DVB-Cube <<< Das deutsche PC und DVB-Forum >>>

Info Corner / Internet-via-Sat, Datendienste / IPTV / Videoportale / Internet TV & Radio => # News diverses ... => Thema gestartet von: SiLæncer am 20 Dezember, 2005, 21:47

Titel: EVOLUTION UND GLAUBEN : Stammt Gott von Darwin ab?
Beitrag von: SiLæncer am 20 Dezember, 2005, 21:47
Deutsche wundern sich gern über die Gottesfürchtigkeit der Amerikaner. Eine Umfrage ergab nun allerdings, dass auch die Deutschen die Bibel gern wörtlich nehmen: Jeder zweite Bundesbürger glaubt demnach, dass eine höhere Macht die Erde und das Leben erschaffen hat.

Möglicherweise lag es an der Weihnachtszeit, vielleicht aber sind die Deutschen tatsächlich viel gläubiger, als mancher bisher vermutete. Bei einer Emnid-Erhebung im Auftrag des Magazins "Zeit Wissen" äußerten sich 50 Prozent der Befragten überzeugt, dass eine höhere Macht die Erde und das Leben auf ihr erschaffen habe. Einen klaren Unterschied gab es zwischen den alten und neuen Bundesländern: Im Osten glauben demnach 35 Prozent, im Westen 54 Prozent an eine schöpferische Macht außerhalb der Naturgesetze.

Bei der Frage nach der Entwicklung des Lebens konkurrieren sogar Offenbarungsinhalte mit modernem Wissen. So glauben laut Umfrage 58 Prozent der Befragten über 50 Jahre nicht daran, dass Affen und Menschen gleiche Vorfahren haben, obwohl dies kein ernst zu nehmender Wissenschaftler bestreitet.

Bibeltreue Vertreter des Kreationismus vertreten auch hierzulande die Position, die moderne Biologie irre. Sie prangern vermeintliche Fehler vor allem in Darwins Evolutionstheorie an - und wollen gleichzeitig Indizien für die biblische Schöpfungslehre finden.

Als religiöse Bewegung sucht der Kreationismus in den USA schon seit Jahren gesellschaftlichen Einfluss, vor allem in der Schulpolitik. Nachdem in höchstrichterlichen Urteilen mehrfach die strikte Trennung von Staat und Religion betont wurde, versuchen die Kreationisten, ihre Ideen als pseudowissenschaftliches Konzept zu tarnen - in dem sie es "Intelligent Design" nennen.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re:UMFRAGE : Jeder zweite Deutsche glaubt an Schöpfergott
Beitrag von: Jürgen am 21 Dezember, 2005, 01:53
Umkehrschluss:

Jeder zweite Deutsche glaubt nicht an einen Schöpfergott

Sollte allerdings irgendso ein Schöpfer existieren, dann hätte ich EINIGE Fragen zu Themen wie
- Verantwortung
- Rechte und Pflichten
- angebliche Vertretung auf Erden
- Grund für Erschaffung, Duldung und Bewaffnung alles Bösen im Übermass
...

Wer eine solche Welt schafft, der hat jedenfalls an allem, was dort passiert, nicht weniger Schuld als die dort ungefragt ausgesetzten Bewohner.

Also stelle Er sich itzo, oder schweige Er immerdar  :o

Wer da behauptet, Ihn zu vertreten, möge erstens dieses faktisch beweisen und zweitens erst einmal Not und Elend beseitigen, also die Schuld des eigentlich Verantwortlichen begleichen, bevor er sich auch nur über das allerkleinste Teilchen jener Schöpfung erheben zu wollen traut.

Ich brauche keine Götter, die Hexenverbrennungen, Inquisition, Pest, Hiroshima, Auschwitz, AIDS, all' die anderen Massenmorde und Katastrophen geschaffen oder geduldet haben. Solche Herr(sch)schaften stehen keinesfalls moralisch höher als du und ich...

I didn't do it, so why allow anyone putting the blame on me?
Titel: EVOLUTION UND GLAUBEN : Stammt Gott von Darwin ab?
Beitrag von: SiLæncer am 26 Dezember, 2005, 15:38
In den Vereinigten Staaten tobt eine scharfe Debatte zwischen der christlichen Rechten und säkularen Konservativen und Liberalen um das sogenannte Intelligent Design. Schwappt die Diskussion nach Europa über? Es geht um nichts weniger als das philosophische Selbstbild des Westens.

Berlin - Samuel P. Huntington, Harvard-Professor für strategische Studien, prophezeite vor zehn Jahren seinen "Clash of Civilization", der im Deutschen als "Krieg der Kulturen" den Weg in die Debatte fand. Und die Kriegserklärung fundamentalistischer Muslime an die westliche Welt vom 11. September 2001 schien ihm Recht zu geben. Die Folgen dieser Auseinandersetzung sind bis heute spürbar, und während man vor 1989 geneigt war, die Welt unter den Gesichtspunkten des Kalten Krieges zu sortieren, ordnet man sie heute vor allem in die Kategorien des Krieges gegen den Terror.

Doch nun bricht, vollkommen unerwartet, ein neuer Glaubenskrieg aus. Er wird vor Gericht, in den Lobbys von Washington, an den Universitäten geführt Es geht um nichts weniger als um das philosophische Selbstbild der westlichen Welt. Die Auseinandersetzung tobt vor allem in den USA, aber sie wird bald über den Teich schwappen: In das katholische Polen genauso wie in das agnostische, in manchen Landstrichen entchristianisierte Deutschland; überall dort in Europa, wo Kirchen und Religionsgemeinschaften bestehen und vernünftige Menschen eine Antwort auf alte Menschheitsfragen haben wollen.

Genom-Forscher haben den Mythos Mensch bald entschlüsselt wie ein Kreuzworträtsel. Man weiß aber, was mit ausgefüllten Rätselheften geschieht. Man wirft sie weg. Genau davor haben auch solche Menschen Angst, die mit der rasenden rechten Christenheit und ihrem pseudowissenschaftlichen Theorien in den Vereinigten Staaten so viel zu tun haben wie ein braver Sozialdemokrat mit Nordkoreas Kim Jong Il.

Die biologische Wissenschaft, so der Verdacht, definiere den Homo sapiens nach den revolutionären Forschungen der vergangenen Jahre inzwischen nur noch über die Summe seiner Gene. Wir wissen heute, wie der Mensch gemacht ist. Wir sind inzwischen selbst in der Lage, dort Hand anzulegen, was man einst für die exklusive Baustelle Gottes gehalten hat.

Diese wissenschaftliche und eben nicht nur theoretische Offensive des Biologismus begreifen fast alle Kirchen - nicht nur die christliche Rechte in den USA - als problematische Einmischung in innere Angelegenheiten. Nicht alle würden das freilich so nennen, und auf die Idee, die biblische Geschichte von der Entstehung der Welt als ordentlichen wissenschaftlichen Lehrstoff anzubieten, ist in Deutschland noch keiner gekommen. Doch ein allgemeines Unbehagen angesichts des Triumphzugs der Genome bleibt. Katholiken und Protestanten betonen gern die ethischen Probleme, die damit verbunden sind. Die Skepsis ist überall die Gleiche, denn es geht ans Eingemachte: Wenn alle Geheimnisse des Menschseins ausgeplaudert und in Datenlisten gespeichert und auf Reagenzgläser verteilt sind, dann ist Gott bald so überflüssig wie ein Schreiber mit Federkiel in einer High-Tech-Druckerei. Um die Welt der Biologen zu erklären, braucht ihn kein Mensch mehr.

Umgekehrt muss man befürchten, dass die eifernde Bewegung des "Intelligent Design" nichts weniger im Sinn hat, als die moderne Wissenschaft außer Gefecht zu setzen. Das Ganze erinnert an mittelalterliche Auseinandersetzungen zwischen Freigeistern und der mächtigen Kirche. Aber dieser Vergleich ist oberflächlich, denn Galileo hat an Gott geglaubt. Die Wortführer der Evolutionstheorie wie der amerikanische Philosoph Daniel Dennettaber sagen: Es gibt keinen Gott. Er war gar nicht notwendig. Nietzsche hat Gott wenigstens sterben lassen. Die Neodarwinisten sagen: Er war nie da.

Das ist möglich - für den Glauben aber vollkommen unerheblich. Beim modernen Glauben kann es heute nicht mehr darum gehen, den Kosmos zu erklären und wie er entstanden ist. Aufgeklärter Glauben ist heute nicht mehr - aber auch nicht weniger - als Sicherheitsgurt und Trostpflaster in einer rasend schnellen Welt. Kein vernünftiger Mensch kann die Evolutionstheorie bestreiten. Allerdings sollte sich die biologische Wissenschaftszunft ebenso davor hüten, Religion und Gottvertrauen einfach als unwissenschaftlichen Schwachsinn abzutun. Und nicht jeder gläubige Mensch, der sich den Anfang der Welt nur mit göttlichem Impuls vorstellen kann, ist ein Feind der Aufklärung.

Glauben ist per Definition unwissenschaftlich. Gott sei Dank. Das haben übrigens die Vorkämpfer des Intelligent Design vollkommen vergessen, und deshalb werden sie diese Auseinandersetzung auch verlieren. Sie handeln übrigens gegen das erste christliche Gebot: "Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist." Mit anderen Worten: Gott lässt sich nicht nur nicht beweisen, er will sich auch gar nicht beweisen lassen - Punkt. Das ist kein Manko. Im Gegenteil, es macht den Glauben leichter.

Doch der christliche Glauben muss heute nicht nur die Wahrheiten der Genomforschung aushalten, sondern auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse der modernen Theologie, die er selbst erschaffen hat. Zur Selbstvergewisserung des Christentums liegen hier die eigentlichen Herausforderungen moderner Religion. Neutestamentsforscher wie der Amerikaner Burton Mack deklinieren Jesus inzwischen zu einem Weisheitslehrer mit gefälligem Sprüchekatalog herunter, der mit dem späteren Christentum so viel zu tun hat wie Leonardo da Vinci mit dem ersten bemannten Mondflug.

Um solche Thesen kann man sich natürlich lange mit viel Weihrauchnebel herumdrücken, aber die Frage nach dem historischen Jesus wird die Kirche seit dem Beginn der Aufklärung nicht mehr los. Im Gegenteil, sie wird drängender werden, denn die Schere zwischen wissenschaftlicher Theologie und religiöser christlicher Verkündung ist schon heute nicht mehr zu schließen. Mit diesem Dilemma wird die Kirche leben müssen. Verstecken muss sie sich deswegen nicht.

Die neodarwinistische Biologie wird uns helfen, uns über den Menschen klarer zu werden. Aber das, was uns Menschen eben so rätselhaft erscheint, wird sie nicht erklären können. Von Gut und Böse müssen Biologen nichts verstehen, und genau dieses ethische Vakuum hat dazu geführt, dass der Darwinismus im 20. Jahrhundert eine ideologische Vorlage für den Rassenwahn der Nazis abgeben konnte. Doch die Kirchen sollten sich hüten, dieses Argument gegen die moderne Wissenschaft zu verwenden, denn die theologische Behauptung, im Besitz des Wissens über Gut und Böse zu sein, hat das Christentum keineswegs vor eigenen Verbrechen bewahrt.

Der aktuelle Konflikt in den USA wird zu nichts führen, weil kein Erkenntnisinteresse in ihm steckt. Die Auseinandersetzung ist kein gutes Vorbild für den notwendigen Streit zwischen Religion und Wissenschaft. Denn was immer die Forscher herausfinden werden, steht einem aufgeklärten Glauben überhaupt nicht im Wege. Umgekehrt sollten die Genomjunkies, Stammzellenbastler und Embryonentüftler nicht annehmen, dass sie die Ergebnisse ihrer steten Arbeit im humanen Grenzbereich künftig auch noch alleine interpretieren dürfen.

Da ist, immer noch, der liebe Gott vor - selbst wenn er inzwischen nur noch eine steile These der Religionsphilosophie sein sollte. (Aber wer glaubt schon sowas.)

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re:EVOLUTION UND GLAUBEN : Stammt Gott von Darwin ab?
Beitrag von: Jürgen am 26 Dezember, 2005, 15:59
Der Denkende ist bei weitem nicht so leicht zu lenken wie der Gläubige.
Um nichts anderes geht es.

Ich glaube, ich sollte für FV&V in den Krieg ziehen ? ? ?
Ich denke, niemals ! ! !
Titel: Mehrheit der Briten zweifelt an Evolution
Beitrag von: SiLæncer am 27 Januar, 2006, 06:51
Der Kreationismus, der in den USA für Konflikte zwischen Forschern und Gottesfürchtigen sorgt, wird auch in Großbritannien populärer. Einer Umfrage zufolge glaubt nicht einmal jeder zweite Brite an die Evolution, mehr als 40 Prozent wünschen Kreationismus im Biologie-Unterricht.

In den USA tobt die Debatte um Intelligent Design, die pseudowissenschaftliche Form der biblischen Schöpfungslehre, schon seit Monaten: Eltern streiten vor Gericht, ob ihre Kinder im Biologie-Unterricht neben Darwins Evolutionstheorie auch das Konzept eines göttlichen Schöpfers lernen sollen, während Wissenschaftler und religiöse Eiferer heftige verbale Scharmützel austragen.

Das vermeintlich gründlicher aufgeklärte Europa wähnte sich vor diesem Konflikt bisher weitgehend sicher. Jetzt aber stellt sich heraus, dass auch in Großbritannien die Vorstellung recht populär ist, ein höheres Wesen habe die Erde und das Leben vor erst wenigen tausend Jahren erschaffen.

Eine Umfrage im Auftrag der BBC führte zu vielsagenden Ergebnissen: Auf die Frage, was ihre Sicht der Entstehung und der Entwicklung des Lebens am ehesten beschreibe, nannten 48 Prozent der mehr als 2000 Befragten die Evolutionstheorie, 22 Prozent den Kreationismus und 17 Prozent Intelligent Design. Der Rest äußerte sich unentschlossen.

Im Hinblick auf den Schulunterricht wünschten 41 Prozent der Befragten, dass in Biologiestunden Intelligent Design vermittelt werden solle. 44 Prozent waren für die Aufnahme von Kreationismus in den wissenschaftlichen Unterricht. 69 Prozent gaben an, die Evolutionslehre sollte den Schülern vermittelt werden.

Zwischen Kreationismus und Intelligent Design besteht freilich kaum ein inhaltlicher Unterschied. Der Kreationismus wurde von seinen Anhängern in den USA vor allem aus juristischen Gründen in Intelligent Design umbenannt, da US-Gerichte mehrfach religiöse Lehren - und damit auch den Kreationismus - an staatlichen Schulen untersagt hatten.

Darüber hinaus versuchen die Verfechter des Intelligent Design, ihr Konzept in der öffentlichen Wahrnehmung als konkurrierende wissenschaftliche Theorie zu etablieren - was in den USA nicht ohne Erfolg blieb. Ihr Hauptargument: Bestimmte Eigenschaften von Lebewesen seien so komplex, dass sie mit der Evolution allein nicht erklärbar seien. Die überwältigende Mehrheit seriöser Forscher hält das jedoch für ausgemachten Unfug.

Ein überraschendes Detail der Umfrage: Menschen, die mehr als 55 Jahre alt waren, bevorzugten eher die Evolutionslehre, während die Befragten unter 25 Jahren mehrheitlich Intelligent Design wählten. "Das sagt einiges über die Rolle der wissenschaftlichen Ausbildung in diesem Land aus", sagte BBC-Redakteur Andrew Cohen. "Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir die Evolutionstheorie vermitteln."

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re:Mehrheit der Briten zweifelt an Evolution
Beitrag von: Jürgen am 27 Januar, 2006, 23:30
Ist doch im Grune völlig egal.
Wenn ich das Gefasel der Kleriker recht verstehe, kümmert ER sich etwa seit der Himmelfahrt SEINES Sohnes nicht mehr um dieses gescheiterte Projekt, sondern überlässt das selbsternannten Unfehlbaren, von denen nichts im Buch der Bücher steht, und mischt sich nicht mehr ein...

Auch sind meiner Erfahrung nach allzu viele der Anhänger solcher Ideologie offensichtlich kein Produkt eines "intelligent design", sie machen sich nicht die Erde, sondern die Menschen untertan und sie hängen an die meisten SEINER Gebote ein " ausser..."   :P

A propos, ich sehe immer wieder gerne Abbildungen von Adam und Eva mit Bauchnabeln ??? Ist das intelligent?

Beati sunt pauperes spiritu  ::)

Es ist natürlich schön einfach, die Verantwortung für sich selbst und die Welt einer imaginären höheren Instanz zuzuweisen und / oder in SEINEM Namen andere unterdrücken, quälen oder sogar töten zu dürfen >:(
Dann mag es wohl auch erlaubt sein, mit übermässiger Fortpflanzung (aufgrund fehlender Aufklärung und Verhütungs-Verbot), Glaubenskriegen und gesegneten Kanonen SEIN Merk zu zerstören...

Wer sich von solcher Blasphemie gestört fühlt, der mag bitte bedenken, dass ich nicht mehr oder minder ein Teil SEINER Schöpfung bin, als er selbst.

Jürgen
Titel: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: SiLæncer am 20 September, 2006, 16:31
Freud, Marx und Rosseau sind verdorbene Nachkommen von Charles Darwin, die Erde ist 6000 Jahre alt, einen Urknall gab es nie. Das wollen 40 Wissenschaftler eines Instituts in San Diego beweisen. Ihr Lehrbuch ist nur die Bibel. Zweifel kennen die akademischen Gotteskrieger nicht.

Zwei Minuten vor Sendebeginn, beim Radiosender des "Institute for Creation Research" (ICR), wird keine Kirchen-, sondern sphärisch anmutende Computermusik gespielt. Am Mikrophon sitzen auch keine Priester, sondern Biologen, Physiker und Mathematiker. Institutsdirektor John Morris will es so. Seine Mitarbeiter sollen ihre Kreuzzüge nicht für die Religion, sondern gegen die, wie er sagt, "schlechte Wissenschaft" führen. Jeden Tag gehen sie auf Sendung, um das naturwissenschaftliche Weltbild durch die biblische Schöpfungsgeschichte auszuhebeln.

"Ich bin kein Theologe, sondern Wissenschaftler! Als solcher kann nicht akzeptieren, dass Galaxien, Sterne und Menschen durch den Urknall entstanden sein sollen, denn Explosionen schaffen nun mal keine Ordnung - das ist ein Naturgesetz", sagt Morris. "Außerdem: Kein seriöser Wissenschaftler käme etwa auf die Idee, einen Fernsehapparat dem Zufallsprinzip zuzuordnen. Aber mit der Schöpfung passiert das andauernd, obwohl ihr Design viel komplexer ist!"

Der Vatikan hält Gottesglaube und Evolutionstheorie seit 1996 für miteinander vereinbar und möchte die Genesis eher symbolisch verstanden wissen. Die 40 Forscher des ICR bestehen dagegen weiterhin auf dem Wortlaut der Schrift. Die Biologen versuchen zu beweisen, dass Gott alle Kreaturen am fünften und sechsten Tag erschaffen hat; die Geologen durchkämmen den Grand Canyon nach Anzeichen für die große Flut.

Denn am Anfang war das Wort

Larry Hartman ist für die bibeltreue Datierung des Erdzeitalters zuständig. Der Physiker war vor seiner Karriere am ICR 15 Jahre lang beim Pentagon beschäftigt. Doch da wollte keiner etwas von seinen Helium-Experimenten hören.

