepräsidentin des Sozialverbandes VdK der "Bild am Sonntag".
Zumwinkel ist offenbar nicht der einzige ehemalige Vorstand im Postkonzern, der sich seine Pensionszusagen auf einen Schlag hat auszahlen lassen. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" macht auch der Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann von dem Wahlrecht Gebrauch, sich das Geld komplett auszahlen zu lassen. Bei ihm fallen rund elf Millionen Euro an, wie die Zeitung aus dem Postbank-Geschäftsbericht folgert.
Quelle : www.spiegel.de
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Die Karriere von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel liegt seit dem Steuerskandal in Trümmern, jetzt rätseln Experten über die Höhe seiner Pension - nach gängiger Berechnung lässt sich die Auszahlung über 20 Millionen Euro kaum erklären. Profitiert möglicherweise auch seine Frau?
Hamburg - Selbst Rentenexperten ist die Pensionsregelung von Ex-Postchef Klaus Zumwinkel nach SPIEGEL-Informationen ein Rätsel: Mit der Abgeltung seiner jährlichen Altersbezüge in Höhe von 970.000 Euro lässt sich die Einmalzahlung von 20 Millionen Euro, die Zumwinkel bekam, jedenfalls nicht erklären - es sei denn, es gibt zusätzliche vertragliche Vereinbarungen, die öffentlich bislang nicht bekannt sind.
Der Barwert einer Pension hängt sowohl von der verwendeten Sterbetafel, aus der die Lebenserwartung berechnet wird, wie auch von dem Diskontsatz ab, der sich meist nach den durchschnittlichen Renditen einer Lebensversicherung richtet. Nimmt man den für Zumwinkel günstigsten branchenüblichen Diskontsatz von 2,25 Prozent an, ergibt sich nach der Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes ein Barwert von rund 13 Millionen Euro. Legt man die für den Ex-Manager sehr viel günstigere Sterbetafel der Deutschen Actuar Vereinigung (DAV) zu Grunde, ergibt sich ein Barwert von etwa 14,5 Millionen Euro.
Um auf 20 Millionen Euro zu kommen, muss es Zusatzvereinbarungen geben. Insider berichten, dass nicht nur Zumwinkel Anspruch auf die betriebliche Altersversorgung der Post hat, sondern auch seine Ehefrau und möglicherweise sogar seine Kinder.
Auch der ehemalige Siemens-Personalchef Jürgen Radomski ließ sich im März 2008 Pensionsansprüche über eine Einmalzahlung von rund zehn Millionen Euro abgelten. Der Konzern kann die Rentenbezüge gegen ihn nun nicht mehr als Druckmittel für Schadensersatzforderungen im Rahmen der Korruptionsaffäre einsetzen.
Quelle : www.spiegel.de
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Keine Boni für Banker - mit dieser Forderung schaltet sich die Dienstleistergewerkschaft Ver.di in die Debatte um Sonderzahlungen für Manager ein. Die Arbeitnehmervertreter fordern außerdem einen höheren Steuersatz auf Managergehälter.
Berlin/Washington/Paris - In der Diskussion um Boni für Manager häufen sich die Forderungen nach schärferer Regulierung: Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di verlangt die Abschaffung von Sonderzahlungen im Finanzsektor.
Die Boni seien "mitverantwortlich für die schwere Finanzkrise, die die ganze Welt erfasst hat", sagte Ver.di-Vorstand Uwe Foullong der "Berliner Zeitung". Damit seien nur falsche Anreize gesetzt worden. Foullong verlangte zugleich eine durchgehende Begrenzung der Managergehälter. Falls der Bund zu einem solchen Schritt nicht in der Lage sei, müssten wenigstens alle Bezüge von mehr als zwei Millionen Euro mit einem Steuersatz von 80 Prozent belegt werden.
Das SPD-Präsidiumsmitglied Hannelore Kraft forderte bei der Managerbezahlung eine Begrenzung nach US-Vorbild. Die Steuerabzugsfähigkeit von Managergehältern, Abfindungen und Boni müsse auch hierzulande eingeschränkt werden, sagte Kraft der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
"Ich finde es unglaublich, dass der Steuerzahler am Ende für die Millionenabfindungen unfähiger Bankmanager aufkommen muss, die den Schaden verursacht haben", sagte die nordrhein-westfälische SPD-Landes- und -Fraktionschefin. Wenn die Union auf diese Forderung nicht eingehe, werde die SPD das zum Wahlkampfthema machen.
USA bereiten Anti-Bonus-Gesetz vor
Als Reaktion auf die Affäre um Zulagen beim angeschlagenen Versicherer AIG bereitet das US-Repräsentantenhaus ein Gesetz gegen unverhältnismäßig hohe Zahlungen an Manager von staatlich gestützten Unternehmen vor. Der Finanz-Ausschuss der Kongresskammer werde ab Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf prüfen, teilte das Büro von Ausschussleiter Barney Frank am Freitag mit.
In dem ersten Entwurf ist vorgesehen, für Manager von mit Steuergeldern gestützten Konzernen "unvernünftige und exzessive Zahlungen zu verbieten oder solche, die nicht auf Leistungskriterien fußen". Die Neuregelung soll den Angaben zufolge unabhängig davon gelten, wann die Boni vertraglich vereinbart wurden.
Dagegen lehnte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) eine Strafsteuer auf Bonuszahlungen nach US-Vorbild ab. "Bereits gezahlte Boni rückwirkend zu besteuern, dürfte verfassungsrechtlich problematisch sein", sagte sie der "Berliner Zeitung". Bereits nach dem am Freitag im Bundestag erörterten Finanzmarktstabilisierungsgesetz könne die Gesamtvergütung für Vorstandsmitglieder, deren Unternehmen Staatshilfen in Anspruch nehmen, auf 500.000 Euro begrenzt werden.
Empörung in Frankreich
Auch in Frankreich steigt die Wut über Boni in der Finanzkrise. Die Regierung in Paris empört sich über die Vergabe Tausender Aktienoptionen an Manager der Großbank Société Générale. "Ich finde das unanständig", sagte Regierungssprecher Luc Chatel im Radiosender Europe 1 am Freitag.
Société Générale hat ihrem Chef Daniel Bouton 70.000 Aktienoptionen zugeteilt und dem Generaldirektor des Instituts, Frédéric Oudéa, 150.000. Zwei Stellvertreter Oudéas bekamen jeweils 50.000 Optionen. Nach Angaben der Bank erklärten die Manager aber, die Optionen nicht auszuüben, solange das Institut Hilfen bekomme. So solle mehr Ruhe in die Debatte über die langfristige Bezahlung von Managern einkehren.
Die Regierungspartei UMP forderte dennoch eine "Erklärung". Ihm sei schleierhaft, wie ein Management Boni bekommen könne, vor dessen Augen der Skandalhändler Jérôme Kerviel mit ungenehmigten Spekulationen 4,9 Milliarden Euro Verlust gemacht habe, sagte UMP-Generalsekretär Xavier Bertrand im Sender Canal Plus. Im Übrigen müssten sich gerade die wegen der Finanzkrise vom Staat unterstützten Banken "beispielhaft" verhalten.
Unangemessen hohe Managergehälter und Boni sind im Zuge der Finanzkrise in die Kritik geraten. Politiker machen die Zahlungen mitverantwortlich für riskante Geschäfte, die das weltweite Bankenbeben ausgelöst hatten.
Quelle : www.spiegel.de
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Mit der Rückzahlung ihrer Boni haben die Spitzen des US-Versicherers AIG einen heftigen internen Streit entfacht: Die Londoner Manager des Konzerns weigern sich, dem Vorbild zu folgen - und geben unfreiwillig Einblicke in die zweifelhaften Abläufe der Zahlungen.
New York - Die Rückzahlung ihrer Boni kommt für die Widerständler auf keinen Fall in Frage. Es gebe keinen moralischen Grund, das Geld zurückzuzahlen, sagte ein AIG-Mitarbeiter in London, der selbst Prämien erhalten hat.
Der Chef der Abteilung für Finanzprodukte, Gerald Pasciucco, habe von erpresserischen Forderungen gesprochen, berichtete der Mitarbeiter weiter. Die meisten Angestellten in London hielten das Ansinnen zudem für beleidigend. Ähnlich äußerten sich AIG-Manager in E-Mails, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Ein AIG-Sprecher erklärte, der Konzern habe keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Boni.
Wie offensiv die Beteiligten ihre vertraglichen Rechte auch intern verteidigen, belegt ein Brief, den der Chef der Finanzsparte, Jake DeSantis, in der "New York Times" veröffentlichte. Darin wies der Manager AIG-Boss Edward Liddy zurecht, der die Bonuszahlungen vor dem Finanzausschuss des US-Senats als geschmacklos bezeichnet hatte. "Die Zahlungen sind für uns ein Zeichen, dass der Vorstand unsere Arbeit unterstützt", heißt es in dem Brief. "Jemand, der sie als geschmacklos empfindet, hätte sie wohl kaum veranlasst."
DeSantis machte damit jedoch auch indirekt bekannt, dass AIG Bonuszahlungen von mehr als 40 Millionen Dollar bereits im Dezember auszahlte - drei Monate früher als es die Verträge vorsehen. Eine Erklärung für die voreilige Zahlung hat der Konzern bisher noch nicht geliefert.
Nach Angaben des zuständigen New Yorker Staatsanwalts Andrew Cuomo haben sich mehrere hochrangige AIG-Manager zur Rückzahlung ihrer Zulagen bereiterklärt. Cuomo untersucht, ob die Zahlungen in Höhe von 165 Millionen Dollar rechtmäßig waren, weil AIG nur durch Staatshilfen von mehr als 180 Milliarden Dollar am Leben gehalten wird.
US-Präsident Barack Obama und zahlreiche andere Politiker hatten verärgert auf die Bonuszahlungen reagiert. Das Repräsentantenhaus stimmte vorige Woche für ein Gesetz, mit dem die Gelder weitgehend zurückgeholt werden sollen.
Quelle : www.spiegel.de
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Nach dem Kauf durch die Commerzbank sind die Vorstände der Dresdner Bank ihren Job los. Ihr letztes Jahr ließen sich die Manager aber vergolden. Trotz der Milliardenverluste verdienten sie weit mehr als jeder andere Bankvorstand in Deutschland.
Frankfurt am Main - Laut Geschäftsbericht des mittlerweile zur Commerzbank gehörenden Instituts kassierten die zeitweise neun Vorstände gut 58 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Rechnet man die Abfindungen ab, die mit mehr als 24 Millionen Euro immerhin gut die Hälfte des Salärs ausmachten, dann bleibt der Abstand immer noch erheblich. Zum Vergleich: Die Vorstände der Commerzbank verdienten im vergangenen Jahr 4,3 Millionen Euro, die der Deutschen Bank 4,5 Millionen Euro.
Keiner der Dresdner-Bank-Vorstände wird nach der Integration des Instituts in die Commerzbank weiterbeschäftigt. Finanzkreisen zufolge hatten die Spitzenmanager der Dresdner Bank teils noch lange laufende Verträge, die vorzeitig aufgelöst wurden. Der Leiter der für Milliardenabschreibungen verantwortlichen Investmentbank Dresdner Kleinwort, Stefan Jentzsch, soll demnach mit acht Millionen Euro die höchste Abfindungssumme eingestrichen haben. Vorstandschef Herbert Walter habe weniger als die Hälfte bekommen, sagte ein Insider.
Die Bank und die damalige Mutter Allianz äußerten sich nicht zu den Einzelsummen. Im vergangenen Jahr fuhr das Geldhaus wegen massiver Abschreibungen im Investmentbanking einen Verlust nach Steuern von mehr als sechs Milliarden Euro ein - mehr als jede andere deutsche Bank 2008 verkraften musste.
Fast 13 Millionen Euro der Bezüge entfallen dem Bericht zufolge auf "kurzfristig fällige Leistungen", was unter anderem Festgehalt und Boni umfasst. Einige Vorstände hatten anders als Walter trotz der höchsten Verluste in der Geschichte der Bank nicht auf ihren Bonus verzichtet. Weitere 19 Millionen Euro sind aktienbasierte Vergütungen.
Weltweit ist eine hitzige Debatte über Bonuszahlungen an Banker entbrannt, die für Milliardenverluste verantwortlich sind. In den USA wird gar über eine Strafsteuer nachgedacht, um die Gelder bei staatlich gestützten Instituten wieder zurückzuholen.
Anders als bei der neuen Tochter sind die Vorstandsgehälter bei der Mutter Commerzbank 2008 wegen der Milliardenhilfen des Staates und der Finanzkrise um zwei Drittel abgeschmolzen. Eine Auflage des Banken-Rettungsfonds Soffin ist, dass die Bezüge von Bankchef Martin Blessing und seiner Kollegen auf 500.000 Euro pro Jahr begrenzt werden. Die übrigen sieben Mitglieder des Vorstands erhielten für 2008 je 480.000 Euro. Rund 880.000 Euro entfielen auf Vorstandsmitglieder, die im vergangenen Jahr ausschieden.
