Eine Werbetafel von Amnesty International in Hamburg verändert ihren Inhalt, wenn Passanten sie ansehen - moderne Videotechnologie macht's möglich.
Die Werbung soll Aufmerksamkeit für das Problem häuslicher Gewalt erregen. Solange keiner der Menschen in der Bushaltestelle das Plakat anschaut, zeigt es einen Mann, der seine Frau schlägt. Sobald allerdings einer der Wartenden seine Augen auf die Szene richtet, zeigt die Tafel das Bild eines glücklichen Pärchens.
Damit soll die Bedeutung des Spruches "Es passiert, wenn niemand hinschaut" vermittelt werden. In der Tat handelt es sich bei der Installation der Agentur Jung von Matt um eine beeindruckende Anwendung neuester Eye-Tracking-Technologie. Diese scannt die Umgebung des Plakates und misst die Augenbewegungen der Passanten. Stellt sie fest, dass jemand das in Richtung des Photos blickt, ändert sich die Anzeige.
Allerdings wird es wohl bei der einmaligen Umsetzung in einer Hamburger Bushaltestelle bleiben. Experten zufolge soll die Werbeagentur das Projekt vor allem für Amnesty International entwickelt haben, um damit Preise zu gewinnen. Das ist bereits geglückt: In den letzten Tagen wurde "das erste Plakat, dass auf Menschen, die es anschauen, reagiert" in Cannes mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet.
Während in diesem Fall der Einbau von Kameras in Werbetafeln fast schon einen künstlerischen Aspekt hat, gibt es auch ganz andere Ideen, was sich mit solcherlei Technologie anstellen ließe. So wird bereits an Kameras gearbeitet, die Passanten in Zielgruppen einteilen können sollen. Damit ließe sich also von der Rolex-Werbung für den vermögenden Geschäftsmann in Sekundenschnelle auf die Ankündigung des nächsten Tokio-Hotel-Konzertes umschalten, sobald ein Pulk pubertierender Teenager vorbeizieht.
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Meinung: Wer noch einen Moment länger über diese Technologie nachdenkt, wird sich sehr schnell an die Teleschirme aus George Orwells "1984" erinnert fühlen. In der Tat spielen diese Werbetafeln in der gleichen Liga wie jene britischen Überwachungskameras, die automatisiert Bürger zur Ordnung aufrufen sollen. Man sollte sich hier nicht damit trösten, dass es lediglich um Werbung geht - an dieser Stelle wird eine komplexe und mächtige Überwachungsinfrastruktur in den Händen der Privatwirtschaft geschaffen.
Quelle : www.gulli.com (http://www.gulli.com)
Rechtswidrige Polizeigewalt ist momentan ein kontrovers diskutiertes Thema. Ebenso finden sich auch immer wieder Berichte über Gewalt gegen Polizeibeamte in den Medien. Mit diesen Themen und ihrem Verhältnis in der öffentlichen Diskussion befasst sich die Fachzeitschrift "Bürgerrechte und Polizei/CILIP" des Instituts für Bürgerrechte & Öffentliche Sicherheit in ihrer aktuellen Ausgabe.
Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schreibt, beeinflussen sich die beiden Problematiken gegenseitig - auf eine Art und Weise, die die Aktivisten für problematisch halten. Nach Ansicht von Amnesty "führt die Gegen- und sogar Gleichstellung dieser beiden Problemfelder zu einer schiefen Debatte. Denn rechtswidrige Gewalt durch Polizeibeamte und die mangelhafte Aufklärung solcher Delikte sind Menschenrechtsverletzungen und erschüttern das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei, die die Staats'gewalt' ausübt und verkörpert."
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Die Menschenrechtsaktivisten erklären, eine öffentliche Diskussion über Angriffe auf Polizeibeamte sei "wichtig und nötig". Sie dürfe jedoch nicht verhindern, dass auch rechtswidrige Übergriffe und Amtsmissbrauch durch Polizeibeamte diskutiert und bekämpft werden. Momentan würden die Übergriffe gewalttätiger Polizeibeamte häufig nicht aufgeklärt und die Täter blieben daher straffrei.
Die Redakteue der CILIP kritisieren die "problematische Datenlage", die die Diskussion über Angriffe auf Polizeibeamte kennzeichnet. So sei die Zahl der Anzeigen wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt ein schlechtes Maß , um "über Gewalt und Straftaten gegen Polizisten belastbare Aussagen zu machen" - schon deswegen, weil dabei auch Gewalttaten gegen andere Berufsgruppen wie Soldaten, Vollzugsbeamte oder Gerichtsvollzieher erfasst würden. Zudem gebe es "immer wieder unbegründete Gegenanzeigen […], wenn Polizisten sich für rechtswidrig ausgeübte Gewalt verantworten sollten."
Wer die Hintergründe zu diesem Themenkomplex nachlesen will, kann die aktuelle CILIP im Internet bestellen (http://www.cilip.de/ausgabe/i-95.htm).
Quelle : www.gulli.com