"Helium entsteht durch radioaktiven Alpha-Zerfall im Erdinneren", doziert Hartman. "Meine konventionellen Kollegen behaupten, dass das Element so selten ist, weil es ständig ins Weltall entweicht. Das stimmt. Aber wenn die Erde wirklich 4,5 Milliarden Jahre alt ist, müsste bereits alles Helium aus den Gesteinsformationen herausgesickert sein. Das ist nicht der Fall. Die Entweichungsrate ist immer noch so hoch, dass die Erde meinen Berechnungen nach höchstens 6000 Jahre alt ist. Sprich: Genau so alt, wie die Genesis besagt!"

Alle Forscher des ICR haben auch einen Lehrauftrag. An die 25 Nachwuchskräfte in den Naturwissenschaften erhalten hier jedes Jahr den Mastertitel. Die Abschlüsse sind anerkannt, auch wenn die kalifornische Schulbehörde seit Jahren Zweifel an ihrer Wissenschaftlichkeit äußert.

Präsident Bush, Freund aller Frommen

In der US-Universitätslandschaft genießt das Diplom allerdings einen schlechten Ruf. Tom Sharkee hat während seines Studiums am ICR DNA-Strukturen analysiert, um zu widerlegen, dass der Mensch vom Affen abstammt. Doch jetzt macht er seinen Doktor an der University of Washington.

"Wenn du dich als Forscher hier gegen die Evolutionstheorie äußerst, bekommst du keine Stipendien und wirst auch nie in der Lage sein, deine Arbeiten zu veröffentlichen", so Sharkee. "Ich halte mich bedeckt, was meinen Glauben angeht, der Karriere wegen."

Der Vereinbarkeit von Religion und Wissen avanciert in den USA immer mehr zum akademischen Dauerstreit. Schuld daran ist nicht zuletzt US-Präsident Bush, der will, dass die Schöpfungsgeschichte in den Lehrplänen gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie behandelt wird.

Charles Darwin, Urvater alles Bösen

Eugenie Scott vom National Center for Science Education spricht von politischer Schützenhilfe für pseudo-wissenschaftliche Bibellobbyisten. "Die Wissenschaft definiert sich dadurch, dass sie nach Antworten sucht und diese gegebenenfalls auch revidiert. Ob Schwerkraft oder Atomforschung: Es gibt immer noch viel, was wir nicht begreifen", sagt Scott. "Die biblische Naturgeschichte ist insofern problematisch, weil sie sagt: Ihr braucht gar nicht mehr neugierig zu sein, gar nicht selber zu denken, es ist so und nicht anders."

Gegen die Wissenschaftler des ICR spricht zudem, dass sie die Erkenntnisse der Ungläubigen zum Teufelswerk degradieren. Nirgends wird man sich dessen so sehr bewusst wie in dem Museum des Institutes, das nur einen Steinwurf entfernt in einem schmucklosen Betonbau residiert. Gleich am Eingang gibt es einen interaktiven Stammbaum, der Sigmund Freud, Karl Marx und Jean-Jacques Rousseau als die verdorbene Nachkommen von Charles Darwin präsentiert.

Darwins Abstammungslehre ist für die Gotteskrieger des ICR der Ursprung alles Bösen: ob Kriminalität, Kriege, Homosexualität oder Scheidungsraten. Den Besuchern scheint das zu gefallen. Zehntausende US-Christen pilgern jedes Jahr hierher. Und sorgen dafür, dass das Institut ausschließlich von privaten Spenden leben kann.

Quelle : www.spiegel.de

-----------------------------------------

 (http://www.cheesebuerger.de/images/smilie/konfus/p025.gif)
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: Chrisse am 20 September, 2006, 17:08
Das ist doch wohl geistige Körperverletzung, dieses Weltbild schwappt mittlerweile schon nach Deutschland (siehe einschlägige Berichte SpOn, und gestern im Fernsehen (Giesen). Und morgen brennen wieder die Scheiterhaufen...........

Wen es ganz besonders interessiert was sonst noch so im unabhängigen und unterdrückten Wissenschaftsbereich geht, dem empfehle ich mal nach Hohlwelttheorie zu googeln (da macht zirkulare Polarisation so richtig Sinn).


Gruß

Chrisse

Zitat: Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich k.... könnte
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: mariob am 20 September, 2006, 22:15
Hallo,
wird wohl auch unter der Bezeichnung "Intelligent Design" gehandelt - Amis eben.

Mario
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: Jürgen am 21 September, 2006, 05:28
Die beiden Haupt-Kontrahenten unserer Zeit, Brutal-Kapitalisten und Islam-Faschisten, nähern sich methodisch immer weiter an, um die Welt schliesslich in die Steinzeit zurückzuwerfen.

Wie kann man diese Ausbreitung des allgemeinen Schwachsinns noch aufhalten ? ? ?
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: mariob am 21 September, 2006, 21:17
Hallo,
Schulen bauen, ist aber eben nicht so gewinnbringend wie Bomben, Raketen und der sonstige Krams mit dem man sich gegenseitig den Schädel einschlagen kann.

Mario
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: Chrisse am 21 September, 2006, 21:34
Wie meinte Einstein, es gäbe 2 Dinge die unendlich seien:

Das Weltall und die Dummheit der Menschen.

Naja über das Weltall wollte er nochmal nachdenken........

Etwas zu lernen und zu verstehen ist eben etwas schwieriger als es zu glauben und nicht zu hinterfragen.
Naja wenns zur Erhaltung der Art beiträgt  >:(.

Chrisse
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: NewMan am 22 September, 2006, 09:23
der Trend ist doch zeitgemäß, den wie sagte Heinrich Heine schon, den Armen das Himmelreich!!!
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: Mac Fly am 22 September, 2006, 10:15
Hab ich nicht gestern Ablasszettel bei Ebay gesehen? :)
Wenn diese Leute ihre Dummheit wenigstens für sich behalten würden...

"Wer glaubt, ist zu faul zum denken" sag ich immer.
Titel: Re: BIBELTREUE US- FORSCHER - Teufelswerk Evolution
Beitrag von: mariob am 23 September, 2006, 16:59
An irgendwas muß man ja glauben! Aber die Adapter von Kraft auf Gardena bei ebay waren auch nicht schlecht - gibts die überhaupt noch? - ich habe lange nicht mehr danach gesucht!

Mario
Titel: Ein Roboter erklärt die Evolution
Beitrag von: SiLæncer am 09 März, 2007, 10:41
Mit einem Salamander-ähnlichen Roboter zeigen Forscher, wie einfach unseren tierischen Urahnen der Weg aus dem Wasser aufs Land gelungen sein könnte

Wohl jeder wird schon einmal Fische beobachtet haben, die es plötzlich aus ihrem Lebenselement ins Trockene verschlagen hat. Sie zappeln und hüpfen zwar und sind kaum zu greifen - doch zu gerichteter Bewegung an Land sind sie kaum fähig. Selbst, wenn sie nicht bald an Austrocknung zugrunde gingen, würde man ihnen kaum Überlebenschancen zubilligen. Und trotzdem müssen ihre und unsere Vorfahren vor rund 400 Millionen Jahren den Weg aus dem Wasser an Land geschafft haben.

Mehr... (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24796/1.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: Wider den Kreationismus
Beitrag von: SiLæncer am 20 März, 2007, 08:06
Eine kleine Geschichte der Evolution und des Evolutionsgedankens mit kurzem Blick auf die Gegenwart

Im August 2006 berichtete das Wissenschaftsmagazin "Science", dass nur 40 Prozent der amerikanischen Bevölkerung an das Konzept der Evolution glaubt. Dass vor allem in den USA der Kreationismus immer mehr Anhänger findet, die sich vor allem zur akademisierten Variante der Evolutionskritik "Intelligent-Design" (ID) bekennen, bezeichnet der Physik-Nobelpreisträger des vergangenen Jahres, George F. Smoot, als "geradezu beängstigend" . Das Wiedererstarken des Kreationismus ist deshalb so frustrierend und beschämend, weil deren Protagonisten all das mühsam erworbene Wissen jener früherer Forscher, die dereinst so tapfer gegen die Widerstände ihrer Zeitgenossen kämpften, um eine wissenschaftlich fundierte Evolutionstheorie zu etablieren, schlichtweg ignorieren oder als unsinnig hinstellen.

Mehr... (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24831/1.html)

Quelle : www.heise.de
Titel: Re: Wider den Kreationismus
Beitrag von: Jürgen am 21 März, 2007, 01:51
Vielleicht findet bei den Cowboys ja tatsächlich keine Evolution mehr statt.
Wenn ich deren internationales Gebaren und ihre Anführer und Vertreter beobachte, erscheint diese Annahme absolut plausibel...
Der derzeitige Präsidenten-Darsteller dagegen erscheint mir als sehr überzeugendes Argument für engste Verwandschaft mit den Primaten...

Ansonsten wäre noch hinzuzufügen, dass der grösste Teil unserer Milchstrasse (noch) nicht sichtbar sein dürfte, wäre sie erst 6000 Jahre alt.
Denn dann wäre das erste Licht von dort noch nicht hier angekommen.
Überhaupt wäre nur eine Handvoll benachbarter Sterne sichtbar, definitiv keine einzige Galaxie.


Und ebendieses Licht fehlt offensichtlich in diversen Köpfen  ::)

Wie auch immer, falls es doch irgendeinen Schöpfer geben sollte, dann mag sich der bitte umgehend bei mir melden.
Denn ich hätte einige dringende Fragen zu Themen wie Verantwortung, Pflicht und Schuldigkeit, Zulassen von grenzenlosem Verbrechen, Leid und Tod usw.
Das dürfte dann aber nicht in sieben Tagen abgetan sein...

Einen solchen, der sich nicht schert, braucht man eh' nicht, der wäre genauso gut wie keiner.

Und ganz sicher keine selbsternannten Stellvertreter auf Erden, von denen noch nicht einmal das 'Buch der Bücher' irgendwas weiss...
Titel: Re: Wider den Kreationismus
Beitrag von: Schranzbert am 21 März, 2007, 15:17
Und die Dinosaurier sind gar nicht Ausgestorben sondern leben heute alle in den USA? Viel Panzer wenig Hirn oder so.... Außerdem dreht sich der gesammte Kosmos um die Erde die dann wohl doch eine Scheibe ist?  ;D
Titel: Evolutionsbiologie: Warum Männer früher sterben sollten ;)
Beitrag von: SiLæncer am 01 August, 2007, 11:55
Warum nur leben Männer fast so lang wie Frauen? Aus Sicht der Evolution werden sie viel zu alt - ab einem bestimmten Alter sind sie in monogamen Gesellschaften einfach nutzlos. Omas dagegen braucht man immer: Sie sorgen für gesündere Enkel.

Es ist ein kalter Blick, den Wissenschaftler wie Mirkka Lahdenperä und ihre Kollegen auf die Menschheit richten. Die Finnin forscht auf einem Gebiet, dessen führende Köpfe ganz selbstverständlich von "qualitativ hochwertigem Nachwuchs" sprechen, denen "Fitness" vor allem bedeutet, wie oft jemand seine Gene weitergegeben hat, und die Kindersegen mit dem Begriff "reproduktiver Erfolg" umschreiben. Lahdenperä, die an der Universität von Turku in Finnland forscht, interessiert sich für das, was die Menschheit voranbringt - aus Sicht der Evolutionsbiologie.

Betrachtet man Gesellschaften aus diesem Blickwinkel, ergeben sich neue, und am Ende dann doch gelegentlich anheimelnde Perspektiven. Zum Beispiel für die Rolle der Großmütter dieser Welt. Denn die, zumindest die mütterlicherseits, sind ein Segen, sagt die Forschung. Die Welt wird in Wahrheit zusammengehalten von informellen, familiären Netzwerken - und die bestehen zum großen Teil aus Frauen. Männer leben zwar fast so lang wie Frauen - fürs Wohlergehen ihrer Enkelkinder aber sind die Herren unwichtig. Statistisch gesehen zumindest.

All das zu messen erfordert gewaltigen Aufwand und umfangreiche Datensätze. Lahdenperä und ihre Kollegen beispielsweise durchforsteten die Gemeinderegister mehrerer protestantischer Kirchengemeinden im Finnland des 18. und 19. Jahrhunderts. Über drei Generationen hinweg werteten sie die Aufzeichnungen über Geburten, Todesfälle und Hochzeiten aus - innerhalb einer Gemeinschaft, die streng protestantisch und deshalb besonders monogam lebte.

"Warum leben Männer fast so lang wie Frauen?"

Am Anfang standen 361 Männer, am Ende 4683 Enkelkinder. Wie Lahdenperä und ihre Kollegen am Ende ihres Artikels in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" feststellen, erlebten diese Enkel keine "spezifischen Effekte durch die Anwesenheit von Großvätern". Die Opas waren für Anzahl und Gesundheit der eigenen Enkel überflüssig. Evolutionär gesehen.

Gleich zu Beginn ihres Artikels stellen Lahdenperä und ihre Kollegen eine Frage, die den meisten Herren missfallen dürfte: "Warum leben Männer fast so lang wie Frauen?" Evolutionär sei das nämlich höchst fragwürdig, gerade in unseren wenigstens theoretisch monogamen Gesellschaften. "In solchen Gesellschaften", schreiben die Forscher aus Finnland kühl, "sollte es wenig Selektion geben, die dafür sorgt, dass ein Mann über die reproduktiven Lebensjahre seiner Ehefrau hinweg überlebt." Kurz gesagt: Wenn Männer sich nicht mehr fortpflanzen, haben sie aus Sicht der Evolution keine Daseinsberechtigung mehr. Außer, fügen die Autoren hinzu, der Mann findet eine Methode, sich anderweitig nützlich zu machen.

"Die Evolution hat keine Großvaterrolle hervorgebracht"

Frauen, das haben frühere Studien ergeben, erhöhen ihre evolutionäre "Fitness" auch noch nach der Menopause. Obwohl sie sich nicht mehr fortpflanzen können, steigern sie die Überlebenschancen ihres genetischen Materials - indem sie dafür sorgen, dass es ihren Enkelkindern gut geht. Großväter dagegen, das zeigt die Studie von Lahdenperä und Kollegen, hatten zumindest im Finnland des 18. und 19. Jahrhunderts für den Nachwuchs des eigenen Nachwuchses gar keine positiven Auswirkungen.

Wie alt Opa wurde, war fürs physische Wohlergehen des Enkelchens demnach irrelevant. In anderen Studien - etwa mit Datensätzen aus dem historischen Deutschland und dem vorindustriellen Japan - sind sogar schwache Trends in die andere Richtung beobachtet worden: Großväter hatten einen schwach negativen Einfluss auf den "reproduktiven Erfolg" ihrer eigenen Kinder. Vielleicht weil Opa mit dem Enkelchen in der Großfamilie ums Essen konkurrierte.

Der Effekt ist also nicht dem finnischen Klima geschuldet. "Die Befunde haben überall dasselbe Muster", erklärt Eckart Voland von der Universität Giessen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die Evolution hat offenbar eine genuine Großmutterrolle hervorgebracht", erklärt Voland weiter, "aber keine genuine Großvaterrolle."

Voland hat selbst Studien zum Thema durchgeführt und dabei auch einen Mechanismus entdeckt, der einen Teil des positiven großmütterlichen Einflusses erklären könnte - zumindest, was das Überleben von Ostfriesen im 18. und 19. Jahrhundert angeht. Bei einer Untersuchung von Gemeinderegistern aus der Region Krummhörn fanden Voland und sein Kollege Jan Beise einen wichtigen Zeitpunkt im Säuglingsleben, zu dem die Anwesenheit einer Großmutter lebensrettend sein konnte: Zwischen dem sechsten und dem zwölften Lebensmonat war die Überlebenschance mit Oma deutlich höher als ohne. "Das fällt in die Zeit des Abstillens", erklärt Voland.

Leben nach dem Vorbild der greisen Hollywoodstars?

Der Übergang zu der zu dieser Zeit selbstverständlich unpasteurisierten Kuhmilch habe bei einigen Kindern sicher für Probleme gesorgt, und mit denen seien die erfahreneren Großmütter womöglich besser umgegangen. Dieser Faktor dürfte heute keine allzu große Rolle mehr spielen. Der Zusammenhang schließt aber aus, dass die langlebigen Omas und die gesunden Enkelchen nur von den gleichen widerstandsfähigen Genen profitieren: Es sei deutlich, dass das Verhalten und nicht nur das Erbgut der Großmütter sich positiv auswirke, sagt Voland.

Auch heute sei das noch so: Schließlich fließt immer noch viel Geld und Liebe von der Großeltern- zur Enkelgeneration. "Diese Transfers sind beträchtlich", schrieb der Berliner Sozialwissenschaftler Martin Kohli im Jahr 2004, und sie fließen "hauptsächlich abwärts, von der älteren zu den jüngeren Generationen". Die Opas von heute können sich also vielleicht aus der Affäre ziehen, indem sie sich den Enkeln gegenüber ebenso spendabel zeigen wie ihre Gattinnen - denn deren überlegenes Wissen bei der Kindererziehung dürfte angesichts medizinischer Totalversorgung heute weniger stark ins Gewicht fallen.

Dass Forscher überall auf der Welt sich überhaupt mit dieser Frage beschäftigen, hat mit einer seltsamen Anomalie zu tun, die Menschenfrauen von anderen Säugerweibchen unterscheidet: der Menopause. Das sei "ein Sonderfall im Tierreich", sagt Voland - üblicherweise können sich Säuger fortpflanzen, solange sie leben.

Männer überflüssig mit 51?

Für männliche Menschen gilt selbstverständlich genau das. Auch wenn die Zahl der 70-jährigen Kreißsaal-Begleiter auch heute noch überschaubar sein dürfte - rein theoretisch kann auch Opa noch mal Nachwuchs zeugen. Der Schluss der Forscher daher: Das bisschen monogame Gesellschaft, das es in der menschlichen Entwicklungsgeschichte bislang gab, hat sich evolutionär einfach noch nicht ausgewirkt.

Fast könnte man da erleichtert sein, dass unsere Gesellschaft die Bezeichnung monogam eigentlich kaum noch verdient. Hierzulande werden jedes Jahr mehr als halb so viele Ehen geschieden wie geschlossen, und beispielsweise im Jahr 2005 kamen fast 30 Prozent aller Kinder außerehelich zur Welt.

Für den männlichen Teil der Menschheit drängen sich jedenfalls unheilvolle Schlussfolgerungen auf: Entweder wir leben nach, was männliche Hollywoodstars uns vorleben - bis ins hohe Alter immer weiter fortpflanzen, mit immer neuen, jüngeren Partnerinnen. Oder wir bleiben monogam und treu bis ins Alter. Dann aber sind wir als Greise evolutionär obsolet.

Ein Horrorszenario: Schlimmstenfalls könnte sich die männliche Lebensdauer im Laufe der Jahrtausende langsam verkürzen. Bis sie schließlich in der Gegend des durchschnittlichen Menopause-Alters der Frauen angekommen ist - das liegt derzeit bei durchschnittlich 51 Jahren.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re: Evolutionsbiologie: Warum Männer früher sterben sollten ;)
Beitrag von: Chrisse am 01 August, 2007, 12:23
Zitat
Warum leben Männer fast so lang wie Frauen?" Evolutionär sei das nämlich höchst fragwürdig, gerade in unseren wenigstens theoretisch monogamen Gesellschaften.

Wer behauptet hier unsere Gesellschaft sei monogam??? Ich sag nur Kukuckskinder etc..

Zitat
Fast könnte man da erleichtert sein, dass unsere Gesellschaft die Bezeichnung monogam eigentlich kaum noch verdient.

Was heißt hier kaum noch verdient??? Siehe oben

Wieder ein Artikel zur fortschreitenden Männerdiskriminierung!!