Dank Boni hatte Blessing 2007 noch mehr als das Dreifache verdient. "Aufgrund der Ertragslage der Bank entfällt die variable Vergütung für die Vorstandsmitglieder für das Jahr 2008", heißt es in dem Geschäftsbericht des Instituts. Das Institut schrieb einen operativen Verlust von 378 Millionen Euro.
Blessing strich wegen der Krise sämtliche Boni für die Belegschaft und die Vorstände zusammen. Einige Investmentbanker der Dresdner Bank wollen Medienberichten zufolge gerichtlich dagegen vorgehen. Die Allianz hatte den Dresdner-Bankern noch einen Bonustopf von 400 Millionen Euro zugesagt.
Quelle : www.spiegel.de
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"Unanständiges Verhalten", "maßlose Forderungen": Finanzminister Steinbrück und Wirtschaftsminister Guttenberg haben die Millionengehälter bei der kriselnden Dresdner Bank hart kritisiert. Guttenberg forderte die Manager auf, ihre Boni zurückzugeben.
Berlin - Einigkeit herrscht in der Regierung derzeit eher selten. Doch zumindest bei der Managerschelte liegen Union und SPD auf einer Linie. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wie auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) geißelten die Millionengehälter der ehemaligen Dresdner-Bank-Chefs in der "Bild"-Zeitung als "unanständig" und "maßlos".
Am Freitag war bekanntgeworden, dass die neun Vorstände der Dresdner Bank trotz eines Verlusts des Instituts von 6,3 Milliarden Euro 2008 eine Vergütung von rund 58 Millionen Euro erhalten haben. Sie kassierten also doppelt so viel wie im Vorjahr - obwohl die Bank damals 450 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Damit gehören die Dresdner-Manager zu den Spitzenverdienern unter den europäischen Bankvorständen. Die Bank ist inzwischen von der Commerzbank übernommen worden - die Manager werden nicht weiterbeschäftigt.
Steinbrück sagte der "Bild"-Zeitung, die Banker würden der Gesellschaft mit "solch einem unanständigen Verhalten" schweren Schaden zufügen. Auch Guttenberg übte harsche Kritik: "Ich habe kein Verständnis für maßlose Forderungen von Managern, deren Unternehmen ohne die Hilfe der Steuerzahler heute keine Gehälter und schon gar keine Boni mehr zahlen könnten." Es sei eine Frage des Anstands, dass die Manager ihre Boni zurückzahlten oder spendeten.
Auch aus dem wirtschaftsliberalen Flügel der Union kam Kritik. Michael Fuchs, CDU-Wirtschaftspolitiker und Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, forderte in der "Bild"-Zeitung, bei Verlusten müssten Prämien für Vorstände künftig ausgeschlossen werden. Fuchs verlangte gleichzeitig schärfere Haftungsregeln für die Aufsichtsräte. "Aufsichtsräte, die solche Millionenbeträge absegnen, handeln unverantwortlich." Das schließe die Gewerkschaftsvertreter, die in diesen Gremien sitzen, mit ein, sagte der CDU-Politiker.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte die hohen Bezüge "maßlos". Damit werde das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft geschädigt. Heil forderte, "die steuerliche Abzugsfähigkeit von überzogenen Managergehältern und Abfindungen zu deckeln. Hier muss die Union endlich mitziehen".
Anders als bei der neuen Tochter Dresdner Bank sind die Vorstandsgehälter bei der Mutter Commerzbank 2008 wegen der Milliardenhilfen des Staates und der Finanzkrise um zwei Drittel abgeschmolzen. Eine Auflage des Banken-Rettungsfonds Soffin ist, dass die Bezüge von Bankchef Martin Blessing und seiner Kollegen auf 500.000 Euro pro Jahr begrenzt werden. Die übrigen sieben Mitglieder des Vorstands erhielten für 2008 je 480.000 Euro.
Quelle : www.spiegel.de
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Die Empörung zeigt Wirkung: Nach massiver Kritik aus der Politik nimmt der ehemalige Vorstandvorsitzende der Dresdner Bank, Herbert Walter, seine Abfindung nicht in Anspruch. Bundeskanzlerin Merkel zeigt sich derweil entsetzt über "Nonchalance von Managern".
Berlin - Es ist die Kapitulation vor der öffentlichen Meinung: "Mit Rücksicht auf die massiven Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Dresdner Bank verzichte ich auf diese Abfindung", sagte der ehemalige Chef der Bank, Herbert Walter, der "Bild am Sonntag". Das Kreditinstitut hatte im vergangenen Jahr aufgrund von Abschreibungen im Investmentbanking mehr als sechs Milliarden Euro Verlust gemacht.
Trotzdem betonte Walter, dass er rein rechtlich einen Anspruch auf eine Abfindung habe: "Meine Verträge mit Allianz und Dresdner Bank wären noch knapp vier Jahre gelaufen, so ergibt sich rein rechtlich der Anspruch auf eine Abfindung", sagte Walter der Zeitung weiter. Zugleich forderte er eine durchgreifende Reform der Vergütungen im Bankbereich: "Die Bezahlung von Vorständen muss stärker als bisher an den langfristigen Erfolg der Unternehmen gekoppelt werden." Er könne nachvollziehen, dass die Vergütungssysteme von Banken bei vielen Menschen auf Unverständnis stoßen.
Am Freitag war bekannt geworden, dass die neun damaligen Vorstandsmitglieder der hochdefizitären Dresdner Bank 2008 zusammen 58 Millionen Euro kassierten. Das war deutlich mehr als ihre Kollegen bei allen anderen deutschen Geldhäusern. Zwar sind darin Abfindungen von gut 24 Millionen Euro enthalten, die dem vollständig ausgewechselten Vorstand nach der Übernahme durch die Commerzbank bezahlt wurden. Dennoch bleibt mit 33,8 Millionen Euro eine Steigerung um 25 Prozent zu den Bezügen von 2007.
Scharfe Kritik von Kanzlerin Merkel
Das hatte vor allem bei der Bundesregierung für Kritik gesorgt, die das Verhalten von Führungskräften in der Wirtschaft scharf kritisierten. Kanzlerin Angela Merkel plädierte am Samstag für moralischen Anstand, auch wenn keine Gesetze übertreten werden. Mit welcher Nonchalance sich manche in der Krise ihre Boni leisteten, entsetze sie. Auch in der Wirtschaftskrise dürfe man den normalen Maßstab nicht verlieren, sagte die CDU-Chefin, ohne allerdings die Zahlungen bei der Dresdner Bank direkt zu erwähnen.
Bei der Commerzbank waren die Managergehälter wegen der Hilfe des staatlichen Rettungsfonds deutlich gesenkt worden. Vorstandssprecher Martin Blessing etwa bekommt nur noch ein Gehalt von 500.000 Euro im Jahr. Bonuszahlungen gibt es überhaupt nicht mehr. Bei der Deutschen Bank, die ohne Staatshilfe auskommen will, verzichtete der Vorstand freiwillig auf Bonuszahlungen.
Auch Innenminister Schäuble kritisierte die Millionenbezüge für die neun früheren Vorstandsmitglieder der Dresdner Bank. "Das sind Totengräber der sozialen Marktwirtschaft", sagte der CDU-Politiker bei einem Parteitag der baden-württembergischen CDU in Ludwigsburg. Auch Wirtschaftsminister Guttenberg kritisierte die Manager. "Ich habe kein Verständnis für maßlose Forderungen von Managern, deren Unternehmen ohne die Hilfe der Steuerzahler heute keine Gehälter und schon gar keine Boni mehr zahlen könnten", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Guttenberg sagte, es sei eine Frage des Anstandes, dass diese Manager ihre Boni zurückzahlten oder zumindest spendeten.
Ähnlich äußerte sich auch SPD-Fraktionsvize Joachim Poß am Samstag in Berlin: "Der skandalöse Vorgang zeigt, wie verlottert das Denken in der Finanzindustrie ist. Auch bei der Dresdner Bank war die Selbstbedienung offensichtlich zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Profiteure sollten auf ihre Ansprüche verzichten", verlangte auch er.
Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs forderte einen Ausschluss von Prämien für Vorstände bei Verlusten und schärfere Haftungsregeln für die Aufsichtsräte. "Aufsichtsräte, die solche Millionenbeträge absegnen, handeln unverantwortlich", sagte der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand. "Wir müssen deshalb die Haftungsregeln für Aufsichtsräte verschärfen." SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, mit solch maßlosen Bezügen werde das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft geschädigt. Er forderte, "die steuerliche Abzugsfähigkeit von überzogenen Managergehältern und Abfindungen zu deckeln. Hier muss die Union endlich mitziehen".
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Porsche-Chef Wiedeking prangert die Finanzwirtschaft an: Unternehmen, die sich nur kurzfristigen Renditen unterwerfen, müssten nun feststellen, "einem Götzen gedient" zu haben.
Hamburg - Wendelin Wiedeking geißelt die Gier nach schnellen Renditen. "Unternehmen, die nur kurzfristigen finanziellen Kennzahlen wie Shareholder Value oder Quartalsrenditen hinterher rennen, müssen nun erkennen, dass sie damit einem Götzen gedient haben", schreibt der Porsche-Vorstandschef in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland".
Wiedeking sieht in der Finanz- und Wirtschaftskrise eine fundamentale Sinnkrise: Sie markiere das definitive Ende des Finanzkapitalismus, wie er insbesondere in den angelsächsischen Ländern propagiert wurde. Wiedeking plädiert für eine härtere Regulierung der Märkte: Eine global immer stärker verflochtene Wirtschaft könne auf Dauer nur zum Wohl der Menschen funktionieren, "wenn es klare Regeln und vor allem internationale Institutionen gibt, die für deren Einhaltung sorgen."
Zugleich verteidigt der Porsche-Chef die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Krise, darunter auch das Gesetz zur Enteignung von Bankaktionären. Der Staat verleibe sich nicht rigoros privates Vermögen ein. "Er übernimmt nur, was ohne seine Geldspritzen ganz offensichtlich längst wertlos wäre."
Wiedeking fügte hinzu, "in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ist schnelles und pragmatisches Handeln gefragt". Deshalb gehe es im Moment nicht um Prinzipientreue, sondern um die Rettung vor dem Schlimmsten. Bislang hätten die europäischen Regierungen im Kampf gegen die Krise alles in allem richtig gehandelt.
Quelle : www.spiegel.de
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Die Hypo Real Estate hat 2008 ein Minus von fünf Milliarden Euro gemacht - deshalb braucht sie Geld: Der Bund beteiligt sich in einem ersten Schritt mit über acht Prozent an dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer. Und plant, die "vollständige Kontrolle" der Bank zu übernehmen.
Frankfurt am Main - Die Bank braucht Geld - mal wieder: Die Hypo Real Estate (HRE) hat im Geschäftsjahr 2008 einen Verlust von mehr als fünf Milliarden Euro eingefahren. Das Ergebnis vor Steuern belaufe sich auf einen Verlust von 5,375 Milliarden Euro nach 862 Millionen Euro im Vorjahr, das Ergebnis nach Steuern betrage minus 5,461 Milliarden Euro, teilte die HRE am Samstagabend in einer Pflichtmeldung für die Börse mit.
Um den angeschlagenen Immobilienfinanzierer vor der Schließung zu retten, steigt deshalb jetzt der Staat mit einer Minderheitenbeteiligung ein. Dazu werde der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin zunächst in einer Kapitalerhöhung für 60 Millionen Euro rund 20 Millionen HRE-Aktien zeichnen und danach einen Anteil von 8,7 Prozent halten, teilte die HRE weiter mit.
Die Kapitalmaßnahme soll dabei nur ein erster Schritt für eine Komplettübernahme des durch die Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten geratenen Münchener Unternehmens sein: "Voraussetzung für die beabsichtigte Rekapitalisierung der Hypo Real Estate Group durch den Soffin ist der Erwerb der vollständigen Kontrolle durch den Soffin oder den Bund über die Hypo Real Estate Holding AG." Hierzu sei beabsichtigt, die Handlungsspielräume zu nutzen, die das derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren befindliche Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz eröffne.
Tiefrote Zahlen erwartet
Bund und Banken mussten das Münchner Institut bereits im Herbst nach Fehlspekulationen der Tochter Depfa vor dem Aus bewahren. Mittlerweile hat die HRE 102 Milliarden Euro an Unterstützung erhalten - weitere Hilfen werden aber seit längerem vorbereitet, da Analysten mit einem hohen Verlust gerechnet hatten.
Die Verluste könnten die aufsichtsrechtlich erforderliche Eigenkapitalquote der Bank unterschreiten - weshalb die Bankenaufsicht BaFin das Institut sofort schließen müsste. Allerdings sind sich Bankexperten und Politik einig, dass die HRE systemische Bedeutung hat - weshalb die Regierung mit der Kapitalspritze den Zusammenbruch des Instituts verhindert.