Boypower!
Titel: Re: Evolutionsbiologie: Warum Männer früher sterben sollten ;)
Beitrag von: Jürgen am 02 August, 2007, 02:32
Wenn man Fortpflanzung und Aufzucht des Nachwuchses nur und ausschliesslich als evolutionsgeprägte Einrichtung verstehen wollte, sollte am berücksichtigen, dass die weibliche Hälfte nicht naturgemäss monogam angelegt ist, sondern das nur vorzugeben gelernt hat.

Für die Fortpflanzung an sich sind die Auswahlkriterien eher vom Cro-Magnon-Typus geprägt, ein überdeutlich maskulines und ausgesprochen robustes Erscheinungsbild zeigt sich i.d.R. als hilfreich...

Zur Aufzucht und Versorgung des Nachwuchses dagegen ist der Super-Macho eher abträglich (und meist zudem nicht geneigt), sodass nicht gerade selten schon kurz nach der Empfängnis ein Wechsel zum halbwegs zivilisiert erscheinenden Versorger-Typus erfolgt.
Mag sein, dass deshalb die als eher friedlich eingeschätzten Neandertaler sogar ausgestorben sind, im eifrigen Bemühen verfangen, die Brut der Extrem-Brutalos aufzuziehen...

Jede, die meint, dass Männer (nach der 'Samenspende') im Grunde überflüssig seien, die darf dann auch gern' selber jagen gehen, sich und die Brut allein gegen die Dorf-Befruchter verteidigen (die aus eigenem Fortpflanzungsbestreben heraus kein Interesse an den Lenden-Früchten Anderer haben können und denen im Tierreich allzu gern' den Hals umdrehen), und vor allem den Frust über Mutter, Schwiegermutter, Figur, Frisur usw. gefälligst woanders ablassen...

Wenn ich daran denke, dass ich als Jugendlicher meinen Geburtstag fast immer ohne weibliche Gäste verbringen musste, weil die ausgerechnet an dem Tag unbedingt demonstrieren und (meist kaum ausgefüllte) BHs verbrennen mussten, wundert es mich immer noch, dass ich dennoch nicht grundsätzlich aufgegeben habe...

Im Übrigen meine ich, dass der Unterschied in der Lebenserwartung allemal schon gross genug ist, immerhin bekommt die Durchschnitts-Oma mehr als doppelt so lange Rente wie wir.
Und wenn man länger darüber nachdenkt, dann stellt man fest, dass die meisten Hundertjährigen Bürgerswitwen sind, die niemals erwerbstätig waren. Allzuviele Männer dagegen erleben ihren Ruhestand nur knapp oder garnicht. Totgearbeitet...

Es ist schlicht zu einfach, sich darüber zu beklagen, dass die Männer eigentlich überflüssig seien, wenn frau sich von ihnen die Aufzucht ihrer Sprösslinge in allerlei Hinsicht finanzieren und nachträglich belohnen lässt, indem sie sie zum Frondienst schickt, bis deren Buckel krumm und die Knmochen und Pumpe kaputt sind, sie dann per permanenter Nörgelei und Missachtung in den frühen Exitus schickt.

Warum jetzt so zynisch ? ? ?

Ganz einfach, wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

Männer sind auch Menschen, vergesst das nicht!!!

Friede den Hütten

Jürgen
Titel: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: SiLæncer am 11 August, 2007, 15:09
Angriffe von Kreationisten auf die wissenschaftliche Bildung in Schulen gibt es nicht nur in den USA. Anders als dort sind es aber hierzulande nicht die Verfechter der Schöpfungslehre selbst, die die öffentliche Diskussion anstoßen und befeuern, sondern vielmehr ihre scheinbaren Apologeten – und die Medien, die über sie berichten.

Wie üblich, und wie auch kürzlich wieder im Fall der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) gesehen, die eine Befruchtung unter anderem des Biologie-Unterrichts durch die biblische Schöpfungsgeschichte befürwortete, erstarrt die Diskussion sehr bald in einer Karikatur ihrer selbst. Sie ist damit ein Paradebeispiel für das, was wir als freie, aufgeklärte Gesellschaft gerade nicht brauchen: billigend in Kauf genommene Denkarmut.

Siehe dazu den Artikel in Technology Review:

    * "Streit um Darwin": Ein Plädoyer für mehr Aufklärung -> http://www.heise.de/tr/artikel/93899

Quelle : www.heise.de



 (http://www.cheesebuerger.de/images/smilie/konfus/p025.gif)
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: lucky am 11 August, 2007, 15:24
Rückendeckung für Schäuble:(http://www.schmaili.com/smileys/-86.gif)

"Ich teile keine Denkverbote aus"
Angela Merkel
(http://www.schmaili.com/smileys/1496.gif)

Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Hesse am 13 August, 2007, 11:57
Zitat
im Fall der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) gesehen, die eine Befruchtung unter anderem des Biologie-Unterrichts durch die biblische Schöpfungsgeschichte befürwortete

Und so jemand ist bei uns "Kultusministerin"...

Ich schäme mich für mein Bundesland Hessen !!


P.S. ...und zweifle mittlerweile an der Intelligenzbegabung des Menschen an sich...
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: berti am 13 August, 2007, 12:26
da brauchst du dich nicht schämen, solche "fanatiker" gibts in allen lebenslagen.
ärgerlich ist nur, das jemand an solcher position normalerweise solche ideen für sich behalten sollte.
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Hesse am 13 August, 2007, 12:40
Zitat
"ärgerlich ist nur, das jemand an solcher position normalerweise solche ideen für sich behalten sollte."

So jemand sollte seine Ideen nicht nur "für sich behalten", sondern so jemand hat an dieser Position ganz einfach gar nichts zu suchen...bzw. sollte so schnell wie möglich von dort entfernt werden !

Ich verabscheue solche "Fanatiker" jeder Glaubensrichtung ( und wenn sie von mir aus an die "Heilige Leberwurst" glauben   ;D  ) ganz einfach zutiefst !

Allerdings würde ich beinahe sagen, dass die "christlichen" Fundamentalisten noch schlimmer sind als andere, da sie es einfach besser wissen müssten....

Aber naja, manche Menschen sind einfach arm, nicht finanziell sondern auf anderer Ebene....
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: berti am 13 August, 2007, 12:55
Ich verabscheue solche "Fanatiker" jeder Glaubensrichtung ( und wenn sie von mir aus an die "Heilige Leberwurst" glauben   ;D  ) ganz einfach zutiefst !
Allerdings würde ich beinahe sagen, dass die "christlichen" Fundamentalisten noch schlimmer sind als andere, da sie es einfach besser wissen müssten....
Ey, sag nix gegen die "heilige Leberwurst"  ;D ;D ;D
Das Problem ist bei Fundalisten wie auch bei sonstigen Gehirnverwirrungen, das der betroffene das Fehlverhalten einfach nicht wahrnimmt (oder will). Die leuts sind halt der Meinung das richtige zu tun und alle anderen haben unrecht. Bemitleidswerte Kreaturen in meinen Augen.
Leider ist das Verhalten solcher "Kranken" nicht vorherzusehen, bei "pöstchenaufnahme" verhalten sich die meisten normal und irgendwann später bricht dann der Wahnsinn durch.
Private meinung: Mir kommt es nur so vor, das solche extremen ansichten sich in den reihen von CSU und "Grünen" derzeit häufen.(auf deutschland bezogen!)
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Jürgen am 14 August, 2007, 02:07
Skrupellosigkeit, Fanatismus und das Verweigern sozialen Denkens halte ich nicht für eine Krankheit oder Behinderung, sondern eine absolut verwerfliche und strafwürdige Charakterschwäche, basierend auf krassem Egoismus und grosser Faulheit.

Ich kenne Menschen, die man getrost als geistesschwach bezeichnen kann, die aber trotzdem - oder genau deshalb) - niemals jemandem absichtlich wehtun oder schaden würden.
Letzteres kann man den Politikern nicht nachsagen.

In der Regel muss man in dieser Zeit schon extrem asozial sein, um sich einen schnellen politischen oder wirtschaftlichen Aufstieg und eine starke Position da oben zu sichern.

Schaut mit den Augen eines Kindes, das Ihr alle einmal wart, einfach in diese Gesichter entsetzlichen Fratzen...
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: berti am 14 August, 2007, 03:19
ich mach das diesmal wirklich ungerne, aber kann das so nicht gelten lassen.

du hast recht, es gibt unter den geisteskranken sehr viele liebenswerte zeitgenossen, es gibt aber leider auch andere extreme. Grössenwahn, Fanatismus, "soziale kälte" sind anerkannte Krankheiten, die Erkrankten verhalten sich in der Tat verwerflich und sollten sogar im äussersten Falle zwangsweise in bestimmte Institutionen eingewiesen werden. Aber ne Charakterschwäche mit Strafe belegen zu wollen, nee ich weiss nicht.

mal ein paar definitonen gefällig? Passt irgendwie auf den Kreis unserer Politiker
Zitat
 
Größenwahn (Megalomanie) - Definition
Der Größenwahn (medizinisch: Megalomanie) ist ein häufiges Erscheinungsbild bei bipolarer Depression im Stadium der Manie oder bei Schizophrenie. Diese psychische Störung äußert sich in krankhafter Überschätzung und Überbewertung der eigenen Person. Die Ausprägungen reichen von relativ geringfügigen, auf den ersten Blick kaum auffälligen Selbstüberschätzungen bis hin zu Vorstellungen, ein großer Staatsmann oder gar Gott zu sein. 

Und noch eins:
Zitat
Depressionen - Definition
Die Depression ist eine psychische Erkrankung mit deutlich gedrückter, pessimistischer Stimmung, Antriebsminderung und evtl. Selbsttötungstendenzen. Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Internationalen Studien zufolge leiden in Deutschland und anderen westlichen Industrienationen etwa 10-15 % aller Erwachsenen zumindest gelegentlich an einer Depression. Etwa ein Viertel davon entwickelt ein schweres Krankheitsbild

Und weils so schön ist, hier noch ne Definition:
Zitat
Fanatismus (franz. fanatisme, vom lat. fanum, Tempel, eigtl. Glaubensschwärmerei) heißt die leidenschaftliche Begeisterung für etwas Heiliges (ein religiöses, politisches, soziales, wissenschaftliches System, eine Kunstrichtung), welche den Menschen zur rücksichtslosen Feindschaft und zu Gewalttätigkeiten gegen Andersdenkende hinreißt.

Das könnte weitergesponnen werden, ich lass das lieber. Sonst meint noch jemand, deutschland wird von nen Haufen Geisteskranken regiert  :o

Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Hesse am 14 August, 2007, 03:42
Zitat
Ey, sag nix gegen die "heilige Leberwurst"   

Ich sach ja gar nix ! Praise the holy Leberwurst ! Oh Yeah ! Praise the Leberwurst !  ;D ;D ;D

------------- (deutlich erkennbarer "Cut" <------------------)

Zitat
das der betroffene das Fehlverhalten einfach nicht wahrnimmt (oder will).


Zitat aus Friedrich Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse" :

"Wir machen es auch im Wachen wie im Traume:
wir erfinden und erdichten erst den Menschen, mit
dem wir verkehren - und vergessen es sofort."
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: berti am 14 August, 2007, 03:42
Achja, und noch ne kleine Anmerkung, diesmal Grundgesetz:

Zitat
Artikel 21 GG(...)
(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

und dann gibts artikel 9 GG
Zitat
(2) Vereinigungen, deren Zwecke oder deren Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, sind verboten.

oder wie wärs damit?:
Zitat
§ 82 stgb
Wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt  1.  das Gebiet eines Landes ganz oder zum Teil einem anderen Land der Bundesrepublik Deutschland einzuverleiben oder einen Teil eines Landes von diesem abzutrennen oder
 2.  die auf der Verfassung eines Landes beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern,
wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

ok, ein quote hab ich noch, dann ist schluss:
Zitat
"(1) Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, oder wer die Bestrebungen einer solchen Vereinigung als Rädelsführer oder Hintermann fördert, wird mit Gefängnis bestraft.  2
(2) In besonders schweren Fällen kann auf Zuchthaus bis zu fünf Jahren erkannt werden. Daneben kann Polizeiaufsicht zugelassen werden.  (...)

du siehst, die gesetze sind da, es traut sich nur keiner (oder hat das nötige kleingeld) sich zu wehren.
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: berti am 14 August, 2007, 03:54
na, ein zitat hätt ich da auch noch, diesmal biblisch und in englisch (sorry):

Zitat
Ezekiel 25:17. "The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of the 
selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who, in the name of charity and good will,   
shepherds the weak through the valley of  darkness, for he is truly his brother's keeper 
and the finder of lost children. And I will  strike down upon thee with great vengeance and 
furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers. And you will know my name
is the Lord when I lay my vengeance upon you." 
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Hesse am 14 August, 2007, 04:12
Na OK wen wir schon am zitieren sind, dann noch ein letztes Zitat:

"Es scheint, das alle großen Dinge, um der Menschheit sich mit ewigen Forderungen in das Herz einzuschreiben, erst als ungeheure und furchteinflössende Fratzen über die Erde hinwandeln müssen..." (selbes Buch wie eben)


Ob wir hier überhaupt noch beim Thema sind, sollen dann die Leser beurteilen...ist mir persönlich auch relativ egal....jedenfalls könnten rund 50% aller Kriege dadurch verhindert werden, das jegliche organisierte+MISSIONARISCHE Religion einfach "verhindert" wird. Die restlichen 50 % resultieren aus blosser Habsucht/Habgier (ist das nicht eine der Todsünden, ihr "Christlichen"?), wobei eine gewisse "befreundete" Fraktion aus Übersee sich da wohl als "World's Record Holder" fühlen darf...
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: berti am 14 August, 2007, 04:26
Ob wir hier überhaupt noch beim Thema sind, sollen dann die Leser beurteilen...
pöser pube, schon wieder ein thema "gehijacked".  ;D ;D

Zitat
Habsucht/Habgier (ist das nicht eine der Todsünden, ihr "Christlichen"?),

und auch alle anderen religonen sollten sich da nicht zu sicher fühlen, das ist in allen mir bekannten Religionen gleichermassen "verpöhnt".
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Chrisse am 14 August, 2007, 12:01
So wieder zurück zum Thema.....

Kann es sein das es sich hier wieder um das typische ihr müsst tolerant sein und unsere Meinung zulassen (Religionen) jedoch umgekehrt kann eine Fremdmeinung auf gar keinen Fall gelten weil die eigene Unfehlbarkeit dieses gar nicht zulässt? Wer hat "Hexen" auf Scheiterhaufen verbrannt??? Wer hat Wissenschaftler gefoltert um sie auf den Weg des Glaubens zurückzubringen??? Wer ist hier intolerant?? Wie wäre es denn im Umkehrschluss es verpflichtend (von selbst passiert da nix) einzuführen in den Kirchen und im Religionsuntericht Darwin als gleichberechtigte "Ansicht" zu predigen? Und es gäbe da noch so ein paar Behauptungen zu denen anderlautende wissenschaftliche Erkenntnisse existieren?

Zum besseren Verständnis: Jeder kann anbeten und glauben was er will, ich habe damit kein Problem obendrein haben wir Religionsfreiheit. Jedoch beginnt irgendjemand meine Freiheiten einzuschränken oder mich zwangsweise mit seinem Zeugs vollzulullen dann ist Schicht im Schacht, dann werden meine Rechte massiv eingeschränkt und missachtet, dagegen werde ich mich zur Wehr setzen.   
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Theos am 14 August, 2007, 12:42
Zum besseren Verständnis: Jeder kann anbeten und glauben was er will, ich habe damit kein Problem obendrein haben wir Religionsfreiheit. Jedoch beginnt irgendjemand meine Freiheiten einzuschränken oder mich zwangsweise mit seinem Zeugs vollzulullen dann ist Schicht im Schacht, dann werden meine Rechte massiv eingeschränkt und missachtet, dagegen werde ich mich zur Wehr setzen.
und was hast du dann in der schule gemacht? ;)

Zitat von: http://www.heise.de/tr/artikel/93899
Sie ist damit ein Paradebeispiel für das, was wir als freie, aufgeklärte Gesellschaft gerade nicht brauchen: billigend in Kauf genommene Denkarmut.
das ist doch ein widerspruch in sich.
wir sind frei, dürfen daher glauben was wir wollen. wir sind aufgeklärt, wir hinterfragen also das, was uns unsere eltern/schulen/gesellschaft lehren.
aber sagt einer was gegen die evolutionstheorie, wird er sofort als "denkarm" dargestellt.

ich glaube an die evolutionstheorie, aber ich weiß nicht ob es wirklich so war. niemand weiß das, vermutlich wird es niemand je beweisen können.
aus dem gleichen grund können wir die schöpfungslehre nie ganz abweisen, wir können höchstens verschiedene elemente daraus (so z.b. dass dinosaurier und menschen in koexistenz gelebt haben, wie die schöpfungslehre-parks das sehen) ablehnen(wirklich wissen tun wir es aber nicht).
Titel: Re: Darwin und die deutsche Diskussionskultur
Beitrag von: Jürgen am 14 August, 2007, 14:10
Wer Welten erschafft und damit alle Randbedingungen definiert, der ist auch ALLEIN für alle Resultate verantwortlich. Er hätte ja keine Not und kein Elend implementieren müssen, in all' seiner Allmacht...

Wenn es irgendeinen Schöpfer geben sollte, dann sind wir alle nur Bestandteil seines perversen Experiments. Verantwortlich ist der Veranstalter, nicht die Maus im Labyrinth.

Und ein Schöpfer, der die Grundvoraussetzungen für Kriege, Krankheiten, Hunger und Durst, überhaupt erst legt, der verdient auch keine Anbetung.

Religion ist in der Praxis Volksverdummung, zum alleinigen Nutzen der Mächtigen.

Das mag den Religionsgründern seinerzeit durchaus nicht im Sinn gewesen sein, denn allerlei religiöse Regeln waren damals sicherlich vielversprechend und sollten ein geordnetes und meist friedliches Zusammenleben sichern.

Aber der menschliche Ungeist besteht nicht nur in Dummheit der Massen, sondern ebenso perversen Herrscher-Gelüsten der Emporkömmlinge in Schlüsselpositionen.
Und die wollen gottgleiche Macht um jeden Preis.

So steht in mancher Kleriker-, Politiker- und Managerfratze die Absicht geschrieben, willkürlich über Leben und Tod der Untergebenen zu entscheiden und sich selbst dadurch zu erhöhen.
Auch als Orgasmus-Ersatz trefflich geeignet...

Findet man keine Götter, macht man sich schnell selbst dazu...


Anyway, wenn's irgendwo einen Grossen Watz hat, dann möchte ich IHN fragen, warum irgendjemand anders die Verantwortung für Hiroshima hat, als ER selbst...

Ich weiss nicht, ob ER das so gewollt hat.
Aber wenn ja, dann ist's mir klar, ER hat keinerlei Moral, die mir als Vorbild gelten könnte.
Und wenn nicht, so mangelt's grundsätzlich an göttlicher Allmacht.

Und hat ER mir das Denken gegeben, ist das eben auch göttlich, unabhängig vom Resultat.

Also nehme ich mir das Recht, keinerlei Religion zu folgen. Und die Gültigkeit entsprechender Regeln jederzeit infragezustellen, statt dessen nach einer eigenen Moral zu suchen, am Wohl des / der Menschen und des Planeten orientiert, aber auch geprägt von der Eigenverantwortung, die uns niemand wirklich abnehmen kann...
Dabei sind Übereinstimmungen durchaus möglich.
Aber das ist kein Verdienst irgendwelcher Gurus.
Titel: Die menschliche Evolution hat sich beschleunigt
Beitrag von: SiLæncer am 12 Dezember, 2007, 13:02
Genetische und kulturelle Innovationen sind nach neuen genetischen Erkenntnissen in der Menschheitsgeschichte Hand in Hand gegangen

Wissenschaftler unter der Leitung des Anthropologen Henry Harpending von der University of Utah haben Hinweise dafür entdeckt, dass die menschliche Evolution ab einer gewissen Zeit in hoher Geschwindigkeit abgelaufen ist und 7 Prozent der Gene einer schnellen Evolution unterworfen sind. In den letzten 80.000 Jahren haben sich nach der genetischen Analyse von 3,9 Millionen SNPs auf der Grundlage der HapMap-Daten von 270 Menschen die genetischen Veränderungen beschleunigt. Besonders stark aber seit 40.000 Jahren, also mit der neolithischen Revolution oder dem kulturellen Urknall, mit dem die Menschheit durch Migration, Landwirtschaft und Sesshaftigkeit in eine rasante, sich stetig beschleunigende kulturelle Innovation eingetreten ist. Zugelegt hat – wiederum mit der kulturellen Dynamik – die genetische Evolution vor 10.000 Jahren, dem Beginn der Städte.

"Wir sind nicht mehr dieselben Menschen wie vor 1000 oder 2000 Jahren", sagt Harperding. Verändert habe sich nicht nur die Kultur, sondern eben auch das Genom und damit die Biologie der Menschen. Eine entscheidende Rolle bei der beschleunigten Evolution hat das parallel stattfindende Wachstum der Menschheit gespielt, sagen die Forscher in ihrer Studie "Recent acceleration of human adaptive evolution", die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist. Dadurch vermehren sich die genetischen Varianten von Genen, die Allele, und damit die Möglichkeiten, sich schneller wechselnden Bedingungen anpassen zu können.

Wenn sich die genetischen Variationen vermehren, müssten sich auch die Veränderungen vermehren, die nicht der Umwelt angepasst sind, da immer nur ein kleiner Teil der Mutationen vorteilhaft ist. Dadurch würde sich mit dem Anstieg der Populationsgröße allmählich die Zunahme der "Fitness" verlangsamen und einen Höhepunt erreichen. Das ist allerdings bislang in der kurzen Geschichte der Menschheit nicht der Fall gewesen. Wie auch bei anderen Tierarten kann aber in einer Zeit des Übergangs und der rasanten Umweltveränderungen eine schnelle Vergrößerung der Population, wie dies seit 10.000 Jahren bei den Menschen erfolgt ist, auch eine schnellere Anpassung an die neuen Lebensbedingungen der Sesshaftigkeit, des engen Zusammenlebens in größeren Verbänden, der Umstellung der Ernährung, dem Aufkommen neuer Krankheiten, die von den domestizierten Tieren übertragen werden, und dem Zwang zum beschleunigten Lernen ermöglichen. Kulturelle Evolution, so die Forscher, hat nicht die genetische Evolution ersetzt, wie immer wieder argumentiert wurde. Zwar hat diese etwa die Lebenserwartung gesteigert, aber die "Varianz in der Reproduktion hat weiterhin die genetische Veränderung vorangetrieben". Seit der neolithischen – kulturellen und genetischen – Revolution liege die "Rate der adaptiven Evolution" über hundertmal höher als zuvor.

Die Menschen sind also nicht, wie man bislang überwiegend annahm, seit 40.000 mehr oder weniger genetisch gleich geblieben, sondern haben sich nicht nur kulturell, sondern eben auch genetisch relativ schnell verändert – im Takt von Jahrhunderten. Zudem haben sich genetische Veränderungen in unterschiedlichen Gruppen unterschiedlich vollzogen, wodurch sich erst einmal die menschlichen Gruppen durch die räumliche Trennung auf den unterschiedlichen Kontinenten genetisch weiter auseinander entwickelt haben. So mussten sich die Menschen an die neuen Bedingungen wie Kälte und andere Nahrung in Europa anpassen und haben etwa mit Veränderungen des Skeletts und der Hautpigmentierung reagiert. Die Ernährung mit Milch hat bei Indoeuropäern zur Laktosetoleranz geführt, weswegen auch Erwachsene Milch verdauen können, was bei vielen Menschen in Asien oder Afrika nicht der Fall ist. Harpending glaubt, dass Indoeuropäer deswegen mehr "Energie" gehabt und sich deswegen schnell ausbreiten konnten. Zahlreiche Seuchen sind durch das Zusammenleben mit Tieren aufgekommen, die von Kontinent zu Kontinent verschieden waren und neuen genetischen Druck erzeugt haben.

"Wir werden unähnlicher"

Nach dem Exodus von Afrika und der Verteilung auf den Kontinenten hätte sich kein großer Genaustausch zwischen den Menschen mehr ereignet. "Die Gene haben sich schnell in Europa, Asien und Afrika verändert", sagt Harpending, "aber fast alle diese Veränderungen sind einzigartig in Bezug auf ihren Herkunftskontinent. Wir werden unähnlicher, verschmelzen nicht in eine einzige, gemischte Menschheit."

Das allerdings mag bezweifelt werden, denn die Globalisierung, mit der Kulturen und Menschen sich vermischen und neue Verbindungen schaffen, hat schließlich erst in den letzten Jahrzehnten rasant zugelegt. Sollte die These stimmen, dass genetische Veränderungen und damit Anpassungen an neue Bedingungen durch positive Selektion auch durch die Zunahme der Population beschleunigt werden, dann müsste dies in der Gegenwart erst recht der Fall sein. Schließlich fällt das explosive Wachstum der Menschheit erst ins letzte Jahrhundert und ist noch nicht zu Ende.

Harpending hat mit seinen Kollegen allerdings auch schon vor zwei Jahren eine Debatte ausgelöst, als sie eine Studie publiziert hatten, nach der Aschkenase-Juden, die aus Mittel- und Osteuropa stammen, eine überdurchschnittliche Intelligenz haben. Die Forscher versuchten dies dadurch zu erklären, dass die europäischen Juden im Mittelalter gesellschaftlich ausgegrenzt wurden und sich dadurch in bestimmten Tätigkeiten wie Händler oder Geldverleiher bewähren mussten, wodurch sie intelligenter und reicher wurden, aber sich auch bestimmte Generkrankungen ausbildeten. Ähnlich weisen sie nun daraufhin, dass die Menschen im Nahen Osten, in Europa und Westasien sich zuerst schneller mit der neolithischen Revolution genetisch verändert hätten als die Afrikaner, die genetisch und kulturell erst später nachgezogen seien. Harpending versichert, dass die Feststellung von genetischen Unterschieden zwischen verschiedenen Menschenpopulationen "keine Diskriminierung rechtfertigen" könne, da die Verfassungsrechte keine völlige Gleichheit voraussetzen. Das dürfte wieder viele nicht wirklich überzeugen und manche dazu verleiten, ihre Vorurteile bestätigt zu sehen.

Quelle : www.heise.de
Titel: Re: Die menschliche Evolution hat sich beschleunigt
Beitrag von: McQuade am 12 Dezember, 2007, 14:15
Dafür schrumpfen im allgemeinen zusehends
die Gehirne Jugendlicher infolge der Benutzung
von Online - Computerspielen wieder.  ;D

McQuade
Titel: 150 JAHRE EVOLUTIONSTHEORIE : Ist Darwin gescheitert?
Beitrag von: SiLæncer am 19 Januar, 2009, 17:06
Menschen, Tiere und Pflanzen sind nicht von Gott erschaffen, sondern Ergebnis der Evolution: Vor 150 Jahren veröffentlichte Charles Darwin diese revolutionäre Theorie. In der Forschung ist sie ein Riesenerfolg - populär war sie nie. Ist das menschliche Gehirn zu sehr auf einen Schöpfer gepolt?

Die Nachricht klang nach großem Durchbruch. "Wissenschaftler der University of Oxford haben eine Lösung des Rätsels gefunden, das als 'Darwins Dilemma' bekannt ist", meldete unlängst die Londoner Geological Society. Charles Darwin, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre, hat vor 150 Jahren sein epochales Werk "Über die Entstehung der Arten" veröffentlicht. Darin gestand er mit erfrischender Offenheit ein, dass er keine Ahnung habe, warum man aus der Zeit vor dem Kambrium - jener Ära, die vor rund 542 Millionen Jahren begann - einfach keine Fossilien finden könne.

Im Kambrium spielte sich Erstaunliches ab: Mehr als drei Milliarden Jahre, so schien es, hatte das Leben auf Erden lustlos dahingedämmert, ehe es in einem relativ kurzen Zeitraum zu einer explosionsartigen Vermehrung der Arten kam. Wo vorher nur skelettlose Unscheinbarkeiten die Meere bevölkerten, traten plötzlich zahnbewehrte Räuber gegen gepanzerte Beute an.

Die sogenannte Kambrische Explosion stellte Wissenschaftler lange vor Rätsel. Religiöse führen sie gern als Gottesbeweis ins Feld: Wie, wenn nicht durch die Hand des Allmächtigen, konnte eine derartig komplexe Vielfalt binnen so kurzer Zeit entstehen?

Inzwischen weiß die Wissenschaft, dass es nicht unbedingt eine Explosion der Artenvielfalt gegeben hat, sondern eher eine rasante Zunahme von Arten mit harten Schalen und Körperteilen. Die gaben, anders als ihre wabbeligen Vorgänger, gute Fossilien ab und konnten so die Jahrmillionen überdauern. Und das wissen Biologen auch nicht erst seit Beginn des Darwin-Jubiläumsjahrs, wie man nach der Lektüre der etwas überschwänglichen Pressemitteilung der Geological Society glauben könnte: Fossile Spuren aus der Zeit vor dem Kambrium sind schon seit längerem bekannt.

Darwins revolutionäre Erkenntnis, dass die modernen Lebensformen das Resultat von Jahrmillionen natürlicher Auslese sind, hatte sich trotz des anfänglichen Dilemmas rasend schnell durchgesetzt. Die bis dahin vorherrschende Überzeugung, die Tier- und Pflanzenarten seien auf ewig unveränderbar, war über den Haufen geworden. Noch ungeheuerlicher war für die meisten von Darwins Zeitgenossen die Schlussfolgerung, dass Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren haben. Nicht zuletzt deshalb wurde die Evolutionstheorie als eine Bedrohung der politischen, religiösen und sozialen Ordnung der Zeit gebrandmarkt.

Inzwischen ist die Evolutionslehre das am besten belegte Modell zur Erklärung der belebten Natur, das jemals existiert hat. Nur: Sein Erfolg in der Wissenschaft steht in keinem Verhältnis zu seiner Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit. Die Mehrheit der Menschheit weigert sich bis heute hartnäckig, das Offensichtliche zu akzeptieren.

"Gott ist tot", schrieb Nietzsche 1882 und meinte damit den Verlust des Sinns fürs Sakrale. Doch da war der Philosoph wohl etwas voreilig. Nicht nur in bildungsfernen Drittweltländern oder islamischen Gottesstaaten, auch in Industrienationen blüht der Glaube. Die US-Zeitschrift "American Spectator" spricht vom "Mythos des säkularen Westens": Es sei ein "völliges Rätsel", warum so viele Gelehrte und Journalisten glaubten, die Bewohner des Westens seien mehrheitlich Anhänger Darwins. Tatsächlich zeigen Umfragen seit Jahren das gleiche Bild: Die Religionen haben bisher allen Angriffen der Naturwissenschaften getrotzt.

Streit um Gott und die Welt: Wie sich Neue Atheisten und Gläubige immer aggressiver bekämpfen

52 Prozent der EU-Bürger glauben an Gott, ergab eine Erhebung der Europäischen Kommission Anfang 2005. Etwa jeder Vierte gab zu Protokoll, zwar nicht an einen personalen Gott, aber an "eine Art von Geist oder Lebenskraft" zu glauben, und nur 18 Prozent outeten sich als ungläubig. Deutschland lag mit 47 Prozent Gottesgläubigen im Mittelfeld. 25 Prozent glaubten hierzulande an eine andere höhere Macht außer Gott, weitere 25 Prozent an keines von beiden.

Im internationalen Vergleich gehören damit sowohl Deutschland als auch die EU noch zu den säkularsten Regionen der Welt. In den USA befragen die Meinungsforscher von Gallup das Volk regelmäßig über Gott und Wissenschaft (siehe Fotostrecke). Die jüngsten Resultate: Ganze 14 Prozent sind der Meinung, dass Homo sapiens allein durch die Evolution auf die Welt gekommen ist. 36 Prozent glauben, dass eine Evolution zwar stattfindet, allerdings unter Gottes Leitung. Die mit 44 Prozent größte Gruppe ist überzeugt, der Allmächtige höchstselbst habe den Menschen so geschaffen, wie er heute ist - und zwar vor höchstens 10.000 Jahren.

Selbst in Darwins Heimat ist die Evolutionslehre nicht mehrheitsfähig, wie eine Umfrage von 2006 ergab. Demnach sind nur 48 Prozent der Briten von der Existenz der Evolution überzeugt. Mehr als 40 Prozent wünschten sich, dass an staatlichen Schulen auch die biblische Schöpfungsgeschichte gelehrt wird - und zwar nicht etwa im Religions-, sondern im Biologieunterricht. Die gleiche Forderung wurde gar von jedem vierten staatlich besoldeten Lehrer erhoben.

Neue Atheisten wüten gegen die Religionen

Nirgendwo aber tobt der Streit zwischen Anhängern und Gegnern der Evolutionslehre so heftig wie in den USA. Auf der einen Seite stehen Kreationisten, die seit einigen Jahren mit dem Etikett "Intelligent Design" ein Weltbild propagieren, in dem Gott den Menschen und alles Leben erschaffen hat. Ihnen gegenüber stehen die große Mehrheit der Wissenschaftler und eine immer lauter werdende atheistische Gegenbewegung, die organisierte Religion für wenig mehr als gemeingefährlichen Kinderglauben hält. Eine ganze Reihe von Büchern, die den Glauben mal sachlicher, mal zorniger angehen, hat es in den letzten Monaten und Jahren in die US-Bestsellerlisten geschafft.

Zwischen beiden Fronten stehen jene, denen das Ganze entweder egal ist oder die glauben, Wissenschaft und Religion könnten sich versöhnen, möglicherweise gar ergänzen. Ihr Lieblingsargument lautet: Religion möchte eigentlich gar keine wissenschaftlichen Ansprüche erheben, während die Wissenschaft nur Galaxien vermessen und Gene analysieren, sich aber von ethischen und weltanschaulichen Fragen fernhalten will.

Also alles nur ein großes Missverständnis? Wohl kaum. Zwar betonen manche Forscher gern, dass bestimmte Dinge außerhalb der Domäne der Wissenschaft lägen - etwa die Frage, woher das Universum kommt und ob seine Existenz einem höheren Sinn folgt. Doch selbst in diesen eher metaphysischen Bereichen gibt es Überschneidungen. "Religion stellt Behauptungen über die Existenz auf, und damit sind es wissenschaftliche Behauptungen", meint etwa Richard Dawkins, Biologe, Bestsellerautor und Galionsfigur der Neuen Atheisten. "Ein Universum mit einem übernatürlichen Wesen wäre fundamental und qualitativ anders als eines ohne."

Aber auch bei weniger philosophischen Themen reden Religionsvertreter gern mit - etwa wenn sie Kondome als Schutz vor einer HIV-Infektion als untauglich erklären und stattdessen Enthaltsamkeit predigen, oder wenn sie der Stammzellforschung enge Grenzen setzen wollen. Der Vatikan konsultiert Mediziner lieber, um zu klären, ob ein Kandidat für eine Heiligsprechung wirklich Wunder vollbracht hat.

Können sich die Religionen zurücknehmen?

Sind die Religionen überhaupt fähig, sich von der Wissenschaft fernzuhalten - oder ist der Missionierungsdrang Teil ihres Wesens, wie etwa der US-Journalist Christopher Hitchens in seinem furiosen Bestseller "Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet" schreibt? Hat Dawkins Recht, wenn er davor warnt, dass die Aufklärung, die Vernunft, die Wissenschaft und die Wahrheit selbst von der Religion bedroht seien?

Manche Wissenschaftler wollen so weit nicht gehen. Nachdem eine Umfrage ergeben hatte, dass jeder zweite Forscher religiös sei, kommentierte der 2002 verstorbene Paläontologe Stephen Jay Gould: "Entweder ist die Hälfte meiner Kollegen enorm dumm, oder die Wissenschaft des Darwinismus ist vollkommen kompatibel mit konventionellen religiösen Überzeugungen - und auch mit Atheismus." Journalist Hitchens aber findet "alle Versuche, den Glauben mit der Wissenschaft in Einklang zu bringen, verfehlt und lächerlich". Noch deutlicher wird, wie so oft, Evolutionsbiologe Dawkins: Die "angebliche Annäherung zwischen Religion und Wissenschaft ist eine flache, leere, hohle, schönrednerische Augenwischerei".

Den Verdacht, insbesondere die christlichen Religionen beanspruchten nach wie vor universelle Deutungshoheit, hat zuletzt hat Papst Benedikt XVI. höchstselbst genährt. Im April 2007 schrieb er in einem theologischen Fachbuch, die Existenz der Evolution sei "nicht beweisbar". Zur Frage, woher die menschliche Rationalität eigentlich komme, meinte der Pontifex: "Die Naturwissenschaft kann und darf darauf nicht direkt antworten."

Papst gegen Wissenschaftler: Sind Religion und Forschung miteinander vereinbar oder prinzipiell gegensätzlich?

Dass sie kann, werden die meisten Fachleute bejahen. Dass sie darf, erst recht. Benedikt aber hat mit diesem Satz denjenigen Munition geliefert, die argumentieren, dass Religion und Wissenschaft in letzter Konsequenz eben nicht kompatibel sind. Dass es zum Kern der institutionalisierten Religion gehöre, zu glauben statt zu fragen und bestimmte Fragen zu verbieten. Und dass sie damit nicht nur mit der Wissenschaft, sondern mit der Moderne an sich über Kreuz liegt - so sehr sie sich auch manchmal verrenkt, den gegenteiligen Eindruck zu erwecken.

"Darwin ist einer der großen Autoren des modernen Denkens", sagte der Zürcher Historiker Philipp Sarasin kürzlich im Interview mit der "Zeit". "Diese Moderne akzeptiert nichts Gegebenes, auch keine göttlich abgeleitete Ordnung." Deshalb ringen die Kirchen bis heute mit Darwins Lehre.

Doch zur anfangs gefürchteten Bedrohung für die Religionen ist sie, global betrachtet, nicht geworden. Gelassen können die Kirchen beobachten, dass zahlreiche Atheisten von sich behaupten, auch ohne Gott glücklich zu leben und nicht dem Bösen verfallen zu sein. Deren Argument, organisierter Glaube habe zu viel mehr Hass, Tod und Leid geführt als Unglaube, ist zwar nur schwer von der Hand zu weisen. Doch geschadet hat das den Religionen kaum.

Warum die Wissenschaft schlechte Karten hat

Ironischerweise findet die Wissenschaft inzwischen Antworten darauf, warum sie in Sachen gesellschaftlicher Akzeptanz kaum Chancen gegen die Religion hat. Immer zahlreicher werden die Hinweise, dass der Mensch aufgrund seines Denkorgans geradezu prädestiniert ist, an höhere Mächte zu glauben - und das nicht nur wegen seiner Furcht vor dem Tod.

So könnte die menschliche Schwäche für Götter unter anderem in den enormen sozialen Fähigkeiten von Homo sapiens wurzeln. "Menschen sind sehr gut darin, Beziehungen zu Personen jenseits ihrer physischen Präsenz zu unterhalten", schrieb der amerikanische Psychologe Pascal Boyer kürzlich im Wissenschaftsmagazin "Nature". Nur so könnten Hierarchien und Bündnisse dauerhaft funktionieren.