Der Schritt hatte sich außerdem abgezeichnet, nachdem der US-Großaktionär der HRE, Christopher Flowers, am Freitag bekannt gegeben hatte, dass er seinen Sitz im Aufsichtsrat des Instituts aufgebe. Damit sollten Interessenkonflikte im Zusammenhang mit einer möglichen Verstaatlichung des Baufinanzierers vermieden werden. Der Bundestag hatte am 20. März grundsätzlich den Weg zur Verstaatlichung angeschlagener Banken frei gemacht. Das Bankenenteignungsgesetz ist speziell auf die HRE zugeschnitten.
Opposition will Untersuchungsausschuss
Flowers hat mehr als eine Milliarde Euro in die einst im Dax gelistete Krisenbank gesteckt und fast alles verloren. Nun will er seine Aktien behalten, an Bord bleiben und hofft auf bessere Zeiten nach dem Staatseinstieg. Er habe sein Engagement immer mittel- bis langfristig verstanden, hieß es einer Mitteilung.
Nach der Beinahe-Pleite der Bank ermittelt auch die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz sowie gegen alle Ex-Vorstände der Bank, die von November 2007 bis September 2008 im Amt waren. Darunter ist auch Ex-HRE-Chef Georg Funke. Die Ermittler prüfen unter anderem den Verdacht der Marktmanipulation und Untreue.
Anfang 2008 hatte die HRE unter dem damaligen Vorstandschef Funke nach monatelangen Beschwichtigungen völlig überraschend Abschreibungen über 390 Millionen Euro aufgrund der Finanzmarktkrise bekannt gegeben. In den vergangenen Monaten wurde der Vorstand der Bank komplett neu besetzt.
Die Opposition aus FDP, Grünen und Linkspartei hat sich außerdem auf einen Untersuchungsausschuss zur HRE geeinigt. Sie wirft der Bundesregierung vor, sie habe bislang nicht ausreichend geklärt, was bei der HRE schiefgelaufen sei und ob der Schaden hätte eingedämmt werden können. Es gehe darum zu untersuchen, ob an der Schnittstelle von Finanzaufsicht und Finanzministerium ausreichend Informationen geflossen oder womöglich nicht genutzt worden seien, sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen.
Quelle : www.spiegel.de
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Sind es zehn Milliarden Euro oder sogar noch mehr? Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate braucht schon wieder eine Finanzspritze vom Staat. In der kommende Woche soll die komplette Übernahme der maroden Bank beschlossen werden.
München - Wie hoch die Finanzspritze dieses Mal ausfallen wird, ist noch unklar: Zur genauen Summe der benötigten Eigenkapitalhilfen könne er noch keine Angaben machen, sagte der Chef der Hypo Real Estate (HR), Axel Wieandt, am Sonntag in einer Telefonkonferenz. Dies müsse zunächst mit dem Bankensicherungsfonds Soffin besprochen werden. Zuletzt war immer wieder von bis zu zehn Milliarden Euro die Rede.
Mit dem neuen Kapital soll endlich eine höhere Kernkapitalquote des angeschlagenen Immobilienfinanzierers erreicht werden. Inklusive des Jahresabschlusses 2008 hatte die Quote zuletzt bei 3,4 Prozent gelegen - und damit unter der regulatorischen Mindestgrenze von vier Prozent. Die Kernkapitalquote gibt Auskunft über die Absicherung einer Bank, indem sie das Verhältnis von Eigenmitteln in der Kasse zu den möglichen Risiken widerspiegelt. Dazu zählen vor allem Kredite.
Gesetzliche Kapitalquote zu gering
Laut Bankchef Wieandt soll die Kernkapitalquote in Zukunft bei mindestens acht Prozent liegen. "Es ist davon auszugehen, dass die Größenordnung bei acht Prozent landen muss", sagte er weiter. Die endgültige Kapitalquote sei mit den zukünftigen Eigentümern zu besprechen. Die gesetzlich geforderte Mindestschwelle von vier Prozent sei jedoch zu wenig.
Erst am Samstag hatte die Bank mitgeteilt, dass der Bund in einem ersten Schritt zur Verstaatlichung einen Anteil von 8,7 Prozent übernimmt. Der Bankenrettungsfonds Soffin beabsichtige, die vollständige Kontrolle über den Konzern zu erhalten, teilte die HRE am Samstagabend mit. Zugleich berichtete die Gesellschaft von einem Verlust von mehr als fünf Milliarden für das Geschäftsjahr 2008. Darin sind Verluste der irischen Tochter Depfa von 2,48 Milliarden Euro enthalten. 2007 lag der Vorsteuergewinn noch bei 862 Millionen Euro.
Der Soffin wird zunächst 20 Millionen neue Aktien zu einem Preis von drei Euro kaufen. Damit das Unternehmen wieder an Geld kommt, soll der Bund die vollständige Kontrolle über die HRE bekommen, hieß es weiter.
Bund will HRE komplett übernehmen
Das Finanzministerium bekräftigte am Sonntag die Absicht der Bundesregierung, die Hypo Real Estate komplett zu übernehmen. Das entsprechende Gesetz werde in der neuen Woche endgültig beschlossen werden, sagte Sprecher Torsten Albig. Danach würden weitere Schritte eingeleitet, die Bank zu übernehmen. Schwierigkeiten bei der Abstimmung im Bundesrat erwartet das Ministerium nach Albigs Worten nicht. "Wir sind zuversichtlich, dass das Gesetz in dieser Woche beschlossen wird."
Allerdings empfahl der Finanzausschuss im Bundesrat, am kommenden Freitag ein Vermittlungsverfahren zu dem Gesetz einzuleiten, das die Enteignung von HRE-Aktionären zulässt. Die Länder ließen in den vergangenen Tagen offen, ob sie den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anrufen. Dies würde das Gesetz zwar nicht zu Fall bringen, wohl aber in einer für die Bank prekären Lage verzögern.
Die Regierung will die Kontrollmehrheit an dem börsennotierten Konzern erlangen, um die Pleite und weitere Turbulenzen am Finanzmarkt abzuwenden. Nach Ansicht der Bundesbank hätte eine Insolvenz schlimmere Konsequenzen als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der die Finanzkrise im vergangenen Jahr dramatisch verschlimmerte.
Staatliche Hilfen sollen gesichert werden
Zweites Ziel des Staatseinstiegs ist die Sicherung der schon gewährten staatlichen und privaten Hilfen von etwa 100 Milliarden Euro. Ohne diese Garantien wäre die HRE längst pleite. "Mit der beabsichtigten langfristigen Liquiditäts- und Kapitalunterstützung, für die wir sehr dankbar sind, schafft die Bundesrepublik Deutschland über den Soffin die Voraussetzung für den Fortbestand der Hypo Real Estate Group", sagte Bankchef Wieandt.
Kurzfristig geht die Bank davon aus, weiter rote Zahlen zu schreiben: "Mindestens für die nächsten beiden Jahre ist mit einer Verlustsituation zu rechnen", hieß es. "Die mittelfristige strategische Perspektive wird positiv gesehen."
Die früher als grundsolide geltende Depfa beschaffte sich Geld für langjährige Kredite kurzfristig am Kapitalmarkt. Nach dem Zusammenbruch der Märkte explodierten aber die Zinsen, so dass der Staatsfinanzierer nicht mehr an günstiges Geld kam. Die HRE übernahm die Depfa erst im Jahr 2007, als die weltweite Finanzkrise mit der Abkühlung des US-Immobilienmarktes begann. Eine Fusion mit der Commerzbank-Tochter Eurohypo plant die HRE aber nicht. Auch ein Zusammengehen mit anderen Hypothekenbanken sei nicht vorgesehen, sagte Wieandt
Quelle : www.spiegel.de
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Deutschlands Banker Nummer eins liest der eigenen Branche die Leviten: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kritisiert hohe Bonuszahlungen für Führungskräfte in Geldinstituten. Fehlleistungen dürften nicht auch noch belohnt werden.
Berlin - Derart selbstkritisch ist seit langem kein Deutsche-Bank-Boss mehr aufgetreten. Während Ackermanns Vorvorgänger Hilmar Kopper 1994 nach der Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider die Verluste der anderen überheblich als "Peanuts" abtat, macht Josef Ackermann derzeit Front gegen die Mitglieder der eigenen Zunft.
Er verstehe, "dass viele Menschen verärgert sind, wenn Manager von staatlich unterstützten Unternehmen, die hohe Verluste haben, letztlich aus der Tasche des Steuerzahlers Millionen Boni bekommen sollen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank der "Bild"-Zeitung.
"Für viele Menschen ist so manches, was gerade passiert, nicht mehr nachvollziehbar", sagte Ackermann. "Klar ist auch: Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion und besondere Verantwortung. Dieser müssen sie gerecht werden." Leistung müsse sich lohnen, Fehlleistung dürfe nicht belohnt werden. "Schon gar nicht mit Steuergeldern."
"Viele Manager, die sich vorbildlich verhalten und ordentliche Arbeit gemacht haben, werden dadurch in Misskredit gebracht", fügte er hinzu.
Ackermann forderte seine Standeskollegen auf, auf hohe Bonuszahlungen zu verzichten: "Nicht alles, was einem rechtlich zusteht, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Wenn viele Bürger unter der Finanzkrise leiden - und das tun sie - müssen gerade auch Bankmanager Opfer bringen." Das schließe durchaus auch Top-Manager in Banken ein, die kein Staatsgeld in Anspruch nehmen. "Wir müssen hier alle ein Signal setzen", betonte der Deutsche-Bank-Chef. "Das ist im Interesse des sozialen Friedens und damit auch in unserem eigenen Interesse. Unternehmen operieren nicht im luftleeren Raum."
Ackermann sieht zudem die Gefahr, dass die Gesellschaft durch die Wirtschaftskrise auseinanderfallen könnte. "Meine Sorge ist, dass wir in vielen Ländern soziale Spannungen bekommen könnten. Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt gemeinsam Lösungen finden, die uns aus der Krise führen. Wir sitzen in einem Boot." Hoffnung mache ihm unter anderem, dass die Menschen bisher vernünftig reagiert hätten und nicht in Panik verfallen seien.
Quelle : www.spiegel.de
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Zumindest die Kundenberatung in den Banken und Sparkassen müsste als Nachwehe der Finanzkrise besser geworden sein, sollte man denken. Doch falsch gedacht! Verkauft wird was hohe Provisionen verspricht, nicht was die Kunden als Sicherheit für später brauchen. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und das ZDF-Magazin WISO fanden bei einer Testreihe für fast alle Berater ein mangelhaftes Urteil. 24 von 25 Anlageberatern sind dabei durchgefallen!
24 von 25 Beratern wurde die Note mangelhaft ausgestellt! Die Qualität der Bankberatung in Deutschland ist trotz der anhaltenden Finanzkrise katastrophal. Zu diesem Ergebnis kommen umfangreiche Stichproben des vzbv in Zusammenarbeit mit der Redaktion vom ZDF-Magazin WISO. Demnach gelingt es nur einem von 25 Bankberatern, den finanziellen Hintergrund eines möglichen Kunden auszuleuchten, um ihn folgerichtig zu beraten.
Bankmitarbeiter berichten, dass die Krise intern nicht thematisiert wird. Sie sollen verkaufen, was die Unternehmensleitung für gut befindet. Und das sind vor allem offene Immobilienfonds, in 14 von 25 Gesprächen wurden diese als angeblich sichere Geldanlage angepriesen. Geworben wurde unter anderem mit Sätzen wie: "Dieser Fonds macht niemals minus". Betont wurden auch die Renditewerte der Vergangenheit oder vermeintliche Steuervorteile. Die Probleme der Fonds der letzten Jahre und die Risiken der Wertentwicklung werden nur zu gerne verschwiegen. Machen die Fonds Verluste, bleiben die Anleger auf diesen sitzen, nicht aber der Berater.
Ebenfalls an die Frau und den Mann sollten Rentenversicherungen gebracht werden. Zwölf der Berater hatten in den Testgesprächen eine solche Versicherung im Angebot. Meist wurde erst auf Nachfrage erklärt, wie hoch die garantierte Rendite im Gegensatz zu den versprochenen Überschüssen ist.
Derartige Rentenversicherungen versprechen den Banken hohe Provisionen. Für unbedarfte Anleger ohne umfangreiches Fachwissen erscheinen sie eher undurchsichtig und schwer verständlich. Zufall oder Absicht?
Die seit der Lehman-Pleite umstrittenen Zertifikate wurden den Testern zwar nicht angeboten. Dafür warb man für andersartige riskante und ungeschützte Produkte des Immobiliensektors. "Von einem Umdenken in der Bankenbranche ist nichts zu sehen. Es wird weiter am Bedarf vorbei verkauft. Die Risiken der empfohlenen Produkte werden verschwiegen", kommentiert Manfred Westphal, Leiter des Fachbereiches Finanzdienstleistungen vom vzbv. "Ich bekomme täglich einiges an Falschberatung auf den Tisch. Trotzdem ist es bestürzend, dass von 25 Beratern tatsächlich 24 schon im Ansatz scheitern", so Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen über das Ergebnis. Klare Worte.
Die Verbraucherzentrale fordert auch, dass den Absichtserklärungen der Politiker, dass die Finanzmärkte und die Finanzvermittlung stärker reguliert werden sollen, auch bald Taten folgen müssen. "Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig." Sieht man sich die Resultate dieses stichprobenartigen Banken-Tests an, kann man dem nur zustimmen. Die Verbraucher wollen nicht erst ein Diplom in Wirtschaftswissenschaften machen um zu wissen, ob sie ihren Beratern auch wirklich vertrauen können.
Heute Abend ab 19:25 Uhr wird im ZDF gezeigt, wie es um den Schutz der Anleger tatsächlich bestellt ist. Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin WISO will im Rahmen seiner Dokumentation auch zeigen, wie das Management der Banken Druck auf ihre eigenen Mitarbeiter im Verkauf ausübt. In Anbetracht der Ergebnisse klingt der reißerische Titel der Sendung nicht übertrieben: "Die große Gier - Wie die Banken unsere Zukunft verspielen". Nach der Ausstrahlung ist die Doku auch als Stream in der ZDF mediathek verfügbar (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/782526?inPopup=true).
Quelle : www.gulli.com (http://www.gulli.com)
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Deutschland und Frankreich haben sich nicht durchsetzen können - beim Treffen der G-20-Finanzminister wurde die Entscheidung über eine Obergrenze für Banker-Boni verschoben. Damit ist klar: Das Thema kommt beim Gipfel in Pittsburgh erneut auf die Tagesordnung.
London - Der am häufigsten gehörte Satz beim Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbanker in London war die Warnung, bloß nicht ins "business as usual" zurückzufallen. Der eine Teilnehmer sorgte sich mehr um die nachlassende Bereitschaft, die Konjunktur mit Steuergeldern anzukurbeln, der andere mehr um die Laxheit im Umgang mit Banker-Boni. Sie alle aber einte das Gefühl, dass die Spannung ein bisschen raus ist und sich nach einem Jahr des Daueralarms in der Weltwirtschaft wieder Routine einschleicht.
Der nächste G-20-Gipfel, der vom 24. bis 25. September im amerikanischen Pittsburgh stattfindet, trägt daher schon jetzt alle Merkmale eines Folgegipfels. Das Treffen wird durch mehr Gelassenheit gekennzeichnet sein als der letzte Gipfel im April in London. Die Aufgeregtheit jener Tage ist einer gewissen Erleichterung gewichen. Damals wurden Untergangsszenarien an die Wand gemalt, niemand wusste, wie es weitergeht. Inzwischen scheint die Rezession halbwegs überwunden, der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2010 soeben auf 2,5 Prozent angehoben.
Die Verhandlungen der führenden Wirtschaftsnationen haben deutlich an Dramatik verloren, es geht nicht mehr um die "Rettung der Welt". Diese Worte hatte der britische Premier Gordon Brown im Frühjahr noch in den Mund genommen. In Pittsburgh wird die Stimmung anders sein. Es wird sich anfühlen wie ein normaler Weltwirtschaftsgipfel.
Schon beim Vorbereitungstreffen der G-20-Finanzminister und Notenbanker am Freitag und Samstag war dies zu spüren. Es werden keine neuen Ideen mehr verhandelt. Es geht nur darum, die Absichtserklärungen vom April in konkrete Vereinbarungen umzusetzen. Das ist mühsam - und wenig spektakulär. In London verständigten sich die Finanzminister in vier Kernpunkten, die auch in Pittsburgh eine Rolle spielen werden:
* Im Grundsatz ist man sich einig, dass die Banken gezwungen werden sollen, mehr Eigenkapital vorzuhalten. So sollen sie in die Lage versetzt werden, selbst für Verluste geradezustehen, wenn riskante Geschäfte schieflaufen. Der Steuerzahler soll künftig möglichst nicht mehr behelligt werden. Weil es unterschiedliche Auffassungen über die Höhe der Kapitalpuffer gibt, soll dies jedes Land selbst entscheiden dürfen.
* Ebenso sinnvoll erscheint der Vorschlag, dass die international verzweigten Banken mit Hunderten Tochtergesellschaften ein "globales Testament" machen sollen. Das soll im Fall eines Bankrotts die Einlagen der Kunden sichern und die Abwicklung der Schulden erleichtern. Es ist eine der Lektionen aus dem chaotischen Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers. Bis heute sind die Ansprüche der Gläubiger nicht geklärt, weil die Bankstruktur zu komplex war und Wirtschaftsprüfer ein Jahr später immer noch mit der Bestandsaufnahme beschäftigt sind.
* Inzwischen wird auch über einen Ausstieg aus den Konjunkturpaketen nachgedacht, die seit vergangenem Herbst geschnürt worden waren. Insbesondere der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück drängte auf eine "Exit-Strategie", unterstützt von Frankreich und Japan. Großbritannien und die USA haben jedoch durchgesetzt, dass im G-20-Abschlussdokument steht, dass es noch zu früh für einen Ausstieg sei. Konjunkturhilfen sollen fortgeführt werden, bis eine stabile Erholung der Wirtschaft sichtbar ist. Es ist eine vage Formulierung, mit der alle leben können. So kann die Bundesregierung verbreiten, man sei sich im Grundsatz über einen Ausstieg einig. Und die britische Regierung kann sagen, die Milliardenversprechen des G-20-Gipfels vom April werden eingehalten.
* Eine Regulierung der Banker-Boni war im April im Grundsatz beschlossen worden. Die Frage der Umsetzung spaltet nun jedoch die Kontinentaleuropäer und Angelsachsen. Frankreich und Deutschland wollen eine gesetzliche Obergrenze für Boni. Briten und Amerikaner hingegen erinnern daran, dass im Kapitalismus die Gehälter nun einmal von Unternehmen entschieden werden und nicht vom Staat. Die Angelsachsen haben sich vorerst durchgesetzt: Eine gesetzliche Obergrenze wurde nicht beschlossen. Stattdessen haben die Finanzminister diese Frage an das Financial Stability Board überwiesen, das nun Vorschläge für den Gipfel der Regierungschefs in drei Wochen machen soll. Einig ist man sich hingegen, die Bonus-Ausschüttung über drei Jahre zu strecken und an den langfristigen Geschäftserfolg zu koppeln.
Der britische Gastgeber Alistair Darling und sein US-Kollege Timothy Geithner betonten in ihren abschließenden Pressekonferenzen, es sei wichtig, dass man die Konjunkturhilfen weiterführe. "Wir müssen den Job zu Ende führen", sagte Darling. Insbesondere in den ärmeren Ländern sei noch keine wirtschaftliche Erholung zu sehen. Zur Frage der Boni sagte er, es habe in der Runde eine "ziemlich starke Entschlossenheit" gegeben, dass sich die Exzesse der Vergangenheit nicht wiederholten. Gleichzeitig bekräftigte er jedoch seine Ablehnung einer gesetzlichen Bonus-Obergrenze, wie Deutschland und Frankreich sie fordern. Es sei zu leicht, diese zu umgehen, argumentierte Darling. Und er fügte hinzu, es wäre "ein großer Fehler", sich zu sehr auf die Boni zu konzentrieren. Diese seien mehr Symptom als Ursache der Finanzkrise.
PR-Stunt in Pittsburgh?
Dennoch will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Fortschritte in der Debatte erkannt haben. "Wir sind vorangekommen", sagte der SPD-Politiker nach dem Treffen. Die "aufgeschlossene Haltung" Großbritanniens habe ihn überrascht.
Der Streit um die Bonuszahlungen könnte am ehesten für Ärger in Pittsburgh sorgen. Denn Deutsche und Franzosen sind entschlossen, hier ein Exempel zu statuieren. Die Finanzkrise sei so "furchtbar für unsere Gesellschaften" gewesen, dass die Welt immer noch unter den Folgen leide, sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Es liegt daher nahe, dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy in Pittsburgh einen erneuten Vorstoß für eine gesetzliche Obergrenze macht.
Vielleicht droht er sogar wieder mit vorzeitiger Abreise - so wie im April in London. Damals hatte Merkel sich an seine Seite gestellt und für schärfere Regeln gegen Steueroasen gekämpft. Möglicherweise lässt sie sich wieder zu einem ähnlichen PR-Stunt hinreißen - schließlich ist drei Tage nach dem G-20-Gipfel die Bundestagswahl.
Quelle : www.spiegel.de
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Was Banken und Banker aus der Krise gelernt haben
Heute ist Weltspartag. Früher kamen zu diesem Ereignis Vertreter von Geldinstituten in die Grundschulen und erklärten den Kindern in einer Art Religionsunterricht II, dass sie bei ihnen auf wundersam einfache Weise ihr Geld vermehren könnten. Dazu passend gab es Märchenbücher mit Bildern zum Einkleben und bunte Metallsparbüchsen mit beweglichem Henkel, die man hin- und herschwingen konnte.
Solche Büchsen werden heute nicht mehr verteilt. Möglicherweise auch deshalb, weil zu viele Kunden auf die Idee kommen könnten, sie spontan Bankmitarbeitern auf den Kopf zu hauen. Einen Fall, bei dem große Teile der Öffentlichkeit wahrscheinlich viel Verständnis für solch ein Handeln hätten, schildert der Blogger Torben Friedrich.
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31411/31411_1.gif)
Er wurde als Pfand an einer Tankstelle zurückgelassen, weil sich die Geldkarte seiner Freundin plötzlich als gesperrt erwies. Nach einer Odyssee, bei der sie unter anderem von der Stadt- zur Kreissparkasse und von einer zur anderen Filiale verwiesen wurde, landete sie zwei Tage später schließlich bei der verantwortliche Mitarbeiterin, die ihr dem Blogeintrag zufolge ins Gesicht sagte, sie hätte die Karte trotz gedecktem Kontos deshalb gesperrt, weil sie der Kundin einen Riester-Renten-Vertrag verkaufen wollte, sie aber angeblich nicht erreichen konnte.
Bei der Sparkasse Weserbergland, bei der bereits die mindestens 3,9 Cent teuren Telefonnummern auf einen gewissen Mangel an Kundenfreundlichkeit hindeuten, reagierte man erst gar nicht auf Anfragen von Telepolis, zu dem Fall Stellung zu nehmen. Schließlich behauptete eine Mitarbeiterin, sie könne den (anderswo tadellos sichtbaren) Blogeintrag nicht abrufen und versprach nach telefonischer Schilderung der Behauptungen einem Rückruf, dem trotz Fristsetzung bis jetzt nicht nachgekommen wurde. Allerdings soll man sich Torben Friedrich zufolge mittlerweile bei seiner Freundin entschuldigt haben.
Als die Zig-Milliarden an Steuergeldern, mit denen nun unter anderem die angebliche Notwendigkeit einer Krankenversicherungs-Kopfpauschale und einer "Pauschalisierung" der Unterkunftskosten von Hartz-IV-Beziehern begründet wird, an die Banken flossen, da wurden viele Änderungen versprochen: Gesetze sollten die Gefahren von Spekulationen begrenzen, Managergehälter sollten sinken, "Bankberater" sollten Kunden nicht mehr mittels Täuschen und Verschweigen in angeblich sichere Anlageformen locken dürfen und Banken wollten sich mehr auf ihren eigentlichen Existenzzweck konzentrieren und den Mittelstand mit Krediten versorgen. Nichts von dem wurde umgesetzt. Stattdessen wurde es sogar noch deutlich schlimmer.
Eine EU-Richtlinie, die damit verkauft wurde, dass sie Bankkunden besser stellen würde, erwies sich nach ihrer Umsetzung als das glatte Gegenteil: Nun haften die Kunden in weit stärkerem Ausmaß für Verluste, die Banken und Sparkassen entstehen, weil sie Verbraucher zum Einsatz unsicherer und technisch veralteter Systeme zwingen. Manager, die derart versagten, dass die Commerzbank vom Steuerzahler "gerettet" werden musste, klagen auf Boni in Millionenhöhe, der neue Finanzminister Schäuble lässt mit dem SPD-Staatssekretär Jörg Asmussen den wahrscheinlich wichtigsten deutschen Verantwortlichen für die Finanzkrise im Amt und mittelständische Unternehmen klagen trotz Niedrigzinspolitik der EZB über eine "Kreditklemme".
Mit am Augenfälligsten sind die Entwicklungen hin zum Schlechteren auf dem Gebiet der Täuschung von Verbrauchern. Nach der Lehmann-Pleite durfte Melanie Bergermann in der Wirtschaftswoche plötzlich das schreiben, was davor jahrelang unter den Teppich gekehrt worden war: Dass in deutschen Banken "Zustände wie in einer Drückerkolonne" herrschten, dass Bankkunden "eiskalt angelogen" wurden und dass man alles unternahm, damit sie Formulare bloß nicht mit nach Hause nahmen und dort durchlasen.
Mitarbeiter von Geldinstituten, so die Reportage Ich habe sie betrogen, versuchten als Erstes in Erfahrung zu bringen, wie viel ein Kunde weiß. Die "informierten und selbstbewussten" bezeichnete man im Bankgewerbe als "Patienten" und versuchte sie loszuwerden. Den weniger selbstbewussten und weniger informierten versuchte man dann Anlageformen zu verkaufen, für welche "Ziele" vorgegeben waren, bei deren Nichterfüllung die Mitarbeiter Drohungen, Demütigungen, Mobbing und Kündigung befürchten mussten. Angestellte, so kam heraus, mussten für die Bank wöchentliche "Roherträge" von 1.500 Euro erwirtschaften - auf Kosten der Kunden.