Zudem tragen Religionen trotz aller konfessionellen Unterschiede verblüffend universale Züge - etwa dass Götter aussehen, denken und fühlen wie Menschen. Auch rituelle Handlungen könnten der Architektur des Gehirns geschuldet sein. Es sei bekannt, dass das menschliche Denkorgan Netzwerke besitzt, die der Vermeidung von Gefahren dienen, meint Boyer. Religiöse Riten, die sich um körperliche Reinheit, räuberische Bösewichter und verborgene Bedrohungen drehen, seien vermutlich nichts weiter als ein Echo der vergangenen Jahrmillionen.

Der US-Psychologe Michael McCullough wiederum will nach der Auswertung von Studien aus den Sozial- und Neurowissenschaften herausgefunden haben, dass religiöse Überzeugungen und Verhaltensweisen helfen, strategisch zu planen und Emotionen zu kontrollieren. Religiöse Rituale wie Gebete und Meditation, schreibt McCulloughs in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Psychological Bulletin", "beeinflussen die Teile des menschlichen Gehirns, die am wichtigsten für Selbstregulierung und Selbstkontrolle sind."

Abgesehen davon, bemerkt Boyer, sei religiöses Denken "der Weg des geringsten Widerstands für unser kognitives System". Unglaube dagegen sei meist das Ergebnis bewusster, harter Arbeit gegen die natürliche Veranlagung - "keine Ideologie, die sich am leichtesten verbreiten ließe".

Bisher deutet vieles darauf hin, dass die erstaunliche Neigung des Menschen zum Glauben ein Nebenprodukt der Evolution des Gehirns ist. Vielleicht aber, meint Boyer, findet man eines Tages Beweise dafür, dass der Glaube aktiv beim Überleben der Spezies Homo sapiens geholfen hat. Auf diese Art hätte Gott bei der Evolution des Menschen tatsächlich seine Finger im Spiel gehabt.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: SiLæncer am 21 Januar, 2009, 13:29
Früher streuten wir nur Gene - dann begannen menschliche Gehirne, Meme zu verbreiten: Ideen, Gedanken, Wörter. Die Evolutionstheoretikerin Susan Blackmore glaubt, dass wir mit Computern und Internet eine neue Evolution in Gang gesetzt haben, die wir eines Tages bereuen könnten.

Überall um uns herum vermehren sich Techno- Meme und bereiten sich darauf vor, die Kontrolle zu übernehmen. Sie selbst wissen es nicht, denn sie sind einfach egoistische Replikatoren, und sie tun, was alle egoistischen Replikatoren tun: Sie lassen sich kopieren, wo immer und wann immer es geht, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Im aktuellen Fall verwenden sie uns als menschliche Mem-Maschine für die erste Stufe ihres Kopiervorgangs, bis etwas Besseres auftaucht. Künstliche Mem-Maschinen werden ständig besser, und der Schritt, der alles verändern wird, wird darin bestehen, dass diese Maschinen selbstreplizierend werden. In diesem Augenblick werden sie uns nicht mehr benötigen. Ob wir leben oder sterben, ob der Planet für uns bewohnbar ist oder nicht - all das wird für ihre weitere Evolution ohne Belang sein.

Ich stelle mir unseren Planeten gerne als einen unter einer Million oder einer Billion möglicher Planeten vor, auf denen die Evolution anfängt. Notwendig ist dazu etwas (ein Replikator), das sich mit gewissen Variationen kopieren lässt, sowie ein Selektionsvorgang. Darwin hat erkannt, dass, wenn mehr Kopien erstellt werden als überleben können, die Überlebenden diejenigen Merkmale an die nächste zu kopierende Generation weitergeben werden, dank derer sie durchgekommen sind. So entstehen alle Gebilde im gesamten Universum.

Worüber weniger nachgedacht wird, ist, dass ein Replikator auf einem anderen huckepack reiten kann, indem er dessen Vehikel selbst als Kopiermaschine verwendet. Dies ist bei uns auf der Erde geschehen. Der erste große Replikator (und für die längste Zeit der Erdgeschichte der einzige und heute noch der am weitesten verbreitete) ist das Gen. Pflanzen und Tiere sind Gen-Maschinen – physikalische Vehikel, die genetische Informationen herumtransportieren und miteinander konkurrieren, um diese zu schützen und zu vermehren. Hier auf der Erde ist jedoch etwas geschehen, wodurch sich alles verändert hat. Eines dieser Gen-Vehikel, ein aufrecht gehender Affe, entwickelte die Fähigkeit der Nachahmung.

Nachahmung ist eine Art des Kopierens. Die Affen kopierten Bewegungsabläufe und Töne und erzeugten neue Variationen und Kombinationen alter Bewegungsabläufe und Töne. Und so setzten sie einen neuen Replikator frei: das Mem. Nach wenigen Millionen Jahren hatten sich die ursprünglichen Affen vollkommen verwandelt: Sie entwickelten ein riesiges Gehirn und geschickte Hände, und ihre Kehle und ihr Brustkorb waren umgemodelt, so dass sie Töne und Bewegungsabläufe genauer kopieren konnten. Aus ihnen waren Mem-Maschinen geworden.

Wir wissen nicht, ob es irgendwo draußen im Universum weitere Planeten mit zwei Replikatoren gibt, denn deren Bewohner könnten uns das gar nicht mitteilen. Was wir jedoch wissen, ist, dass unser Planet zurzeit die Geburtsstunde eines dritten Replikators erlebt – ein Schritt, der eine interplanetarische Kommunikation ermöglichen würde.

Der Vorgang hat langsam begonnen und wurde dann, wie bei evolutionären Prozessen so oft der Fall, immer schneller. In Lehm gekratzte Zeichen hielten verbale Meme fest und ermöglichten es mehr Menschen, sie zu sehen und zu kopieren. Die Drucktechnik brachte eine höhere Kopiergüte und mehr Kopien mit sich. Dank Eisenbahn und Straßennetz konnten die Kopien immer weiter verteilt werden, und Menschen auf dem ganzen Planeten forderten sie lautstark. Computer erhöhten sowohl die Anzahl der Kopien als auch deren Güte. Normalerweise wird dieser Vorgang als Errungenschaft des menschlichen Erfindergeistes gesehen, aus dem wunderbare Technologien hervorgehen, die dem Wohl der Menschheit dienen, und bei dem wir die Kontrolle haben. Das ist eine erschreckend anthropozentrische Sichtweise dessen, was da vor sich geht.

Sehen Sie es einmal so: Druckerpressen, Schienennetze, Telefone und Fotokopierer gehören zu den frühen künstlichen Mem-Maschinen; sie haben aber lediglich einen oder zwei der drei Schritte im Algorithmus der Evolution durchgeführt. Bücher speichern beispielsweise Meme, und Druckerpressen kopieren sie, aber der Mensch übernimmt weiterhin die Variation (das heißt, er schreibt Bücher, indem er die Wörter auf neue Weise zusammenstellt) und die Selektion (indem er entscheidet, welche Bücher er kauft, liest oder nachdruckt). Mobiltelefone speichern Meme und übertragen sie über weite Entfernungen, aber der Mensch variiert und selektiert weiterhin die Meme.

Auch im Internet findet die Selektion weiterhin überwiegend durch den Menschen statt, doch das ändert sich rapide. Wir altmodischen, schlabberigen, lebendigen Mem-Maschinen werden von Memen überschwemmt und überlassen es daher munter Suchmaschinen und anderen Softwareanwendungen, auch noch den letzten Vorgang, die Selektion, zu übernehmen.

Haben wir ungewollt einen dritten Replikator freigesetzt, der auf menschlichen Memen huckepack reitet? Ich glaube ja. Die Informationen, die diese Maschinen kopieren, sind nicht menschliche Sprache oder Bewegungsabläufe. Es sind digitale Informationen, die um den verfügbaren Platz in riesigen Servern und elektronischen Netzwerken konkurrieren, wobei sie durch elektronische Prozesse mit extrem hoher Güte kopiert werden. Wenn erst einmal alle drei Vorgänge – Kopieren, Variation und Selektion – von diesen Maschinen durchgeführt werden, wird meiner Meinung nach tatsächlich ein neuer Replikator entstanden sein. Wir könnten diese Replikatoren der dritten Ebene als "Teme" (technische Meme) oder "Treme" (tertiäre Meme) bezeichnen. Egal wie wir sie nennen, sie und ihre Kopiermaschinen sind nun da. Wir dachten, wir hätten schlaue Werkzeuge erfunden, die unserem eigenen Vorteil dienen, doch in Wirklichkeit haben uns blinde, unaufhaltsame evolutionäre Prozesse ausgenutzt, als Sprungbrett zur nächsten Ebene der Evolution.

Als sich Meme parallel zu den Genen entwickelten, verwandelten sie Gen-Maschinen in Mem-Maschinen. Nun verwandeln uns Teme in Tem-Maschinen. Viele Menschen verbringen den ganzen Tag damit, Teme zu kopieren und zu übermitteln. Kinder lernen in sehr jungen Jahren das Lesen – einen völlig unnatürlichen Vorgang, an den wir uns einfach gewöhnt haben – und die Menschen fangen nun an, Medikamente zur Steigerung des Denkvermögens und zur Senkung des Schlafbedarfs zu akzeptieren, und sogar elektronische Implantate, um ihre Fähigkeiten im Umgang mit Temen zu verbessern. Wir glauben weiterhin, wir hätten die Kontrolle, aber aus Sicht der Teme sind wir lediglich willige Gehilfen in ihrer Evolution.

Wie sieht also der Schritt aus, der alles verändern wird? Im Augenblick benötigen uns Teme noch, um ihre Maschinen zu bauen und um die Kraftwerke zu betreiben, so wie Gene den menschlichen Körper benötigen, um sie zu kopieren und ihnen Energie zu liefern. Aber wir Menschen sind zerbrechliche, beschränkte Kopiermaschinen von minderer Qualität, und wir benötigen einen gesunden Planeten mit den richtigen Klimabedingungen und den richtigen Nahrungsmitteln, um überleben zu können. Der nächste Schritt besteht darin, dass die Maschinen, von denen wir dachten, wir hätten sie erschaffen, sich selbst replizieren können. Das mag erst mit der Nanotechnologie geschehen, oder es kann dadurch passieren, dass Server und große Tem-Maschinen ihre eigene Energieversorgung erhalten und die Fähigkeit, sich selber zu reparieren.

Wir wären dann entbehrlich. Damit würde sich wirklich alles verändern.

Aus dem Englischen übersetzt von Daniel Bullinger

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: Jürgen am 21 Januar, 2009, 23:38
Das klingt für mich wie ein erstes Konzept für die nächste Generation von Massenvernichtungswaffen.
Bedenken wir, dass diese von Menschen entwickelten Maschinen, autark oder 'bloss' implantiert,  mit grosser Wahrscheinlichkeit überwiegend von einer einzigen Hand verbreitet und beherrscht würden.
Win Borg sozusagen.
Massenhafter Missbrauch solcher Systeme wäre keine Fiktion sondern ist heute schon praktisch Alltag.
Selektiv gegen bestimmte Opfergruppen, längst normal.
Also im Prinzip auch strategisch einsetzbar...

Nicht realistisch wäre die Vermutung, ein Unhold oder verbohrter Fachidiot würde ein System mit der Absicht entwickeln, dass es auch die Macht über ihn selbst und seinesgleichen errringen würde. Aber gegen irgendeine Gegenseite, na sicher...

Ob dann irgendwann die Sache entgleist, nicht verstandene Freiheitsgrade doch zu einer Art synthetischen Bewusstseins und eventuell Machtwille führen könnten, ist heutzutage unmöglich vorherzusagen. Bedenken wir, dass technische Systeme nicht von Technikern erdacht und eingesetzt werden, sondern nur realisiert. Nachdem sie von gierigen Schlipsträgern und deren Geldgebern initiiert wurden, die auch für die (erste) weite Verbreitung verantwortlich sind...

Man stelle sich einmal vor, M$ irgendwas in Robotern.
Gut, die wären ganz sicher nicht allein reproduktionsfähig, mangels Volume License.
Ausser jemand verbreitet dazu einen Hack per Virus...
Dann bleibt der Menschheit nur noch eine Hoffnung, die auf den üblichen BSOD  8)
Titel: Re: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: ritschibie am 22 Januar, 2009, 00:22
Ich jedenfalls kann über die (kalifornischen) Blumenkinder nicht mehr lachen, die so naiv von "zurück zur Natur" sprachen...
Auch wenn es einfaches Davonlaufen war, welcher denkende Zeitgenosse kommt denn noch an dem Gedanken vorbei:
Können wir eigentlich noch alles aufhalten, was im Namen einer geldbehämmerten Wissenschaft losgetreten worden ist?
Vae Victis...
Titel: Re: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: SiLæncer am 22 Januar, 2009, 00:26
Im Spiel des Lebens und der Evolution sitzen drei Spieler am Tisch:
der Mensch ,die Natur und die Maschinen.
Ich bin entschieden auf der Seite der Natur.
Aber ich fürchte die Natur steht auf der Seite der Maschinen.

George Dyson
Titel: Re: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: Jürgen am 22 Januar, 2009, 01:33
Ach, Natur  ::)

Achselschweiss ist Natur.
Und Flöhe sind Natur, wie auch Fusspilz.
Und alt und krank lebendig gefressen werden.

Die Natur war nie gut.
Und nie böse.
Nur gnadenlos.

Maschinen genauso.

Aber der Mensch selbst kann's immer noch schlimmer...
Titel: Re: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: ritschibie am 22 Januar, 2009, 17:14
Aber der Mensch selbst kann's immer noch schlimmer...
Jürgen, Du kannst einen auch trösten ;)
Titel: Re: EVOLUTION 3.0 - Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten
Beitrag von: Jürgen am 22 Januar, 2009, 23:35
Stimmt wohl, in den Zeiten, in denen wir leben (müssen), braucht es nicht einmal viel gute Absicht, um sich recht deutlich von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung abzusetzen. Nur einfach etwas Besonnenheit, weniger Gier und etwas mehr eigenes Denken. In der Hoffnung, dass Fairness und Menschlichkeit irgendwann doch auf positive Resonnanz stossen und sich eventuell sogar wieder auszubreiten beginnen.
Wenn der Wechsel zu Obama auch nur zu etwas weniger Ellenbogen-Verhalten führen sollte, wäre viel gewonnen. Daher hoffe ich sehr, dass  es nun doch noch eine Chance auf eine etwas humanere Welt gibt. Wenigstens ansatzweise. Als Reagan weg war, schien es eine ähnliche Chance zu geben, aber Clinton hat's drüben verpatzt, wie Schröder hier ebenso. Auf ein neues...
Titel: OLYMP DER EVOLUTION - Wenn Wölfe über die Affen gesiegt hätten
Beitrag von: SiLæncer am 29 Januar, 2009, 09:37
Der Mensch beherrscht die Welt. Aber warum eigentlich? Könnten nicht auch Wölfe, Papageien oder Delfine die intelligenteste Lebensform der Erde bilden? Im Prinzip ja, sagen Biologen, denn die Evolution kennt kein Ziel.

Es ist eine Welt, die aussieht wie unsere Erde heute. In den Tropen dominiert kräftiges Grün, der Norden Afrikas ist von ausgedehnten Wüsten bedeckt. In Europa und Nordamerika erstrecken sich ausgedehnte Wälder, im Eis der Arktis tummeln sich Eisbären.

Wenn man genauer hinschaut, fällt allerdings auf, dass einiges anders ist als auf der Erde, wie wir Menschen sie kennen. Es gibt zwar Straßen und Städten ähnelnde Siedlungen. Doch dort leben nicht Menschen, sondern behaarte Vierbeiner. Nicht Abkömmlinge der Affen, sondern Wölfe bilden in dieser fiktiven Welt die Krone der Schöpfung. Ihre außergewöhnliche Intelligenz hat sie zum Herrscher über alle anderen Tiere werden lassen.

Die Affen, einst gefährlichste Konkurrenz der Wölfe in Sachen Intelligenz, werden in einigen Gegenden der Welt als handwerklich geschickte Haustiere gehalten - und als Sklaven in der industriellen Produktion. Affen sind ideale Arbeitstiere: Sie sind kräftig, besitzen eine gute Feinmotorik und begehren nicht auf.

Die Fiktion einer von Wölfen beherrschten Welt mag zunächst absurd erscheinen. Aber das Tierreich hätte sich durchaus anders entwickeln können, als in den vergangenen Millionen Jahren geschehen. "In der Evolution ist sehr vieles möglich", sagt Klaus Reinhold von der Universität Bielefeld. Man könne kaum etwas ausschließen, erklärt der Evolutionsbiologe im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

"Primaten, also Affen, sind in der Tat nicht die einzigen sozialen Tiere, und sie sind nicht die einzigen intelligenten Tiere", ergänzt Thomas Junker von der Universität Tübingen. Wölfe, Delfine oder Elefanten zeigten ebenfalls beachtliche geistige Fähigkeiten und verfügten über die Voraussetzungen, höhere Intelligenz zu entwickeln.

Kleinigkeit mit weitrechenden Folgen

An Spekulationen über Alternativen zum Menschen als intelligentester Lebensform auf der Erde wollen sich zwar weder Junker noch Reinhold beteiligen. Unbestritten ist allerdings, dass Intelligenz im Laufe der Evolution in verschiedenen Tiergruppen positiv selektiert wurde.

Warum aber hat ausgerechnet der Mensch eine weit überlegene Intelligenz entwickelt? "Das ist eine philosophische Frage, die man aus der Naturwissenschaft heraus kaum beantworten kann", sagt Rudolf Loesel, Biologe an der RWTH Aachen. Als Evolutionsforscher beschäftige man sich in erster Linie mit der Analyse des Geschehenen und weniger mit Spekulationen über alternative Entwicklungsrichtungen.

Der Mensch ist das Ergebnis eines Jahrmillionen dauernden Selektionsprozesses. Dass die Evolution unter identischen Startbedingungen immer wieder zum gleichen Ergebnis führt, ist wenig wahrscheinlich, allein schon wegen der großen Rolle des Zufalls. Tritt eine bestimmte Mutation jetzt oder erst in 10.000 Jahren auf? Trifft ein Asteroid die Erde und verändert radikal die Umweltbedingungen, so dass Tausende Arten aussterben - mit ihnen vielleicht auch die Primaten?

Evolution ähnelt eher einem ausgedehnten Hindernislauf mit ungewissem Ausgang als einem Masterplan der Natur mit fixem Endziel. In der Evolution gehe es ähnlich zu wie beim Wetter und dem berühmten Schmetterlingseffekt, sagt Reinhold. "Eine Kleinigkeit kann weitreichende Folgen haben."

Trotzdem glauben Evolutionsforscher zu wissen, warum der Mensch es unter den auf der Erde herrschenden Bedingungen so weit gebracht hat. Die entscheidende Rolle dürfte, da sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig, das Gehirn gespielt haben. "Affen haben ein gutes dreidimensionales Sehen, um sich im komplizierten Geäst der Bäume sicher bewegen zu können", sagt der Aachener Biologe Loesel. Dafür bräuchten sie ein großes Gehirn.

Mit dem dreidimensionalen Denken haben andere, ebenfalls hochintelligente Tiere große Schwierigkeiten. Steht beispielsweise ein Hund in einer aus zwei Zäunen gebildeten Ecke und blickt auf Futter hinter dem Zaun, dann weiß er nicht so recht weiter. Der Zaunwinkel ist nach hinten offen, aber der Hund kommt nicht darauf, einfach ein paar Meter zurück zu laufen, um ans Futter zu gelangen. Affen stellen sich da geschickter an. "Tiere, die in Bäumen aufgewachsen sind, wissen, dass es ab und zu Umwege gibt", erklärt der Bielefelder Forscher Reinhold.