Dabei kam dem System das Arbeitsrecht zugute, das Abmahnungen und Kündigungen erlaubt, wenn "ein Mitarbeiter dauerhaft mehr als ein Drittel der durchschnittlichen Arbeitsleistung der Kollegen" unterschreitet. Die Arbeitszeitbegrenzung auf acht Stunden wurde durch solche Zielvorgaben zur Makulatur, weil es für viele Angestellte in diesem Bereich bald normal war, auch Abends und an Wochenenden Kunden wie ein Callcenteragent zu beschwatzen, um die geforderten Verkäufe von Produkten zu erreichen, die für die Verbraucher häufig riskant, für die Geldhäuser dafür aber um so lukrativer waren.
Wurden in dieser gnadenlosen Planwirtschaft Ertragsziele oder Absatzvorgaben für den Verkauf von einzelnen "Finanzprodukten" nicht erreicht, dann bestrafte man das Team, so dass skrupellosere Angestellte die Skrupel anderer durch noch kundenfeindlichere Praktiken ausglichen. "Gruppengespräche" in denen Vertriebsziele überprüft wurden, liefen angeblich ab wie in Dokumentationen über verbrecherische Sekten. Krankenstände spielten keine Rolle, und Verkaufsziele wurden stets nur nach Oben geschraubt. Ziel von Vorgesetzten war es offenbar, dass ihre Untergebenen mehr Angst vor ihnen haben sollten als vor den Reaktionen der betrogenen Verbraucher. Und so sehr die Vertriebsziele kontrolliert wurden, so sehr fehlte eine Kontrolle über Kundenaufklärung.
Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die von Bergermann festgestellten Zustände geändert haben. Im Gegenteil. Der Gewerkschaftler Uwe Foullong beklagte vor zwei Wochen, dass der Vertriebsdruck sogar gestiegen sei, weil die Banken versuchten, eigene Verluste aus der Finanzkrise mit allen Mitteln wieder wettzumachen. Nachdem Begriffe wie "Zertifikat" und "Verbriefung" relativ verbrannt waren, ließen sich die Geldinstitute einfach neue Namen für "innovative Finanzprodukte" einfallen, mit denen Kunden übers Ohr gehauen werden. Dem Ver.di-Funktionär nach wollen die Banken die "Leistungselemente" sogar tarifvertraglich ausweiten: Danach soll zukünftig auch das vom Provisionsanteil bereinigte Grundgehalt eines Mitarbeiters gekürzt werden, wenn er Vertriebsziele nicht erreicht.
Meinte Nietzsche einst, man solle die Peitsche nicht vergessen, wenn man zum Weibe geht, so ist es heute der MP3-Recorder, der Laptop mit Mikrofon oder das Mobiltelefon mit Aufnahmefunktion, ohne das man besser kein Wort mit einem Bankangestellten wechseln sollte. Diese Weisheit scheint über ein Jahr nach der Bankenkrise in noch wesentlich stärkerem Maße zu gelten als vorher. Es wird Zeit, dass man sie auch in den Grundschulen lehrt und die Kinder dort vor dem "Onkel" vom Geldinstitut warnt.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Michael Kemmer soll für die Milliardenverluste 1,5 Millionen Euro Abfindung erhalten, was erneut das in gewissen Kreisen herrschende Prinzip der Verantwortungslosigkeit zeigt
Angeblich [extern] soll der aufgrund des Milliardenverlusts zurückgetretene BayernLB-Chef Michael Kemmer, wie schon in vielen anderen Fälle zuvor, für seine Leistung eine Entschädigung von 1,5 Millionen Euro erhalten. Wie immer steht hinter der Forderung ein Vertrag, der bis 2013 läuft und der Kemmer ein bescheidenes Jahressalär von einer halben Million garantiert.
Der Banker war seit 2006 im Vorstand der Landesbank und hat damit den verlustreichen Deal mit der Hypo Alpe Adria (HGAA) mit zu verantworten. Als er Anfang 2008, nachdem sich die Landesbank als Schwarzes Loch erwiesen hat, in das der Steuerzahler bereits mehr als 10 Milliarden Euro versenkt hat, wozu jetzt noch die fast 4 Milliarden für die HGAA kommen, zum Chef ernannt wurde, erhielt er noch über 800.000 Euro. Wegen der Staatsgelder, die in die Bank gepumpt werden mussten, wurde sein Gehalt angepasst. Auch eine halbe Million sind noch eine fürstliche, von Leistung entkoppelte Entlohnung für das Führen einer Bank, die dem Steuerzahler immer tiefer in der Tasche liegt.
Schon beim Kauf der HGAA war, worauf alles hinweist, der Preis um Hunderte Millionen Euro überhöht, Kemmer hat – wie die übrigen Verantwortlichen im Management und im Verwaltungsrat, wo die Politiker sitzen – das durch die Finanzkrise sicher verschärfte, aber nicht verursachte Problem der Pleitebank nicht gelöst, sondern so lange ausgesessen, bis sie in die Pleite zu stürzen drohte und gehandelt werden musste. Wenn nun Kemmer für den Rücktritt eine Abfindung von 1,5 Millionen Euro erhalten soll, so wird dies niemand mehr nachvollziehen können, zumindest so lange nicht, bis nicht zumindest strafrechtlich die Verantwortung geklärt ist.
Man kann allerdings davon ausgehen, dass Kemmer mit einer hohen Abfindung versehen wird. Schließlich versucht die jetzige bayerische Regierung zwar mühsam, sich von jeder Schuld beim Kauf der HGAA reinzuwaschen und die Verantwortung der Vorgängerregierung unter Stoiber zuzuschieben, aber sie hat schon aus parteiinternen Gründen wenig Interesse daran, die verantwortlichen einflussreichen CSU-Politiker – Stoiber, Huber, Beckstein, Schmid oder Faltlhauser – ans Messer zu liefern. Das würde nicht nur Unruhe in der Partei hervorrufen, sondern auch die eigene Position zum Schleudersitz machen. Und, für die CSU nun dumm, allein schwarze Parteimitglieder sind für das Desaster verantwortlich, weil die Opposition außen vor bleiben sollte. Also wird jetzt erstmal geschwiegen über die Hintergründe, aber verkündet, dass man an der Aufklärung interessiert sei.
Kemmer sollte – wie Schneiderhahn für Guttenberg - als schneller Sündenbock herhalten, der die Politiker schützt. Der bayerische Städtetagschef und Regensburger Oberbürgermeister Schaidinger, der beim Kauf der HGAA Verwaltungsratmitglied war und dies noch immer ist, lehnt einen Rücktritt (noch) ab – ebenso wie offenbar der Sparkassen-Chef Siegfrid Naser. Huber, Beckstein und Schmid sitzen inzwischen nicht mehr im Verwaltungsrat. Ministerpräsident Seehofer, so wird die Strategie deutlich, überließ die Entscheidung Schaidinger.
Freiwillig, so die gängige Politiker- und Managereinstellung, wird keine Verantwortung übernommen, man presst lieber auf Staatskosten heraus, was noch geht, um den eigenen Wohlstand trotz der Fehler nicht zu schmälern. Ja, und weil Kemmer vermutlich einiges zu sagen hätte, wird er wohl die Abfindung als Schweigegeld mit Billigung der schwarz-gelben bayerischen Regierung erhalten – es sei denn, die FDP würde überraschend mutig werden. So funktionieren Seilschaften, zumal wenn das Geld vom Steuerzahler kommt und eine persönliche Verantwortung für Milliardenverluste weit von sich gewiesen wird. Bankster und Politiker, zumindest die, die in Verantwortung stehen, sind sich da ganz einig.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Eine Studie versucht zu demonstrieren, dass hohe Einkommen keineswegs mit mehr Leistung verbunden und für die Gesellschaft wichtiger sind als schlecht belohnte Jobs
Die "Leistungsträger", die sich gerne so nennen, um ihren Anspruch auf hohe Einkommen zu rechtfertigen, und politische Parteien, die für den Mittelstand eintreten und damit die "Leistungsträger" meinen, degradieren gerne andere Tätigkeiten und sagen, man müsse den Reichen noch mehr geben, damit sie mehr investieren und Arbeitsplätze schaffen. Der britische Think Tank nef (new economic foundation) hat sich nun mal daran gemacht, den gesellschaftlichen Wert von Tätigkeiten einzuschätzen und kommt dabei keineswegs zu dem Ergebnis, dass gesellschaftlich wertvolle Tätigkeiten mit einem höheren Einkommen belohnt werden.
Natürlich stehen die exorbitanten Boni der Banker und Spekulanten, deren Gewinnstreben für die Finanzkrise mit verantwortlich gemacht wird, im Vordergrund der Studie A Bit Rich, die die Leistung von Tätigkeiten für die Gesellschaften anhand von drei hoch bezahlten Jobs (Banker, Werbedesigner, Steuerberater) und drei schlecht bezahlten Jobs (Putzkraft in einem Krankenhaus, Arbeiter in einem Recycling-Werk, Kinderbetreuer) quantitativ durch den "social return of investment" (soziale Kapitalrendite) zu bewerten sucht.
Die Stiftung will andere Werte als Reichtum und Profit durchsetzen und attraktiv machen, um die Ausrichtung der Gesellschaften zu verändern. So veröffentlicht sie auch den Happy Planet Index, der die 143 Länder der Welt nach der Zufriedenheit ihrer Menschen, ihren ökologischen Fußabdruck oder der Lebenserwartung ihrer Bürger bewertet. Die reichen Industrieländer finden sich in diesem Index eher in der Mitte, ganz oben liegen vor allem lateinamerikanische Länder, an erster Stelle Costa Rica, gefolgt von der Dominikanischen Republik, Jamaika oder Guatemala. Erst an 51. Stelle rangiert hier Deutschland zwischen der Schweiz und Jemen, die USA sind weit hinten an 114. Stelle zwischen Madagaskar und Nigeria.
Ähnlich geht die Studie davon aus, dass die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm gefährlich sei, ein Mindesteinkommen nicht ausreiche und ein Höchsteinkommen notwendig wäre. Man tritt für den sozialen Umbau der Gesellschaft, eine höhere Besteuerung der Reichen und höhere Entlohnung der gesellschaftlich wirklich wichtigen Arbeit ein. In aller Regel werden die externen Kosten von Waren und Diensten, die in Gesellschaft und Umwelt entstehen, nicht in die Kapitalrendite einbezogen, weswegen zu viele billige, aber schädliche Waren oder Finanzprodukte angeboten werden. Ähnlich sei dies bei Tätigkeiten, bei denen der soziale Wert nicht mit einbezogen werde, weswegen wichtige Jobs wie die in Sozialarbeit oder Kinderbetreuung schlecht bezahlt würden.
Die Autoren wollen mit ihrer Studie viele der Mythen untergraben, die sich tatsächlich als scheinbare Wahrheiten in den Köpfen festgesetzt haben. Wer mehr verdient, arbeitet mehr, die Privatwirtschaft ist besser als der öffentliche Dienst, die Reichen tragen mehr zur Gesellschaft bei als die Armen, Aufstiegschancen gibt es für alle etc.
Erwartbar kommen die Banker in London, die zwischen 500.000 und 10 Millionen Pfund verdienen, nicht gut weg. Für jedes Pfund, das sie durch ihre Arbeit "erwirtschaften", würden sie 7 Pfund an sozialem Wert zerstören. Obwohl die City-Banker für das Land so entscheidend sein sollen, tragen sie nur 3 Prozent zum BIP bei, werden vom Finanzsektor wenig Jobs geschaffen und ist der Rückfluss durch Steuern nicht sehr hoch. Desaströs sei jedoch ihr Beitrag zur Finanzkrise und zur Zerstörung der Wirtschaft und der Steuern. Bei Kinderbetreuern soll es umgekehrt sein. Mit jedem Pfund, das sie verdienen, erzeugen sie zwischen 7 und 9,5 Pfund an Wert für die Gesellschaft. Sie seien nicht nur wichtig für die Familien, sondern ermöglichen es auch Eltern, vor allem Frauen, trotz Kinder zu arbeiten, während sie den Kindern zusätzliche Lernmöglichkeiten bieten. Putzkräfte im Krankenhaus würden pro Pfund Lohn 10 Pfund an sozialem Wert erzeugen, bei den Arbeitern in einer Recyclingproduktion seien es sogar 11 Pfund.
Das ist offenbar sehr oberflächlich geschätzt, bei den Bankern wird die Finanzkrise diesen angelastet, die ja nicht ständig herrscht, auch wenn die Folgen für die Gesellschaft durch die erhöhte Verschuldung über Jahre und Jahrzehnte spürbar sein können. Die Steuerberater kommen ganz schlecht weg, weil sie den Reichen helfen, noch weniger Steuern zu zahlen – nämlich 25 Milliarden jährlich -, als sie ihrem Reichtum angemessen zahlen müssten. Sie vernichten für jedes Pfund, das sie schaffen, 47 Pfund an gesellschaftlichem Wert. Präzision der Daten sei nicht die Zielrichtung des Berichts gewesen, sagen die Autoren zutreffend. Ihre Zahlen und Vergleich sind also grobe Schätzungen, die teils recht willkürlich erscheinen. Aber da die Menschen vor allem Zahlen glauben, könnte der Bericht ein Anfang sein, die Tätigkeiten gesellschaftlich anders zu bewerten – und die dabei die externen Kosten miteinzubeziehen.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Das ist ja nu wirklich nicht neu.
Das wussten schon die Kannibalen:
In einer Firma werden 5 Kannibalen als Programmierer angestellt. Bei der
Begrüßung der Kannibalen sagt der Chef zu ihnen: "Ihr könnt jetzt hier
arbeiten, verdient gutes Geld und könnt zum Essen in unsere Kantine gehen.
Also lasst die Mitarbeiter in Ruhe." Die Kannibalen geloben hoch und
heilig, keine Kollegen zu belästigen.
Nach vier Wochen kommt der Chef wieder zu ihnen und sagt: "Ihr arbeitet
sehr gut. Uns fehlt eine Putzfrau, wisst Ihr, was aus der geworden ist?"
Die Kannibalen antworten alle mit "Nein" und schwören, mit der Sache
nichts zu tun zu haben. Als der Chef wieder weg ist, fragt der Ober-Kannibale:
"Wer von Euch hat die Putzfrau gefressen?" Meldet sich hinten der letzte
ganz kleinlaut: "Ich war es..." Sagt der Ober-Kannibale: "Du Idiot, wir
ernähren uns seit vier Wochen von Gruppenleitern, Abteilungsleitern,
Bereichsleitern, Projekt-Managern und Controllern, damit keiner etwas
merkt, und du Depp musst die Putzfrau fressen!!!"
Die Moral von der Geschicht:
Manche fehlen - manche nicht.
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;D ;D ;D und wann ist der Chef drann, verstehe schon, ist ungeniesbar. ;D ;D ;D
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Kater: Ich glaube in Hamburg besteht striktes Einfuhrverbot für Kannibalen, Cheffe ist sicher!!! ;)
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:embarassed: den hab ich selbstverständlich nicht gemeint. Ich dummer, böser Kater. :embarassed:
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Das traut sich eh keiner.
Das geklimper (25000 Einträge) im Bauch, hält doch keiner aus. ;D
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Andererseits, die Chefs im "wahren Leben" sind meist äusserst schwer verdaulich.
Und deren Schlipse hängen mir auch ohne Kannibalismus regelmässig zum Halse heraus.
Welcher Feinschmecker täte sich so eine Kost freiwillig an.
In der Regel nicht einmal nahrhaft, das fade Nadelstreifen-Gesocks... ::)
BTW, so ein Spott ist hier ja nicht einmal OT ;D
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Eine Sondersteuer für Banken, strenge Regeln für Boni und Eigenhandel - die US-Regierung sagt der Finanzindustrie den Kampf an. Ein Vorbild für Deutschland?
Berlin - Schluss mit den Diskussionen: Im Kampf gegen die Allmacht der Banken verspricht US-Präsident Barack Obama jetzt Taten. Eine Sondersteuer für Großbanken zählt ebenso dazu wie die Trennung von Kunden- und Eigengeschäft. Und - in letzter Konsequenz - die Zerschlagung, sollte ein Institut zu groß werden.
Dass Obama mit seiner Offensive in erster Linie bemüht ist, verlorenes politisches Terrain zurückzuerobern, ist aus Sicht der Anleger unerheblich. Sie haben die Botschaft verstanden. An der Wall Street erlitten Bankenwerte deutliche Verluste, später auch in Japan. "Viele dachten, Obama rettet die Banken und alles ist wieder gut. Aber der Wille, den Banken richtig auf die Füße zu treten, ist da", sagte ein Börsenhändler.
Natürlich blieben auch die deutschen Banken nicht verschont. So büßten die Aktien der Deutschen Bank am Freitag rund vier Prozent ein, während die der Commerzbank, deren Fokus auf dem Privatkundengeschäft liegt, moderate 1,5 Prozent verloren. "Die Pläne sind nicht gut für die Stimmung", sagte ein Händler. Auch die Aktien von Credit Suisse und UBS gehörten am Freitag mit Abschlägen von mehr als vier Prozent zu den größten Verlierern unter den europäischen Bankaktien.
Die Bundesregierung begrüßte Obamas Initiative. Die Vorschläge seien eine hilfreiche Anregung für die Diskussion auf internationaler Ebene, sagte ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin. Im Rahmen dieser internationalen Debatte müssten die Vorschläge bewertet werden. Ziel sei es, dass sich die Finanzkrise nicht wiederhole. Doch einen nationalen Alleingang bei der Regulierung will Schwarz-Gelb nicht.
Die Institute hierzulande sind nach Ansicht von Experten allenfalls indirekt betroffen. "Die großen Banken, vor allem die Deutsche Bank, haben den Eigenhandel bereits deutlich zurückgefahren", schrieb LBBW-Analyst Alexander Groschke am Freitag. Er halte die Folgen eines Verbots des Handels auf eigene Rechnung daher für gering. "Der Vorschlag von Obama ist keine Bedrohung für die Deutsche Bank oder andere deutsche Banken, aber er bereitet den Weg für eine schärfere Regulierung in Europa", erklärte Groschke.
Und so bangen auch die Banker in Deutschland. "Statt auf die schiere Größe von Banken abzustellen, sollten die Regeln und die Beaufsichtigung weltweit darauf ausgerichtet werden, Marktentwicklungen und Vernetzungen besser zu erkennen und gegebenenfalls einzugreifen", sagt etwa der geschäftsführende Vorstand des Privatbankenverbands BdB, Manfred Weber.
Für die Europäische Union gab EU-Währungskommissar Joaquín Almunia zwar bereits Entwarnung: Die EU brauche keine Zügelung der Banken nach US-Vorbild. Obamas Vorstoß sei in den Vereinigten Staaten mehr als angebracht, aber in der EU nicht nötig, sagte Almunia am Freitag. "Hier in Europa gibt es keine Wall Street, die die Maßnahmen der derzeit diskutierten Finanzregulierung bremst."
mehr ... (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,673481-2,00.html)
Quelle : www.spiegel.de
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Dass Obama mit seiner Offensive in erster Linie bemüht ist, verlorenes politisches Terrain zurückzuerobern, ist aus Sicht der Anleger unerheblich
warum er das macht ist mir erst mal egal, Hauptsache es beginnt mal einer in diese Nester zu treten und ich hoffe er tut es wirklich.
Zuggebenermaßen spielt da bei mir eine große Portion Schadenfreude mit, darüber, daß die Nadelstreifenfuzzies mal Sorgenfalten bekommen.
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Der Druck auf die Geldindustrie steigt: Bei der angekündigten internationalen Bankenkonferenz in Berlin will Finanzminister Schäuble eigene Vorschläge zur Regulierung der Branche vorlegen. Die entsprechenden Ankündigungen von US-Präsident Obama begrüßt der CDU-Politiker.
Berlin/Hamburg - Die Bundesregierung dringt auf eine international abgestimmte Strategie zur Bankenregulierung. Nach SPIEGEL-Informationen ist deshalb im Mai eine internationale Konferenz in Berlin geplant, bei der Finanzminister, Notenbanker und Wissenschaftler der G-20-Staaten auf ein geschlossenes Vorgehen eingeschworen werden sollen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat jetzt erste Details zum weiteren Vorgehen genannt. In der "Welt am Sonntag" kündigte er an, die Bundesregierung werde in die Debatte auch eigene Ideen einbringen. Bis zum Frühjahr werde das Bundesfinanzministerium in enger Abstimmung mit dem Kanzleramt einen Vorschlag formulieren. Wie die USA wolle auch die deutsche Regierung, dass der "Finanzsektor angemessen an den Kosten der aktuellen Krise und auch künftiger Finanzkrisen beteiligt wird".
Schäuble begrüßte grundsätzlich die jüngsten Regulierungsvorschläge des US-Präsidenten Barack Obama: Es sei "eine erfreuliche Entwicklung, dass sich auch in den USA auf diesem Feld etwas bewegt", sagte der Minister. Damit sei auch die Chance deutlich größer geworden, "dass wir eine gemeinsame Lösung finden".
US-Präsident Barack Obama hatte zuletzt mit einem Vorstoß neue Bewegung in die Debatte über die Bankenregulierung gebracht. Nach seinem Willen sollen Geschäftsbanken in Zukunft auf Eigenhandel und riskante Investments verzichten. Der Plan des Weißen Hauses sieht außerdem vor, dass Geschäftsbanken und Institutionen, die Banken besitzen, weder Hedgefonds noch Beteiligungsgesellschaften besitzen und auch nicht in solche investieren dürfen. Schranken will Obama Finanzgesellschaften auch hinsichtlich ihrer Größe auferlegen.
Ähnliche Pläne beim G-20-Stabilitätsrat
Regierungsvertreter aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten Obamas Vorhaben Anerkennung gezollt, die Pläne aber nicht direkt übernommen. Kritik kam unter anderem von der SPD, deren Fraktionsvize Joachim Poß der schwarz-gelben Koalition Trägheit vorwirft und dazu aufruft, zügig Obamas Beispiel zu folgen.
Deutlichen Zuspruch erhielten die Pläne vom Finanzstabilitätsrat (FSB), der im Namen der G-20-Staaten die globalen Reformbemühungen hinsichtlich der Bankenregulierung koordiniert. Obamas Vorschläge zählten zu den Optionen, die auch der FSB selbst erwäge, um die Risiken für das Finanzsystem zu verringern, teilte das Gremium am Samstag mit.
Zu den weiteren Möglichkeiten, die der Rat prüft, zählen demnach Eigenkapitalregeln, der Fremdfinanzierungsgrad, Liquiditätsvorschriften, eine bessere Aufsicht und die Vereinfachung von Unternehmensstrukturen. Angesichts unterschiedlicher Institutionen sowie der nationalen und internationalen Zusammenhänge werde eine Mischung aus unterschiedlichen Ansätzen nötig sein, um das Problem zu lösen, erklärte der FSB.
Quelle : www.spiegel.de
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Eine Graswurzelbewegung nimmt den Kampf gegen die Großbanken auf
Die Allgemeinheit rettet das Bankensystem mit astronomischen Summen und die Banker zeigen sich nicht etwa dankbar, lernen nichts aus ihren Fehlern und machen schon wieder so weiter, als hätte es nie eine Krise gegeben. Weltweit richtet sich der Zorn der Völker gegen die Groß- und Investmentbanken, die die Welt mit ihren "Finanzinnovationen" an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Die Regierungen können und wollen dem Treiben der Turbobanker jedoch keinen Riegel vorschieben. Wer aber soll die Banker sonst zähmen? Wir, so lautet die Antwort der Graswurzelbewegung Move your Money.
Wenn wir unsere Konten von den Großbanken zu den kleinen genossenschaftlichen oder kommunalen Banken verlagern, erschweren wir den Turbobankern ihr Treiben, so die Idee hinter dieser Bewegung. In den USA ist "Move your Money" bereits mehr als ein Achtungserfolg. Nun wollen auch hierzulande Aktivisten den Kampf gegen die Großbanken führen.
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32241/32241_1.jpg)
Ist das Leben nicht schön?
Die Grundidee entstammt einem Hollywood-Klassiker. Frank Capras Tragikomödie Ist das Leben nicht schön? wirkt wie ein frühes Abziehbild der aktuellen Finanzkrise. Die Gemeinde Bedford Falls, ein kleines, verschlafenes Nest, in dem amerikanische Werte noch hoch gehalten werden, wird von einem bösen Kapitalisten angegriffen. Der geldgierige Banker Mr. Potter will die braven Bürger ausnehmen und versucht, die kommunale Kreditgenossenschaft in seine Hände zu bekommen, um die Häuslebauer in seine Abhängigkeit zu bringen. Sein Gegenspieler ist der naive George Bailey – ein Altruist wie aus dem Bilderbuch, gespielt vom stets welpenhaft wirkenden James Stewart. Bailey schafft es am Ende natürlich, die braven Bürger dazu zu bringen, ihre gesamten Ersparnisse der Kreditgenossenschaft zu überschreiben und damit die kapitalistische Attacke abzuwehren.
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Gute Banker, böse Banker – Kapitalismuskritik in Schwarz-Weiß. Eine Vorlage, die dem bekannten Filmemacher Eugene Jarecki, der bereits mit der Kapra-Adaption "Why we fight" Erfolge feiern konnte, zu einem naheliegenden Gedanken brachte: Lasst es uns so machen wie die braven Bürger von Bedrock Falls. Lasst uns den Turbobankern das Geld wegnehmen und es den lokalen Kreditgenossenschaften und Kommunalbanken geben. Move your Money, wechsele deine Hausbank. Jareckis Idee wäre wohl in Vergessenheit geraten, hätte sich nicht die bloggende Multimillionärin Arianna Huffington an die Spitze der Bewegung gesetzt. Auf ihrem Blog Huffington Post startete sie zusammen mit einigen Mitstreitern kurz vor Silvester die Aktion Move your Money. Mit im Boot befinden sich auch die Bankanalysten von Institutional Risk Analytics (IRA), die der Aktion ihre Datenbank zur Verfügung stellten.