Vom Gejagten zum Jäger

Ein weiterer Pluspunkt für den Menschen war und ist seine flexible Ernährung. Ein großes Gehirn braucht viel Energie. Die Vorfahren des Menschen waren schlau genug, Tiere aus Meeren und Seen zu fangen, die einen besonders hohen Anteil jener Fettsäuren besitzen, die man für den Aufbau des Gehirns braucht.

Und als das Klima vor etwa zwei Millionen Jahren in Afrika trockener wurde, wussten die Primaten sich zu helfen. Bäume wurden seltener, in der Folge gab es weniger Früchte und Fluchtmöglichkeiten. Unseren Vorfahren gelang es in dieser Zeit, von "Gejagten zu Jägern zu werden und erfolgreich mit anderen Raubtieren wie Löwen oder Leoparden zu konkurrieren", sagt Junker. "Dadurch hatten sie auch Zugang zu energetisch hochwertiger Fleischnahrung, eine unerlässliche Voraussetzung für das Gehirnwachstum."

Dieses evolutionäre Gehirnwachstum und die Zunahme der Intelligenz waren wichtige Voraussetzungen für den Prozess der Menschwerdung, der wohl auch das Ergebnis des Zusammenlebens in größeren Gruppen ist. Den Urmenschen gelang es nicht nur, trotz Konkurrenz um Nahrung und Sexualpartner den Zusammenhalt der Gruppe und damit das Überleben zu sichern. Sie fingen auch an, Gedanken untereinander auszutauschen.

An die Stelle des einzelnen Denkers trat der Intellekt des Kollektivs. "Ohne die Vernetzung der Gehirne wäre keine der großen menschlichen Leistungen möglich gewesen", sagte Michael Tomasello vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Leipzig im Gespräch mit dem SPIEGEL (aktuelle Ausgabe 5/2009).

Soziales Lernen gebe es zwar auch bei vielen Säugetieren und Vögeln, betont Junker. Meist handle es sich aber um eine "recht begrenzte Zahl von Verhaltensweisen". Bei Schimpansen habe man etwa 40 solcher erlernten Verhaltensweisen beobachtet. Verglichen mit der Unmenge an kulturellen Informationen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens lerne, sei dies "aber doch eher bescheiden", meint der Evolutionsforscher.

Die systematische Wissensweitergabe von Generation zu Generation könne wahrscheinlich auch erklären, warum Menschen so alt würden, obwohl sie sich im Seniorenalter kaum noch fortpflanzen könnten. "Da die Erfahrungen älterer Menschen in schriftlosen Kulturen oft überlebenswichtig für die Gruppen waren, kam es zur Selektion auf Langlebigkeit", erklärt Junker.

Dass es dann schließlich nur die Affen waren, aus denen ein echtes Kulturwesen entstand, erklärt der Forscher auch mit den "einzigartigen körperlichen Merkmalen" wie dem aufrechten Gang und der Greifhand - vor allem aber mit dem Schicksal: Man solle nicht vergessen, dass noch bestimmte Umweltkonstellationen hinzukommen mussten, sagt Junker, und "nicht zuletzt eine Menge glücklicher Zufälle".

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Etwas entwickelt sich - zum 200. Geburtstag von Charles Darwin
Beitrag von: SiLæncer am 12 Februar, 2009, 11:50
Heute vor 200 Jahren wurde der Naturforscher Charles Darwin geboren. Mit seinem 1859 veröffentlichten Werk "Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder Die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein" gilt er als Begründer der Evolutionstheorie. Sie hat die moderne Naturwissenschaft nachhaltig geprägt.

Der aus einer wohlhabenden Familie stammende Charles Robert Darwin begründete nach einer ausgedehnten Weltreise die wissenschaftliche Evolutionstheorie von der Veränderlichkeit der Arten. Berühmt wurde seine Theorie vor allem durch die Begründung, dass Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren haben, und durch die Out-of-Africa-Theorie, nach der der moderne Mensch sich in Afrika entwickelt hat. Daneben machte sich Darwin als Biologe wie als Geologe einen Namen. Der Forscher, der sich als "Millionär von seltsamen und wunderlichen kleinen Tatsachen" bezeichnete, gilt darum als einer der letzten Universalforscher.

Auf Darwins Forschungen geht auch der evolutionäre Algorithmus zurück, mit dem die Informatik Optimierungsprobleme löst. Außerdem stieß seine Evolutionstheorie von 1859 die Debatte über die künstliche Intelligenz an. Bereits 1863 veröffentlichte der Schriftsteller und Philosoph Samuel Butler den einflussreichen Artikel Darwin among the Machines, in dem er begründete, dass Maschinen über die natürliche Auslese eines Tages ein "mechanisches Bewusstsein" haben können.

Butlers auf Darwin aufbauende Idee wird heutzutage von zwei Forschern verfolgt. So nimmt der Wissenschaftshistoriker George Dyson in " Darwin im Reich der Maschinen. Die Evolution der globalen Intelligenz" an, dass das Internet selbst die Verkörperung der künstlichen Intelligenz ist. Auf Darwin beruft sich auch Ray Kurzweil, der mit seinem Transhumanismus die Entwicklung des Menschen selbst zur unsterblichen Maschine verfolgt. Für beide Richtungen hat Darwin die gegen den Kreationismus zu setzende tröstliche Einsicht parat, dass sich alles weiterentwickelt.

Quelle : www.heise.de
Titel: Sind 150 Jahre Darwin nicht genug?
Beitrag von: spoke1 am 12 Februar, 2009, 14:18
Sind 150 Jahre Darwin nicht genug?

 "Angenommen, das grundlegendste und allgemeinste Prinzip einer gegebenen Wissenschaft wäre seit einhundert Jahren bekannt und seitdem zum wichtigsten Fundament des Denkens und Forschens dieser Disziplin geworden. Sicher würde man dann denken, dass dieses Prinzip von jedermann als Fakt hingenommen würde, der auch nur im geringsten Maße mit dieser Disziplin in Berührung gekommen ist", klagte der amerikanische Biologe G.G. Simpson bereits vor rund 50 Jahren. "Denkt man das allerdings über die Biologie, so liegt man falsch."

Anlass dieser Klage war das 100-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung von Darwins "On the Origin of Species" (dt. "Die Entstehung der Arten"). Doch viel hat sich (auch in Deutschland) an dieser Situation nicht geändert: In der Schulbiologie wird das Thema Evolution meist als eines der letzten behandelt; Politiker und Kirchenvertreter, also vermeintliche Eliten, äußern sich über Evolution gern so, dass sie mangelnden Sachverstand einfach durch umso größere Überzeugung wettmachen; und selbst führende Zeitungen füllen ihre Seiten lieber mit Nebensächlichkeiten, Anekdoten oder die Tatsachen auf den Kopf stellenden Klischees, als zu erklären, was es mit Darwins Theorie denn eigentlich auf sich hat.

Woher kommen wir? Diese scheinbar einfache Frage hatte bis weit ins 18. Jahrhundert hinein eine scheinbar einfache Antwort: Gott. Wir sind die Geschöpfe eines größeren Geistes. In einer offenbar so geordneten Welt, in der alle Teile bewundernswert ineinandergreifen, liegt es nahe, eine ordnende Hand zu postulieren, deren intelligenter Besitzer der Schöpfer der Welt ist. Die bekannteste Version des so genannten teleologischen Arguments (auch "argument from design") ist wohl die "Uhrmacher-Analogie" des britischen Philosophen William Paley aus dem Jahr 1802: Stieße er während eines Heide-Spaziergangs mit dem Fuße gegen einen Stein, so würde er sich kaum fragen, wie der Stein wohl dort hingekommen sei, da er plausiblerweise schon immer dort gelegen haben könne. Stieße er hingegen auf eine Uhr, so käme er nicht umhin zu denken, dass zu irgendeinem Zeitpunkt ein Uhrmacher existiert haben müsse, der die Uhr für den Zweck erschaffen habe, den sie augenscheinlich erfüllt. Zu guter Letzt sieht Paley – in seinem letzten Argumentationsschritt – ebensolche Zweckmäßigkeit, Ordnung und Komplexität in der Natur, womit für ihn bewiesen schien, dass es auch einen Schöpfer der Welt geben muss.

Nun ist das Argument zwar auf mehreren Ebenen fehlerhaft, aber es beschreibt immerhin korrekt das Problem: Komplexität in der Natur verlangt nach einer Erklärung. Der schottische Philosoph David Hume hatte das Argument zwar unter anderem in seinen "Dialogues Concerning Natural Religion" (dt. "Dialoge über natürliche Religion") widerlegt – sehr kurz gesagt, indem er auf die Endlosrekursion hinwies, auf die das Argument logisch hinausläuft: wer oder was schuf den Schöpfer? -, ohne allerdings eine Alternative anbieten zu können.

Das war der Stand der Dinge, als Charles Darwin, frisch von der Universität kommend, als Naturkundler auf einem Forschungsschiff der königlich britischen Marine, der "Beagle", auf eine insgesamt fast fünfjährige Weltreise ging, auf der nun endlich die entscheidenen Puzzlestücke zusammen sollten, die für Darwin nötig waren, um Humes und Paleys Rätsel zu lösen.

Die zu dieser Zeit noch vorherrschende Annahme einer göttlichen Schöpfung umfasste auch die Vorstellung, dass alle Arten einzeln und unabhängig von einander geschaffen wurden und natürlich wohldefinierte Einheiten bilden. Doch je länger Darwins Reise dauerte, desto klarer wurde ihm, dass dieses alte Bild nicht stimmen konnte: Warum zum Beispiel gibt es auf ozeanischen Inseln keine Landsäuger? Warum hat Australien keine endemischen Plazenta-Säugetiere, stattdessen aber solche mit Beutel, die, Spezies für Spezies, genau dieselben Lebensräume bewohnen wie ihre Plazenta-Doppelgänger? Darwin kommen in Sydney tatsächlich Gedanken an "zwei verschiedene Schöpfer" (Gould, Stephen Jay: "Darwin's Middle Road". In: "The Panda's Thumb") Und warum finden sich auf den Galápagos-Inseln mehr als ein Dutzend Finken-Arten, die, je nachdem, auf welcher Insel sie beheimatet sind, unterschiedliche ökologische Nischen besetzt haben, die auf dem südamerikanischen Festland von jeweils unterschiedlichen Spezies ausgefüllt werden?

20 Jahre später brütet Darwin immer noch über seinen Ideen, ohne sich durchringen zu können, sie endlich zu veröffentlichen. Erst eine kuriose Parallelität der Ereignisse im Jahr 1858 spornt seinen Ehrgeiz schließlich so weit an, dass er eine zusammenhängende Beschreibung seiner Theorie zu Papier bringt. Ein junger Naturforscher (und späterer Mitbegründer der Biogeographie), Alfred Russel Wallace, befindet sich zu dieser Zeit im Indonesischen Archipel, von einem Fieber an ein Bett auf den Molukken gefesselt. Hier erinnert er sich, laut seiner Autobiographie, an ein Essay des Ökonomen Thomas Malthus über Bevölkerungswachstum. Sowohl für Wallace als auch für Darwin - der 1838 "zum Vergnügen" Malthus' Essay liest - ist Malthus das letzte Mosaiksteinchen, das sie brauchen, um eine komplette Theorie zur Entstehung der Arten zu bilden. Darwin, der fast drei Jahrzehnte lang Fakten gesammelt und mit anderen Wissenschaftlern korrespondiert hatte, um auch wirklich sicherzugehen, dass er genug Argumente hatte, sah sich nun durch Wallace gezwungen, sein Material so schnell wie möglich publikationsfertig zu bekommen. Da in der Wissenschaftswelt der Ruhm für Entdeckungen dem gehört, der sie zuerst der einschlägigen Fachwelt kundtut, beschränkte sich Darwin in der gebotenen Eile darauf, nur eine "kurze Zusammenfassung" seiner Theorie als Buch zu veröffentlichen: "On the Origin of Species by Means of Natural Selection".

Die lässt sich in drei Punkten zusammenfassen: 1. Organismen unterscheiden sich aufgrund zufälliger Variation, und die Unterschiede sind (zumindest zum Teil) erblich; 2. Organismen produzieren mehr Nachkommen, als überleben (und sich wieder reproduzieren) können; 3. Die Nachkommen, deren Variation ihnen einen Reproduktionsvorteil in ihrer direkten Umwelt gibt, erlangen einen höheren Anteil an der Gesamtpopulation, und ihre vorteilhaften Variationen akkumulieren. Die ersten beiden Punkte sind unbestreitbare Fakten, der dritte eine unabdingbare Konsequenz daraus .

An ein paar Stellen sollte dieses Bild vielleicht konkretisiert werden, ohne dass darunter seine Einfachheit zu sehr leidet. Entscheidend für die Variation ist ihre Zufälligkeit: Wäre die Variation gerichtet, wäre es statistisch geradezu gesichert, dass sich zufällig ändernde Umweltbedingungen dafür sorgen würden, dass der betreffende Organismus schlechter an seine Umwelt angepasst wäre als vorher. Das Maß des relativen Erfolges einer Variante ist ihre relative Häufigkeit: Es ist also eine statistische Notwendigkeit, dass eine Variante mit einem (ingenieurmäßig beurteilbaren) Reproduktionsvorteil sich in einer gegebenen lokalen Umwelt im Vergleich zu anderen Varianten ausbreiten wird.

Durch die Akkumulation vorteilhafter Eigenschaften sind weiterhin zwei Dinge gesichert: Es ist ein Mechanismus gefunden, durch den sich in kleinen, graduellen Schritten im Prinzip beliebig komplexe Strukturen herausbilden können, ohne dass es einer a priori ordnenden Hand bedürfte; und durch die Akkumulation verschiedener Anpassungen in verschiedenen Gruppen entfernen sich über große Zeiträume auch ursprünglich sehr nah verwandte Gruppen so weit voneinander, dass sie irgendwann als getrennte Spezies betrachtet werden können.

Damit stand Darwin vor seiner Theorie wie der Legende zufolge Laplace vor Napoleon und konnte sich dasselbe sagen wie der Himmelsmechaniker dem Kaiser von Gottes Gnaden: "Gott? Den habe ich gar nicht gebraucht." Diese lobenswerte wissenschaftliche Einstellung, aus einer Theorie alle unnötigen Elemente zu entfernen, ohne die sie immer noch funktioniert, sieht sich auch heute noch dem Einwand gegenüber, inakzeptabler Reduktionismus zu sein. Selbst Wallace wollte zeitlebens nicht akzeptieren, dass der menschliche Intellekt ein Produkt des von ihm mitentdeckten Mechanismus sein könnte. Es ist beinahe eine greifbare Angst, der Mechanismus könne Phänomene nicht nur erklären und diskutieren, sondern sie geradezu magisch wegdiskutieren.

Dies ist sicher nicht der einzige irrationale Einwand, der gegen Darwins Große Idee vorgebracht wird. Fast endlos sind die Missverständnisse, die über Evolution immer noch bestehen; die leicht vermeidbaren Fehler in der Anwendung ihrer Prinzipien; und auch für die beinahe verleumderischen Dinge, die Darwin aus den unterschiedlichsten Richtungen angedichtet und fröhlich propagiert werden. Ein Großteil der Propaganda stammt zugegebenermaßen aus der Feder von Kreationisten, die immer verzweifelter nach Argumenten suchen, die die eine oder andere Form eines Schöpfers doch noch vor der Laplaceschen Nutzlosigkeit retten kann.

Zunächst ein Missverständnis: In beinahe jedem zweiten Beitrag in Fernsehen oder Printmedien wird leichtfertig von "perfekt angepassten" Lebensformen gesprochen. Dabei ist nicht Perfektion ein unverkennbares Zeichen für eine Entwicklungsgeschichte, sondern das Gegenteil davon: Der blinde Fleck unseres Auges ist die Folge einer "falschherum" eingebauten Netzhaut; Geburten sind heute gefährlicher als für unsere Vorfahren, weil das menschliche Gehirn größer wurde, die Beckenknochen aber nicht beliebig anpassbar sind; und Pandas, um ein populäreres Beispiel aufzugreifen, müssen deshalb den ganzen Tag fressen, weil sie von ihren fleischfressenden Vorfahren einen Verdauungstrakt geerbt haben, der Bambus nur extrem ineffizient verarbeitet. Bei näherem Hinsehen ist die scheinbare Perfektion der Natur eben nur ein "gut genug": Einen kleinen Tick besser als die direkte Konkurrenz zu sein, reicht bereits. Denn die Evolution kann nur auf bereits vorhandene Strukturen wirken und kleine Variationen dieser Strukturen bevorzugen, die an lokale Umweltbedingungen besser angepasst sind.

Ein fast ebenso beliebtes falsches Argument behauptet, die Definition der natürlichen Auslese sei ein logischer Zirkelschluss, eine Tautologie: Es überleben die am besten Angepassten, und das Kriterium für Angepasstheit ist - Überleben. Selbst in der "ZEIT" findet sich diese Beschreibung an prominenter Stelle, wobei man keinen Doktor in Biologie braucht (ein Dipl.-Ing. reicht), um zu sehen, dass vorteilhafte Variation der Grund für Überleben (besser: relativ mehr Nachkommen) ist: Es gab ab einem bestimmten Zeitpunkt immer mehr Mammuts mit immer dichterem Fell, weil es draußen kälter wurde (Gould, Stephen Jay: "Darwin's Untimely Burial". In: "Ever Since Darwin").

Ebenso beliebt ist der Einwand, ein Zufallsprozeß könne keine komplexen Strukturen hervorbringen. Die bekannteste Version ist wahrscheinlich eine Analogie des britischen Astronomen Fred Hoyle, der der die Wahrscheinlichkeit, dass sich komplexe Lebensformen durch natürliche Auslese gebildet haben, mit der verglich, daß ein Tornado auf einem Schrottplatz rein zufällig eine Boeing 747 zusammenwirbelt. Was Hoyle nie verstand, ist der kumulative Charakter der Auslese: Zufällig vorteilhafte Variationen werden beibehalten und bauen in für Menschen unüberschaubar vielen kleinen Schritten aufeinander auf. Zufall ist nur das Rohmaterial der Evolution, der Prozess an sich ist das genaue Gegenteil davon und bewahrt Designinnovation, wenn ein Produkt der Evolution damit mehr Erfolg hat als andere.

Auch diesen Spieß kann man umdrehen, dachte sich der amerikanische Biochemiker Michael Behe, und erfand den Begriff irreducible complexity (IC). Hiermit soll die Eigenschaft komplexer biologischer Strukturen gemeint sein, nur in Anwesenheit aller ihrer Einzelbestandteile eine Funktion zu haben - und deswegen nicht in kleinen, graduellen Schritten entstanden sein zu können, wie Darwins Theorie das fordert. Behes Argument ist das Herzstück einer kreationistischen Bewegung namens Intelligent Design (kurz ID), die nach Kräften versucht, ihre Weltanschauung in den amerikanischen Biologieunterricht zu schmuggeln.

Allerdings hat sie damit bereits vor Gericht kolossalen Schiffbruch erlitten, wo die logischen und biologischen Unzulänglichkeiten der Argumentation offengelegt wurden. In Kürze: Vorläuferstrukturen können auch anderen Funktionen gedient haben als ihre evolutionären Nachfolger - wie zum Beispiel die Knöchelchen in unseren Ohren, die in einem Vorfahr-Reptil der Säugetier einmal im Kiefergelenk saßen. In allen Beispielen der ID-Anhänger - dem bakteriellen Flagellum, dem Auge und der Blutgerinnung - können sehr wohl einzelne Bestandteile des Systems fehlen, ohne dass die Funktion verloren ginge. Und ein wichtiger wissenschaftstheoretischer Punkt: Die Annahme eines intelligenten Etwas, das die komplexen Strukturen geschaffen hat, erklärt nichts - es bräuchte im Gegenteil wieder selbst eine Erklärung. ID ist also nicht nur faktisch widerlegt, sondern noch nicht einmal eine wissenschaftliche Herangehensweise an das Thema Evolution.