Seit Beginn des Jahres können Amerikaner auf den Internetseiten von "Move your Money" die zu ihrer Postleitzahl passenden Kommunalbanken finden, die nach dem Rating von IRA solide sind. Aktionen von Ariana Huffington bleiben in den USA nicht unbeachtet, schließlich ist ihr Blog der reichenweitenstärkste der Welt. Innerhalb einer Woche wurde der Aktionsaufruf der Huffington Post 2,3 Millionen mal gelesen, das Aktionsvideo von Jarecki, angereichert mit Szenen von "Ist das Leben nicht schön?", sah bis heute fast eine halbe Million Menschen. Das verwundert nicht, schließlich berichteten fast sämtliche großen Networks über Huffingtons Coup. Wie viele "Graswurzelbewegte" bislang auch tatsächlich ihr Konto wechselten, ist jedoch unbekannt. Darum geht es eigentlich auch nicht – die ganze Aktion zielt weniger auf die Konten, als vielmehr auf die Berichterstattung und die öffentliche Meinung. Zumindest in diesem Punkt kann "Move your Money" auch als voller Erfolg angesehen werden.
Wohlfühlaktivismus oder Bedrohung des Bankensystems?
Jede Bank arbeitet mit den Einlagen ihrer Kunden. Auf Basis dieser Einlagen kann eine Bank nicht nur Kredite vergeben, sondern auch Eigenhandel betreiben und munter im Finanzkasino mitzocken. Wichtiger als die Einlagen selbst jedoch ist die Möglichkeit, Fremdkapital auf Basis dieser Einlagen aufzunehmen. Das Girokonto ist für Banken eine wichtige Einlageform, immerhin parken auf jedem deutschen Girokonto durchschnittlich fast 10.000 Euro Guthaben. Bei 93 Millionen Girokonten ist das eine gewaltige Summe. Girokonten sind für die Banken allerdings nur wenig attraktiv, da sie zu den Sichteinlagen zählen, die jederzeit verfügbar sein müssen. Den größten Teil dieser Gelder dürfen Banken daher auch nicht langfristig verleihen. Natürlich verdienen Banken auch an Girokonten gut – hohe Gebühren, niedrige Guthabenzinsen und exorbitant hohe Verzugszinsen sind die Regel. Ob ein Aktivist also mit seinem Bankenwechsel den gewünschten Effekt erzielt, hängt einzig und allein von seiner finanziellen Situation ab. Wenn die Multimillionärin Arianna Huffington ihre Bankverbindung ändert, so ist dies für die betroffene Geschäftsbank ein herber Verlust. Wechselt hingegen ein permanent klammer Graswurzelaktivist sein Konto, so wird man dies in den New Yorker Bankenzentralen mit einem Lächeln auf dem Gesicht quittiert. Solche "Problemkunden" sind nämlich arbeitsaufwändig, risikobehaftet und wenig lukrativ. Großbanken haben kein gesteigertes Interesse an derlei Kunden.
Die Deutsche Bank gliederte vor elf Jahren sogar einmal ihre 6,8 Millionen Kleinkunden in eine Tochter aus, die an der Börse veräußert werden sollte. Erst Josef Ackermann erkannte den Fehler und holte die Kleinkunden zurück zur Mutter – klamme Problemkunden fassen die Deutschbanker jedoch auch heute noch mit der Kneifzange an. In den USA kommt das Problem der hohen Verschuldung der Privathaushalte hinzu. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – so einfach geht es nicht. Wer seine überzogenen Kreditkarten mit zur kommunalen Bank nehmen will, braucht da schon risikoaffine Kommunalbanker. So sehr sich die kleinen Genossenschaften und Kommunalbanken über finanzstarke Neukunden freuen dürften, so sehr gefährden Problemkunden die finanzielle Stabilität dieser Institute.
Falsche Zielgruppe?
"Move your Money" ist daher im Kern elitär und richtet sich implizit an Vermögende – freilich sucht man vergebens nach einem Hinweis, dass weniger solvente Bankkunden eher kontraproduktiv für diese Aktion sind. Womöglich setzen Huffington und Co. dabei auf die normative Kraft des Faktischen. Potentielle Aktivisten, deren Briefkasten bereits mit Mahnungen vollgestopft ist, werden die Aktion ignorieren, da für sie ein Wechsel der Bank kaum in Frage kommt. Kleinkunden, deren Girokonten selten mehr als ein Monatsgehalt ausweisen, können zwar wechseln, lösen mit ihren Mikroeinlagen aber kein Bankenbeben aus. Bleiben die Bankkunden, deren Konten prall gefüllt sind - sie zum Wechsel zu überreden, wäre zwar ganz im Sinne von "Move your Money", eine Graswurzelbewegung für Besserverdienende ist jedoch ein Widerspruch in sich. Aber darum geht es den Initiatoren wohl auch nicht. Es geht um Meinungsmache und das ist auch gut so. Allein die Berichterstattung über Huffingtons Bankenkeile ist gute PR im Sinne der Aktion. Wer wirklich etwas am Finanzsystem ändern will, muss politischen Druck aufbauen. Die Lobbyisten und Interessengruppen der Großbanken und der Finanzindustrie scheinen übermächtig und schafften es auch im letzten Jahr, jeglichen Reformansatz – und sei er noch so klein – zu verhindern. Dieses Phänomen ist diesseits und jenseits des Atlantiks zu beobachten. Einen ähnlichen Einfluss hatten vor wenigen Jahrzehnten auch noch die Tabaklobbyisten. Erst die Öffentlichkeit zwang die Politik, zumindest in Teilen auf Distanz zur Tabaklobby zu gehen.
Das Finanzkasino lässt sich erst dann schließen, wenn Finanzlobbyisten ihre Interessen in der Politik nicht mehr durchsetzen können. Um dies zu erreichen, ist eine kritische Öffentlichkeit vonnöten. "Move your Money" erzeugt eine kritische Öffentlichkeit, die Aktion ist Populismus im besten Sinne des Wortes. Auch wenn die Kontenverlagerungen selbst kaum einen spürbaren Effekt haben dürften, so ist der Bewusstseinswandel, der mit solchen Aktionen einhergeht, wahrlich revolutionär.
"Move your Money" kommt nach Deutschland
Die Attac-Sektion Frechen will nun die Aktion "Move your Money" nach Deutschland bringen. Ähnlich wie beim amerikanischen Pendant soll auch die deutsche Kopie eine Postleitzahlensuche nach kommunalen und Genossenschaftsbanken bieten, anhand derer die Aktivisten eine geeignete Bank finden können. Dabei würde ein Blick ins lokale Telefonbuch ausreichen. Anders als in den USA haben hierzulande die kommunalen Sparkassen und die Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken im Privatkundengeschäft einen überragenden Marktanteil. In den meisten Ortschaften ist es wesentlich schwerer, eine Filiale der Deutschen Bank zu finden, als eine Sparkasse oder eine Volksbank. Lediglich 29% aller Girokonten liegen bei den sogenannten Kreditbanken, 44% liegen bei den Sparkassen und Landesbanken, 27% bei den Kreditgenossenschaften. Sieben von zehn Deutschen gehören somit noch nicht einmal zur Zielgruppe der Aktion. Streng genommen konzentrieren sich die Aktivisten auch auf das falsche Finanzprodukt. Otto Normalverbraucher hat relativ wenig Geld auf dem Girokonto, dafür aber umso mehr Geld, das in Altersvorsorgeprodukten geparkt ist. Was nutzt ein Wechsel des Girokontos zur kommunalen Sparkasse, wenn Riesterrente, Lebensversicherung und Fondssparplan in Produkte der Großbanken investieren oder sich sogar an ihnen beteiligen? Wem gehört eigentlich die Deutsche Bank? Sie ist nahezu komplett im Streubesitz, 71% des Grundkapitals werden von so genannten "institutionellen Anlegern" gehalten. Dies sind zumeist Aktien- und Pensionsfonds sowie Lebensversicherungen.
Wer dem Finanzkasino das Spielgeld entziehen will, sollte daher einmal etwas genauer hinschauen, in was seine Altersvorsorgeprodukte eigentlich investiert sind. Es ist sehr leicht, einen Fondssparplan zu wechseln, bei Lebensversicherungen oder Riester-Produkten ist dies indes nicht ganz so einfach. Sinnvoller wäre es daher, sich vor dem Abschluss solcher Verträge Gedanken zu machen, wen man mit seinen Ersparnissen eigentlich unterstützen will. Es gibt Alternativen. Wer die George Baileys unserer Zeit sucht, der wird sie auch finden – über die Suche bei "Move your Money" oder anderswo.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Vorstände der verstaatlichen Bank kassieren trotz Verluste große Pensionszahlungen
Die HRE liegt den Deutschen auf der Tasche. Mittlerweile stützt sich die Pleitebank auf 140 Milliarden an staatlichen Bürgschaften. Dass der Karren so in den Dreck gefahren wurde, sollte in die Verantwortung der "Verantwortlichen" fallen. Die scheint es aber bei den Bankern nicht zu geben, da für sie Gewinne nur bedeuten, dass sie mehr Einnahmen erzielen. Wenn ihre Arbeit zu Verlusten führt, verdienen sie weniger. Risiko ist dabei höchst relativ.
Schön lässt sich das bei dem gerade einmal 44-jährigen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Axel Wieandt sehen, der gerade einmal anderthalb Jahre für die HRE gearbeitet hat. Der hat, wie es im Geschäftsbericht heißt, sehr selbstlos auf eine "unverfallbare Pensionsansprüche" von 3,8 Millionen verzichtet, wofür er aber – trotz Milliardenverlusten – Boni von einer halben Million erhielt. 2009 hat der gute Mann, der dem Steuerzahler wohl einiges kosten wird, 1.492.000 Euro eingesteckt. Dabei geben sich Wieandt und Co. noch ganz selbstlos, weil man ja auf garantierte Vergütungen verzichtet habe.
Verzichtet haben die Vorstände nicht auf ihre "Pensionszusagen", die natürlich völlig unabhängig von jeder Leistung fällig werden und 30 Prozent der nichtreduzierten Festbezüge beinhalten. Für Wieandt heißt dies, wie die Bild ausgerechnet hat: "Ihm stehen nach nur eineinhalb Jahren Dienst 238.000 Euro Pension im Jahr zu. Das macht 19840 Euro im Monat – für eine solche Rente müsste ein Durchschnittsverdiener fast 730 Jahre arbeiten!" Zahlen werden dies letztlich die Steuerzahler, da sich dies ja in einer verstaatlichten Bank abspielt. Auch die anderen Vorstandsmitglieder werden für ihre Arbeit in der Pleitebank fürstlich entlohnt. Auch die Mitglieder des Aufsichtsrats fahren nicht schlecht, fragt sich nur, was sie eigentlich machen, wenn die Pleitebanker mit den dicken und lebenslangen Gewinnen die Bank verlassen können.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Eine Fast-Pleite-Bank, vier Skandale und wenig Aufklärung
Spitzel, Intrigen und Schlammschlachten. Die HSH-Nordbank kommt nicht zur Ruhe. Nun erreichen die bislang nur zwischen den Managern der Bank geführten Verleumdungsattaken auch den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) in Hamburg. Dieser hat zwar eigentlich die Aufgabe, die Gründe der katastrophalen finanziellen Schieflage der hamburgischen und schleswig-holsteiner Landesbank zu untersuchen. Derzeit sieht es jedoch eher danach aus, als sollten nicht zu viele Informationen über die Geschehnisse um die HSH-Nordbank an die Öffentlichkeit kommen. Denn dem PUA-Mitglied Joachim Bischoff von der Linken Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft droht der Ausschluss aus dem Gremium. Der Grund dafür ist die angebliche Weitergabe geheimer Informationen an die Presse.
Den Anlass für den Versuch Bischoff von der Mitarbeit im PUA HSH-Nordbank auszuschließen, lieferte eine Pressekonferenz am 21. Oktober diesen Jahres. Dort präsentierte der Finanzexperte der Linken in der Hamburger Bürgerschaft sein neues Buch mit dem Titel: "Tatort HSH Nordbank". Dazu legte Bischoff der Presse ein Dossier vor, in dem seine vorbereiteten Fragen über die HSH-Nordbank an den ehemaligen Finanzsenator der Hansestadt, Michael Freytag (CDU), zu lesen sind. Diese beiden Tatsachen reichten offensichtlich völlig aus, um den Vorsitzenden des PUAs, Harald Krüger (CDU), dazu zu bewegen, eine Untersuchung gegen Bischoff einzuleiten.
Der Fall Bischoff
Bischoff selbst scheint mit dieser Attacke nicht gerechnet zu haben. Gegenüber Telepolis sagte er, dass er für sein Buch nur öffentlich zugängliche Akten benutzt habe. Gleichwohl sieht Bischoff durchaus eine Chance, dass man ihn aus dem Gremium entfernen könne. "Das Gesetz, das in Hamburg die Untersuchungsausschüsse regelt, ist sehr rigide", sagt er. Derzeit wird der Anfangsverdacht noch geprüft. Sollte es jedoch tatsächlich zu einem Ausschluss kommen, würde seine Fraktion "vor dem Hamburger Verfassungsgericht Klage einlegen".
Das Büro des PUA-Vorsitzenden, Harald Krüger, versucht, Abstand zur Sache zu halten. Auf die Anfrage, wie es denn zu diesem Vorwurf gegen Bischoff gekommen sei, heißt es nur lapidar: "Krüger ist nur der Vorsitzende, der einen solchen Vorgang auf die Agenda heben muss." Er selbst sei jedoch nicht der Ursprung. Möglicherweise sieht man bei der CDU zwar ebenfalls die Chance, das unliebsame Mitglied Bischoff entfernen lassen zu können. Gleichwohl möchte sich die Partei jedoch auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Denn sollte dieser Versuch nicht gelingen, würde dies die Glaubwürdigkeit der CDU-Mitglieder im PUA deutlich unterhöhlen.
Für das Grünen-Mitglied (GAL) Andreas Waldowsky ist die Sache jedoch klar und eindeutig. "Bischoff hat offensichtlich vertrauliche Akte benutzt", sagte er gegenüber Telepolis. Für den PUA stellt dies aus seiner Sicht ein großes Problem dar. Denn die Zeugen würden nur dann entsprechende Angaben machen, wenn sie davon ausgehen könnten, dass ihre Aussagen auch vertraulich behandelt würden. Ein erstaunliches Argument, wenn man bedenkt, dass der PUA ursprünglich eingerichtet wurde, um die Verantwortlichen des Desasters um die HSH-Nordbank ausfindig zu machen und zur Verantwortung zu ziehen.
Der Fall Roth
Derzeit scheint es jedoch immer mehr darauf hinauszulaufen, sie davon kommen zu lassen. Denn um die politischen Rahmenbedingungen für eine Aufklärung steht es nicht zum Besten. Nahezu jede Partei ist in der ein oder anderen Art und Weise in die Sache verstrickt. In Schleswig-Holstein wird die Landesregierung durch eine Koalition von SPD und FDP gestellt. In Hamburg dagegen durch eine Koalition von CDU und GAL. Diese Parteien haben damit Grund, die Sache mit der HSH nicht zu heiß zu kochen. Als einzige Oppositionspartei bleibt nur Die Linke. Genau dieser Umstand ist es auch, der diesen Fall so brisant macht.
Für das Management der HSH-Nordbank, unter dem Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher, ist diese Sache sicherlich wichtig. Denn was in den vergangenen Monaten über die Bank durch die Presse an die Öffentlichkeit gebracht wurde, lässt die Vermutung aufkommen, dass dort noch wesentlich mehr aufzuklären wäre.
Zwei Fälle sind es dabei, die den Hamburgern den tiefen moralischen Fall ihrer Landesbank vor Augen führen. So wurde im April 2009 dem HSH-Nordbank-Vorstand Frank Roth fristlos gekündigt. Wie sich einige Zeit später jedoch herausstellte, wurde er durch einen ehemaligen privaten Sicherheitsberater der Bank ausgespäht. Dieser gab gegenüber der Staatsanwaltschaftschaft in Kiel an, das Büro von Roth verwanzt zu haben. Ebenfalls gab er dort zu Protokoll, er habe Dokumente in Roths Privatwohnung manipuliert.
Diese Dokumente seien es dann auch gewesen, die zur fristlose Kündigung Roths geführt haben. Denn durch die manipulierten Dokumente konnte die Bank den Verdacht konstruieren, Roth habe Bankinterna an die Presse weitergegeben. Offensichtlich hatte die HSH-Bank jedoch nicht mit der Staatsanwaltschaft gerechnet. Als sie damit begann, den Fall zu untersuchen, wurde sehr schnell klar, dass es sich um eine Verleumdungskampagne handelte. Ende Juni stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Roth ein und begann mit Ermittlungen gegen den ehemaligen Arbeitgeber Roths, die HSH-Nordbank.
Der Fall Kiser
Doch damit war ein Ende der Skandale innerhalb der Landesbank noch nicht erreicht. Denn auch in New York saß ein Manager, dem Nonnenmacher nicht traute. Roland Kiser war der Leiter des Büros in den USA. Am 17. September 2009 bekam Kiser unerwarteten Besuch in seinem Büro aus der Zentrale in Hamburg. Sofort begannen die HSH-Mitarbeiter das Büro zu durchsuchen. In einem Bilderrahmen der Tochter Kisers fand sich ein Aufkleber mit einer E-Mail-Adresse und einem Passwort.
Schnell wurde der verdächtige Account gefunden und darin Mails mit kinderpornografischen Bildern. Kiser wurde umgehend gekündigt und die Sache der New Yorker Staatsanwaltschaft übergeben. Diese sprang jedoch auf den Fall nicht so an, wie geplant. Denn bald wurden auch dort Zweifel an der vorgeblichen Version erhoben. Der mit dem Fall betraute Staatsanwalt begann demzufolge auch nicht gegen Kiser, sondern vielmehr gegen die HSH-Nordbank zu ermitteln. Gegenüber der Presse äußerte Kisers Sprecher:
Es gibt keinen belastbaren Beweis dafür, dass Herr Kiser die kinderpornografischen Bilder aus dem E-Mail-Account auf seinem Bürorechner angeschaut hat. Dagegen gibt es aber belastbare Indizien, dass Herrn Kiser eine Falle gestellt wurde. Dass der E-Mail-Account von jemand anderem erzeugt wurde und dass der Aufkleber auf der Rückseite des Fotos von Herrn Kisers Tochter ebenso wie die E-Mails platziert wurden.
Das Verfahren, in dem Kiser anschließend die HSH-Nordbank verklagte, wurde kürzlich mit einem Vergleich beendet. Kiser wurden angeblich 7,5 Millionen Euro Abfindung und Schadenersatz gezahlt. Dass neben den geschilderten Fälle auch in Hamburg gegen Nonnenmacher wegen des Verdachtes auf Untreue und Bilanzfälschung ermittelt wird, fällt dabei nicht mehr weiter ins Gewicht.
Der Fall Nonnenmacher
Derzeit halten sich vehement Gerüchte, wonach Nonnenmacher durch eine Privatdetektei FDP-Politiker ausspähen habe lassen. Weder Bischoff noch Waldowsky wollte jedoch dazu Stellung nehmen. Vieles deutet daraufhin, dass Nonnenmacher so etwas wie einen "privaten Geheimdienst" um seine Person errichtet hat. Denn bei allen bekannten Fällen taucht immer das gleiche private Sicherheitsunternehmen, die Prevent AG auf .
Ob es dem PUA in Hamburg wirklich darum, geht das Desaster um die HSH-Nordbank aufzuklären , scheint vielen fraglich. Möglicherweise ist Nonnenmacher nun zu weit gegangen zu sein. Es sieht ganz danach aus, als ob die Unterstützung für den Vorstandsvorsitzenden zunehmend brüchiger wird. Der vorläufige Schaden, den die Landesbank durch ihre Aktivitäten an den internationalen Finanzmärkten den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein bislang verursacht hat, beläuft sich auf 8,5 Milliarden Euro. Diese Summe könnte jedoch auf bis zu 32,5 Milliarde Euro anwachsen. Denn derzeit gibt es immer noch Garantien der Länder und des Bankenrettungsfonds (SoFFin) von bis zu 24 Milliarden Euro.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Attac macht Gutachten zum BayernLB-Skandal öffentlich
Die bayerische Amigo2-Hinterzimmergeschäftemacherei ans Licht geholt und in juristisch relevante Prosa übersetzt - nun ist Schwarz-auf-Weiß zu lesen, wogegen sich die bayerische politische Führung stets wehrte. Das Gutachten der vom bayerischen Landtag dazu beauftragten Kanzlei Flick/Gocke/Schaumburg über die mögliche Haftbarkeit der Vorstände und Verwaltungsräte beim BayernLB-Desaster kommt zu unmissverständlichen Ergebnissen:
"...die Vorstandsmitglieder (haben) im Zusammenhang mit ihren Investitionsentscheidungen über die vom Auslandsstützpunkt New York der BayernLB aufgebauten und gehaltenen US Portfolios der Segmente US Subprime [...] auf der Grundlage unangemessener Information und weit jenseits der Grenzen ihres unternehmerischen Ermessens gehandelt."
In dem Gutachten, dass Attac zugespielt wurde und heute auf deren Website veröffentlicht (http://www.attac.de/aktuell/neuigkeiten/detailansicht/datum/2010/11/24/attac-veroeffentlicht-brisantes-gutachten-zur-bayern-lb) wird, heißt in der Zusammenfassung der Ergebnisse (http://www.gutachten.attac.de/Ergebnis_Gutachten_FGS.pdf) weiter:
"Dadurch haben sie ihre [..] Pflicht, unternehmerische Entscheidungen nur nach sorgfältiger Ermittlung der Entscheidungsgrundlagen zu treffen, in grober Weise schuldhaft verletzt. Ferner haben die Vorstandsmitglieder in diesem Zusammenhang in schwerwiegender Weise ihre Überwachungspflicht in bezug auf diese Portfolien verletzt."
Darüberhinaus habe der Vorstand schuldhaft seine Berichtspflichten gegenüber dem Verwaltungsrat verletzt, als es um den "Ankaufsstopp" von US-Subprime-Papieren ging. Der Vorstand habe bei Investments den gesetzlich und satzungsgemäß verankerten Aufgaben- und Wirkungsbereich überschritten. Jüngste Gerichtsentscheidungen in anderen Verfahren legen die "überwiegende Wahrscheinlichkeit" nahe, dass die Beurteilung der Gutachter in einem "etwaigen Gerichtsverfahren" bestätigt würden.
Auch der Verwaltungsrat kommt nicht ungeschoren davon: Es sprächen "gute Gründe dafür, dass das Handeln der Verwaltungsratmitglieder" im Zusammenhang mit dem Erwerb von US-Subprimes "grob fahrlässig" war. Den Schaden infolge der aufgeführten Pflichtverletzungen - soweit er die im Gutachten genauer erwähnten US-Subprimes betrifft - beziffert das Gutachten auf 215 Millionen Euro (Stand Juli 2010). Es wird aber daraufhingewiesen, dass "erhebliche Schäden" in der Zukunft "tatsächlich realisiert" werden.
Demgegenüber heißt es am Ende des Gutachtens:
"Es ist nicht auszuschließen, dass die im Jahr 2007 im Grunde nach entstandenen Schadensersatzansprüche am 31.12.2010 verjähren."
Das gelte auch dann, wenn die Schäden sich tatsächlich erst in Zukunft realisieren.
Im Klartext heißt das, die Hauptprofiteure der Bankenkrise bleiben die Bankmanager.
Quelle : http://www.heise.de/tp/
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Nach dem Finanzcrash sollten Banken durch neue Beratungsvorschriften daran gehindert werden, Kunden durch das Verschweigen von Risiken Anlagen aufzuschwatzen, die Angestellte der Geldinstitute mit Abnahmequoten losschlagen müssen. Von der Stiftung Warentest (http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/meldung/Anlageberatung-Banken-nutzen-Beratungsprotokoll-als-Freibrief-4180778-4180782/) durchgeführte Stichproben ergaben jedoch, dass dieses Ziel – vorsichtig formuliert – nur sehr bedingt erreicht wurde.
2010 fiel das Ergebnis sogar noch schlechter aus als 2009. Selbst dort, wo Protokolle angefertigt und ausgehändigt wurden, waren sie häufig so vorformuliert, dass sie das Gegenteil von dem bewirkten, was bei ihrer Einführung versprochen worden war: Sie schützten nicht Verbrauchern, sondern halfen lediglich Banken, sich mit zusätzlichem Kleidgedruckten pauschal vor Haftungsansprüchen zu schützen.
Weil die Banken die von der Stiftung Warentest ermittelten Ergebnisse bestritten, kündigte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner jetzt im Handelsblatt an, dass Geldinstitute zukünftig auch mit Kontrollen staatlicher Ermittler rechnen müssten, die verdeckt als Kunden agieren. Allerdings ließ sie offen, welche Sanktionen sie verhängen will, wenn Verstöße amtlich nachgewiesen werden. Insofern ist es für Kunden weiterhin unerlässlich, jedes mit einem Bankangestellten gesprochene Wort mit dem Laptop oder dem Handy aufzuzeichnen und zu archivieren, wobei es sich aus Gründen der Rechtssicherheit außerdem empfiehlt, das Gegenüber auf den Mitschnitt hinzuweisen.
Quelle : http://www.heise.de/tp/