Und wenn gar keine inhaltlichen Argumente mehr helfen, werden Darwin und seine Theorie eben für den sogenannten Sozialdarwinismus, Eugenik und damit in letzter Konsequenz für die Nürnberger Rassegesetze und den Holocaust verantwortlich gemacht. (Diese besonders perfide Strategie lässt auch die "ZEIT" nicht aus.) Die Argumentation ist dabei, dass unter Berufung auf des Philosophen Herbert Spencers Wort vom survival of the fittest, also dem Kampf ums Überleben, dieser auch von Darwin beschriebene Kampf kurzerhand als logisch folgende Norm für menschliche Gesellschaften aufgestellt wird. Wenn in der Natur die Stärksten gewinnen, sollten wir dafür sorgen, dass auch nur die stärksten Menschen an der Fortpflanzung der Art beteiligt sind. Das beschreibt zwar die Haltung der Eugeniker und der Rassenfanatiker zutreffend, ist aber ein Beispiel für künstliche Auslese, wie sie von Züchtern angewendet wird, und gerade nicht für natürliche Auslese, wie sie Darwin beschrieben hat. Natürliche Auslese lebt von zufälliger Variation, denn nur die ist eine Versicherung gegen sich ändernde Umweltbedingungen - an die auch nicht per se die Stärksten, sondern mal die Beweglichsten, mal die Nachdenklichsten am besten angepasst sind. Und nicht zuletzt ist es natürlich ein logischer Fehlschluss, aus einer faktischen Beobachtung eine normative Aussage abzuleiten.

Darwin waren alle diese möglichen Einwände bekannt, und er hat sie bereits in seinem Werk zu entkräften versucht. Was ihn selbst am stärksten bewegte, waren allerdings nicht die soeben angesprochenen ethischen Implikationen, die man in seine Theorie hineinlesen wollen könnte. Am meisten beeindruckt haben ihn die Zufälligkeit, die allem zugrunde liegt; allgegenwärtiger Tod und Zerstörung; und die komplexen Strukturen von ungeheurer Schönheit, die überall und über Jahrmillionen entstanden sind und noch immer entstehen. Und die Schlussfolgerung, dass es keinen übergeordneten Plan im Leben gibt, keinen liebenden Gott, der seine Geschöpfe beschützt - auch nicht Darwins Lieblingstochter Annie, die mit nur 10 Jahren stirbt -, dass aber gleichzeitig ein Mechanismus am Werk ist, der eine Welt von erhabener Eleganz und Faszination geschaffen hat, die für jeden empfindenden Menschen alleine Grund genug sein sollte, für ihre Erhaltung und einen würdevollen Umgang mit allen ihren Bewohnern zu kämpfen.


Quelle: http://www.heise.de
Titel: Nager vererben erworbene Fähigkeiten
Beitrag von: SiLæncer am 20 Februar, 2009, 09:04
Veränderungen im Körper, die aufgrund der Umweltbedingungen in der Entwicklungsphase entstehen, können bei Tieren an den Nachwuchs weitergegeben werden. Zu diesem Ergebnis kommen zwei neue Studien der Tufts University School of Medicine und der University of Alabama. Sollten sich diese Erkenntnisse, die an Ratten und Mäusen gewonnen wurden, auch auf den Menschen übertragen lassen, könnte dies dafür sprechen, dass beispielsweise die Auswirkungen einer frühen Kindesmisshandlung die Generationen überspringen können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Die Untersuchungen untermauern die 200 Jahre alte Evolutionstheorie des Jean-Baptiste de Lamarck, die zugunsten Darwins und Mendels eigentlich weitgehend verworfen worden war. Der so genannte Lamarckismus besagt, dass Organismen Eigenschaften, die sie sich während ihrer Lebenszeit angeeignet haben, an ihren Nachwuchs weitergeben können. "Diese Ergebnisse überraschen mich sehr und kommen zudem vollkommen unerwartet", meint Li-Huei Tsai, Neurowissenschaftler am MIT, der die Studien kennt.

Eine der Untersuchungen ergab, dass die Verbesserung der Fähigkeit des Gehirns, Nervennetzwerke neu zu knüpfen und ein damit einhergehender Boost für das Gedächtnis bei Mäusen an Jungtiere weitergegeben werden konnte. "Diese Studie ist vermutlich die erste, die zeigt, dass es generationsübergreifende Effekte nicht nur beim Verhalten gibt, sondern auch bei der Plastizität des Gehirns", meint Tsai.

Bei der Tufts-Untersuchung, die der Neurowissenschaftler Larry Feig vornahm, wurden Tiere genetisch so verändert, dass sie Gedächtnisprobleme bekamen. Sie wurden dann in einer stimulierenden Umwelt großgezogen – sie erhielten Spielzeuge, konnten sich frei bewegen und sozial interagieren. Das dauerte zwei Wochen während ihrer Jungtierphase. Dadurch verbesserte sich das Gedächtnis der Nager. Das allein war keine neue Erkenntnis, es ist bekannt, dass eine solche positive Umwelt die Gehirnfunktionen verbessern kann. Die Mäuse wurden dann in eine normale Haltung überführt, wuchsen auf und hatten Nachwuchs. Diese nächste Generation zeigte erstaunlicherweise auch ein verbessertes Gedächtnis, obwohl sie noch immer den erblichen genetischen Defekt aufwiesen und niemals einer stimulierenden Umwelt ausgesetzt worden waren.

Feig räumt zwar ein, dass er es bei seiner Studie mit einem Lamarckschen Phänomen zu tun habe, doch sei Darwin damit nicht vom Tisch. "Die Veränderungen bleiben nämlich nicht ewig vorhanden." Bei seiner Untersuchung verlor der Nachwuchs stimulierter Mäuse die Gedächtnisvorteile nach einigen Monaten.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

    * Die Rückkehr des Lamarckismus? (http://www.heise.de/tr/artikel/132680)

Quelle : www.heise.de
Titel: Darwins Gegner holen zum Gegenschlag aus
Beitrag von: SiLæncer am 23 Februar, 2009, 19:32
Darwin-Gegner gibt es nicht nur in den USA: Auch in Europa machen Hardcore-Kreationisten und Intelligent-Design-Anhänger Boden gut - und kämpfen dafür, ihre Ansichten auf die Bio-Lehrpläne zu bringen. Die seriöse Wissenschaft reagiert viel zu passiv auf die Erfolge der Fundamentalisten.

Er zögerte, weil er wusste, welche dramatischen Konsequenzen seine Erkenntnisse für das gängige Weltbild haben würden. 20 Jahre lang behielt Charles Darwin seine revolutionären Ideen zur Evolution für sich. "Es ist, als ob man einen Mord begeht", schrieb er einem Freund. Seine Angst war berechtigt, denn aus seiner Sicht war es kein geringerer als Gott selbst, der seiner Theorie der Evolution zum Opfer fallen würde. Und so wartete Darwin, studierter Theologe und Mann einer tief religiösen Frau, mit der Veröffentlichung seines fundamentalen Werkes "On The Origin Of Species". Bis er schließlich publizieren musste, weil ihm sonst Alfred Russel Wallace zuvorgekommen wäre.

Darwin behielt Recht: Schon zu seinen Lebzeiten wurde er heftig bekämpft und angefeindet. Und er wird es auch noch heute, 150 Jahre später: Kreationisten, fundamentalistische Christen, leugnen das Prinzip der Evolution und haben zum Gegenschlag ausgeholt. Sie drucken eigene Schulbücher, in denen Evolution als eine Ideologie diffamiert wird. Sie ziehen vor Gerichte, um zu erwirken, dass Intelligent Design, die abgeschwächte Variante des Kreationismus, parallel zur Evolution im Biologieunterricht gelehrt wird - als gleichberechtigte wissenschaftliche Theorie und Alternative zur Evolutionslehre.

"Es ist so, als würde man den Anspruch erheben, Astrologie in den Physikunterricht aufzunehmen", sagte James Williams von der University of Sussex bei der Fachtagung "Einstellung und Wissen zu Evolution und Wissenschaft in Europa", die am 20. Februar in Dortmund stattfand. Williams hat den Einfluss der Kreationisten im Vereinigten Königreich untersucht. Und der ist groß: Die Mehrheit der Briten zweifelt an der Evolution, 40 Prozent will Kreationismus im Biologieunterricht, ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2006.

Für die Evolution, da sind sich Wissenschaftler einig, gibt es eine überwältigende Masse an Belegen. "Kein ernst zu nehmender Wissenschaftler zweifelt an der Evolution", sagte Ralf Sommer, Evolutionsbiologe an der Universität Tübingen. "Nur über die Mechanismen der Evolution wird diskutiert - es ist eine lebendige Disziplin."

Es ist immer wieder die gleiche Guerillataktik: Evolutionsgegner suchen Lücken und noch ungeklärte wissenschaftliche Fragen, um die gesamte Theorie Darwins zu diskreditieren.

Evolution ist ein fundamentales Prinzip und eine lebendige Wissenschaft - natürlich sind noch Fragen offen. Kein Grund aber, das Prinzip der Evolution als Ganzes in Frage zu stellen, meint Williams: "Es zweifelt doch auch keiner an der Gravitation, obwohl noch kein Physiker erklären konnte, warum Objekte eine Masse haben."

nd Wissenschaftler wissen heute: Evolution ist überprüfbar, sie muss nicht zwangsläufig Jahrmillionen dauern. "Wissenschaft kann manchmal sehr schnell gehen", sagte Claus Wedekind, Evolutionsbiologe von der Universität Lausanne. Teilweise so schnell, dass Wissenschaftler sie schon innerhalb einer Menschengeneration beobachten können.

Intelligent Design und Kreationismus hingegen sind keine wissenschaftlichen Theorien, weil sie nicht falsifizierbar sind. Sie postulieren einen Gott, eine Schöpfung und eine gelenkte Evolution. Wie aber will man das empirisch bestätigen oder widerlegen?

In Deutschland sagt etwa jeder Fünfte, dass er nicht an die Evolution glaubt. In den USA ist es jeder Dritte. Lange Zeit galt Kreationismus als ein rein US-amerikanisches Phänomen. Dabei gibt es kreationistische Strömungen auch in Europa, nur ist die Front gegen die Evolution hier nicht so homogen wie in den USA. Auf der einen Seite stehen die Kreationisten, selbst eine zersplitterte Gruppe, die sich in Hardliner, die Junge-Erde-Kreationisten, und in die abgeschwächtere Variante, die Intelligent-Design-Anhänger, aufteilt. Und auf der anderen Seite stehen die Kirchen, die sich nicht klar zu dieser Frage positionieren.

Anne Brasseur, Mitglied des Europarates, hat an dem Bericht " Die Gefahren des Kreationismus in der Bildung" mitgearbeitet. Ziel sei es, so sagt sie, die Evolutionslehre im Unterricht zu verankern. Dazu veranlasst sah sie sich durch Widerstände in einzelnen europäischen Ländern gegen Darwins Lehre. "Der ehemalige stellvertretende Bildungsminister Polens beispielsweise bezeichnete die Evolutionstheorie als Lüge", erzählt Brasseur. Und sie berichtet von noch weiteren negativen Beispielen:

    * In Russland machten sich viele Eltern gegen die Evolutionslehre an Schulen stark.
    * In Italien gab es im Jahr 2004 ein Dekret gegen die Evolutionslehre.
    * In der Schweiz plane die Vereinigung "Pro Genesis" einen Freizeitpark nach Vorbild des Creation Museum in den USA.
    * In Großbritannien hielten Kreationisten Konferenzen an Schulen ab.
    * In der Türkei veröffentlichte der islamische Kreationist Harun Yahya seinen "Atlas der Schöpfung" und verteilte Hunderte Exemplare umsonst an Bildungseinrichtungen weltweit.
    * In Deutschland sprach sich die hessische Bildungsministerin 2006 für die Lehre der biblischen Schöpfungstheorie im Biologieunterricht aus.
    * Der Verlag " Studiengemeinschaft Wort und Wissen" gibt ein eigenes Schulbuch mit Intelligent-Design-Inhalten heraus.

Anne Brasseur berichtet, dass es Widerstände des Vatikans gegen den Bericht des Europarates gab. Die Position der katholischen Kirche zur Evolution ist unklar. Zwar bestätigte Papst Benedikt XVI., dass Evolution und Schöpfung kein Gegensatz seien. Es gebe "viele wissenschaftliche Nachweise für die Evolution", sagte er im Juli 2007. Im April 2007 aber schrieb er in einem theologischen Fachbuch, die Existenz der Evolution sei "nicht beweisbar".

Im Jahr 2005 sorgte der österreichische Kardinal Schönborn mit einem Artikel in der "New York Times" für Aufsehen: In " Finding design in evolution" vertritt er die Idee einer Schöpfung und einer gelenkten Evolution - im Prinzip Intelligent Design.

"Was Kardinal Schönborn macht, ist sein Job", sagte ein Zuhörer bei der Fachtagung. "Religion konkurriert mit anderen Religionen und Weltanschauungen. Wissenschaft wehrt sich deswegen so schlecht gegen die kreationistischen Angriffe, weil sie nicht den Anspruch hat, eine Weltanschauung zu vermitteln." Zwar nehme sie für sich eine materialistische Methodik in Anspruch - sie wolle aber nicht den Materialismus verkünden.

So hat die Wissenschaft auf die kreationistischen Angriffe bisher eher reagiert als agiert. Und das nicht mal gut. Es gab auch wieder Versuche eines Dialoges. Günther Pass, Evolutionsbiologe an der Universität Wien, leitet auch die Fachdidaktik der Naturwissenschaften. Er berichtet von einer öffentlichen Diskussion Schönborns mit einer Molekularbiologin. "Heraus kam nur Geplauder", so Pass. Es sind Einzelne, wie der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins, die sich wehren.

Dabei war die Position der katholischen Kirche auch schon einmal anders: Benedikts Vorgänger, Johannes Paul II., hatte die Evolution noch rundherum anerkannt. " Evolution ist mehr als nur eine Hypothese", sagte er im Jahr 1996.

Auch Anne Brasseur berichtet, dass es Widerstände des Vatikans gegen den Bericht des Europarats gab. Ohne Erfolg. Mit 48 Stimmen dafür und 25 dagegen wurde er letztlich angenommen. Von den fünf deutschen Europarat-Abgeordneten stimmten übrigens drei dagegen, einer dafür und einer war abwesend.

Quelle : www.spiegel.de
Titel: Re: Darwins Gegner holen zum Gegenschlag aus
Beitrag von: Snoop am 23 Februar, 2009, 21:50
Also, wenn ich sowas lese, wird mir echt schlecht. Ich warte dann eigentlich nur noch auf eine neue Inquisition und den Zeitpunkt, an dem der erste Biologe öffentlich verbrannt wird.  >:(
Titel: Re: Darwins Gegner holen zum Gegenschlag aus
Beitrag von: Jürgen am 24 Februar, 2009, 01:52
Das Ignorieren von Fakten führt nicht zu einer anderen Wahrheit, das sei allen Fundamentalisten dieser Welt in's Stammbuch geschrieben.

Leider hat die Menschheit diverse Eigenarten und eingebaute Fehler, die allein schon die Existenz eines allwissenden und allmächtigen Schöpfers unmöglich erscheinen lassen:

- Überbevölkerung, Umweltzerstörung, Krieg und Diskriminierung Andersdenkender sind Alltag, obwohl sie in keiner der grossen Religionen erlaubt sind
- das Sich-Erheben weniger Mächtiger über die übergrosse Mehrheit der Menschen ebenso, obwohl in fast allen Religionen im Grunde verboten
...

Das Bewahren der Schöpfung, samt wirklich allen Kreaturen, müsste logischerweise oberste Maxime sein, findet jedoch gerade in allen grossen Religionen eben nicht statt.

Wenn alle Entwicklungen in dieser Welt gottgemacht und vorbestimmt sind, erübrigt sich automatisch jede Diskussion, weil allein ER alles zu verantworten hat, nicht seine Labormäuse im Labyrinth.
Hat ER aber - nach Sintflut, Kreuzigung usw. - seine Verantwortung für's eigene Produkt schliesslich aufgegeben, gibt's automatisch keine göttliche Instanz mehr, der man Rechenschaft schulden würde. Und warum sollte man selbst noch zu erreichen versuchen, was ER schon lange aufgegeben hat...

Völlig sinnlos wäre jedenfalls schon jeder Ansatz, aus diesen einander widersprechenden Ansätzen einen Mischmasch zu konstruieren, um mittels einer daraus gezimmerten Religion die Menschheit unterdrücken zu wollen.
Obwohl mir scheint, dass 99+% gerade solchen behämmerten Ideologien folgen wollen, um sich selbst Denken und Verantwortung zu sparen, oder wenigstens eine hinlängliche Rechtfertigung für jedwedes abartige Verhalten zu konstruieren...

Somit bleibt nur ein möglicher Schluss, Darwin hat recht, und der überwiegende Teil der Menschheit ist bei'm Abstieg von den Bäumen leider abgerutscht und allzu heftig auf dem Kopf gelandet  ::) 
Titel: Die Schöpfungsformel
Beitrag von: SiLæncer am 13 März, 2009, 21:22
Das Evolutionsprinzip galt ursprünglich nur für die Biologie. Inzwischen gehen immer mehr Forscher davon aus, dass Darwin die Tragweite seiner Theorie gar nicht erkannt hat. Sie sind sicher: Die Evolution wirkt in allem – in der Sprache, der Kunst, der Religion, der Ethik, der Wissenschaft. Selbst die Entstehung des Universums lasse sich damit erklären.

Als Kind sang der Bostoner Philosoph Daniel Dennett mit seiner Familie am Lagerfeuer gern ein Lied. Es hieß »Sag mir, warum?«. Warum scheinen die Sterne? Warum windet sich der Efeu? Warum ist der Himmel blau? Und warum liebst du mich? Und die Refrainantwort lautete stets »Gott« – weil Gott all das geschaffen hat. Das war eine herzerwärmende Antwort, an die sich der 66-jährige Professor an der Tufts University in Massachusetts noch heute gern erinnert. Jahrzehnte später hatte Dennett jedoch seinen Kinderglauben verloren. Er veröffentlichte ein ziegelsteindickes Buch, in dem er eine neue Weise anstimmte – die von »Darwins gefährlichem Erbe« (1997), einen langen Essay über die Evolution und den Sinn des Lebens. »Wenn ich einen Preis vergeben müsste für die beste einzelne Idee, die jemals ein Mensch hatte, würde ich ihn Darwin geben – vor Newton oder Einstein«, schwärmt der Philosoph.

Bis heute gilt Dennett als Vorkämpfer einer Bewegung von radikalen Darwinisten, die in der Evolutionstheorie einen totalen Umbruch im Denken über die Schöpfung sehen. Darwins Theorie gilt heute, 150 Jahre nach dem Erscheinen der »Entstehung der Arten«, für die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler als Faktum. Nicht einmal der Papst widerspricht ihr grundsätzlich. Nur ein paar Kreationisten und Anhänger des »Intelligent Design« stemmen sich den erdrückenden Beweisen entgegen. All die Komplexität des Lebens, davon sind die Forscher heute überzeugt, braucht keinen göttlichen Plan. Selbst ein Wunderwerk wie das menschliche Auge lässt sich durch evolutionäre Selektion erklären. Doch Radikaldarwinisten wie Dennett gehen noch einen großen Schritt weiter. Sie behaupten nämlich, dass das Evolutionsprinzip ein universeller Code sei, der weit über die Biologie hinaus gilt.

Quelle : www.pm-magazin.de
Titel: Darwin - Ein Weltveränderer, der gerne trank und wenig las
Beitrag von: SiLæncer am 07 April, 2009, 18:24
Was sagen uns die Schneiderrechnungen von Berühmtheiten aus früheren Jahrhunderten? Sie geben zum einen Aufschluss über die Lebensumstände und Einkommensverhältnisse einer Person zu einer bestimmten Zeit. Zum anderen zeigen solche Rechnungen aber auch, welche Dienste und Leistungen überhaupt in einem bestimmten Jahrhundert angeboten wurden.

Auch die Rechnungen des jungen Charles Darwin für verschiedene Dienstleistungen, die ein britischer Forscher vor kurzem zufällig fand, sind in dieser doppelten Weise interessant. Überdies war bisher kaum etwas darüber bekannt, wie Darwin seine Studienzeit verbrachte. Die Zahlungen, die der Arztsohn aus Shrewsbury für Garderobe, Dienste und Barbiere leistete, zeigen ihn als jungen Gentleman, der den Shilling offenbar nicht dreimal umzudrehen brauchte.

"Vor diesem Fund wussten wir nicht wirklich viel über Darwins Alltag an der Universität Cambridge", sagt John van Wyhe, Direktor von "The Complete Work of Charles Darwin Online". "Es ist immer angenommen worden, dass er keine besonderen Spuren aus dieser Zeit hinterlassen habe. Das heißt, wir hatten ausgerechnet aus der Zeit, die ihn vermutlich am meisten prägte, nur ausgesprochen magere Informationen."

Diese Situation änderte ein Zufall: Der Ägyptologe Geoffrey Thorndike Martin entdeckte kürzlich in einem Stapel alter Papiere des Christ's College der Universty of Cambridge Rechnungsbücher aus dem 19. Jahrhundert, in denen Zahlungen aufgelistet waren, die die Studenten für diverse Dienste geleistet hatten. Die Studenten bezahlten nämlich einen Dienstleister wie einen Barbier oder einen Schuhputzer nicht selbst in bar. Stattdessen bekam der Dienstleister einen Beleg, den er dann bei der Verwaltung des Colleges einreichte und auf dessen Basis er dann bezahlt wurde.

Für die Studenten hingegen führte die Verwaltung Konten, in denen diese Dienste und ihre Kosten aufgeführt wurden. Einmal pro Vierteljahr hatten die Studenten die aufgelaufenen Kosten zu begleichen. In diesen Rechnungsbüchern tauchte Darwins Name in den Jahren 1828 bis 1831 ständig auf.

Regelmäßig nahm Darwin die Dienste eines Schuhputzers, eines Bettmachers und eines Kohlenträgers in Anspruch. Darüber hinaus gibt es aber auch immer wieder Ausgaben für einen Barbier, einen Gemüsehändler, einen Schneider, einen Kaminfeger, einen Apotheker, einen Gepäckträger, einen Kupferschmied, einen Küchenjungen, einen Glaser, einen Hutmacher, einen Schmied und eine Wäscherin.

Buchhändler-Rechnungen sind hingegen nur sehr selten aufgeführt. Der Student Darwin vergnügte sich lieber mit Schießen und Reiten, als über Büchern zu brüten. Darwin war wohl auch kein Gesundheitsapostel; er rauchte viel und sprach auch dem Alkohol gern zu.

Doch er hatte eine für die Zeit ungewöhnliche Vorliebe: Gemüse. Im Speisesaal des Colleges gab es zu Darwins Zeiten zum Mittag ein Stück Fleisch und ein Glas Bier für jeden Studenten. Darwin aber achtete peinlich genau darauf, dass er immer auch eine Portion Gemüse bekam, für die er fünfeinhalb Pennys extra pro Tag zahlte.

Quelle : www.pm-magazin.de
Titel: Rundreise mit Darwin
Beitrag von: SiLæncer am 26 Juli, 2009, 09:53
Eine Mathematikerin der TU Berlin analysiert erstmals einen erfolgreich evolutionären Algorithmus für das Handlungsreisenden-Problem.

Vielleicht wäre die Weltliteratur ärmer, wenn der griechische Sagenheld Odysseus Menschen wie Martin Grötschel oder Madeleine Theile an Bord gehabt hätte. Auf seiner zwanzig Jahre währenden Odyssee verschlug es Odysseus an 16 Orte. Dabei legte er in Luftlinie 9913 Kilometer zurück, wie Grötschel, Mathematiker am Berliner Konrad-Zuse-Institut, berechnet hat. Die kürzeste Strecke wäre allerdings, so Grötschel, nur 6859 Kilometer lang gewesen.

Mit einer solchen Aufgabe, die einer naheliegenderen Anwendung wegen Handlungsreisenden-Problem genannt wurde, tun sich selbst heutige Computer schwer. Schon die 16 Orte der Odyssee ergeben 653837184000 mögliche Routen. Wie schnell ein Rechenverfahren eine optimale Lösung findet, hängt nach bisherigen Erkenntnissen exponentiell davon ab, wie viele Städte im Spiel sind. Wenn ein Computer heutiger Bauart die Optimierung einer Rundreise durch 16 Städte in fünf Minuten bewältigen könnte, würde ein hundert Mal so schneller Superrechner in derselben Zeit vielleicht nur zwanzig Städte schaffen. "NP-schwer" ("NP" steht für "nicht-deterministisch polynomiell") heißt diese Klasse von Problemen im Mathematiker-Jargon. Die Relevanz der Aufgabe reicht weit über die Routenplanung des namensgebenden Handlungsreisenden hinaus: Wenn etwa ein Roboterarm Lötpunkte auf einer Leiterbahn platziert, sollte auch dessen Weg möglichst kurz sein.

Die Berliner Mathematikerin Madeleine Theile, Doktorandin an der TU Berlin, ist dem Handlungsreisenden-Problem nun mit einem ganz neuen Ansatz zu Leibe gerückt: Sie verwendete einen sogenannten evolutionären Algorithmus. Mit erstaunlichen Resultaten, wie Theile unlängst auf einer Tagung in Tübingen vor etwa 200 Wissenschaftlern berichten konnte. Mit ihrem Verfahren errechnete sie eine optimale Lösung für 20 Städte. Das würde bei Experten für das Handlungsreisenden-Problem zwar nur ein müdes Gähnen auslösen – der Weltrekord, gehalten von Professor William Cook von der Universität Georgia Tech in Atlanta, liegt bei 85900 Orten. Doch die wahre Relevanz von Theiles Forschung liegt woanders: Es bringt nach Ansicht ihres Doktorvaters Martin Skutella die theoretische Forschung rund um die evolutionären Algorithmen nach vorn: "Mit evolutionären Methoden wird schon seit den sechziger Jahren gearbeitet, doch die Erforschung ihrer Funktionsweise ist erst etwas mehr als ein Jahrzehnt alt", erläutert Skutella. "Bis heute weiß keiner, wie ein Problem geartet sein muss, damit man einen evolutionären Algorithmus erfolgreich darauf ansetzen kann."

Bisher werden naturinspirierte Verfahren vor allem bei Praxisproblemen eingesetzt, deren Struktur sich nur schwer durchdringen lässt. "Es gibt Ingenieurprobleme, bei denen Hunderte Faktoren den Produktionsprozess beeinflussen, die man unmöglich alle in ein Modell einbeziehen könnte", erklärt Skutella. In der industriellen Bäckerei etwa wird die Qualität eines Teiges nicht nur von den Zutaten, sondern auch von den Einstellungen der Knetmaschine und so unwägbaren Bedingungen wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur in der Fertigungshalle beeinflusst.

Bei evolutionären Algorithmen wird dem Computer kein bestimmter Rechenweg vorgegeben, mit dem er stumpf sämtliche Kombinationen durchdekliniert. Stattdessen bildet sich die optimale Lösung für eine vorgegebene Aufgabe erst durch Versuch und Irrtum heraus. Wie in der natürlichen Evolution spielen dabei Mutation, Rekombination und Selektion die treibende Rolle: Zunächst werden zufällig erzeugte Lösungswege auf ein Problem losgelassen. Anschließend wird überprüft, welche Lösungen am besten sind. Untaugliche werden gelöscht, erfolgreiche kommen eine Generation weiter, können Teilinformationen mit anderen Kandidaten austauschen oder werden nach dem Zufallsprinzip geringfügig geändert. Die Menge aller Lösungskandidaten zu einem Zeitpunkt in dem Verfahren nennt man Population.

Das Problem dabei: Das Verfahren bleibt für den Anwender eine Blackbox. Irgendwann spuckt sie eine mehr oder minder brauchbare Lösung aus, aber niemand kann sagen, ob und warum sie wirklich die beste von allen denkbaren Möglichkeiten ist. Madeleine Theile beschreibt es so: Ein evolutionärer Algorithmus funktioniere wie "ein Wanderer, den man in eine Berglandschaft schickt, um die höchste Erhebung zu suchen", so die Mathematikerin. "Er wird auf den nächstbesten Berg klettern und sich umsehen. Wenn er von dort einen noch höheren entdeckt, klettert er wieder runter und geht den höheren hinauf." So komme man immer zu einer lokal optimalen Lösung. "Aber bei der Suche nach dem Optimum kann man auch stecken bleiben, wenn von dem Berg, auf dem ich stehe, kein höherer zu sehen ist – obwohl es ihn vielleicht gibt."

Praktiker nehmen solche Schwächen in Kauf, solange die naturinspirierten Rechenverfahren ihnen wenigstens schrittweise Fortschritte bringen. Mathematiker hingegen wollen die undurchschaubaren Verfahren verstehen, um sie besser nutzbar zu machen. "Wenn ein Algorithmus nur auf ein spezifisches Problem geeicht ist, kann er schon beim nächsten wieder scheitern", sagt Theile.

Die Mathematikerin analysierte nun das gut verstandene Handlungsreisenden-Problem, um nachzuvollziehen, durch welchen Lösungsraum ihr Algorithmus wandert und welche Gipfel er besteigt. An ihrem Rechenverfahren feilte sie so lange herum, bis sie garantieren konnte, dass der Wanderer während seiner Tour irgendwann dem höchsten Berg nahe kommt und ihn auch besteigt. Das Ganze funktioniert so: Theiles Population besteht aus einer Menge von Städtetouren. In jedem Evolutionsschritt wird eine Tour – ein Individuum – zufällig gezogen und mutiert, indem sie an mehreren wiederum zufällig gewählten Stellen aufgetrennt und neu zusammengefügt wird. Im folgenden Selektionsprozess wird die mutierte Lösung mit einem zufällig ausgewählten anderen Individuum aus der Population verglichen. Wenn die Mutation besser, das heißt die Gesamtlänge der Tour kürzer ist, ersetzt sie das Vergleichsindividuum.

Um zu garantieren, dass man sich irgendwann dem Optimum nähert, sind zwei Kniffe nötig: Erstens muss man mit der richtigen Populationsgröße anfangen, das sind nach Theiles Untersuchung bei n Städten etwa n mal zwei hoch n Individuen. Zweitens ist es entscheidend, im Mutationsprozess zu kontrollieren, an wie vielen Stellen eine Tour aufgetrennt und neu organisiert wird. Diese Erkenntnis ist durch Praxistests allein nicht zu gewinnen, sondern wurde von Theile mathematisch bewiesen. Durch diesen Beweis kann sie nun erstmals prognostizieren, wie viele Rechenschritte ein evolutionärer Algorithmus braucht, um sich dem Optimum zu nähern.

Ziel von Theiles Forschung ist es, Anwendern und Theoretikern – unabhängig vom Handlungsreisenden-Problem – ein Mittel in die Hand zu geben, mit dem sie sondieren können, in welchem Bereich evolutionäre Algorithmen überhaupt sinnvoll einsetzbar sind. In einem nächsten Schritt will Theile nun testen, ob sie die Leistungsfähigkeit ihres Algorithmus' durch Kreuzungen ihrer Individuen verbessern kann. Bislang kommt das Verfahren nur mit Mutation und Selektion aus. Auch andere kombinatorische Optimierungsprobleme hat sie bereits getestet. Bei Varianten des Problems der kürzesten Wege – das zum Beispiel bei Evakuierungssimulationen vorkommt – sehen evolutionäre Algorithmen ihren Angaben zufolge vielversprechend aus.

Weil es noch etwas dauern wird, bis ihre Resultate den Weg in die Praxis finden, stoßen Theiles Arbeiten im anwendungsorientierten Teil der Fachwelt noch auf Unverständnis. Sie hofft dennoch, "eines Tages an den Punkt zu kommen, wo ich mit meinen theoretischen Erkenntnissen einem Praktiker einen Tipp an die Hand geben kann". Ihr Doktorvater Skutella ist ebenfalls der Meinung, dass die dauerhafte praktische Nutzbarkeit natur-analoger Verfahren eine gründliche theoretische Analyse erfordert – auch wenn es viele Beispiele für Praxisanwendungen gebe. In der Gemeinde der evolutionären Programmierer werde zu wenig nach links und rechts geguckt: "Viele sind sich manchmal gar nicht bewusst, dass es für ihr Problem längst bessere Methoden gibt als evolutionäre Algorithmen." Skutella wünscht sich von allzu evolutionsbegeisterten Kollegen mehr Problembewusstsein: "Für Leute, die nur Hämmer benutzen, sieht alles wie ein Nagel aus."

Quelle : http://www.heise.de/tr/ (http://www.heise.de/tr/)
Titel: Die Evolution ist unumkehrbar - Welche Wege geht die Natur?
Beitrag von: SiLæncer am 30 September, 2009, 21:15
Evolution ist nicht zielgerichtet, also hat sie auch keine bestimmte Richtung. Trotzdem kann man fragen, ob sie reversibel ist – nämlich in diesem Sinn: Wenn die Bedingungen, die zur Herausbildung bestimmter Features führen, wieder ihre ursprüngliche Form annehmen – nähert sich die Natur dann ebenfalls wieder ihrem Ausgangszustand?

Die Frage ist nicht nur theoretischer Natur: Der Mensch ist derzeit dabei, die Bedingungen für die meisten Lebewesen auf diesem Planeten recht deutlich zu ändern, inklusive die für seine eigene Art. Gelingt es nun tatsächlich, diese unerwünschten Veränderungen rückgängig zu machen, passt sich das Leben auf der Erde dann problemlos wieder an die Ausgangsbedingungen an? Muss Mutter Natur sich etwas völlig Neues ausdenken, oder kann sie an Altbekanntes anknüpfen?

Beantworten lässt sich diese Frage am besten auf molekularer Ebene. Um ihr historisch beizukommen, fehlen uns nämlich jede Menge Daten. Man könnte zwar Beispiele wie das des Wals heranziehen – immerhin ein Säugetier, das sich ins Meer zurückgezogen hat. Allerdings ist der Walfisch eben kein Fisch, wie Kinder heute schon in der Grundschule lernen. Von Reversibilität kann man hier wirklich nicht sprechen – der Wal ist nur deshalb entstanden, weil die Natur für sie neue Wege gegangen ist.

Und auch sonst konnte die Forschung die Frage bisher nicht beantworten – es sei denn auf die kürzestmögliche Art mit dem Killerargument, dass Evolution immer irreversibel sei, weil es sich um einen historischen Prozess handele. Immerhin gibt der Satz wieder, welche Probleme man dabei hat, den historischen Prozess zu analysieren. Zum einen war es schwer möglich, den Ursprungszustand genau zu definieren. Zum anderen fiel es auch sehr schwer, die zur Evolution führenden Faktoren genauer auf Reversibilität abzutasten, weil man eben diese Faktoren nicht genau kennt.

Der evolutionäre Vorteil

Wie es sich mit der Reversibilität der Evolution auf molekularer Ebene verhält, beschreiben nun US-Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature. In ihrem Paper (http://dx.doi.org/10.1038/nature08249) untersuchen sie zwar nur einen winzigen Ausschnitt – doch der soll sich sehr gut verallgemeinern lassen. Die Wissenschaftler befassen sich mit den von den Wirbeltieren herausgebildeten Rezeptoren für Glucocorticoide, das sind Hormone, die in der Nebennierenrinde erzeugt werden und unter anderem den Stoffwechsel, das Nervensystem und das Herz-Kreislauf-System beeinflussen.

Die Rezeptoren dafür sind über Millionen von Jahren von Art zu Art effizienter und gleichzeitig spezifischer geworden und haben dabei auch neue Funktionen hinzugewonnen. Die Untersuchungen förderten eine Kette von fünf aufeinander folgenden Mutationen ans Tageslicht, die den Rezeptor jeweils ein Stück weit optimierten. Gleichzeitig destabilisierten sich dabei allerdings Elemente der Eiweißstruktur, die für das Funktionieren in der ursprünglichen Weise notwendig sind. Wollte die Evolution den ursprünglichen Zustand wieder herstellen, müsste sie erst diese Änderungen rückgängig machen.

Das Problem besteht nur darin, dass beim Rückgängigmachen jeder einzelnen Änderung noch kein evolutionärer Vorteil entsteht – obwohl genau dies die Voraussetzung für Evolution überhaupt ist. Es müsste also zunächst eine Kette von fünf zufälligen, für den Träger nicht vorteilhaften (aber auch nicht nachteiligen) Mutationen ablaufen, bevor sich die evolutionäre Änderung tatsächlich positiv auswirken kann. Eine solche Kette ist zwar nicht unmöglich, die Forscher halten sie aber zu Recht für sehr unwahrscheinlich. Mutter Natur denkt sich also besser jedes Mal einen neuen Weg zur Anpassung an geänderte Bedingungen aus.

Quelle : http://www.heise.de/tp/
Titel: Re: Die Evolution ist unumkehrbar - Welche Wege geht die Natur?
Beitrag von: Jürgen am 01 Oktober, 2009, 01:12
Es kommt nicht gerade selten vor, dass bei'm Menschen Missbildungen uralte und normalerweise nicht mehr aktive Erbanlagen zutage fördern.
Danach hängt's von allerlei Faktoren ab, nicht nur von genetischen, ob sich das wiederaufgetauchte Merkmal hält oder sogar langfristig durchsetzt.

So scheint mir, dass Verstand zunehmend durch Gier ersetzt wird, Herz durch Hass, Wissen durch Aberglaube.

Aber auch das äussere Erscheinungsbild des Menschen kennt durchaus Varianten, die eher an Vorformen wie den CroMagnon-Menschen als den homo sapiens erinnert. Und gerade die Dumpfbacken und Vollhorste sind es ja, die über eine besonders hohe Fortpflanzungsneigung verfügen.

Es gibt viele Wege zurück.
Bloss, will man das wirklich???

Jürgen
Titel: Künstliche Intelligenz als Gefahr: Menschheit muss sich auf Regeln einigen
Beitrag von: SiLæncer am 15 Juni, 2018, 19:53
KI-Entscheidungen haben immer stärkere Auswirkungen auf das menschliche Leben. Daher braucht es dringend Regeln – eine Chance für Europa, Vorreiter zu werden.

Experten für künstliche Intelligenz haben auf der Cebit die Risiken und Herausforderungen von Machine Learning thematisiert. Ein fundamentales Problem liegt demnach in der Qualität der Daten, die für das Training von neuronalen Netzwerken verwendet werden. Es gebe nicht genügend nutzbare, also ausreichend verschlagwortete Datensätze, wie Professor Christian Bauckhage vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) erklärte. Überdies seien neuronale Netzwerke eine Art "Black Box" – das Nachvollziehen von Berechnungen, die zu einer Entscheidungsfindung führen, sei überaus schwierig, wenn auch nicht unmöglich.

Der ganze Artikel (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-als-Gefahr-Menschheit-muss-sich-auf-Regeln-einigen-4077950.html)

Quelle : www.heise.de